E 1 - Entwicklung der räumlichen Struktur

E 1.1 - Entwicklung der räumlichen Struktur des Landkreises Schaumburg

Allgemeine Rahmenbedingungen zur räumlichen Entwicklung

Nach § 8 i.V.m. § 7 Niedersächsisches Gesetz über Raumordnung und Landesplanung (NROG) haben die Landkreise als Träger der Regionalplanung die Aufgabe für ihren Planungsraum ein Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) aufzustellen.
Im RROP ist die anzustrebende räumliche und strukturelle Entwicklung des Landkreises Schaumburg festgelegt. Dabei ist der vorliegende Regionalplan gemäß gesetzlich festgelegtem Auftrag aus dem Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen (LROP) entwickelt (vgl. § 7 Abs. 1 NROG). Ihm liegt das LROP i.d.F. von 1994 mit den Änderungen und Ergänzungen von 1998 zu Grunde (Nds. GVBl. S. 269). Darüber hinaus wurden die Änderungen und Ergänzungen des LROP von 2002, die kurz vor Abschluss des Beteiligungsverfahrens rechtswirksam wurden, berücksichtigt (siehe Nds. GVBl. S. 738).

 

Abb. 1.1/1: Komponenten der Raumstruktur

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Quelle: BBR (Hrsg.) (2000), S. 8


Von grundlegender Bedeutung für die Steuerung der zukünftigen Raum- und Siedlungsentwicklung des Landkreises sind die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und räumlichen Rahmenbedingungen. Die wesentlichen raumbildenden Strukturen ergeben sich aus der räumlichen Verteilung von Bevölkerung, Arbeitsplätzen und Infrastruktur. Abbildung 1.1/1 veranschaulicht in vereinfachter Form die vielfältigen wechselseitigen Beziehungen, die zwischen den drei Hauptkomponenten bestehen (vgl. BBR (Hrsg.) (2000), S.7 f.).

Naturräumlich liegt der Landkreis Schaumburg im Übergangsbereich zwischen der norddeutschen Tiefebene und dem Mittelgebirgsrand (siehe Abb. 1.7/1), im Verflechtungsbereich des Großraumes Hannover und dem ostwestfälischen Wirtschaftsraum mit den Zentren Minden, Porta Westfalica und Bad Oeynhausen.

 

Abb. 1.1/2: Administrative Gliederung des Landkreises Schaumburg

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Darstellung: Landkreis Schaumburg/Regionalplanung


Die Raumstruktur bestimmen insbesondere das (grob) westöstlich verlaufende Wesergebirge mit dem südlich angrenzenden Wesertal, die sich im Planungsraum im mittleren Bereich in Südwest-Nordost-Richtung erstreckenden Bückeberge, die zwischen den beiden Höhenzügen verlaufende überregional bedeutende Bundesautobahn A 2 sowie die nördlich der Bückeberge querende Verkehrsachse Bundesstraße B 65. Des Weiteren hat der Schaumburger Wald, der den Landkreis in nordwestlicher Richtung verlaufend nach Nordrhein-Westfalen begrenzt, raumprägenden Charakter.

Administrativ gliedert sich der Planungsraum in vier Städte, eine Gemeinde und sieben Samtgemeinden mit insgesamt 33 Mitgliedsgemeinden, darunter wiederum drei Städte. Der Landkreis weist eine polyzentrische Siedlungsstruktur mit den vier Mittelzentren Bad Nenndorf, Bückeburg, Rinteln und Stadthagen auf. Der Sitz der Kreisverwaltung ist in Stadthagen (siehe Abb.1.1/2).


E 1.1.01 und E 1.1.02

Aufgrund der vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Bevölkerungs- und Regionalentwicklung kommt der Analyse der demographischen Entwicklungen und Strukturen im Planungsraum eine besondere Bedeutung zu.

Wichtige Rahmendaten für die Abschätzung des zukünftigen Bedarfs an Siedlungsflächen und Infrastruktureinrichtungen bzw. deren Auslastung sowie der zukünftigen Inanspruchnahme von Infrastruktur und Umwelt bilden die Bevölkerungsanzahl, -verteilung und –entwicklung sowie die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Altersgruppen.

Bevölkerungsentwicklung

Für die Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung ist als Basis das Jahr der letzten Volkszählung (1987) gewählt.

Determinanten der Bevölkerungsentwicklung sind zum einen die natürliche Bevölkerungsentwicklung (Verhältnis von Geburten- zu Sterbefällen) und zum anderen die Wanderungsbilanz (Verhältnis von Fort- zu Zuzügen).

Natürliche Bevölkerungsentwicklung

Der Landkreis Schaumburg weist seit 1987 eine negative natürliche Bevölkerungsbilanz auf, wobei die Werte zwischen –750 (1988) und –268 (1999) liegen (vgl. Abb. 1.1/3). Während des Zeitraums zwischen 1987 und 1999 liegt der Sterbeüberschuss über dem des Landes Niedersachsen. Mitte der 80er Jahre kam es zwar bundesweit zu einem leichten Anstieg der Geburtenzahlen, da die geburtenstarken Jahrgänge der 60er Jahre nunmehr selbst in das Alter der Familiengründung eintraten. Während dieser Effekt im Land Niedersachsen insgesamt seit Mitte der 80er Jahre das Geburtendefizit verringerte, so dass die natürliche Bevölkerungsbilanz seit Anfang der 90er Jahre nahezu ausgeglichen ist, setzte diese Entwicklung im Landkreis Schaumburg erst gegen Anfang der 90er Jahre ein und führte hier zwar zu einer Verringerung, nicht aber zu einer Aufhebung des Sterbeüberschusses.

Innerhalb des Kreisgebietes ist diese Auswirkung aufgrund der Altersstruktur in den Samtgemeinden Eilsen und Nenndorf sowie in der Stadt Obernkirchen am ausgeprägtesten und in der Samtgemeinde Nienstädt sowie den Städten Stadthagen, Rinteln und Bückeburg abgeschwächter zu beobachten. Eine positive natürliche Entwicklung verzeichnen im Landkreis lediglich die eher ländlich geprägten Standorte Gemeinde Auetal sowie die Samtgemeinden Sachsenhagen, Lindhorst und Niedernwöhren.

Wanderungsbewegungen

Der Landkreis Schaumburg weist im Vergleich zum Land Niedersachsen im Zeitraum zwischen 1987 und 1999 jährlich eine positive Wanderungsbilanz auf (vgl. Abb. 1.1/3). Diese ist jedoch erheblichen Schwankungen unterworfen. Seit 1988 kam es aufgrund der Wiedervereinigung zu einem enormen Anstieg der Zuwanderungen durch die Übersiedlung von ehemaligen DDR-Bürgern (bis 1990 in den Statistiken als Ausländer geführt). Während der 90er Jahre ebbten die Wanderungsgewinne nur langsam von +2651 (1989) auf +1661 (1996) ab. Allerdings ist ab 1997 ein deutlicher Rückgang des Wanderungssaldos bis auf +794 (1998) zu verzeichnen, der jedoch bis Ende 1999 wieder auf 1084 ansteigt (geringe Fortzüge ins und erhöhte Zuzüge aus dem Ausland).

Bezüglich der Herkunft der Zuwanderer kam es während der 90er Jahre zu deutlichen Veränderungen (vgl. Abb. 1.1/4): Während die Migranten bis 1991 vor allem aus den „neuen Bundesländern“ kamen, liegen die Herkunftsorte der Zuwanderer seit 1991 schwerpunktmäßig im Bereich des übrigen Niedersachsen, und hier vor allem in dem benachbarten Landkreis Hannover.

 

Abb. 1.1/3: Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo im Landkreis Schaumburg

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Quelle: NLS (Hrsg.) (2000/I)


Abb. 1.1/4: Wanderungsströme zwischen dem Landkreis Schaumburg und ausgewählten Regionen im Zeitraum 1987 bis 1999

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1) Bis 1991 wurden Einwanderer aus den Neuen Bundesländern dem Ausland zugerechnet.

Quelle: NLS (Hrsg.) (2000/II)


Auch hinsichtlich der Wanderungssalden unterscheidet sich die Entwicklung der einzelnen Kommunen im Landkreis erheblich:

Zwischen 1987 und 1989 kam es in der Gemeinde Auetal und der Samtgemeinde Lindhorst zu absoluten Wanderungsverlusten. Als Folge der Grenzöffnung weisen alle Kommunen des Landkreises zwischen 1989 und 1993 Wanderungsgewinne auf, die jedoch in der Gemeinde Auetal, in der Samtgemeinde Lindhorst und in der Stadt Stadthagen unter dem Landesdurchschnitt liegen. Im Vergleich zum Zeitraum 1989 und 1993 sind die Wanderungsgewinne im Landkreis Schaumburg im darauf folgenden Zeitraum bis 1998 um 2000 auf insgesamt 7.800 Personen gesunken. Unter dem Landesdurchschnitt liegende Wanderungsgewinne weisen die Städte Bückeburg und Stadthagen sowie die Samtgemeinden Lindhorst, Niedernwöhren und Sachsenhagen auf, über dem Landesdurchschnitt liegende Wanderungsgewinne hatten in diesem Zeitraum die Samtgemeinden Nienstädt und Rodenberg.

Einen Sonderfall stellen die beiden Samtgemeinden Nenndorf und Eilsen dar. Sie zeichnen sich zwischen 1987 und 1999 durch Wanderungsgewinne aus, die bis zu 25 % über dem Landesdurchschnitt liegen. Diese Entwicklung ist auf den verstärkten Zuzug älterer Menschen (sog. Ruhesitzwanderer) in die Kurorte Bad Eilsen und Bad Nenndorf zurückzuführen.

Bevölkerungsentwicklung insgesamt

Der Landkreis Schaumburg ist zwischen 1987 und 1999 durch eine negative natürliche Bevölkerungsentwicklung und eine positive Wanderungsbilanz geprägt (vgl. Abb. 1.1/3). Seit 1988 kompensieren die Wanderungsgewinne die Sterbeüberschüsse, so dass die Einwohnerzahl im betrachteten Zeitraum insgesamt um 15.500 Personen anstieg. Die prozentuale Bevölkerungszunahme zwischen 1987 und 1999 von +10,26 % im Landkreis entspricht exakt der des Landes Niedersachsen.

Die stärkste positive Bevölkerungsdynamik ist zwischen 1989 und 1992 mit durchschnittlich +2.000 Personen pro Jahr zu verzeichnen (Sinken der Sterbeüberschüsse und hohe Wanderungsgewinne). Zwischen 1993 und 1996 verringerte sich die Bevölkerungszunahme auf durchschnittlich +1.300 Personen pro Jahr (Sterbeüberschüsse bleiben ungefähr auf dem Niveau von 1993, aber stark sinkende Wanderungsgewinne).

Aufgrund eines leicht abnehmenden Sterbeüberschusses und weiter stark sinkender Wanderungsgewinne sinkt die Bevölkerungszunahme auf jährlich 400 Personen bis Ende 1998 ab.

Entgegen der Prognose des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik (NLS) steigt die Bevölkerungszahl im Jahr 1999 wieder um 800 Personen. Gründe dafür sind die im Vergleich geringeren Sterbeüberschüsse und eine erhöhte Zuwanderung.

Nach der Prognose des NLS (NLS (Hrsg.) (2000/I)) ist zwar mittelfristig noch mit einem leichten Anstieg der Bevölkerungszahlen zu rechnen, jedoch können ab 2009 die Wanderungsgewinne die Sterbeüberschüsse aufgrund der Altersstruktur im Landkreis nicht mehr kompensieren. Dadurch wird es bis 2016 voraussichtlich zu einem stetigen Rückgang der Bevölkerungszahlen kommen (vgl. Abb. 1.1/5).

 

Abb. 1.1/5: Entwicklung der Bevölkerungszahlen 1999 bis 2016 (Prognose)

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Quelle: NLS (2000/I)


Bevölkerungsprognosen sind jedoch naturgemäß grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet. Veränderte politische Rahmenbedingungen, wie z.B. eine modifizierte Einwanderungspolitik, können zu erheblichen Abweichungen von der Vorausschätzung der Bevölkerungsentwicklung und deren Altersstruktur  führen. Zum anderen können regionale Aktivitäten die allgemeinen demographischen Entwicklungstrends beeinflussen, wie z.B. eine Verbesserung des Arbeitsplatzangebotes oder eine verstärkte Bereitstellung preisgünstigen Baulandes, etc..

Innerhalb des Landkreises verzeichnet zwischen 1987 und 1999 die im Ordnungsraum Hannover-Hildesheim (siehe E 1.4 (Allgemein)) liegende Samtgemeinde Rodenberg die größten prozentualen Bevölkerungszuwächse. Ein weit über dem Durchschnitt Niedersachsens liegendes prozentuales Bevölkerungswachstum erreichen die Samtgemeinden Nienstädt und Sachsenhagen sowie die beiden Samtgemeinden Eilsen und Nenndorf.
Der prozentuale Bevölkerungsanstieg der Mittelzentren Rinteln, Stadthagen und Bückeburg sowie das demographische Wachstum der Stadt Obernkirchen liegen unter dem Landesdurchschnitt, wobei Obernkirchen die schwächste Bevölkerungsdynamik aller Kommunen des Planungsraumes aufweist (vgl. Abb. 1.1/6).

 

Abb. 1.1/6: Prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen im Landkreis Schaumburg im Zeitraum 1987 bis 1999

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Quelle: NLS (Hrsg.) (2000/II)


Altersstruktur der Bevölkerung

Die Alterspyramide der Bevölkerung für den Landkreis Schaumburg für 1999 (Abb. 1.1/7a),
die die Altersstruktur der Bevölkerung abbildet, weist im wesentlichen die gleichen Grundstrukturen wie die des Bundesgebietes1) auf.

1) Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstruktur werden nach wie vor noch mit den Verhältnissen in den alten Bundesländern verglichen, weil sich in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung erheblich abweichende Entwicklungen abgespielt haben (NIW (Hrsg.) (1998), Teil A, S. I-10)

Sie ist gekennzeichnet durch:

  • eine schmale Bevölkerungsbasis in den letzten zwei Jahrzehnten als Folge des Geburtenrückganges seit Ende der 60er Jahre („Pillenknick“),
  • die geburtenstarken Jahrgänge am Anfang der 60er Jahre und
  • die kriegs- und krisenbedingten Geburtenausfälle (erster Weltkrieg, Weltwährungskrise in den 30er Jahren, Ende des Zweiten Weltkriegs).

Daraus ergeben sich Abweichungen von der Idealform einer Pyramide in Form von Ausbuchtungen und tiefen Einschnitten.

Abweichungen von den für das Bundesgebiet typischen Grundmerkmalen der Bevölkerungspyramide bestehen hinsichtlich der Besetzung der Altersgruppe der bis zu   6-jährigen Kinder, die im Landkreis Schaumburg etwas höher als im Bundesdurchschnitt liegt; insgesamt gehen diese Kinderjahrgänge jedoch – wie auch im Bundesgebiet – zurück.

Die Altersgruppe der 6- bis unter 18-Jährigen ist demgegenüber im Landkreis Schaumburg schwächer als im Bundesdurchschnitt repräsentiert, was aus den vergleichsweise niedrigeren Geborenenzahlen der Vergangenheit resultiert.

Auch bei den 18- bis unter 30-Jährigen klafft eine Lücke zwischen dem Landkreis Schaumburg und dem Bundesdurchschnitt. Diese Altersgruppe befindet sich häufig in der Phase der weiterführenden Ausbildung und des Berufseintritts. Der vergleichsweise geringe Anteil dieser Bevölkerungsgruppe im Landkreis Schaumburg lässt sich aus einer berufsausbildungsbedingten Abwanderung in die Verdichtungsräume erklären. Die o.g. Entwicklung setzt sich bei der Altersgruppe der 30- bis unter 45-Jährigen fort, was darauf hinweist, dass viele Personen nach der weiterführenden Ausbildung nicht in den Landkreis Schaumburg zurückkehren. Diese selektiven Verluste sind dadurch zu erklären, dass mit zunehmender Qualifizierung großstädtische Arbeitsmärkte mit ihrem vergleichsweise wesentlich breiter gefächerteren Stellenangebot bevorzugt werden (vgl. NIW (Hrsg.) (1998), Teil A, S. I –12).

Etwa ab dem 55. Lebensjahr sind die Altersjahrgänge im Landkreis Schaumburg stärker besetzt als im Bundesdurchschnitt. Besonders hoch ist der Anteil bei den über 65-Jährigen (Rentnern). Dieses lässt sich offensichtlich auf einen hohen Anteil von Ruhesitzwanderern in den beiden Kurorten Bad Eilsen und Bad Nenndorf zurückführen, die mit ihrem Rentneranteil unter 427 niedersächsischen Standorten auf den Rängen 5 und 12 liegen (NIW (Hrsg.) (1998), Teil A, S. I –13). Die Seniorenwanderungen beschleunigen den generellen Trend der Überalterung der Bevölkerung in diesen beiden Kommunen erheblich.

Die sich vollziehende Veränderung der Altersstruktur in Form einer „Überalterung der Bevölkerung“ ist für die zukünftige Entwicklung des Landkreises von wesentlicher Bedeutung. Sie erfordert von der Kommunalpolitik mittel- und langfristig orientierte Maßnahmen zur Gegensteuerung, das heißt zur Sicherung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Region, zu entwickeln. In diesem Zusammenhang bilden ein gutes Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebot wichtige Faktoren.

 

Abb. 1.1/7a: Altersstruktur im Landkreis Schaumburg im Jahr 1999

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Quelle: NLS (Hrsg.) (2000/I)


Abb. 1.1/7b: Altersstruktur im Landkreis Schaumburg im Jahr 2016

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Quelle: NLS (Hrsg.) (2000/I)


Ausländische Bevölkerung

Infolge von Zuwanderungen aus dem Ausland ist die Zahl der ausländischen Mitbürger seit 1987 im Landkreis Schaumburg kontinuierlich auf 11.200 Personen im Jahr 1996 angestiegen, was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 6,85 % entspricht. Im Jahr 1997 war die Anzahl der Ausländer um 100 Personen rückläufig.

Hinsichtlich einer Differenzierung der Ausländer nach Staatsangehörigkeit stellen die Türken mit einem Anteil von einem Drittel die stärkste Gruppe dar. Insgesamt stammen ca. 80 % aller im Landkreis lebenden Ausländer aus dem europäischen Ausland (vgl. Abb. 1.1/8).

 

Abb. 1.1/8: Anteil der Ausländer im Landkreis Schaumburg nach Staatsangehörigkeit im Jahr 1997

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Quelle: NLS (Hrsg.) (1999)


Bevölkerungsprognose

In den Grundzügen sind für den Landkreis Schaumburg zukünftig die gleichen demographischen Entwicklungen zu erwarten wie im Bundesgebiet insgesamt, wie die Prognose des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik für 2016 (NLS (Hrsg.) (2000/I)) zeigt (siehe Abb. 1.1/3 u. 1.1/7b).

Danach ist von

  • einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung,
  • einer sehr viel geringeren Anzahl junger Menschen in der Familiengründungsphase,
  • niedrigeren Geborenenzahlen und
  • einer insgesamt rückläufigen Bevölkerungsentwicklung ab ca. 2010

auszugehen.

Folglich ist zu erwarten, dass dementsprechend der Bedarf an kinder- und jugendbezogener Infrastruktur sinken und sich gleichzeitig die Nachfrage nach Versorgungseinrichtungen für ältere Altersgruppen erhöhen wird.


Bevölkerungsverteilung

Die Siedlungsstruktur des Landkreises Schaumburg weist im Gegensatz zu den meisten anderen Landkreisen kein dominierendes Zentrum auf, sondern ist durch eine polyzentrische (mehrpolige) Siedlungsstruktur mit den vier Städten Bad Nenndorf, Bückeburg, Stadthagen (Kreisstadt) und Rinteln als Mittelzentren gekennzeichnet. Die drei einwohnerstärksten Städte sind Rinteln mit 28.268 Einwohnern, Stadthagen mit 23.829 Einwohnern und Bückeburg mit 20.756 Einwohnern (Stand 31.12.1999). Mehr als 10.000 Einwohner weisen die Samtgemeinden Nenndorf (16.308), Rodenberg (15.284) und Nienstädt (10.427) sowie die Stadt Obernkirchen (10.465) auf. Die übrigen Gemeinden und Samtgemeinden liegen in der Größenordnung von rund 6.500 bis 9.300 Einwohnern.

Bevölkerungsdichte

Im Vergleich zum Durchschnitt des Landes Niedersachsen von 165 Einwohnern/qkm (Ew./qkm) ist der Landkreis Schaumburg mit 245 Ew./qkm relativ dicht besiedelt (Stand: 31.12.99). Im Raumordnungsbericht 2000  des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), in dem drei Regionstypen unterschieden werden (Agglomerationsräume, Verstädterte und Ländliche Räume), ist der Landkreis Schaumburg - ebenso wie der Landkreis Hannover - als sog. „verdichteter Kreis“ dem Regionstyp „Agglomerationsraum“ zugeordnet (BBR (Hrsg.) (2000), S. 2 ff.). Jedoch differiert die Bevölkerungsdichte innerhalb des Kreisgebietes erheblich (vgl. Abb. 1.1/9):

Der Maximalwert wird in der Mitgliedsgemeinde Bad Eilsen (Samtgemeinde Eilsen) mit 923 Ew./qkm erreicht, während die geringste Bevölkerungsdichte in der Mitgliedsgemeinde Hülsede (Samtgemeinde Rodenberg) mit 67 Ew./qkm zu verzeichnen ist.

Eine Konzentration der Bevölkerung ist entlang der in West-Ost Richtung verlaufenden Verkehrsachsen der Eisenbahnlinie Minden - Hannover und der Bundesstraße  B 65 zu erkennen, das heißt in den Städten Bückeburg, Stadthagen und Obernkirchen, in den Samtgemeinden Eilsen und Nienstädt sowie in den Mitgliedsgemeinden Lindhorst (Samtgemeinde Lindhorst) und Stadt Bad Nenndorf (Samtgemeinde Nenndorf).
Überdurchschnittliche Dichtewerte kennzeichnen außerdem die direkt an den Landkreis Hannover grenzenden Mitgliedsgemeinden Lauenau und Rodenberg (Samtgemeinde Rodenberg), der Flecken Hagenburg (Samtgemeinde Sachsenhagen) sowie die gesamte Samtgemeinde Nenndorf.

Besonders dünn besiedelt, mit unter dem niedersächsischen Durchschnitt liegenden Dichtewerten von 165 Ew./qkm, sind zum einen der nördliche Teil des Kreisgebietes mit der Samtgemeinde Niedernwöhren (mit Ausnahme der Mitgliedsgemeinden Niedernwöhren und Meerbeck) sowie der Samtgemeinde Sachsenhagen (mit Ausnahme der Mitgliedsgemeinde Hagenburg) sowie der südöstliche Teil des Landkreises mit der Gemeinde Auetal und den zur Samtgemeinde Rodenberg gehörenden Mitgliedsgemeinden Apelern, Hülsede, Messenkamp und Pohle.

Für Kommunen mit zentralörtlicher Funktion sind Gegenmaßnahmen zu den zu erwartenden Bevölkerungsrückgangs- und -überalterungstendenzen besonders gefordert. Denn einer fehlenden Auslastung und Qualitätsverlusten vorhandener Versorgungs- und Infrastruktureinrichtungen ist entschieden entgegenzuwirken, um die raumstrukturell bedeutende Funktion dieser Zentralen Orte nicht zu gefährden (siehe D und E 1.6.03).
Unabhängig davon sollten generell Überlegungen angestellt werden, in welchem Umfang und in welcher Form man sich auf die veränderten Bedarfe an altersspezifischer Infrastruktur einstellen sollte.

 

Abb. 1.1/9: Bevölkerungsdichte im Landkreis Schaumburg auf Basis der Einheits- bzw. Mitgliedsgemeinden im Jahr 1999

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Quelle: NLS (Hrsg.) (2000/II) und eigene Berechnungen
Darstellung: Landkreis Schaumburg


Die aufgezeigten demographischen, raumstrukturell wirksamen Entwicklungstendenzen  erfordern Fach- und Handlungsebenen übergreifende strukturwirksame Strategien und Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Region bzw. der einzelnen Städte und Gemeinden als Lebens- und Arbeitsraum auch in Zukunft sichern. Die Vorstellungen des Landkreises zur Bewältigung der neuen Herausforderungen aus raumplanerischer Sicht finden sich in dem gesamten Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP).


E 1.1.03

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro haben 179 Staaten, u.a. die Bundesrepublik Deutschland, das Aktionsprogramm „Agenda 21“ verabschiedet. Zentraler Inhalt des Programms ist das Leitbild einer zukunftsbeständigen „nachhaltigen Entwicklung“ („sustainable development“) für das 21. Jahrhundert. Die Leitvorstellung wurde in § 1 Abs. 2 Raumordnungsgesetz (ROG) verankert.

Eine nachhaltige Raumentwicklung hat zum Ziel, wirtschaftliche und soziale Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen integrativ in Einklang zu bringen, um eine dauerhafte ausgewogene Raumordnung zu erreichen.

Die Agenda beinhaltet Ziele und Handlungsansätze für alle wichtigen Politikbereiche. Sie widmet sich u.a. Themenfeldern wie Armutsbekämpfung, Bevölkerungsdynamik, Gesundheitsschutz, Klima und Energie, Siedlungsentwicklung, Nutzung von Biotechnologien und Einbeziehung der Frauen als wichtige Trägerinnen der gesellschaftlichen Entwicklung in alle relevanten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozesse. Deren Umsetzung soll auf allen räumlichen Ebenen erfolgen; den Kommunen wird jedoch die Schlüsselrolle in dem Prozess zugewiesen. Sie sollen in einen Konsultationsprozess eintreten, mit dem Ziel, einen Konsens über die Wege zu einer zukunftsbeständigen kommunalen Entwicklung zu erreichen.

Erfolgreich können die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung des Landkreises nur sein, wenn sie auf die regionseigenen bzw. lokalen Entwicklungspotenziale aufbauen. Dabei gilt es auf allen räumlichen und fachlichen Ebenen die spezifischen Besonderheiten des Raumes mit seinen Stärken und Schwächen als Ansatzpunkte für Initiativen, Projekte und Maßnahmen herauszustellen, zu analysieren und daraus Handlungskonzepte abzuleiten. Einen sektoralen Beitrag auf regionaler Ebene liefert diesbezüglich das seit 1998 vorliegende Wirtschafts- und Gewerbeflächenentwicklungskonzept für den Landkreis Schaumburg (siehe NIW (Hrsg.) (1998)). Wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von örtlichen und sektoralen Einzelinitiativen ist, dass sie koordiniert werden. Als wichtige raumordnerische Instrumente zur Bündelung regionaler Eigenkräfte sind Regionale Entwicklungskonzepte und Raumordnungskonferenzen zu nennen (siehe E 1.2.01 bis E 1.2.04).

Die beiden Teilräume bzw. Raumordnungskategorien Ländlicher Raum und Ordnungsraum des Landes-Raumordnungsprogrammes (LROP) (siehe D/E 1.3 und D/E 1.4) sind im Landkreis Schaumburg strukturell eng miteinander verflochten.

Ausgehend von den in E 1.1 (Allgemeine Rahmenbedingungen zur räumlichen Entwicklung) aufgeführten raumstrukturellen Hauptfaktoren lassen sich aus regionalplanerischer Sicht keine gravierenden Unterschiede mehr erkennen.

Dieses lässt sich zum einen aus der polyzentrischen Siedlungsstruktur des Planungsraumes erklären, die zu einer gleichmäßigeren (dezentral konzentrierten) Verteilung der Infrastruktureinrichtungen führt, als in einer Region mit einem dominierenden Zentrum. Zum anderen bestehen zwischen dem Landkreis Schaumburg strukturelle Verflechtungen mit dem großen ostwestfälischen Mittelzentrum Minden sowie Porta Westfalica. Dieses zeigt sich u.a. auch in leichten Suburbanisierungstendenzen, die von Minden ausgehend bis in das Gebiet der Stadt Bückeburg „ausstrahlen“. Der nordöstliche Bereich des Planungsraumes ist von den Stadt-Umland-Wanderungen jedoch praktisch ausgenommen. Dieses dürfte auf die vergleichsweise periphere Lage dieser Gemeinden zurückzuführen sein, die aus der Barrierewirkung des parallel zur Landesgrenze verlaufenden Schaumburger Waldes und der ungünstigen verkehrlichen Anbindung an die nordrhein-westfälischen Zentren resultiert.

Deutliche Disparitäten zwischen den Wirtschaftstrukturen und der wirtschaftlichen Entwicklung lassen sich zwar intraregional, dass heißt zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden des Landkreises feststellen, jedoch nicht zwischen den beiden Planungskategorien Ländlicher Raum und Verdichtungsraum.


Leitbild der Dezentralen Konzentration

Die polyzentrische Siedlungsstruktur des Landkreises mit  ihrer relativ ausgeglichenen Verteilung an Mittel- und Grundzentren (siehe C 1.6.01 bzw. D 1.6.03) ist als Wettbewerbsvorteil der Region - im Vergleich zu monozentrisch geprägten Planungsräumen - zu erhalten und weiterzuentwickeln. Mit Hilfe des Leitbildes der Dezentralen Konzentration soll ein Ausgleich zwischen konkurrierenden Raumnutzungsansprüchen erreicht werden, insbesondere zwischen der Siedlungsentwicklung und dem Freiraumschutz. Einer weiteren Zersiedelung der Landschaft soll entgegengewirkt werden.

Die regionalen Eigenkräfte sollen gebündelt werden durch die schwerpunktmäßige Konzentration von regionalen und lokalen Infrastruktureinrichtungen und der Siedlungsflächenentwicklung auf die mittel- und grundzentralen Standorte des Landkreises (siehe D und E 1.5.03). Gleichzeitig muss die infrastrukturelle Grundversorgung im Nahbereich gesichert werden.

Das Prinzip der Bündelung verbessert zudem die Wirtschaftlichkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs als Verkehrsmittelalternative.

Entstehen größere Siedlungsflächen in Gemeinden bzw. Ortsteilen ohne ausreichende Grundversorgung, zieht dieses in der Regel entsprechende Forderungen nach Kindergärten, technischer Infrastruktur usw. nach sich.

(Siehe auch D und E 1.5)

(Erläuterungen zum Ziel des Freiraumschutzes sind in E 1.4 (Allgemein) und E 1.5.02 enthalten.)