E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.8 - Erholung, Freizeit, Sport

E 3.8.01

Wachsende Freizeit- und Erholungsansprüche bestimmen die Anforderungen an die Wohnumfeldqualität, und zwar sowohl in Bezug auf die infrastrukturelle Ausstattung als auch hinsichtlich der nutzbaren Erholungslandschaft bzw. der für die Erholung nutzbaren Grünflächen. Aus diesem Grund ist es unabhängig von der Zuweisung der „Standorte mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Erholung bzw. Fremdenverkehr“ auf der Ebene der Regionalplanung Aufgabe der Städte und Gemeinden, die Einrichtungen und Anlagen für die Erholungs- und Sportnutzung zu sichern und soweit erforderlich bedarfsgerecht auszubauen.

Insbesondere bei der städtebaulichen Entwicklung größerer Siedlungsbereiche sollte die Erhaltung und Entwicklung eines vernetzten Freiflächensystems (öffentliche Grünflächen, Kleingärten, kleinere Wiesen und Weiden, Grünverbindungen und Grünzüge usw.) besondere Berücksichtigung finden. Hierbei dienen Grünzüge und Grünverbindungen einer Vernetzung der Grünräume innerhalb der Siedlungsbereiche und mit der freien Landschaft. Sie stellen gleichzeitig Wegebeziehungen in den Siedlungsbereichen her, die in ihrer Erholungsqualität für Fußgänger und Radfahrer ebenso wie in ihrer ökologischen Qualität zu schützen und weiterzuentwickeln sind. Bedeutende Grünzüge bestehen in der Region z.B. vom Ortszentrum der Stadt Bad Nenndorf durch den Kurpark bis zur Cecilienhöhe im Deister oder von der Altstadt Bückeburgs durch den Schlosspark bis zum Bereich der „Hofwiesen“ (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-42).


E 3.8.02

Erholung findet nicht nur in der freien Landschaft statt, sondern auch innerhalb der Ortschaften. Der dauerhafte Erhalt des Erholungswertes von Natur und Landschaft für die erholungssuchende Bevölkerung und für künftige Generationen erfordert daher - neben der vorsorgenden Flächensicherung (siehe D 3.8.04) - auch die räumliche Vernetzung von siedlungsbezogenen Freiflächen, die für Erholungszwecke geeignet sind oder als solche entwickelt werden können, mit größeren Landschaftsräumen, die auch Erholungsfunktionen haben. Solche sind z.B. die zusammenhängenden Waldgebiete im Planungsraum oder strukturreiche, landwirtschaftlich genutzte offene Landschaften.
(Vgl. LROP Nds. 1994, S. 185.)

Um die Erholungsgebiete von den Belastungen durch den motorisierten Individualverkehr freizuhalten, ist ein attraktives Angebot für umweltgerechte Fortbewegung vor allem für Fußgänger, Wanderer und Radfahrer sicherzustellen. Dazu bedarf es auch des weiteren Ausbaues eines Rad- und Wanderwegenetzes, das mit den Wegenetzen in den Siedlungsbereichen verknüpft wird. Der land- und forstwirtschaftliche Wegebau ist dabei so weit wie möglich auch auf Erholungsfunktionen auszurichten.

 E 3.8.03

In der Zeichnerischen Darstellung werden im Umland der Siedlungsbereiche, insbesondere im Umland der Mittelzentren, großflächige Vorsorgegebiete für Erholung sowie Vorranggebiete für ruhige Erholung in Natur und Landschaft festgesetzt, um die Voraussetzungen für die Naherholung und die naturbezogenen Sportarten zu sichern (siehe weitere Erläuterungen E 3.8.04).
Das bestehende Naherholungsangebot (z.B. das Rad- und Fußwegenetz) ist in seinem Bestand zu erhalten und umweltverträglich weiterzuentwickeln. Die Anbindung der (Nah-) Erholungsgebiete an das innerörtliche Grün- und Freiflächensystem ist besonders zu berücksichtigen (siehe E 3.8.02).

Erläuterungen zu einer umwelt- und sozialgerechten Entwicklung der Erholungs- und Freizeitnutzung sind in E 3.1.10 und E 3.8.07 bis E 3.8.09 angeführt.


E 3.8.04

Mit zunehmender Freizeit, wachsendem Wohlstand und höherer Mobilität breiter Bevölkerungsgruppen gewinnen die Erholung und außerhäusliche Freizeitgestaltung als raumrelevante Nutzung an Bedeutung. Hierbei kommt der „freien Landschaft“ für die Erholungs- und Freizeitaktivitäten eine wichtige Funktion zu. Die Vielfalt und Schönheit der Landschaft des Landkreises Schaumburg stellen günstige Voraussetzungen für die landschaftsbezogene Erholung dar, die nicht nur den Bewohnern des Landkreises selbst zugute kommen, sondern gleichzeitig das Potenzial für den Tourismus bilden. Es ist daher Aufgabe der vorsorgenden Raumordnung, in allen Räumen, sowohl im engeren Siedlungsbereich als auch im weiteren Umland Erholungsräume zu sichern und funktional so zu entwickeln, dass sie in ihrem Erholungswert für die Bevölkerung dauerhaft erhalten bleiben. Etwa zwei Drittel des Kreisgebietes liegen in den Naturparks Steinhuder Meer und Weserbergland-Schaumburg-Hameln; dies allein drückt schon den besonderen Stellenwert der Erholungsfunktion der Landschaft in der Region aus.

Die zunehmende Überlagerung und zum Teil gegenseitige Beeinträchtigung von erholungs-, sport-, und tourismusbezogenen Nutzungen erfordern aber gleichzeitig eine gezielte räumliche Ordnung der damit verbundenen unterschiedlichen Anforderungen an Freiflächen, Naturraumqualitäten und Standorten für Einrichtungen sowie eine vorsorgende, Nutzungskonflikte vermeidende und Beeinträchtigungen minimierende Regelung entgegenstehender Raumnutzungsansprüche aus anderen Bereichen, wie z.B. der Rohstoffgewinnung, vom Umwelt- und Naturschutz oder der Landwirtschaft. (Vgl. LROP Nds. 1994, S. 185.)

Deshalb werden in diesem RROP örtliche, regionale und überregionale Nutzungsansprüche abgewogen und untereinander nicht verträgliche Erholungs-, Freizeit - und Sportnutzungen vorsorgend durch Nutzungsvorränge, durch räumliche Trennung und standörtliche Konzentration auf Bereiche besonderer Eignung und Nutzungsverträglichkeit geregelt.

Die Erholungsräume, die aus landesweiter Sicht für eine Darstellung als „Vorsorgegebiet für Erholung“ im RROP in Betracht kommen, sind in der Beikarte 5 des LROP dargestellt. Bei diesen Erholungsräumen von landesweiter Bedeutung handelt es sich hauptsächlich um weite Bereiche des Naturparks Weserbergland-Schaumburg-Hameln und den Flächenanteil des Landkreises Schaumburg am Naturpark Steinhuder Meer, den Schaumburger Wald sowie den Bereich zwischen Auhagen und Lindhorst (Klosterforst und Rodenberger Aue). Ausschlaggebend für die Darstellung in der Beikarte 5 des LROP Nds. waren die landschaftliche Vielfalt, Schönheit und Eigenart, die aktuelle und potenzielle Eignung für verschiedene Erholungsaktivitäten, die kultur- und naturgeschichtliche Bedeutung und die aktuelle Naherholungs- und Tourismusbedeutung. Bei der näheren Abgrenzung, Konkretisierung und Ergänzung in der Zeichnerischen Darstellung des RROP sind

  • die Aussagen des Vorentwurfes des Landschaftsrahmenplanes vom Juli 2000 zur Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes sowie zur Wichtigkeit einzelner Gebiete für die Erholung,
  • die Aussagen der Waldfunktionenkarten Niedersachsen zu den Wäldern der Region mit besonderer Erholungsfunktion (vgl. ML (verschiedene Jahrgänge)) und
  • die Aussagen des „Entwicklungsplans Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln“ zur Zonierung der Erholungsnutzung (vgl. Büro Sollmann (1983))

berücksichtigt worden.

In der Zeichnerischen Darstellung sind drei unterschiedliche flächenhafte Raumordnungskategorien für die Erholungsfunktion festgelegt:

  • Vorsorgegebiet für Erholung,
  • Vorranggebiet für ruhige Erholung in Natur und Landschaft,
  • Vorranggebiet für Erholung mit starker Inanspruchnahme durch die Bevölkerung.

Vorsorgegebiete für Erholung

Als Vorsorgegebiete für Erholung sind diejenigen Gebiete festgelegt, die aufgrund ihres besonders attraktiven Landschaftsbildes und ihrer Eignung für die Erholungsnutzung bzw. der aktuellen Bedeutung für Naherholung und Fremdenverkehr gegenüber den übrigen Gebieten des Landkreises hervortreten. Da die Gebiete aufgrund ihrer natürlichen Eignung und ihres landschaftlichen Wertes ausgewählt wurden, müssen bestehende oder geplante Erholungsnutzungen innerhalb der Vorsorgegebiete für Erholung vor allem auch die ökologischen und landschaftlichen Empfindlichkeiten berücksichtigen. Der Erholungswert von Natur und Landschaft ist in diesen Gebieten dauerhaft zu erhalten.

In Vorsorgegebieten für Erholung, die mit Vorranggebieten für Natur und Landschaft aufgrund ihrer besonderen Attraktivität für das Naturerleben überlagert werden, ist ein Ausbau der Erholungsinfrastruktur nur vorzusehen, um Maßnahmen zur Besucherlenkung und -information zu realisieren. Die Überlagerung ermöglicht ausschließlich eine den Naturschutzinteressen angepasste Erholungsnutzung.

Bei der Überlagerung von Vorsorgegebieten für Erholung mit Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, etc. wird davon ausgegangen, dass gegenwärtige Erholungsaktivitäten im Rahmen der allgemeinen ruhigen Erholung in Natur und Landschaft (Radfahren, Wandern, Spazieren gehen etc.) in der Regel die anderen bezeichneten Nutzungsansprüche nicht stören. Bei einer Intensivierung und einem Ausbau der Erholungsnutzung (Anlage von Infrastruktureinrichtungen, Wegen, Parkplätzen, Rastplätzen etc.) ist jedoch darauf zu achten, dass die bestehenden rechtmäßigen Nutzungen nicht beeinträchtigt bzw. eingeschränkt werden.

Vorranggebiete für ruhige Erholung in Natur und Landschaft

Diese Gebiete sind wegen ihrer landschaftlichen Attraktivität für die naturbezogene, ruhige Erholung besonders wertvoll und verfügen aufgrund der Nähe zu größeren Städten bzw. Siedlungsbereichen oder der Funktion zur Linienerschließung von größeren Erholungsgebieten und Erholungszielpunkten für z.B. Spaziergänger, Wanderer und Jogger bereits über eine sehr große Bedeutung für die Erholung, das heißt, sie werden bereits heute regelmäßig und stark bis sehr stark besucht. Mit Rücksicht auf eine stärkere Nutzungsentflechtung gegenüber der Landwirtschaft beschränkt sich die Festlegung der Vorranggebiete für ruhige Erholung in Natur und Landschaft auf die Waldgebiete. Weite Bereiche des Wesergebirges und Teile des Deisters sind trotz ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung in der Zeichnerischen Darstellung nicht als Vorranggebiete für ruhige Erholung festgelegt, da eine Überschneidung mit den hier großflächig ausgewiesenen Vorranggebieten für Natur und Landschaft nicht zulässig ist.

Die festgelegten Vorranggebiete für ruhige Erholung in Natur und Landschaft sollen unter Einbezug der Forstwirtschaft für „naturverträgliche“ Erholungsformen wie Wandern, Spazieren gehen, Naturerleben und -beobachten, sowie bei entsprechender Lenkung auch Radfahren und Reiten gesichert und entwickelt werden. Diese Erholungsformen zeichnen sich durch geringe Ansprüche an Infrastruktur und technische Ausstattung aus, da Ruhe und Schönheit der Landschaft ihre wesentliche Grundlage bilden. Eine ggf. erforderliche Besucherlenkung lässt sich durch Wanderparkplätze und Rastplätze an geeigneten Standorten und eine ausgeschilderte Wander-, Rad- und Reitwegeführung unter Umgehung empfindlicher Ökosysteme weitgehend realisieren.

Um in den Vorranggebieten für ruhige Erholung ein ungestörtes Naturerleben langfristig sicherzustellen, sollen in diesen Gebieten private eigengenutzte Erholungseinrichtungen wie Wochenendhäuser oder Campingplätze nicht errichtet werden. Ferner sollten diese keinen großen Lärmbelastungen von langer Dauer ausgesetzt werden.


E 3.8.05

Die Erholungseinrichtung Doktorsee (Stadt Rinteln) hat eine große Bedeutung für die Befriedigung von Erholungswünschen breiter Bevölkerungskreise. Im Jahr 1999 verzeichnete die Doktorsee GmbH – zusätzlich zu den Tagesgästen aus der Umgebung – mehr als 57.000 Übernachtungen durch Feriengäste und 167.000 Übernachtungen durch Dauergäste. Aufgrund seiner überregionalen Bedeutung ist der Bereich des Doktorsees in der Zeichnerischen Darstellung als regional bedeutsamer Erholungsschwerpunkt festgelegt.

Ein ca. 15 ha großer Teilbereich des Steinbruches Steinbergen soll dauerhaft als Freizeitpark genutzt werden, in dem kulturelle Einrichtungen zum Thema „Stein“ u.a. in mehreren Themenpavillons angeboten werden. Ergänzt werden die Ausstellungsangebote durch den Aussichtspunkt „Jahrtausendblick“ im Kammbereich des Messingberges. Der äußerst verkehrsgünstige Standort des kulturellen Erlebnisparks „Jahrtausendblick Steinzeichen Steinbergen“ in der Nähe der BAB A2 und der B 83 ist in den Bauleitplänen der Stadt Rinteln, Samtgemeinde Eilsen und der Mitgliedsgemeinde Buchholz als Sondergebiet „Stein-Kulturpark“ ausgewiesen.

Die Schaumburger Steinbrüche GmbH beabsichtigt, den noch nicht vollständig hergestellten Erlebnispark, der ein registriertes dezentrales Projekt der EXPO 2000 war, auf der Grundlage der in den Bauleitplanverfahren vorgelegten Projektkonzeption weiterzuentwickeln und attraktiv zu gestalten.

Als regional bedeutsame Sportanlagen sind Festsetzungen von Flächen und Standorten möglich, die aufgrund ihrer Raumbeanspruchung, ihrer Auswirkungen auf die Umwelt, ihrer Anziehungskraft auf Besucher und der damit verbundenen Auswirkungen auf die verkehrliche Erschließung, oder aufgrund ihres Einflusses auf andere empfindliche Nutzungen eine überörtliche Bedeutung haben.

Überörtliche Bedeutung für den Flugsport haben der Verkehrslandeplatz Rinteln und das Segelfluggelände Bückeburg-Weinberg. Bedeutung, gerade auch im Zusammenhang mit der Weser als überregional bedeutsamer Erholungsbereich, hat der Sportboothafen im Bereich des Doktorsees. Ebenfalls in seiner Funktion zu sichern und zu entwickeln ist der Sportboothafen in Pollhagen am Mittellandkanal. In der Zeichnerischen Darstellung sind der Verkehrslandeplatz Rinteln und die Sportboothäfen an der Weser und dem Mittellandkanal mit den Planzeichen Verkehrslandeplatz bzw. Sportboothäfen dargestellt. Diese Darstellungen schließen die Festlegung als regional bedeutsame Sportanlagen für den Flugsport bzw. Wassersport mit ein.
Der Sportboothafen Wilhelmsdorf (Stadt Wunstorf) am Mittellandkanal ist aufgrund der Nähe zum Landkreis Schaumburg in der Zeichnerischen Darstellung nachrichtlich dargestellt.

Für den Golfsport ist ein kürzlich auf 18 Löcher erweiterter Golfplatz in Obernkirchen vorhanden. Der Träger des Golfplatzes bemüht sich um die Ausrichtung überregionaler und auch internationaler Golfturniere.
Der Standort des „Golfplatzes am Harrl“ liegt auf dem Gebiet des Kurortes Bad Eilsen und der Stadt Bückeburg. Er ist bauleitplanerisch gesichert und in Bau.


E 3.8.06

Zur regionalplanerischen Festlegung der besonderen Entwicklungsaufgaben Erholung und Fremdenverkehr siehe die Ausführungen in E 1.5.07.


E 3.8.07

Das größte Potenzial einer landschafts- und naturbezogenen Erholungs- und Tourismusnutzung, wie sie im Landkreis Schaumburg praktiziert wird und ausgebaut werden soll, sind die natürlichen Gegebenheiten selbst. Daher sollte bei der Realisierung von Erholungs- und Freizeiteinrichtungen darauf geachtet werden, dieses Kapital bestmöglich vor Beeinträchtigungen zu schützen. Die Aktivitäten einer natur- und landschaftsverträglichen Erholungs- und Tourismusnutzung sollten sich an der Belastbarkeit der natürlichen Umgebung orientieren und dafür Sorge tragen, dass eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, gewachsene Siedlungsstrukturen und eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt erhalten bleiben. Schließlich ist bei der Planung von besonders besucher- und/oder flächenintensiven Einrichtungen auch die Belastung und Zumutbarkeit für die Bevölkerung zu berücksichtigen.

Eine umwelt- und sozialverträgliche Erholungs- und Tourismusnutzung sollte folgende Grundsätze beachten:

  • In ökologisch besonders sensiblen Bereichen soll keine Erholungs- und Freizeitnutzung stattfinden. In empfindlichen Lebensräumen soll durch Besucherlenkung und -information eine verträgliche Nutzung gewährleistet werden. Die Ausübung störender Erholungs- und Freizeitaktivitäten sollte erforderlichenfalls ganzjährig oder zu bestimmten Zeiten untersagt werden.

  • Um zum einen sicherzustellen, dass Erholungs-, Freizeit- und Sporteinrichtungen durch die Besucher gut erreichbar sind und unnötige Verkehre vermieden werden und zum anderen zu gewährleisten, dass die ortsansässige Bevölkerung von den Einrichtungen in vollem Umfang profitieren kann, sollten diese Anlagen (z.B. Schwimmbäder, Minigolfplätze, größere Spielplätze, Trimm-Dich-Pfade) möglichst in Anbindung an bestehende grund- bzw. mittelzentrale Standorte bzw. die Standorte mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Erholung und Fremdenverkehr realisiert werden.

  • Um Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft möglichst gering zu halten, soll ein Ausbau bzw. eine Erweiterung des Erholungs- und Freizeitangebotes nach Möglichkeit an bereits vorhandenen Standorten oder dort, wo diese Einrichtungen unter landschaftsästhetischen Aspekten eine Aufwertung des Gebietes bedeuten (z.B. Bodenabbauflächen), stattfinden.

Weitere Erläuterungen zur Entwicklung eines umwelt- und sozialverträglichen „sanften Tourismus“ siehe E 3.1.07 (Allgemeine Entwicklungen im Tourismus).


E 3.8.08

Publikumsintensive Sport- und kulturelle Freizeitveranstaltungen sollten möglichst auf die hierfür vorgesehenen Anlagen und Einrichtungen bzw. auf die aufgrund besonderer Infrastruktur hierfür gut geeigneten Standorte konzentriert werden. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf die verkehrliche Erschließung zu richten, die sicherstellen soll, dass die Umweltbelastungen, insbesondere Lärmbelastungen durch den an- und abreisenden Kfz-Verkehr minimiert und zugleich eine gute Erreichbarkeit durch die Bevölkerung auch außerhalb des motorisierten Individualverkehrs gewährleistet werden. Die freie Landschaft ist in der Regel von entsprechenden Veranstaltungen auszunehmen, ein ausreichender Abstand zu Natur- und Landschaftsschutzgebieten ist grundsätzlich einzuhalten.


E 3.8.09

Gewässer und ihre Randbereiche haben im Allgemeinen eine besonders hohe Freizeitqualität und Anziehungskraft auf Erholungssuchende. Soweit nicht öffentliche Interessen, insbesondere naturschutzfachliche Ziele dem entgegenstehen, sollte darauf hingewirkt werden, die Zugänglichkeit der Gewässerufer für Erholungssuchende zu gewährleisten.

Weil Wege entlang von Fließgewässern und ihren Niederungen von Fahrradfahrern und Fußgängern besonders gut angenommen werden, sollte das bestehende Wegenetz in diesen Bereichen ergänzt werden. Da jedoch gerade die Uferbereiche auch wichtige Biotopfunktionen erfüllen, ist dabei im Einzelfall zu überprüfen, ob die Erholungsnutzung teilweise auf bestimmte Bereiche (z.B. punktartige Erschließung über Brücken und geeignete Zielpunkte wie Mühlen, Eisenhämmer und Wehre) oder eventuell bestimmte Zeiträume (z.B. keine Nutzung während der Brutzeit) beschränkt werden muss.

Motorbootsport, aber auch nicht motorgetriebenes Bootswandern (Rudern, Paddeln und Kanufahren) findet in der Region vorwiegend auf der Weser und dem Mittellandkanal statt. Deren Nutzung erfolgt auf der Basis des Bundeswasserstraßengesetzes, welches das Befahren grundsätzlich regelt. Die anderen Fließgewässer im Landkreis Schaumburg sind für den Wassersport aus Gründen der unzureichenden bzw. instabilen Wasserführung, der vorhandenen Wehre und in Abgrenzung zu Belangen des Natur- und Gewässerschutzes für derartige Nutzungen wenig geeignet.
 Im Landkreis Schaumburg werden der Doktorsee, der westliche Teich des Gevatterseengebietes und der Helenensee für wassersportliche Aktivitäten genutzt. Allgemein zugängliche Badestellen bestehen am Doktorsee und dem Gevattersee, der Helenensee ist nur den Besuchern des dortigen Campingplatzes vorbehalten. Vor dem Hintergrund des Freizeitwertes von Gewässern und der steigenden Nachfrage nach wassergebundenen Erholungsformen sollte geprüft werden, ob nicht im Einzelfall Wasser- und Uferflächen von Bodenabbauprojekten für eine Nachnutzung als Badegewässer oder auch für andere wassersportliche Nutzungen in Frage kommen. Zu der erforderlichen Einzelfallprüfung gehören z.B. die vorhandene bzw. zu erwartende Wasserqualität und die Verkehrsanbindung. Zudem ist eine Abstimmung mit den übrigen Nutzungsansprüchen, vor allem mit den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, erforderlich.


E 3.8.10

Das Konzept der Fahrradwanderwege im Landkreises Schaumburg sieht einen hierarchischen Aufbau hinsichtlich des Erschließungsgrads nach dem „Baukastensystem“ vor.

Die erste Ebene stellen die Radwanderwege auf Gemeindeebene dar, die als Rundtouren konzipiert sind und dem lokalen Ausflugs- und Freizeittourismus dienen. Diese Touren verlaufen in Streckenabschnitten auch auf den regionalen Radwanderwegen (siehe unten) und sind somit mit diesen verbunden:
Die Tour „Genussradeln im Schaumburger Land“ verbindet drei Schaumburger Top-Restaurants miteinander. Bei dem thematischen Routenvorschlag „Park & Garten“ sind private wie auch öffentliche Gärten zur Besichtigung miteinander verbunden. Ferner sind bis Ende 2002 die thematischen Touren „Schlösser und Herrensitze“, „Auf den Spuren von Wilhelm-Busch“, „Fürstenroute“ und „Schaumburger Industriegeschichte“ eingerichtet worden.
Die Einrichtung weiterer thematischer Touren auf Landkreisebene ist vorgesehen.

Des Weiteren haben die Städte Rinteln und Bückeburg sowie die Samtgemeinde Nenndorf auf lokaler Ebene Routenführungen ausgearbeitet und in Detailkarten veröffentlicht.

Auf der zweiten Ebene – der Landkreisebene - dienen fünf regionale Radwanderrouten der Erschließung des Planungsraumes:

(Minden) – Bückeburg – Schaumburger Wald – Steinhuder Meer (sog. „Fürstenroute“)
(Minden) – Bückeburg – Obernkirchen – Stadthagen - Bad Nenndorf – (Hannover)
(Minden) – Bückeburg – Auetal – Bad Nenndorf (-Hannover)
(Minden) – Bückeburg – Bad Eilsen – Rinteln – Radfernweg Weser - (Hameln)
(Hameln – Bad Münder -) Rodenberger Aue – (Steinhude - Loccum)

Die regional bedeutsamen Radwanderwege vernetzen die Erholungsgebiete des Planungsraumes unter Anbindung touristischer Ziele. Ferner sind sie, sofern sie diese nicht ohnehin tangieren, durch Stichverbindungen mit den Bahnhöfen im Landkreis verknüpft. Anschlüsse an die regionalen und überregionalen Radwanderwege in den umliegenden Landkreisen sind ebenfalls berücksichtigt. Zur Erleichterung der Orientierung wird regionsübergreifend eine einheitliche Radwegebeschilderung angestrebt.

Zur Steigerung der fahrradbezogenen Freizeitaktivitäten der Bevölkerung und der Bedeutung des Landkreises als Fahrradtourismus-Region sind radwanderbedarfsgerechte Konzepte erforderlich. Diese sollten sowohl geeignete Standorte für eine auf die spezifischen Bedürfnisse von Radwanderern ausgerichtete Infrastruktur (Fahrradreparaturmöglichkeiten, Unterstellmöglichkeiten, Picknick- und Grillplätze etc.) aufzeigen, als auch ein radwanderergänzendes Freizeitprogramm wie z.B. Museumsbesuche, Übernachtungsmöglichkeiten etc. beinhalten.

Für die Freizeit- und Erholungsbedürfnisse von Reitern ist der den Planungsraum durchlaufende Fernreitweg Deutscher Reiterpfad Nr. 1 in der Zeichnerischen Darstellung festgelegt.

Als regional bedeutsame Wanderwege sind der Europäische Fernwanderweg Nordsee - Mittelmeer und der Internationale Fernwanderweg Niederlande - Harz festgelegt.

Bei der touristischen Erschließung der Reit- und Wanderwege soll - wie bei den Radwegen (siehe oben) - eine einheitliche Beschilderung mit hohem Wiedererkennungswert erreicht werden. Diese verbessert die Übersichtlichkeit und Orientierung und erhöht die Lenkungsmöglichkeiten der Erholungssuchenden.