E 1 - Entwicklung der räumlichen Struktur

E 1.3 - Ländlicher Raum

Allgemein

„Der charakteristische Unterschied zwischen den beiden Raumordnungskategorien [Ländlicher Raum und Ordnungsraum] besteht darin, dass in den Ländlichen Räumen Nutzungskonkurrenzen nicht in allen Bereichen so stark ausgeprägt sind wie im Ordnungsraum“ (LROP Nds. 1994, S.105). Aufgrund dessen sind an die beiden im Landesplan festgelegten Raumkategorien jeweils spezifische Zielaussagen zur Raum- und Siedlungsstruktur geknüpft. Dabei sind die beiden Raumtypen als gleichwertige Lebensräume zu betrachten.

Während für die Ordnungsräume aufgrund der generell erhöhten Raumnutzungskonflikte raumordnende Zielvorstellungen im Vordergrund stehen, sind für die Ländlichen Räume im Landes-Raumordnungsprogramm vorrangig landesplanerische Entwicklungsziele formuliert.

Wie in E 1.1 (Allgemein) ausgeführt, haben sich die raumstrukturellen Verhältnisse zwischen den beiden Teilräumen - Ländlicher Raum und Ordnungsraum Hannover-Hildesheim – des Landkreises Schaumburg weitgehend angeglichen. Auch der als Ländlicher Raum auf Landesebene abgegrenzte Teilbereich des Landkreises weist – auch im Vergleich zu anderen Ländlichen Räumen - deutliche Verdichtungserscheinungen auf (siehe E 1.1.01 und E 1.1.02). Vielmehr treten kleinräumige Disparitäten in der Bevölkerungs-, Wirtschaftsstruktur und Infrastruktur im Planungsraum in den Vordergrund (siehe auch E 3.1).

Der Ländliche Raum ist nicht auf die Funktionen Landwirtschaft, landschaftsgebundene Erholung und ökologischen Ausgleich für die vergleichsweise stärker belasteten Verdichtungsräume zu beschränken. Er muss vielmehr als aktiver Lebensraum für die dort ansässige Bevölkerung ausgebaut werden. Dieses gilt für den Landkreis Schaumburg, aus den oben genannten Gründen, für die ländlichen Bereiche des Ordnungsraumes gleichermaßen wie für die Raumordnungskategorie Ländlichen Raum im Sinne des Landes-Raumordnungsprogrammes.

Mit dem sich seit Jahren vollziehenden Strukturwandel des ländlichen Raumes geht die Freisetzung landwirtschaftlicher Flächen, das Leerstehen und der Funktionsverlust landwirtschaftlicher Bausubstanz und einer der dörflichen Struktur nicht mehr angepassten Bauweise einher. Auf der anderen Seite erfahren die ländlichen Kommunen einen verstärkten „Siedlungsdruck von Außen“. Das heißt, auch in den ländlichen Teilräumen ist einer flächenzersiedelnden Ausbreitung von Wohn-, Handels- und Gewerbegebieten, die sich insbesondere entlang der Verkehrskorridore zwischen den großen Zentren vollzieht, entgegenzuwirken. Mit den Suburbanisierungstendenzen auf der einen Seite und den auf der anderen Seite durch Arbeitsplatzverluste im Agrarsektor in der Regel bedingten räumlichen Umorientierungen auf die Arbeitsmärkte in den Zentren geht eine Zunahme des Verkehrs einher. Diese Entwicklungen gefährden die ökologischen Funktionen der ländlichen Räume und können zum anderen die dörflichen Strukturen wie das historische Ortsbild und das soziale Gefüge zerstören. Aufgrund dessen ist eine Steuerung der Siedlungsentwicklung nach dem Leitbild der Dezentralen Konzentration auch für die ländlichen Teilräume des Kreisgebietes geboten.

Die räumliche Nähe zu den Agglomerationsräumen bringt für die ländlichen Räume des Landkreises jedoch auch Vorteile mit sich. Als attraktive Wohnstandorte mit vergleichsweise günstigen Baulandpreisen profitieren die verkehrsgünstig gelegenen Kommunen bei dem derzeitigen Steuersystem u.a. von der selektiven Zuwanderung eher jüngerer, einkommensstärkerer Bevölkerungsgruppen.


E 1.3.02

Auf der Ebene der Regionalplanung werden im Ordnungsraum des Landkreises Standorte mit der Schwerpunktaufgabe „Ländliche Siedlungen“ festgelegt, um die dörfliche Funktionsvielfalt noch weitgehend intakter Dörfer vor einer zu starken städtischen Überprägung zu schützen (siehe E 1.3 (Allgemein) sowie D und E 1.5.07). Da dieses raumordnerische Instrumentarium nach dem LROP Nds. nicht für den Raumtyp Ländlicher Raum vorgesehen ist, im Landkreis Schaumburg jedoch auch dieser Teilbereich einem verstärkten Siedlungsdruck ausgesetzt ist, ist in der Beschreibenden Darstellung des RROP das Ziel im ersten Absatz von D 1.3.02 aufgenommen.


Nach dem Leitbild der Dezentralen Konzentration (siehe E 1.1.03) sind die grund- und mittelzentralen Standorte als Versorgungsschwerpunkte und Kristallisationspunkte der teilräumlichen Entwicklung in ihrer Funktion zu stärken. Insbesondere ist die Grundversorgung der Bevölkerung im Nahbereich sicherzustellen. An peripher gelegenen ländlichen Wohnstandorten mit geringer Bevölkerungsdichte kommen für die Sicherung der Lebensmittelgrundversorgung auch Dorfläden/Nachbarschaftsläden und des Weiteren mobile Versorgungseinrichtungen in Frage.


Für die zukünftige Entwicklung des ländlichen Raumes bzw. der Dörfer ist der Erhalt und die Weiterentwicklung bäuerlich strukturierter Betriebe von wesentlicher Bedeutung. Aufgrund des agrarstrukturellen Wandels (siehe E 3.2.01) sind solche Betriebe auf außerlandwirtschaftliche Erwerbs- oder innerbetriebliche Einkommensalternativen zur dauerhaften Existenzsicherung angewiesen. Aufgrund dessen sind die regionsspezifischen Potenziale für Tourismus- und Naherholungsangebote „auf dem Lande“ wie z.B. „Urlaub auf dem Bauernhof“ auszubauen. Des Weiteren sind Handwerkerhöfe und Formen der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu unterstützen (siehe E 3.2.01 und E 3.2.04).


E 1.3.03

Siehe E 1.1.03 (Leitbild der Dezentralen Konzentration) und E 1.3 (Allgemein). Die gleiche Zielsetzung ist für die Raumordnungskategorie Ordnungsraum in D 1.4.02 festgelegt.


E 1.3.05

Die Abgrenzung  zwischen dem Ländlichen Raum und dem Ordnungsraum Hannover-Hildesheim im Landkreis Schaumburg wurde abschließend auf Gemeindebasis im Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 1994 vorgenommen.