D 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

D 3.3 - Forstwirtschaft

C 3.3.01 (LROP)

Der Wald ist zu erhalten; seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen sind durch nachhaltige Forstwirtschaft zu sichern und weiter zu entwickeln.

D 3.3.01

Im Landkreis Schaumburg ist bei allen Planungen und Maßnahmen auf die Erhaltung, Pflege und naturnahe Entwicklung des Waldes sowie auf eine Vergrößerung der Waldfläche hinzuwirken.

Die Funktionen des Waldes für die Rohstoffversorgung, für den Biotop- und Artenschutz, Wasserschutz, Bodenschutz, Klimaschutz, Lärm- und Immissionsschutz, für die Freiraumsicherung, landschaftsbezogene Erholung, Bereicherung des Landschaftsbildes und für den Sichtschutz sind nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Dies gilt uneingeschränkt auch für die außerhalb der zusammenhängenden Waldgebiete gelegenen kleineren Restwaldflächen, Hecken und Feldgehölze.

C 3.3.02 (LROP)

Auf die Erhaltung und Förderung der natürlichen Artenvielfalt und eine Vermehrung stabiler, standortgerechter Mischwaldbestände ist hinzuwirken. Die Wildhege hat sich diesen Zielen unterzuordnen. Waldränder sollen von störenden Nutzungen und von Bebauung grundsätzlich freigehalten werden.

C 3.3.05 (LROP)

Die Neuanlage, die Bewirtschaftung und die Gestaltung des Waldes sind so vorzunehmen, daß in den unterschiedlichen Wuchsgebieten Wälder mit standortgemäßen Baumarten entwickelt bzw. erhalten und nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Forstwirtschaft gepflegt werden. Der Wald im Besitz des Landes Niedersachsen ist zum höchsten Nutzen für die Allgemeinheit zu bewirtschaften.

D 3.3.02/05

Die Neuanlage, Bewirtschaftung und Gestaltung der Wälder ist so durchzuführen, dass je nach Wuchsgebiet stabile naturnahe Wälder mit standortgemäßen Bäumen durch eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft entwickelt bzw. erhalten werden, die ihre Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen nachhaltig und auf Dauer erfüllen können.
Die Bewirtschaftung der Waldbestände sollte sich an der „Langfristigen ökologischen Waldbauplanung für die Niedersächsischen Landesforsten“ orientieren.

Auf der Grundlage aktueller forstlicher Standort- und Waldbiotopkartierungen soll die natürliche Artenvielfalt der Wälder erhalten und gefördert werden. Strukturarme Wälder sollen unter Ausnutzung und Beteiligung natürlicher Verjüngung mittel- bis langfristig zu standortgemäßen und strukturreichen Mischwäldern umgebaut werden. Größere Kahlschläge und der Anbau von ökologisch wenig zuträglichen und nicht standortgemäßen Baumarten ist zu vermeiden.

Die Wildhege ist der Tragfähigkeit des Ökosystems anzupassen. Die Hegemaßnahmen müssen bei Erhaltung eines artenreichen Wildbestandes gewährleisten, dass sich die Hauptbaumarten ohne Schutzvorrichtungen natürlich verjüngen können und Schälschäden die Stabilität und den Wert der Waldbestände nicht nachhaltig beeinträchtigen.

Die Entwicklung naturnaher, gestufter Waldränder ist in der Region zu fördern. Um die ökologischen Funktionen und Erlebnisqualität der Waldränder und ihrer Übergangszonen in die freie Feldmark nicht zu beeinträchtigen, sind diese grundsätzlich in einem Abstand von mindestens 100 m von Bebauung und sonstigen störenden Nutzungsänderungen freizuhalten. Im Einzelfall können - soweit die o.g. Waldrandfunktionen nicht wesentlich beeinträchtigt und die Mindestabstände zur Gefahrenabwehr (Brandschutz, Windwurf) eingehalten werden - einzelne bauliche Anlagen, die z.B. der Ver- und Entsorgung dienen bzw. einen Baulückenschluss darstellen, hiervon eine Ausnahme bilden.

Ebenso wie der Landeswaldbesitz ist der Wald, der sich im Eigentum des Landkreises Schaumburg (Kreisforstamt) befindet, zum höchsten Nutzen für die Allgemeinheit zu bewirtschaften. Dabei soll insbesondere die Bewirtschaftung des Kreisforstamtes die multifunktionalen Wirkungen des Waldes auf ganzer Fläche sicherstellen sowie die besonderen Interessen der Bürger des Landkreises im Sinne des Dominalteilungsvertrages berücksichtigen.

C 3.3.03 (LROP)

Besonders in unterdurchschnittlich bewaldeten Gebieten, in der Umgebung der Mittel- und Oberzentren, in Ordnungsräumen und in Vorsorgegebieten für Erholung bzw. für Trinkwassergewinnung sind unter Beachtung der ökologischen Standortbedingungen in Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft unter Beachtung der jeweiligen Zielsetzung Möglichkeiten zur Vergrößerung der Waldflächen, zur Verbesserung ihrer räumlichen Verteilung und zur Erhöhung des Laubwaldanteils durch forstliche Bewirtschaftungsmaßnahmen zu nutzen.

D 3.3.03

Der Bewaldungsgrad im Landkreis Schaumburg ist im Vergleich zum Land Niedersachsen überdurchschnittlich. Da sich die Verteilung der Waldflächen jedoch hauptsächlich auf die Höhenzüge des Weser- und Leineberglandes sowie auf den Schaumburger Wald konzentrieren, ist vorrangig in den waldarmen Gebieten, in der Umgebung der Mittelzentren Stadthagen, Bückeburg und Bad Nenndorf, im Bereich des Ordnungsraumes Hannover-Hildesheim und in Vorrang- und Vorsorgegebieten für Trinkwassergewinnung auf eine Vergrößerung der Waldfläche durch standortgemäße Wälder hinzuwirken. Bei den Aufforstungsplanungen sind die ökologische Bedeutung und Vielfalt des Naturhaushaltes, das Landschaftsbild sowie die Belange der Landwirtschaft und der Erholung eingehend zu berücksichtigen.

C 3.3.04 (LROP)

Besonders in waldreichen Gebieten sind die für die Erhaltung der landschaftlichen Vielfalt bedeutsamen Freiflächen, z.B. Wiesentäler oder Heideflächen, grundsätzlich von Aufforstungen freizuhalten.

 D 3.3.04

Von Aufforstungen grundsätzlich freizuhalten sind vor allem in den waldreichen Gebieten des Landkreises Schaumburg die für die Erhaltung der landschaftlichen Vielfalt bedeutenden Flächen wie Wald-, Feucht- und Streuwiesen, sonstige Feuchtbiotope, nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz geschützte Biotope, Flächen mit besonderer Bedeutung für den Artenschutz sowie bekannte und vermutete Bodendenkmale. Davon kann abgewichen werden, wenn sonstige Zielvorstellungen des Naturschutzes wie die Auwaldentwicklung mit der Aufforstung harmonieren.

In der Zeichnerischen Darstellung sind „Von Aufforstungen freizuhaltende Gebiete“ festgelegt.

C 3.3.05 (LROP)

Siehe oben.

D 3.3.05

Siehe D 3.3.02/05.


C 3.3.06 (LROP)

Unvermeidbare Eingriffe sind durch gleichwertige Ersatzaufforstungen auszugleichen. Wald soll durch Verkehrs- und Versorgungstrassen möglichst nicht zerschnitten werden.

D 3.3.06

Eingriffe und Belastungen (Immissionen), die die allgemeine Leistungsfähigkeit der Wälder erheblich oder auf Dauer beeinträchtigen, sind zu vermeiden bzw. zu minimieren. Wald soll durch Verkehrs- und Versorgungstrassen nur soweit wie unbedingt notwendig zerschnitten und durch Bodenabbau oder durch Veränderungen der Grundwasserstände in seiner Vitalität nicht beeinträchtigt oder gefährdet werden. Wertvolle Biotope und die großen geschlossenen Waldgebiete sollen dabei besonders berücksichtigt werden. Möglichkeiten zum Rückbau von Straßen, die Waldgebiete durchschneiden, sollten genutzt werden.

C 3.3.07 (LROP)

In der Beikarte 3 sind diejenigen Waldgebiete dargestellt, die nach Abwägung mit anderen Belangen in den Regionalen Raumordnungsprogrammen als Vorsorgegebiete für Forstwirtschaft räumlich näher festzulegen sind. Darüber hinaus vorhandene Waldgebiete können in den Regionalen Raumordnungsprogrammen ebenfalls als Vorsorgegebiete gesichert werden.

D 3.3.07

Die festgelegten „Vorsorgegebiete für Forstwirtschaft“ umfassen sämtliche regional bedeutsamen Wälder des Landkreises Schaumburg. Alle raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen sind so abzustimmen, dass die Vorsorgegebiete in ihrer Eignung und besonderen Bedeutung für die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen möglichst nicht beeinträchtigt werden. Bei der Abwägung konkurrierender Nutzungsansprüche ist den festgelegten „Vorsorgegebieten für Forstwirtschaft“ ein hoher Stellenwert beizumessen.

C 3.3.08 (LROP)

In Vorsorgegebieten für Forstwirtschaft sind die Voraussetzungen zur Stärkung der Leistungsfähigkeit forstwirtschaftlicher Betriebe zu erhalten und zu verbessern.

Der Waldanteil im Lande ist zu erhöhen. Insbesondere in den Landesteilen mit einem Waldanteil unter 15 v. H. ist die Waldneuanlage vordringlich. Auf Vernetzung und Integration in ein landesweit zu entwickelndes Biotopverbundsystem ist hinzuwirken.

Gebiete zur Vergrößerung des Waldanteils sind in den Regionalen Raumordnungsprogrammen festzulegen.

D 3.3.08

Um eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Waldes sicherzustellen, ist eine Stärkung der Leistungsfähigkeit der Forstwirtschaft durch strukturverbessernde Maßnahmen im Landkreis Schaumburg anzustreben. Insbesondere für die Waldflächen außerhalb der Landesforsten sind flächendeckende Waldinventuren, forstliche Standort- und Waldbiotopkartierungen zu fordern und zu unterstützen.

Um den Absatz von Holz zu steigern, sollten neue Absatzmöglichkeiten für Holz erschlossen und bekannte Holzanwendungen, z.B. im öffentlichen Hochbau, wiederbelebt werden. Die Gewinnung von Wärme und Strom mit dem Rohstoff Holz ist zu fördern, um einerseits Holz aus Durchforstungs- und Landschaftspflegearbeiten einer Nutzung zuzuführen und andererseits einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Auf die Vernetzung vorhandener Waldflächen untereinander und mit anderen Biotopen ist hinzuwirken. In den ausgeräumten Landschaftsteilen sind auch kleine Restwaldbestände und Feldgehölze zu erhalten, neu anzulegen und miteinander zu vernetzen. Die Neuanlage bzw. Vermehrung standortgemäßer Auwälder ist im Rahmen des regionalen Biotopverbundsystems in den Überschwemmungsbereichen der Fließgewässer an geeigneten Stellen zu fördern, vordringlich gilt dieses für das Wesertal.