D2 - Schutz, Pflege und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

D 2.1 - Naturschutz und Landschaftspflege

C 2.1.01 (LROP)

Für den Naturhaushalt, die Tier- und Pflanzenwelt und das Landschaftsbild besonders wertvolle Gebiete und Landschaftsbestandteile sind durch Abwendung von Beeinträchtigungen, ggf. naturschutzrechtliche Sicherung und - soweit erforderlich - durch Pflege zu erhalten, zu entwickeln oder zu nutzen.

D 2.1.01

Die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen durch einen funktionsfähigen Naturhaushalt ist in allen besiedelten und unbesiedelten Bereichen des Landkreises anzustreben. Tier- und Pflanzenarten sowie die von ihnen gebildeten Lebensgemeinschaften sind in ihrem Bestand und ihrer Funktionsfähigkeit auf Dauer zu sichern und zu entwickeln. Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind grundsätzlich so gering wie möglich zu halten.

Überregional und regional besonders wertvolle Gebiete und Landschaftsbestandteile, welche des besonderen Schutzes, der Pflege und Entwicklung bedürfen, sind insbesondere die in der Zeichnerischen Darstellung festgelegten Vorrang- und Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft.

C 2.1.02 (LROP)

Zur langfristigen Sicherung der Überlebensbedingungen der Pflanzen- und Tierwelt in ausreichender Artenvielfalt und Individuenzahl ist ein landesweiter Biotopverbund aufzubauen. Darin sind wertvolle - insbesondere akut in ihrem Bestand bedrohte - naturbetonte Gebiete in ausreichender Größe und Verteilung zu erhalten, zu schützen und zu entwickeln sowie untereinander durch ein System nicht oder nur extensiv genutzter Flächen zu verbinden.

D 2.1.02

Aufbauend auf die Vorrang- und Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft sowie die Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes ist in der Region ein regionales Biotopverbundsystem mit ökologisch bedeutsamen Kernbereichen und vernetzenden Verbundstrukturen zu entwickeln.

Als großräumige vernetzende Elemente dieses Verbundsystems sind die Fließgewässer und ihre Auen besonders zu schützen und in ihrer ökologischen Qualität zu verbessern (siehe auch D 2.3.03 und D 2.3.04). Vorrangig ist eine Extensivierung und ökologische Entwicklung in den Fließgewässerauen Rodenberger Aue, Bückeburger Aue und Exter anzustreben.

Kleinräumige Vernetzungen sind durch die Entwicklung und Neuanlage von Hecken, Säumen, Feldrainen, Feldgehölzen und sonstigen Gehölzstrukturen in ausgeräumten Landschaftsteilen sowie durch die Einrichtung von Acker- und Gewässerrandstreifen zu fördern.

Die Ansprüche und Möglichkeiten einer ordnungsgemäßen Land- und Forstwirtschaft sind dabei besonders zu berücksichtigen. Zur Umsetzung sollen entsprechende Förderprogramme, freiwillige Vereinbarungen zwischen Naturschutz, Wasser-, Land- und Forstwirtschaft sowie Renaturierungs- und Pflegekonzepte als auch Bewirtschaftungs- und Unterhaltungsrahmenpläne der Wasserwirtschaft genutzt werden.

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind nach Möglichkeit in Schwerpunkträumen (Flächenpools) zu bündeln und sollen – soweit fachlich und rechtlich möglich – unter Berücksichtigung raumordnerischer Ziele in überörtliche Planungen zur Sicherung und Entwicklung von Natur und Landschaft wie z.B. in den regionalen Biotopverbund eingebunden werden.

C 2.1.03 (LROP)

Extensive Nutzungsformen, ungenutzte Flächen und besondere Landschaftsbestandteile sowie kleinräumige Differenzierungen des Landschaftsbildes sind auch im Rahmen einer ordnungsgemäßen Land- und Forstwirtschaft zu erhalten oder zu entwickeln.

C 2.1.04 (LROP)

Bei der Planung von wesentlichen raumbeanspruchenden Nutzungen - insbesondere von Verkehrswegen, größeren Siedlungsgebieten, gewerblichen und Energieversorgungsanlagen - im Außenbereich sind

  • möglichst große unzerschnittene und von Lärm unbeeinträchtigte Räume zu erhalten
  • naturbetonte Bereiche auszusparen
  • die Flächenansprüche und die über die direkt beanspruchte Fläche hinausgehenden Auswirkungen der Nutzung zu minimieren.

D 2.1.04

Insbesondere die folgenden Gebiete sind vor weiteren Beeinträchtigungen wie Zerschneidung durch Verkehrswege, Freileitungen und der Ansiedlung lärmemittierender oder anderweitig beeinträchtigender Betriebe im Außenbereich zu schützen:

  • Lipper Bergland südöstlich von Exten (Rumbecker Berg und Umgebung),
  • Süntelausläufer und nördliches Süntelvorland südlich der A 2, von Rannenberg (L 434) im Westen bis Messenkamp (B 442) im Osten,
  • Bückeberge mit nördlichen und südlichen Hangbereichen zwischen Stadthagen (B 65), Rehren (A 2), Obernkirchen (L 442) und Rodenberg (B 442),
  • Deister mit Westhang bis zur A2 und L 420 (bei Lauenau und Messenkamp),
  • Schaumburger Wald und Rehburger Berge zwischen Cammer und Wiedenbrügge einschließlich der Reekewiesen sowie der Wiesenbach- und Feldrieheniederung bei Pollhagen.

C 2.1.05 (LROP)

Geschädigte und an naturnaher Substanz verarmte Gebiete und ausgeräumte Landschaften sind zu gestalten und so zu entwickeln, daß ihr Naturhaushalt wieder funktionsfähig wird. Entsprechende Gebiete sind in den Regionalen Raumordnungsprogrammen festzulegen.
 In Gebieten mit Biotop- und Artenarmut ist im Interesse der Artenvielfalt auf eine besondere Pflege und Entwicklung der Landschaft hinzuwirken. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür sind die Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und die Sicherung bzw. Wiederherstellung eines Systems miteinander in Verbindung stehender Biotope.

D 2.1.05

In der Zeichnerischen Darstellung sind Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes festgelegt.

C 2.1.06 (LROP)

Für den Naturschutz wertvolle Bereiche sind insbesondere dort zu entwickeln, wo sich Möglichkeiten dafür im Zusammenhang mit Nutzungsänderungen und landschaftsverändernden Maßnahmen bieten.

C 2.1.07 (LROP)

Sofern Gebiete nicht mehr landwirtschaftlich, durch Bodenabbau oder sonstige Inanspruchnahme genutzt werden, ist sicherzustellen, daß darin Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt geschaffen werden. Dies gilt insbesondere für die Bodenabbaugebiete und Truppenübungsplätze.
Die Schaffung entsprechender Lebensräume schließt eine extensive Bewirtschaftung nicht aus.

D 2.1.07

Geeignete Gebiete, deren Nutzung durch Beendigung oder Aufgabe des Bodenabbaus, der Landwirtschaft oder sonstiger Inanspruchnahme entfällt, sind als Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt naturraumtypisch und unter landschaftspflegerischen Gesichtspunkten zu entwickeln.

Für eine gezielte Biotopentwicklung sind vorrangig Böden mit extremen Standorteigenschaften, insbesondere grund- oder stauwasserbeeinflusste oder extrem flachgründige, felsige und trockene Bereiche zu nutzen. Grundsätzlich ist dabei das natürliche Wiederbesiedlungs- und Entwicklungspotenzial zu berücksichtigen. Biotoplenkende Maßnahmen auf Böden mit besonderen Standorteigenschaften sollen die natürliche Entwicklung (Sukzession) nur im konkreten Einzelfall, z.B. bei der Wiedervernässung stark dränierter Niedermoorböden, beeinflussen.

C 2.1.08 (LROP)

Für halbnatürliche, durch extensive, standortabhängige Bewirtschaftungsformen entstandene Bereiche sind, soweit es für ihre Erhaltung erforderlich ist, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchzuführen, die die natürlichen Abläufe sichern sollen. Dazu gehören Maßnahmen der Erstinstandsetzung, der Dauerpflege und der Kontrolle der Schutzgebiete und Objekte.
 C 2.1.09 (LROP)

Die vorstehenden Ziele sind entsprechend den Gegebenheiten und Notwendigkeiten des jeweiligen Naturraumes in den Regionalen Raumordnungsprogrammen näher festzulegen.

D 2.1.09

Die raumordnerischen Ziele und Grundsätze für den Bereich Natur und Landschaft sind für den Planungsraum in der Beschreibenden Darstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms - insbesondere in D 1.7 und D 2.1 - sowie in der Zeichnerischen Darstellung festgelegt. Bei der Umsetzung der naturschutzfachlichen Ziele innerhalb der Naturräume „Weser-Aller-Flachland“, „Börden“ und „Weser- und Leinebergland“ sind analog D 1.7.01/03 - planungsraumbezogen - die Erfordernisse der einzelnen Landschaftseinheiten zugrunde zu legen.

C 2.1.10 (LROP)

Die Vorranggebiete für Natur und Landschaft sind in den Regionalen Raumordnungsprogrammen räumlich zu konkretisieren und um die jeweils notwendigen Pufferzonen zu ergänzen. Sie sind um die aus regionaler Sicht bedeutsamen Vorranggebiete zu ergänzen. Grundlage dafür sollte ein hinreichend aktueller Landschaftsrahmenplan sein.

D 2.1.10

Als Vorranggebiete für Natur und Landschaft festgelegt werden für den Naturschutz besonders wertvolle Gebiete, linienhafte Elemente und Kleinstrukturen. Diese Gebiete sind vor Beeinträchtigungen zu schützen, soweit erforderlich naturschutzrechtlich zu sichern und ggf. durch Pflege zu erhalten oder zu entwickeln.

C 2.1.11 (LROP)

Für die Festlegung von Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft in den Regionalen Raumordnungsprogrammen kommen die in der Beikarte 1 gekennzeichneten, aus der Sicht des Landes wertvollen Landschaftsteile sowie darüber hinaus weitere, aus regionaler Sicht wertvolle Landschaftsteile in Betracht. Grundlage dafür sollte ein hinreichend aktueller Landschaftsrahmenplan sein.

D 2.1.11

Als Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft festgelegt werden Gebiete und Landschaftsbestandteile, die aufgrund ihres vielfältigen, eigenartigen und schönen Landschaftsbildes, ihrer Funktionen für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder ihrer Bedeutung für die Erholungsnutzung als wertvoll einzustufen sind. Diese Gebiete sind möglichst vor Beeinträchtigungen zu schützen, soweit erforderlich naturschutzrechtlich zu sichern und ggf. durch Pflege zu erhalten oder zu entwickeln.