D 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

D 3.1 - Gewerbliche Wirtschaft und Fremdenverkehr

C 3.1.01 (LROP)

In allen Landesteilen ist darauf hinzuwirken, daß die vorhandenen Arbeitsstätten im produzierenden Gewerbe sowie im privaten und öffentlichen Dienstleistungsbereich gesichert, weiterentwickelt und durch neue ergänzt werden.
Die betrieblichen Arbeitsplatz-, Ausbildungs- und Weiterbildungsstrukturen sind zu sichern und weiter zu entwickeln. Der Qualifikationsstand ist weiter zu erhöhen. In den Betrieben sind familien- und frauengerechte Arbeitsplatz- und Arbeitszeitstrukturen besonders zu fördern. Durch geeignete Maßnahmen soll auf eine Erweiterung des Berufsspektrums von Frauen hingewirkt werden.

D 3.1.01

Der Bestand an Unternehmen ist zu sichern und durch Aktivierung des endogenen Entwicklungspotenzials sowie durch die Förderung von Existenzgründungen weiter auszubauen.

Bei der Bestandspflege und Neuansiedlung von Unternehmen ist auf den Erhalt mittelständischer Strukturen und der Branchenvielfalt zu achten.

C 3.1.02 (LROP)

Auf den Abbau wirtschaftsstruktureller und standortbedingter Schwächen der Wirtschaft ist - insbesondere in den Ländlichen Räumen - hinzuwirken. Wirtschaftsstrukturdefizite sind durch Ansiedlung neuer und ergänzender Betriebe zu mindern.
Standortdefizite sind soweit wie möglich durch standortspezifische Bündelung leistungsfähiger, wirtschaftsnaher Infrastruktur, insbesondere der Informations-, Kommunikations-, Transport- und Umwelttechnik, auszugleichen.

D 3.1.02

Zum Abbau wirtschaftsstruktureller und standortbedingter Schwächen der Wirtschaft ist der Ausbau des Forschungs- und Entwicklungsbereiches in den einzelnen Betrieben zu fördern. Dabei ist die Zusammenarbeit von Wirtschaftsbetrieben der Region mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen auch außerhalb des Planungsraumes zu unterstützen.

C 3.1.03 (LROP)

Regions- und standortspezifische Vorteile, wie

  • Lage am seeschifftiefen Fahrwasser
  • Lage an Schnittstellen überregionaler Verkehrssysteme
  • Nähe zu Großbetrieben mit umfangreichem und differenziertem Zulieferbedarf
  • Nähe zu Forschungseinrichtungen,

sind gezielt zu nutzen und zu sichern.

D 3.1.03

Der regions- und standortspezifische Vorteil des Landkreises durch die Lage an der Autobahn A 2 als Verkehrsachse europäischer Bedeutung ist für die gewerbliche Wirtschaft zu nutzen und zu sichern.

C 3.1.04 (LROP)

Lage und Umfang zusätzlicher gewerblicher Nutzungen sind an der Immissionsvorbelastung, den absehbaren und unvermeidbaren zusätzlichen Immissionsbelastungen sowie den Bedingungen der Emissionsausbreitung auszurichten. Aus Gründen des vorsorgenden Umweltschutzes und der Konfliktvermeidung können Nutzungsabstufungen oder Nutzungsbeschränkungen festgelegt werden. Die Wiederverwendung von Industrie- und Gewerbeflächen soll Vorrang vor der Erschließung neuer Gewerbe- und Industrieflächen haben.

C 3.1.05 (LROP)

Für die Ansiedlung neuer, die Erweiterung, Umstrukturierung und Verlagerung bestehender Arbeitsstätten im produzierenden Bereich sind geeignete Flächen, vorrangig in den Zentralen Orten der in Ziffer B 6.07 LROP I benannten Schwerpunkte bedarfsgerecht zu sichern.

Bei der Ausweisung von Flächen für gewerbliche Nutzungen ist die ökologische Belastbarkeit des jeweiligen Standortes und seines Umfeldes zu berücksichtigen.
Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung des Dienstleistungsbereichs sind dafür besonders geeignete Standorte und Flächen zu sichern.

D 3.1.05

Die Schwerpunktaufgabe der Sicherung und Entwicklung von Arbeitsstätten haben die Mittelzentren (vgl. LROP Nds., Teil I, B 6.07) sowie aufgrund ihrer regionalen Sondersituationen die Standorte OT Lauenau (Samtgemeinde Rodenberg) und OT Obernkirchen (Stadt Obernkirchen) (siehe auch D 1.5.03).

In den übrigen Städten und Gemeinden ist eine den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasste gewerbliche Entwicklung zu fördern.

C 3.1.06 (LROP)

[Auszug]

Vorranggebiete für industrielle Anlagen gemäß Ziffer B 8.01 LROP I werden in den Regionalen Raumordnungsprogrammen festgelegt.

C 3.1.07 (LROP)

Der Fremdenverkehr ist in seiner regionalwirtschaftlichen Bedeutung zu erhalten und in den Teilräumen zu stärken, die besondere Voraussetzungen für eine umwelt- und sozialverträgliche Intensivierung des Fremdenverkehrs bieten.

In den Teilräumen, in denen bereits Überlastungserscheinungen und Beeinträchtigungen der natürlichen Lebensgrundlagen und wertvoller Landschaftsteile bestehen oder zu befürchten sind, ist der Fremdenverkehr im Sinne eines sanften Tourismus so umweltverträglich umzustrukturieren, daß er als wirtschaftliche Erwerbsgrundlage und Einkommenserzielung für die Bevölkerung in der Region erhalten werden kann und der Schutz und die Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen berücksichtigt werden.

D 3.1.07

Der Tourismus ist auf der Grundlage der regionalen und lokalspezifischen touristischen Entwicklungspotenziale im Sinne des „sanften Tourismus“ weiter auszubauen.

Insbesondere

  • die abwechslungsreichen naturräumlichen Gegebenheiten und die vielfältige Kulturlandschaft, die mit ihrem Wegenetz gute Voraussetzungen für landschaftsbezogene Erholungsformen – vor allem dem Radwandern und Wandern – bieten,
  • die regionstypischen, kulturgeschichtlich attraktiven Dörfer, Städte und Sehenswürdigkeiten,
  • die Weserrenaissance als kunstgeschichtlich herausragender Baustil der Weserregion,
  • das regionaltypische Unterkunfts- und Gaststättengewerbe,
  • die Ausflugsschifffahrt auf der Weser und auf dem Mittellandkanal,
  • das bestehende Kur- und Bäderwesen in Bad Eilsen und Bad Nenndorf sowie
  • die in Norddeutschland einmalige Trachtenvielfalt, auch als Abbild der Schaumburger Identität

sind als wesentliche Tourismuspotenziale bedarfsgerecht und zielgruppenorientiert zu nutzen.

Dabei sind die vorhandenen freizeit- und tourismusrelevanten Infrastruktureinrichtungen qualitativ zu verbessern und zu ergänzen. Als Grundlage für entsprechende Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Infrastruktur und zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Tragfähigkeit sollen auf kommunaler und regionaler Ebene Entwicklungskonzepte aufgestellt werden.

Das Radwanderwegenetz als wichtiger Bestandteil der Erholungsinfrastruktur ist zu sichern, auszubauen und zu beschildern. Dieses gilt vorrangig für regional und überregional bedeutsame Routenführungen.
 Die Nutzung der touristischen Potenziale des ländlichen Raumes ist als wichtige außerlandwirtschaftliche Erwerbsquelle besonders zu unterstützen. Neben der Entwicklung von Angeboten zum „Urlaub auf dem Lande“ sind die Erweiterung von Angeboten für den Reitsport und die Vermarktung von regionalen landwirtschaftlichen Produkten in die Maßnahmen einzubeziehen.

Das bei der Schaumburger Landschaft e.V. vorhandene „Know-how“, insbesondere in den Bereichen Kulturförderung und Tourismus ist verstärkt in die touristischen Konzepte auf lokaler und regionaler Ebene einzubeziehen. Dazu ist die Schaumburger Landschaft e.V. in ihrer Eigenständigkeit zu stärken.

Zur Sicherung und Weiterentwicklung des bestehenden Kur- und Bäderwesens in Bad Eilsen und Bad Nenndorf ist die Entwicklung neuer touristischer Angebote im Bereich Gesundheit/„Fitness/Wellness“ anzustreben.

C 3.1.08 (LROP)

Für Standorte mit Fremdenverkehrsbedeutung, an denen Einrichtungen des Fremdenverkehrs schwerpunktmäßig gesichert und entwickelt werden sollen, ist gemäß Ziffer C 1.5.07 die besondere Entwicklungsaufgabe Fremdenverkehr in den Regionalen Raumordnungsprogrammen festzulegen.

D 3.1.08

Die besondere Entwicklungsaufgabe Fremdenverkehr haben die in D 1.5.07 festgelegten Standorte (OT Bückeburg, OT Stadthagen, OT Rinteln, Bad Eilsen, OT Bad Nenndorf, OT Hagenburg).

C 3.1.09 (LROP)

Fremdenverkehrseinrichtungen und sonstige fremdenverkehrsbezogene Freizeitprojekte sollen dazu beitragen, die Lebens- und Erwerbsbedingungen der ansässigen Bevölkerung zu verbessern, den Fremdenverkehr einer Region zu stärken und die traditionellen Formen des Fremdenverkehrs und des Städtetourismus zu ergänzen und zu beleben. Durch ihre Realisierung dürfen Landschaften nicht zersiedelt, historisch wertvolle Kulturlandschaften nicht beeinträchtigt, gewachsene Siedlungs- und Nutzungsstrukturen nicht wesentlich beeinträchtigt und der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und des Erholungswertes der Landschaft nicht gefährdet werden. Ihre räumliche und infrastrukturelle Anbindung an entsprechend  leistungsfähige Zentrale Orte ist anzustreben.

D 3.1.09

Anlagen für das Freizeitwohnen sollen nur entstehen, wo sie hinsichtlich ihrer Lage und Größe der sozioökonomischen Tragfähigkeit der Standortgemeinde und der benachbarten Kommunen entsprechen.

C 3.1.10 (LROP)

Touristische Großprojekte sind frühzeitig auf ihre Raum- und Umweltverträglichkeit zu prüfen und gegenüber örtlichen und regionalen Belangen der räumlichen Entwicklung abzuwägen. Die in Ziffer 09 genannten Voraussetzungen gelten entsprechend.

D 3.1.11

Durch vielfältige zielgruppenorientierte Programmangebote und eine Verbesserung des Standards der Tourismuseinrichtungen ist auf eine Verlängerung der Verweildauer auswärtiger Gäste, eine Belebung des Tourismus im Winterhalbjahr und somit eine Erhöhung der Gäste- und Übernachtungszahlen insgesamt hinzuwirken.

D 3.1.12

Die bestehenden lokalen und regionalen Kooperationen der touristischen Leistungsanbieter zur Bündelung der tourismusrelevanten Angebote und Aktivitäten sowie deren Vermarktung sind zu stärken und weiterzuentwickeln. Hierzu ist unter Nutzung der neuen Medien, insbesondere dem Internet, ein Informationsnetzwerk der Tourismusakteure aufzubauen.

Die überregionale Vermarktung der touristischen Angebote im Landkreis Schaumburg ist im Rahmen der bestehenden Landkreisgrenzen überschreitenden Kooperationen weiterzuführen. Darüber hinaus sind bei Bedarf weitere sach- und/oder teilregionsbezogene Kooperationen im Sinne des Tourismus- und Regionenmarketings anzustreben.