E 1 - Entwicklung der räumlichen Struktur

E 1.5 - Siedlungsentwicklung, Wohnen, Schutz siedlungsbezogener Freiräume

Allgemein

Die Siedlungsentwicklung in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten in einer enormen Größenordnung fortgeschritten: Der Anteil der Siedlungsflächen (Siedlungs- und Verkehrsflächen) hat sich in den letzten 40 Jahren in den alten Ländern fast verdoppelt. Die Bevölkerungszunahme beträgt im gleichen Zeitraum dagegen nur rund 30%. Das zeigt, dass sich die Siedlungsflächenentwicklung von der Bevölkerungsentwicklung abgekoppelt hat. Ursächlich dafür ist der gewachsene materielle Wohlstand, der zu einem deutlichen Anstieg der individuellen Wohnflächeninanspruchnahme geführt hat (vgl. BBR (Hrsg.) (2000), S.37). Abbildung 1.5/1 verdeutlicht, dass sich diese Entwicklungen im Planungsraum dem Bundestrend entsprechend vollzogen haben.

Im Landkreis Schaumburg hat zwischen 1987 und 1998 die Größe der Wohnungen (die Wohnfläche pro Einwohner) durchschnittlich um 2,38 qm zugenommen und beträgt 1998 41,72 qm, womit sie leicht über dem niedersächsischen Durchschnitt von rund 40,95 qm liegt.

 

Abb. 1.5/1: Prozentuale Veränderung der Siedlungs- und Verkehrsfläche im Vergleich mit den Einwohnerzahlen im Landkreis Schaumburg zwischen 1981 und 1997

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Quelle: NLS (2000/II)


Das Siedlungsflächenwachstum vollzieht sich insbesondere in Form von Suburbanisierungen, das heißt, einer Flächeninanspruchnahme im Umland der großen Städte durch Verlagerung von Bevölkerung und Arbeitsstätten aus den großen Zentren (siehe auch E 1.4.01).

Die aktuellen Suburbanisierungsprozesse sind gekennzeichnet durch eine zunehmende Konzentration der Siedlungstätigkeit in den weiter entfernt liegenden Umlandbereichen der Großstädte. Die Hauptgründe für die Dezentralisierungsprozesse sind Baulandmangel und hohe Bodenpreise in den Zentren und ihrem engeren Verflechtungsbereich auf der einen Seite sowie eine vergleichbar hohe Baulandverfügbarkeit und günstigere Baulandpreise auf der anderen Seite.

Diese generellen Entwicklungstendenzen - auch bedingt durch die zunehmende Mobilität - zeichnen sich auch im weiteren Verflechtungsraum, in den Landkreisen des sog. „Zweiten Rings“ der Hannover Region ab. So hat die Nachfrage von Bürgern der Landeshauptstadt Hannover und des Landkreises Hannover seitens jüngerer Familien nach Bauland in verkehrsgünstigen Lagen des Landkreises, zum Beispiel in der Samtgemeinde Rodenberg, deutlich zugenommen (vgl. E 1.1.01 und E 1.1.02 (Wanderungsbewegungen)).

Einen noch stärkeren Beitrag als die Wohnbauflächen am Siedlungsflächenverbrauch hat in den letzten Jahren die Flächeninanspruchnahme durch Handel, Dienstleistungen, öffentliche Verwaltung, Industrie und Gewerbe. Der wachsende Flächenverbrauch des Produktionssektors ist auf Prozess- und Organisationsinnovationen zurückzuführen, die zu betrieblichen und räumlichen Trennungen einzelner Produktionsschritte geführt haben und mit einem vermehrten Flächenverbrauch einhergehen (vgl. BBR (Hrsg.) (2000), S. 35 u. S.39).

Eine zunehmende Siedlungsdispersion ist ein weiteres Merkmal aktueller Suburbanisierungsprozesse. Das heißt, auf Bundesebene ist zu beobachten, dass die größte Ansiedlungsdynamik nicht in den Zentralen Orten, sondern in den Gemeinden ohne zentralörtliche Funktionen stattfindet (vgl. BBR (Hrsg.) (2000), S. 52). Ländliche Siedlungen erfahren dadurch u.a. starke siedlungsstrukturelle Veränderungen (siehe auch E 1.3 (Allgemein)).

In Bezug auf die Wohnungsbestandsentwicklung ist neben dem Trend der Vergrößerung der Wohnfläche (s.o.) eine Verkleinerung der Haushaltsgrößen festzustellen. Zwischen 1987 und 1998 ist die durchschnittliche Haushaltsgröße im Landkreis Schaumburg um 0,12 auf durchschnittlich 2,28 Personen gesunken und entspricht damit dem niedersächsischen Mittelwert. Dabei treten innerhalb des Planungsraumes Unterschiede auf: Unter dem Durchschnitt des Kreises liegende Haushaltsgrößen sind in den Städten Bückeburg, Obernkirchen und Rinteln sowie in den Samtgemeinden Nenndorf und Eilsen zu finden (höherer Anteil an Single-Haushalten). In den übrigen Kommunen sind über dem Kreisdurchschnitt liegende Haushaltsgrößen anzutreffen.

Eine weitere allgemeine Entwicklungstendenz besteht darin, dass sich aufgrund der zunehmenden Pluralität der Lebensformen (Singles, Alleinerziehende mit Kindern, Wohngemeinschaften, etc.) eine größere Vielfalt an Haushaltstypen herausbildet (vgl. BBR (Hrsg.) (2000), S. 16). Aus dieser Entwicklung sollten bauleitplanerische Konsequenzen gezogen werden. Das heißt, dass nicht mehr vorrangig Wohnbauland für die Erstellung von Ein- und Zweifamilienhäusern ausgewiesen werden sollte, wie es in den letzten Jahren im Landkreis Schaumburg zu beobachten war, sondern künftig auch das Angebot an Mehrfamilienhäusern vergrößert werden sollte.


E 1.5.01

Von großer Bedeutung für die Wohn- und Lebensqualität, die Identifikation der Bürger mit ihrem Wohnort und die lokale und regionale Identität ist ein Siedlungsgefüge mit regionstypischen gewachsenen Strukturen und historischen Gebäuden, die die kulturelle Entwicklung der Städte und Gemeinden widerspiegeln. Aus diesem Grunde sind bei der weiteren Siedlungsentwicklung – auch bei Innenentwicklungsmaßnahmen – historische Ortsbilder und regionstypische Übergänge von bebauten Ortslagen zur freien Landschaft zu erhalten. Historische Siedlungsformen, wie z.B. Hagenhufendörfer, sollen durch weitere Siedlungstätigkeiten nicht überprägt werden (siehe auch D und E 2.6.01/02 sowie E 1.5.07 (Standorte mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Ländliche Siedlung)).

Der Städtebau ist gefordert, zu verhindern, dass an gewachsene Siedlungsformen in Baustil, -material und -anordnung fremdkörperartige Neubausiedlungen angegliedert werden.

Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse, unter der Prämisse einer nachhaltigen Stärkung der regionalen Identität und baulich kulturellen Eigenart der Dörfer bzw. Städte, leisten die Dorfentwicklungsplanung und Maßnahmen der Städtebauförderung. Des Weiteren trägt die Denkmalpflege erheblich zum Attraktivitätserhalt der Städte und Gemeinden bei. (Siehe auch E 3.2.05 (PROLAND).)


E 1.5.02

Der Erhalt von ökologisch und für das Landschaftsbild bedeutsamen Freiräumen mit seinen vielfältigen Funktionen (siehe E 1.4 (Allgemein)) muss in Anbetracht der starken Freirauminanspruchnahme für Siedlungszwecke der vergangenen Jahre (siehe E 1.5 (Allgemein)) Hauptanliegen jeder nachhaltigen Raum– und Stadtplanung sein. Das heißt, dass vor der siedlungsmäßigen Überplanung von Außenbereichsflächen die Kommunen vorrangig zu prüfen haben, inwieweit der neue Flächenbedarf durch sog. Innenentwicklungsmaßnahmen gedeckt werden kann (städtebauliche Innenentwicklung). So sollen die benötigten Bauflächen nach Möglichkeit in Baulücken, auf Brachflächen, ehemaligem Militärgelände (Konversion) und als Arrondierungsflächen am Rande vorhandener Siedlungen untergebracht werden. Dorftypische und innerstädtische Freiflächen, die für die (wohnortnahe) Erholung bedeutsam sind oder ökologisch wichtige Ausgleichsfunktionen für die verdichteten Bereiche haben, sollten jedoch von Überbauung ausgespart bleiben. Das Gleiche gilt für Freiflächen mit siedlungsgliedernder und landschaftsgestaltender Funktion.

Bei Aufstellung und Änderung von Bauleitplänen ist eine Bestandsaufnahme der Flächenreserven im Erläuterungsbericht zu erbringen und der grundsätzliche Bedarf für geplante Siedlungsflächenausweisungen nachvollziehbar zu begründen.

Aufgrund der wichtigen Bedeutung von Waldrändern für ökologische Funktionen und die landschaftliche Erlebnis- und Erholungsqualität müssen diese in einem Mindestabstand von in der Regel 100 Metern von Bebauungen freigehalten werden (vgl. RROP-Entwurf des Landkreises Schaumburg von 1988, D 4.03; LROP Nds. 1994, S. 163 ).
(Siehe auch E 3.3.02/05 !)


E 1.5.03

Die Entwicklung der Raum- und Siedlungsstruktur des Planungsraumes soll nach dem Leitbild der Dezentralen Konzentration (siehe D und E 1.1.03) erfolgen. Dieses bedeutet, dass die Siedlungsentwicklung vorrangig auf die standortbezogen (siehe C 1.6.03) festgelegten Grund- und Mittelzentren konzentriert werden soll. Diese bieten aufgrund ihrer Lagegunst und ihrer infrastrukturellen Ausstattung gute Voraussetzungen für eine weitere Konzentration von Wohn- und Gewerbeflächen. Zum anderen müssen sie in ihrer Funktion als Versorgungszentren der Region gestärkt werden.

Aufgrund der in der Regel jedoch unterschiedlichen Leistungsfähigkeit von Grund- und Mittelzentren ist dabei im LROP den Mittelzentren landesplanerisch die Schwerpunktaufgabe für die Sicherung und Entwicklung von Wohn- und Arbeitsstätten zugewiesen (vgl. LROP Nds., Teil I, B 6.07).

Außerdem sind auf regionaler Ebene die Grundzentren Obernkirchen und Lauenau als weitere Standorte mit der Schwerpunktaufgabe für die Sicherung und Entwicklung von Arbeitsstätten festgelegt. Die beiden grundzentralen Standorte sind aufgrund ihrer regionalen Sondersituationen für diese Schwerpunktaufgaben geeignet:

  • Der OT Obernkirchen verfügt als Grundzentrum über eine überdurchschnittliche infrastrukturelle Grundausstattung. Die weitere Entwicklung der Stadt ist jedoch in besonderem Maße abhängig von der betriebswirtschaftlichen Entwicklung eines Großunternehmens der krisenbehafteten Glasindustrie. Durch die Vergabe der Sonderfunktion „Schwerpunktaufgabe Sicherung und Entwicklung von Arbeitsstätten“ wird der ausgeprägten Strukturschwäche – die zusätzlich durch die aktuelle gesamtwirtschaftliche Konjunkturschwäche verschärft wird – regionalplanerisch Rechnung getragen.
  • Der OT Lauenau
    • besitzt einen herausgehobenen Standortvorteil am Schnittpunkt der BAB 2 und der B 442,
    • zeichnet sich durch eine in der Vergangenheit außergewöhnlich erfolgreiche Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe aus,
    • verfügt über besondere Potenziale für eine weitere gewerbliche Entwicklung (Gewerbeflächen in unmittelbarer Lage an der BAB-Anschlussstelle „Lauenau“ und im Kernbereich des Grundzentrums auf dem ehemaligen „Casala-Gelände“).

Die Siedlungsentwicklung in den Gemeinden bzw. Mitgliedsgemeinden und Ortsteilen der Samtgemeinden und Einheitsgemeinden ohne zentralörtliche Funktion muss auf eine angemessene „Eigenentwicklung“ begrenzt bleiben. Das heißt, der Umfang der Baulandausweisungen hat sich dort an dem Bedarf der ortsansässigen Bevölkerung zu orientieren. Eine genaue Quantifizierung von Eigenentwicklung ist nur schwer möglich und deshalb auch auf Landesebene noch nicht erfolgt. In jüngster Zeit sind flächenbezogene Ermittlungsansätze für einen eigenentwicklungsbezogenen Näherungswert in der Diskussion.

Eine darüber hinaus gehende bedarfsgerechte Wohnbaulandentwicklung kommt jedoch für Grundzentren und solche Gemeinden bzw. Gemeindeteile ohne zentralörtliche Funktion - nach dem Prinzip der Dezentralen Konzentration - in Frage, die über eine ausreichende Grundausstattung mit zentralen Einrichtungen verfügen (Kindergarten, Grundschule, Lebensmittelgrundversorgung etc.) und im Einzugsbereich des regional bedeutsamen Öffentlichen Personennahverkehrs liegen (siehe E 3.6.1.01).

Des Weiteren kommen solche Gemeinden oder Gemeindeteile als örtliche Schwerpunktbereiche für Siedlungsentwicklung – unter den o.g. Voraussetzungen - in Betracht, die Entlastungsfunktionen für einen benachbarten zentralen Ort übernehmen sollen. Voraussetzung dafür ist ein zwischen der „entlasteten“ und „Siedlungsfläche übernehmenden“ Gemeinde unter Einbezug des Landkreises Schaumburg abgestimmtes Siedlungsflächenentwicklungskonzept. Von dieser Möglichkeit könnte beispielsweise Gebrauch gemacht werden, wenn das standörtlich festgelegte Grund- oder Mittelzentrum aufgrund topographischer Verhältnisse oder einer starken Siedlungsflächeneinschränkung durch naturschutzfachliche Restriktionen (Natur-/Landschaftsschutzgebiete), gesetzliche Überschwemmungsgebiete oder anderweitige vorrangige Nutzungen wie Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung den nachgewiesenen Siedlungsflächenbedarf im Bereich des Zentralen Ortes nicht mehr bereitstellen kann. Als Beispiele können diesbezüglich aus Sicht des Landkreises der grundzentrale Standort Bad Eilsen, Samtgemeinde Eilsen, und der mittelzentrale Standort in der Stadt Bückeburg (OT Bückeburg) genannt werden.


E 1.5.04

Nach dem Prinzip „der kurzen Wege“ soll durch eine stärkere Verknüpfung der Funktionen, insbesondere von Wohnen und Arbeiten, ein Beitrag zur Verkehrsvermeidung angestrebt werden. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass dem Erfolg dieses planerischen Leitzieles in der zunehmenden Arbeitsplatzmobilität deutliche Grenzen gesetzt werden.


E 1.5.06

Das Ziel der vorrangigen Verwertung verfügbarer Altgewerbe- und Industriegebiete vor der Inanspruchnahme neuer Freiraumflächen dient der Innenentwicklung der Städte und Gemeinden. Dadurch sollen sowohl Grund und Boden geschont werden als auch die Nutzung und Attraktivität brachliegender, oft sanierungsbedürftiger kontaminierter Bereiche, die durch Bauruinen das städtebauliche Erscheinungsbild und Image schädigen, wiederhergestellt werden. Dabei kommt ein „Flächenrecycling“ aus raumordnerischer Sicht vorrangig für städtebaulich integrierte Lagen in Frage. Eine Vielzahl unterschiedlichster Beispiele für die Reaktivierung von Gewerbe- und Industriebrachen zur Behebung von städtebaulichen Missständen findet man im Ruhrgebiet.


E 1.5.07

Der Festlegung von Standorten mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Erholung und Fremdenverkehr liegen folgende Kriterien zugrunde:

(1.)
Natürliche Eignung der sie umgebenden Landschaft
Diese ist dann gegeben, wenn die Landschaft eine mittlere bis hohe Erlebnisvielfalt (Abwechslungsreichtum) und eine hohe Landschaftsbildqualität aufweist. Als besonders erholungswirksame Landschaftsfaktoren sind Wald- und Gewässerränder sowie Reliefunterschiede zu nennen (vgl. Wolf/Jurczek (1986), S. 49). Voraussetzung ist des Weiteren eine Zugänglichkeit der attraktiven Bereiche für landschaftsbezogene Erholungsformen wie dem Wandern, Radwandern, Reiten etc.. Für die Einschätzung der Erholungsqualität der Landschaftsteilräume ist der Landschaftsrahmenplan (LRP) des Landkreises Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000) herangezogen worden. Darüber hinaus liegt eine Erholungseignung in der Regel dann vor, wenn die Standorte innerhalb oder in engem räumlichen Bezug zu einem der flächenhaft ausgewiesenen Vorrang- oder Vorsorgegebiete für Erholung liegen (siehe Zeichnerische Darstellung). (Vgl. LROP Nds. 1994, S. 121.);

(2.)
Regional bedeutsame Sehenswürdigkeiten wie Kulturdenkmale, kulturelle Einrichtungen wie Museen, Heimathäuser, Theater, besondere lokale oder regionstypische Ausstellungen und Veranstaltungen;

(3.)
konzentriertes Angebot freizeitbezogener Infrastruktur wie Gastronomie, Wander- und Radwege mit Routenvorschlägen, Erlebnispark, Wassersportmöglichkeiten etc..

Für die Vergabe der besonderen Entwicklungsaufgabe Fremdenverkehr ist darüber hinaus

(1.)
ein quantitativ und qualitativ erhöhtes Angebot an Beherbergungseinrichtungen unterschiedlicher Art (Hotels, Pensionen, Ferienappartements/-wohnungen, Heuhotel, Fremdenzimmer auf dem Bauernhof, Jugendherberge etc.)

(2.)
eine im regionalen Vergleich höhere Anzahl an Gästeankünften und –übernachtungen und

(3.)
das Vorhandensein grundzentraler Einrichtungen

relevant.


Neben der derzeitigen Eignung eines Standortes für die Vergabe der Erholungs- und Fremdenverkehrsentwicklungsaufgabe sind natürlich auch die Entwicklungspotenziale berücksichtigt.

Die Gemeinden mit den o.g. Funktionszuweisungen sind besonders gefordert, aufbauend auf den jeweiligen orts- und regionsspezifischen Entwicklungspotenzialen, die für die Lebensqualität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region wichtigen Aufgaben zu stärken und weiterzuentwickeln (siehe auch C und E 3.1.08).

Da, wie in E 1.5 (Allgemein) ausgeführt, dem Abwanderungsprozess der Bevölkerung aus den großen Zentren in ihr Umland neuerdings verstärkt ländliche Siedlungen ausgesetzt sind, werden für den Teilbereich des Ordnungsraumes Standorte mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Ländliche Siedlung festgelegt. (Vgl. D und E 1.3.02 für die Raumordnungskategorie Ländlicher Raum.)

Dabei handelt es sich um solche Dörfer, die im Vergleich zu den anderen ländlichen Siedlungen noch (vorrangig) über gewachsene historische Ortsstrukturen und einer typischen Gemengelage unterschiedlicher Funktionen – bei einer Dominanz (bäuerlich strukturierter) Landwirtschaft - verfügen. Des Weiteren sind sie nicht durch unorganisch an den Ortskern angegliederte Neubausiedlungen mit Häusern unterschiedlichster regionsuntypischer Baumaterialien überformt, und deren Siedlungsränder sind (überwiegend) durch sanfte Übergänge in die freie Landschaft eingebettet.

Als Grundlage für die Funktionszuweisung wurden u.a. Dorferneuerungspläne und der Landschaftsrahmenplan des Landkreises (Vorentwurf Juli 2000) herangezogen.

Mit der Funktionsvergabe ist nicht beabsichtigt, die Orte als „Museumsdörfer“ hinsichtlich ihrer Entwicklung zu „konservieren“. Vielmehr sollen die dort noch vorherrschenden dörflich-intakten Strukturen maßvoll weiterentwickelt und eine städtische Überprägung verhindert werden. Ein gezielter Ausbau der Funktionsvielfalt und –mischung, besonders zugunsten landwirtschaftlicher Handels-, Dienstleistungs- und Verarbeitungsbetriebe ist anzustreben (MI (1995), 1.7). Diese ländlichen Siedlungen leisten auch durch ihr äußerlich intaktes Erscheinungsbild einen wesentlichen Beitrag für die regionale Identität des Schaumburger Landkreises. In dieser Qualität liegt auch ein hohes Potenzial für eine tourismusbezogene Entwicklung, zum Beispiel durch Ferienangebote auf dem Bauernhof u.ä.. Diese Ausführungen gelten gleichermaßen für die von der Festlegung Kulturelles Sachgut in der Zeichnerischen Darstellung erfassten Dörfer (siehe D und E 2.6.01/02).

Die mit der Fortschreibung des LROP 2002 eingeführte Möglichkeit einer Steuerung von Tierhaltungsanlagen im RROP durch Festlegung von Vorranggebieten oder Eignungsgebieten mit Ausschlusswirkung an anderer Stelle des Planungsraumes wird grundsätzlich begrüßt (vgl. LROP Nds. Änderung und Ergänzung 2002, geänderte Abschnitte B 8.03 und C 1.5.07). Eine Konkretisierung durch regionale Ziele erscheint aber zur Zeit nicht erforderlich.