D 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

D 3.2 - Landwirtschaft

C 3.2.01 (LROP)

Die Landwirtschaft ist in allen Landesteilen als raumbedeutsamer und die Kulturlandschaft prägender Wirtschaftszweig zu erhalten und in ihrer sozio-ökonomischen Funktion zu sichern. Dabei ist eine flächengebundene, bäuerlich strukturierte Landwirtschaft, die wirtschaftlich effektiv und umweltgerecht produziert und eine artgerechte Nutztierhaltung betreibt, in besonderem Maße zu fördern. Sie hat Vorrang vor in anderen Formen ausgeübter Landwirtschaft.

D 3.2.01

Die Landwirtschaft ist als leistungs- und wettbewerbsfähiger Wirtschaftszweig und als wesentliche und landschaftsprägende Flächennutzung im Landkreis Schaumburg langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Unter Berücksichtigung der durch nationale und europäische Agrarpolitik bestimmten äußeren Rahmenbedingungen der Landwirtschaft, der spezifischen Standortfaktoren, Betriebs- und Produktionsstrukturen sowie der gesteigerten Umwelterfordernisse ist in der  Region eine flächengebundene, bäuerlich strukturierte Landwirtschaft zu fördern, die

  • den in der Landwirtschaft Beschäftigten bzw. der von ihr abhängigen Bevölkerung in allen Betriebsgruppen sozial und wirtschaftlich befriedigende Arbeits- und Lebensbedingungen bietet,

  • durch einen möglichst effizienten Einsatz der Produktionsfaktoren (vor allem Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngung, Pflanzenschutzmittel) umweltverträglich und standortgerecht Nahrungsmittel zur Versorgung der Bevölkerung produziert und
  • einen Beitrag zur Erhaltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Kulturlandschaft und zur weiteren Steigerung ihres Erholungswertes leistet,

  • durch sorgfältige Beachtung ökologischer Belange die Funktionsfähigkeit des Natur-, Wasser- und Bodenhaushaltes gewährleistet und die Erhaltung der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sichert; wobei ökologische Leistungen, die zu über die „ordnungsgemäße Landwirtschaft“ hinausgehenden Einschränkungen führen, in der Regel zu entschädigen sind,

  • unter Beachtung ordnungsgemäßer Bewirtschaftungsmethoden den umweltverträglichen Anbau von nachwachsenden Rohstoffen einführt bzw. ausweitet, soweit dafür die Markt- und Absatzbedingungen gegeben sind und

  • Erwerbskombinationen in landwirtschaftlichen Betrieben schafft, z.B. Angebote der Ferien- und Freizeitgestaltung oder Pflege von unter besonderem öffentlichen Schutz stehenden Landschaftsflächen.


C 3.2.02 (LROP)

Gebiete mit einer relativ hohen natürlichen Ertragsqualität des Bodens sind als Grundlage einer gesunden landwirtschaftlichen Produktion zu sichern. Sie sollen in ihrer Eignung und besonderen Bedeutung möglichst nicht beeinträchtigt werden.

In den Regionalen Raumordnungsprogrammen sind diese Gebiete als Vorsorgegebiete für Landwirtschaft festzulegen. Grundlage für die Festlegung derjenigen Gebiete, die für die räumliche und strukturelle Entwicklung des Landes besondere Bedeutung haben, ist die Beikarte 2.

In den Regionalen Raumordnungsprogrammen können weitere für die regionalen Planungsräume bedeutsame Gebiete festgelegt werden.

D 3.2.02

Flächen mit einer wertvollen natürlichen Bodenfruchtbarkeit sind in der Zeichnerischen Darstellung als „Vorsorgegebiete für Landwirtschaft aufgrund hohen, natürlichen, standortgebundenen landwirtschaftlichen Ertragspotenzials“ (hohes und mittleres Ertragspotenzial) festgelegt. Die Vorsorgegebiete sollen möglichst nicht für außerlandwirtschaftliche Maßnahmen in Anspruch genommen werden. Unter dem Gesichtspunkt des Bodenschutzes sollen sie weitestgehend einer werterhaltenden landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten bleiben.

C 3.2.03 (LROP)

In Gebieten, in denen die Landwirtschaft besondere Funktionen für den Naturhaushalt, die Landschaftspflege, die Erholung und die Gestaltung und Erhaltung des Ländlichen Raumes hat, sind diese landwirtschaftlichen Funktionen bei allen raumbeanspruchenden Planungen und Maßnahmen zu berücksichtigen, wenn möglich zu unterstützen und langfristig zu sichern.

Dies gilt insbesondere für die Grünlandwirtschaft in den Vorranggebieten und Vorsorgegebieten für Grünlandbewirtschaftung, -pflege und -entwicklung und für die landwirtschaftliche Nutzung im Randbereich von Ober- und Mittelzentren.

D 3.2.03

In Gebieten, in denen die Landwirtschaft zusätzliche Leistungen für

  • die Funktionen des Naturhaushaltes,
  • die Belange der Landschaftspflege,
  • die Anforderungen der Erholungsnutzung und
  • die Gestaltung und Erhaltung der ländlichen Räume

erbringt, sind die Voraussetzungen für eine entsprechende Bewirtschaftung zu erhalten und zu fördern.

Dem Grünlandrückgang ist aufgrund der Bedeutung der Grünlandnutzung als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, den Naturhaushalt, die Landschaftspflege und die Erholung entgegenzuwirken. Insbesondere in den

  • Vorranggebieten und Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft, sofern die Erhöhung des Grünlandanteiles den Zielen des Naturschutzes entspricht,

  • natürlichen Überschwemmungsgebieten der Fließgewässer und

  • erosionsgefährdeten Hanglagen des Weser- und Leineberglandes und der Rehburger Berge

ist auf den landwirtschaftlichen Flächen eine verstärkte Grünlandnutzung zu fördern.


C 3.2.04 (LROP)

Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte soll möglichst unmittelbar in den Schwerpunkten der landwirtschaftlichen Erzeugung erfolgen, die überregionale Vermarktung niedersächsischer Erzeugnisse ist zu unterstützen. Die Vermarktung von Produkten aus umwelt- und tiergerechter Erzeugung soll verstärkt gefördert werden.

D 3.2.04

Die Möglichkeit, regionale Erzeugnisse innerhalb des Landkreises bzw. der Weserbergland Region, aber auch überregional, zu vermarkten, soll verstärkt genutzt werden. Die Vermarktung von Produkten aus umwelt- und tiergerechter Landwirtschaft ist dabei besonders anzustreben.

C 3.2.05 (LROP)

Agrarstrukturelle Neuordnungsmaßnahmen sollen die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe stärken und dazu beitragen, die Lebensverhältnisse der in der Landwirtschaft beschäftigten bzw. von ihr abhängigen Bevölkerung zu verbessern, Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Wohnen zu entflechten sowie die Umstellung auf eine standortgerechte und umweltverträgliche Landbewirtschaftung zu unterstützen. Darüber hinaus sollen Maßnahmen der Flurneuordnung, der Dorfsanierung und der regionalen Strukturförderung einen Beitrag zur Entwicklung der gemeindlichen Infrastruktur im Interesse einer funktionsgerechten Ausstattung der ländlichen Gemeinden leisten.

D 3.2.05

Agrarstrukturelle Entwicklungsplanungen sowie Maßnahmen der Flurneuordnung, der Dorferneuerung und der regionalen Strukturförderung sollen auch dazu beitragen,

  • einen sinnvollen Ausgleich zwischen ökonomischen Nutzungsansprüchen und ökologischen Erfordernissen zu finden,
  • Konflikte zwischen der Landwirtschaft und anderen Nutzungsansprüchen (z.B. Bauleitplanung, Bodenabbau, Verkehrsinfrastruktur) zu beheben,
  • das Ortsbild ländlicher Siedlungen zu pflegen und wiederherzustellen,
  • den Landschaftsraum durch strukturierende und ökologisch wertvolle Elemente wie Hecken oder Feldgehölze aufzuwerten.

Raumbedeutsame Eingriffe durch außerlandwirtschaftliche Nutzungen sind grundsätzlich so abzustimmen, dass die Entwicklungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe nicht nachhaltig beeinträchtigt wird.

Bäuerlich strukturierte Landwirtschaftsbetriebe sind vorrangig an ihrem Standort innerhalb der Ortslagen zu sichern. Die Bauleitplanung hat die Belange der Landwirtschaft im Innenbereich der Orte zu berücksichtigen. Um die Entwicklung von landwirtschaftlichen Betrieben nicht zu behindern, sollen besonders in vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Gebieten und Siedlungen immissionsempfindliche Nutzungen ausreichend große Abstände zu entwicklungsfähigen Betrieben einhalten. Gleichzeitig sind die Emissionsbelastungen landwirtschaftlicher Betriebe durch umwelt- und tiergerechte Haltungsformen sowie umweltverträgliche Bewirtschaftungsformen zu verringern, so dass die siedlungsstrukturellen Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinden nicht eingeschränkt werden.

C 3.2.06 (LROP)

Um die Fischerei weiterhin zu erhalten, sind ihre Belange bei allen raumbedeutsamen Maßnahmen, vor allem im Watten- und Küstenmeer, zu beachten.