E 2 - Schutz, Pflege und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

E 2.2 - Bodenschutz

E 2.2.01

Der Boden ist zusammen mit Luft, Wasser und Sonnenlicht die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und den Menschen und zählt damit zu den kostbarsten Gütern der Menschheit. Da es sich bei dem Schutz des Bodens um eine Querschnittsaufgabe handelt, sind die für den Bodenschutz relevanten raumordnerischen Ziele nicht nur in dem vorliegenden Kapitel enthalten, sondern auch in andere Abschnitte des Raumordnungsprogramms integriert (siehe hierzu D 1.5 (Siedlungsentwicklung), D 2.1 (Naturschutz und Landschaftspflege), D 2.3 (Gewässerschutz), D 2.4 (Luftreinhaltung), D 2.6 (Schutz der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter), D 3.2 (Landwirtschaft), D 3.3 (Forstwirtschaft), D 3.4 (Rohstoffgewinnung), D 3.9 (Wasserwirtschaft) und D 3.10 (Abfallwirtschaft)).

Der Boden hat im Naturhaushalt eine Vielzahl von Funktionen; er erfüllt vielfältige Aufgaben der Filterung, Pufferung und Stoffumwandlung (Regelungsfunktion), er bildet den Lebensraum für die bodenbewohnenden Organismen und stellt den Wurzelraum für die Pflanzen dar (Lebensraumfunktion), er gewährleistet die Nährstoffversorgung von Pflanzen und damit die Produktion von Biomasse (Produktionsfunktion) und er ist Teil der Naturlandschaft. Der Boden dient zugleich dem Menschen als

  • Produktionsgrundlage für die Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen,
  • Standort für Wohnen, Industrie und Gewerbe, Erholungsnutzungen und Infrastruktureinrichtungen,
  • Standort für Deponien,
  • Grundwasserspeicher,
  • Lagerstätte für Bodenschätze und Energiequellen,
  • Erholungsraum und
  • Archiv für natur- und kulturhistorische Prozesse.

Unter der Vielzahl der unterschiedlichen Böden des Kreisgebietes gibt es bestimmte Formen, denen für den Ressourcen- und Naturschutz eine besondere Bedeutung zukommt. Hierbei handelt es sich um

  • weitgehend von Menschen unbeeinträchtigte Böden (naturnahe Böden); diese sind im Kreisgebiet vor allem alte Waldstandorte im Schaumburger Wald, Haster Wald und im Weser-Leinebergland (Bückeberge, Deister, Lipper Bergland, Süntel, Wesergebirge),
  • Bodenformen mit extremen Verhältnissen ihres Bodenwasserhaushaltes (feuchte bzw. trockene Sonderstandorte), ihres Nährstoffgehaltes und/oder ihres pH-Wertes (vor allem Gleye, Niedermoore, Rendzinen und Ranker),
  • Bodenformen mit geringer Verbreitung (siehe Tab. 2.2/1), die deshalb besonders erhaltenswert sind (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000, S. 3-46 f.).
 

Tab. 2.2/1: Seltene Böden im Landkreis Schaumburg

Ausprägung

Verbreitung im Landkreis Schaumburg

Terrestrische Böden

Ranker

schmale Kammbereiche von Bückebergen, Deister und Rehburger Bergen

Rendzinen

kleinflächig in Kammlagen und an Hängen von Wesergebirge, Süntel und Deister

sandige, trockene, zum Teil podsolierte Braunerden

Vorkommen vor allem in der Kameslandschaft bei Möllenbeck und im äußersten Nordosten des Landkreises zwischen Altenhagen und Wunstorf

staunasse Podsole

nördlicher Schaumburger Wald (bei Spießingshol)

Semiterrestrische Böden

Gleye und Anmoorgleye mit ±  intaktem Wasserhaushalt

schmale Bachniederungen, vor allem in Waldbereichen (Schaumburger Wald, Haster Wald, Wälder des Berglandes), Bückeburger Niederung, Randsenke des Wesertals bei Möllenbeck

Gleye im Bereich kalkhaltiger Quellen (Quelltuffbildung)

kleinflächig, z.B. im NSG Teufelsbad bei Bad Eilsen, bei Steinbergen, Krater bei Bad Nenndorf

Moore

Niedermoorböden

in größerer Ausdehnung in der Hagenburger Moorniederung, kleinflächig im Bereich von Gewässerniederungen (z.B. Rieheniederung bei Hiddensen)

Quelle: LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-48

 

Aus den angesprochenen unterschiedlichen Funktionen und Nutzungen des Bodens resultieren zum Teil erhebliche Belastungen und Veränderungen, die sich auch auf andere Teilbereiche unserer Umwelt auswirken (siehe Tab. 2.2./2). Stoffeinträge aus den verschiedensten Quellen, Änderungen der Bodenbewirtschaftung in Landwirtschaft und Gartenbau sowie der hohe, noch immer wachsende Bedarf an Siedlungs- und Infrastrukturflächen zeigen, dass der Boden ohne notwendige Korrekturen der bestehenden Belastungen und insbesondere ohne Vermeidung bzw. deutliche Verminderung weiterer Belastungen in seinen Funktionen und Potenzialen erheblich geschädigt wird.
 

Tab. 2.2/2: Beeinträchtigungen von Böden und ihre Auswirkungen

Art der Beeinträchtigung

Herkunft/Ursachen

mögliche Auswirkungen für Böden und andere Ökosysteme

Bodenversiegelung

zunehmender Flächenverbrauch durch Siedlung, Gewerbe und Verkehr

  • vollkommener Funktionsverlust
  • verringerte Grundwasserneubildung, erhöhter Oberflächenabfluss
  • Beeinträchtigung des Siedlungsklimas

Bodenauf-/abtrag, Bodenabbau

Hoch- und Tiefbaumaßnahmen, Rohstoffabbau, Melioration

  • Reliefzerstörung
  • Funktionsverlust

Ablagerung von Abfällen

Haus- und Gewerbemüll, Bauschutt

  • Funktionsverlust
  • Grundwasser- und Bodenkontamination

Bodenbearbeitung/ -verdichtung

Maßnahmen zur Produktionssteigerung/Einsatz schwerer Bearbeitungsgeräte

  • Veränderung des Bodengefüges, der Infiltration und der Bodenfauna und -flora

Bodenerosion

nicht standortgerechte Landnutzung

  • Funktionsverlust
  • Belastung benachbarter Still- und Fließgewässer

Entwässerung

Drainagen

  • Verlust an Feuchtstandorten
  • stoffliche Belastung von Gewässern

Nähr- und Schadstoffeinträge

Überdüngung:
Düngergaben über den Pflanzenbedarf hinaus

  • Nährstoffauswaschung in Grund- und Oberflächenwasser
  • Eutrophierung von nährstoffarmen Standorten, Grundwasser, Fließ- und Stillgewässern
 

Säuren:
Kfz-Verkehr, Feuerungsanlagen, nicht standortgerechte Forstwirtschaft (Rohhumusbildung unter Fichten- und Kiefernforsten)

  • Mobilisierung von toxischen Stoffen (AI, Schwermetalle)
  • Verlust von puffernden Nährstoffen
  • Verringerung der biologischen Aktivität
  • Zerstörung von wertvoller Bodensubstanz (Tonminerale)
  • Waldschäden, Boden- und Gewässerversauerung
 

Metalle (Schwer- und Leichtmetalle):
Kfz-Verkehr, Feuerungsanlagen, Siedlungsabfälle, Klärschlämme, Reifenabrieb, Düngemittel

  • Anreicherung in Böden
  • je nach Metall und Konzentration Wirkung als Nähr- oder Schadstoff
  • je nach Metall Anreicherung in Nahrungsketten
 

Salze:
winterlicher Streudienst, Düngemittel

  • pH-Erhöhung
  • Grundwasserbelastung
  • Verlust an Nährstoffen
  • Verätzung der Straßenvegetation
 

Organische Schadstoffe (Dioxine, Furane, PAKs, Pestizide):
Kfz-Verkehr, Hausbrand, Müllverbrennung, Landwirtschaft, Klärschlämme

  • Anreicherung in Böden, je nach Schadstoff Übergang vor allem in den Wasserkreislauf

Quelle: verändert nach Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen (Hrsg.) (1992), S.33

Quelle: LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-49

 

E 2.2.02-04

Die stofflichen Belastungen des Bodens resultieren aus dem direkten Eintrag von festen, gelösten oder gasförmigen Stoffen oder deren indirekten Eintrag über Luft und Niederschläge. Beeinträchtigungen und Belastungen des Bodens durch stoffliche Einträge, insbesondere aus Industrie und Gewerbe, Verkehr, Deponien, Altablagerung, Landwirtschaft und Haushalten sind zu vermeiden oder zumindest zu vermindern.

Die Vermeidung von Schadstoffeinträgen in den Boden hat grundsätzlich bei allen Nutzungen und Maßnahmen höchste Priorität. Die Entstehung und Ausbreitung von Schadstoffen soll durch die Verwendung und Verarbeitung möglichst umweltschonender Produkte und den Einsatz emissions- und reststoffarmer Produktionstechniken bereits an der Quelle verhindert werden.

Auf landwirtschaftlich und dabei besonders auf ackerbaulich genutzten Flächen wird eine Vielzahl von Stoffen aufgebracht, die neben der gewünschten ertragssteigernden Wirkung auch zu Schadstoffbelastungen führen kann. Hierzu gehören Düngemittel, Pestizide und Klärschlämme, die zum Teil Schwermetalle oder toxische organische Verbindungen enthalten können (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-53). In der Landwirtschaft müssen Düngemittelgaben zum Ausgleich von Nährstoffdefiziten nach Art und Menge, Zeitpunkt und Standort dem Bedarf der jeweiligen Kulturpflanzen entsprechen. Überdüngungen sind zu vermeiden (siehe auch E 3.2.01).

Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist weitestgehend zu beschränken.

In der Forstwirtschaft ist der Einsatz von Bioziden soweit wie möglich einzuschränken (siehe auch E 3.3.02/05).

Schadstoffbelastungen der Wassersedimente, die bei Überschwemmungen in die Aue eingetragen werden, bilden eine besondere Quelle für Bodenbeeinträchtigungen. Für das natürliche Überschwemmungsgebiet der Weser ist von einer Beeinträchtigung durch insbesondere Schwermetalle, persistente organische Verbindungen und Salze auszugehen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-53; siehe auch E 2.3.07).

Entlang stark befahrener Straßen - vor allem im unmittelbaren Nahbereich (0 bis 50 m) zur Fahrbahn - wird der Boden durch den konzentrierten Eintrag von Tausalzen, Schwermetallen, Ölen, Ruß, Reifenabrieb und organischen Kohlenwasserstoffen stark verschmutzt (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-53). Die Böden im Randbereich stark befahrener Straßen - etwa der Bundesautobahn A2 und der Bundesstraße B 65, B 83, B 238 und B 441 - dürften neben Altablagerungen und Altstandorten zu den besonders belasteten im Landkreis Schaumburg zählen.

Viele Waldstandorte sind durch Niederschlag eingetragene nasse Säuredispositionen und die damit ausgelöste Versauerung der Böden stark belastet. Verantwortlich hierfür sind die erheblichen Immissionsbelastungen durch Schwefel- und Stickstoffverbindungen, deren Ausgangspunkt im Wesentlichen in den Emittentengruppen Kraftwerke, Industrie- und Gewerbebetriebe, Haushalte und Verkehr liegt. Messungen, die 1992 im Bereich des Schaumburger Waldes und am Nordhang der Bückeberge vorgenommen wurden, weisen ein bedrohliches Ausmaß der Bodenversauerung nach. Ein Vergleich mit Daten aus dem Jahr 1984 zeigt, dass die pH-Werte in diesem Zeitraum deutlich abgenommen haben, und zwar an fast allen untersuchten Standorten auf pH-Werte zwischen 3 bis 4 und zum Teil sogar darunter. Unter diesen Bodenbedingungen kommt es zur Zerstörung der für Nährstoffspeicher und Puffervermögen notwendigen Ton- und Humusbestandteile und zu einem erheblichen Nährstoffverlust der Böden. Dieser Prozess gilt als eine der wesentlichen Ursachen der sog. neuartigen Waldschäden (siehe auch E 3.3.06). Auch für andere bewaldete Bereiche auf versauerungsfähigen Standorten sind ähnlich niedrige pH-Werte anzunehmen; insbesondere sind in diesem Zusammenhang weite Teile des Deisters und des Lipper Berglandes anzuführen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-54). In der Textkarte 5 „Boden II“ des LRP-Vorentwurfes sind die versauerungsfähigen Standorte im Maßstab 1:100.000 dargestellt.

Das Filtervermögen der Böden, d.h. deren Fähigkeit, Schadstoffe zu binden, variiert je nach Art des Schadstoffes und in Abhängigkeit von den Bodeneigenschaften. In der Textkarte 6 „Grundwasser“ des LRP-Vorentwurfes ist für das Kreisgebiet im Maßstab 1:100.000 eine Einstufung der Empfindlichkeit des Grundwasser gegenüber Verschmutzung vorgenommen worden.

Böden, die durch Kontamination mit Schadstoffen geschädigt sind, sind möglichst zu sanieren. Wo eine Sanierung nicht oder kurzfristig nicht möglich ist, sind Nutzungen, die zu weiteren Belastungen führen und Einträge von problematischen Stoffen zu vermeiden.

Die Filter- und Pufferfähigkeit und die Erhaltung des Bodenlebens kann auf Dauer nur durch eine erhebliche Verminderung und ausreichende Begrenzung der Schadstoffeinwirkungen und anderer Einflussfaktoren gewährleistet werden. Bis zu einer ausreichenden Begrenzung der Schadstoffeinwirkungen sind zur Erhaltung der Bodenfunktionen geeignete Maßnahmen zu treffen, wie z.B. die Bodenschutzkalkung.


E 2.2.05

Wohnen, Industrie, Gewerbe, Verkehr sowie Freizeit und Erholung entziehen durch ihre zunehmende Flächeninanspruchnahme Boden für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung und tragen durch die Überbauung und Versiegelung der oberen belebten Bodenschicht zum Bodenverbrauch und zur Beeinträchtigung der ökologischen Funktionen des Bodens bei. Umfangreiche Oberflächenversiegelungen beeinträchtigen den Naturkreislauf. Unter anderem wird durch die Verhinderung der Versickerung von Niederschlagswasser die Grundwasserneubildung verringert, demgegenüber der Oberflächenabfluss jedoch beschleunigt und die Gefährdung durch Hochwasser erhöht. Schwerpunkträume der Versiegelung sind im Kreisgebiet die Mittelzentren Bad Nenndorf, Bückeburg, Stadthagen und Rinteln. Ferner sind insbesondere in ausgeprägten Siedlungsbändern, wie z.B. am Fuß der Bückeberge von Heeßen und Bad Eilsen über Obernkirchen nach Nienstädt oder im Wesertal von Exten über Rinteln nach Todenmann und Steinbergen, vergleichsweise hohe Versiegelungsgrade festzustellen. Aber auch die Stadt Rodenberg und die Gemeinde Lindhorst sind relativ dicht bebaut. (Vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-50 und NLÖ (Hrsg.) (o.J.): CD-ROM „Umweltdaten aus Niedersachsen“. Versiegelungsgrade auf Gemeindeebene für 1997.)

Die erforderliche Beschränkung der zusätzlichen Flächeninanspruchnahme auf das unabweisbar notwendige Maß und der weitestgehende Ausgleich durch Maßnahmen der Entsiegelung gelten in besonderem Maße für Böden in dicht bebauten Gebieten und für aus Sicht des Ressourcen- und Naturschutzes hochwertige Böden (siehe E 2.2.01).


E 2.2.06

Bodenverdichtung und Bodenerosion zählen zu den mechanischen Einwirkungen, die den Boden nachhaltig beeinträchtigen; sie sind in der Regel die Folge unsachgemäßer Bodenbearbeitung und mangelnder Bodenpflege.

Bodenverdichtungen gehen insbesondere von der intensiven Bodenbearbeitung im Ackerbau aus. Sie entstehen durch zu hohe Maschinengewichte, zu häufiges Befahren und durch Bearbeitung bei zu hoher Bodenfeuchte (vgl. Landwirtschaftskammer Hannover und Landwirtschaftskammer Weser-Ems (Hrsg.) (1991), S. 6). Folge der Strukturschäden des Oberbodens sind die Verringerung der Wasserspeicherung und Wasserleitfähigkeit, die Behinderung des Gasaustausches zwischen Boden und Atmosphäre und die Beeinträchtigung der Bodenorganismen.

Im Landkreis Schaumburg ist die Problematik der Bodenverdichtung besonders relevant, da die bindigen Böden in der Börde und in weiten Teilen des Berglandes, aber auch die verbreitet schluffigen und lehmigen Böden der Auenbereiche der Bückeburger und Rodenberger Aue, Weser und der kleineren Fließgewässer hohe Verdichtungsempfindlichkeiten aufweisen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-50 f.). Das Verdichten des Bodens ist in diesen Gebieten durch eine bodenschonende Landbewirtschaftung zu vermeiden.

Der Vorgang der Bodenerosion führt zum Verlust von humus- und nährstoffhaltiger Feinerde und durch die Verringerung der Gesamtbodenmächtigkeit zu erheblichen Beeinträchtigungen bei der Nährstoffversorgung, der Wasserspeicherung und der Filterleistung des Bodens. In angrenzenden Lebensräumen können Belastungen durch den Eintrag des erodierten Materials entstehen.

Das aktuelle Risiko durch Wasser- oder Winderosion ergibt sich aus der Überlagerung der spezifischen Empfindlichkeit mit der aktuellen Nutzung. Mit Dauergrünland oder Wald bedeckte Böden weisen im Vergleich zu Ackerflächen nur ein geringes Erosionsrisiko auf.

Wesentliche Ursachen der Erosion auf landwirtschaftlich genutzten Standorten sind

  • Grünlandumbruch,
  • Beseitigung von Hecken und Ackerrainen,
  • Vergrößerung der Schläge,
  • Ausweitung erosionsfördernder Kulturen,
  • nicht standortangepasste Bodenbearbeitung,
  • hangabwärts gerichtete Bodenbearbeitung (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-51 f.).

Im Kreisgebiet besteht auf ackerbaulich genutzten Böden ein erhöhtes Erosionsrisiko durch Wasser,

  • insbesondere im Bereich des Wesergebirges, Deisters, Süntels, Lipper Berglandes, der Bückeberge und der Rehburger Berge, aufgrund der verbreitet hängigen Standorte und der schluffigen und lehmigen Substrate (siehe Landschaftsrahmenplan Entwurf (Juli 2000), Textkarte „Boden II“ und Textkarte „Retention“) und
  • in den natürlichen Überschwemmungsgebieten der Fließgewässer vor allem von Weser, Rodenberger Aue und Sachsenhäger Aue (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-52).

Im Vergleich zur Wassererosion spielt die Erosion der Böden durch Wind im Kreisgebiet aufgrund der überwiegend bindigen Böden nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich im Norden des Landkreises bei Hagenburg, Schmalenbruch, Wölpinghausen und Wiedensahl, wo sandige Böden häufiger vorkommen und ackerbaulich genutzt werden, besteht kleinflächig ein erhöhtes Winderosionsrisiko (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-52).

Bodenerosion durch Wasser und Wind auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist durch standortgerechte Bewirtschaftungsformen, erosionshemmende Flurgestaltungen, angepasste Wegeführungen und Schutzpflanzungen zu vermeiden. In Überschwemmungsgebieten und besonders erosionsgefährdeten Hanglagen kommt der Grünlandnutzung zur ganzjährigen Bodenbedeckung, das heißt der Rückführung von Acker in Grünland bzw. der vorsorgenden Vermeidung von Grünlandumbruch, eine besondere Bedeutung zu (siehe E 2.3.03).


E 2.2.07

Beeinträchtigungen des Bodenwasserhaushaltes und damit auch des gesamten Naturhaushaltes entstehen u.a. durch Oberflächenversiegelungen, Regulierungen von Grundwasserständen, Eingriffen in das natürliche Abflussgeschehen von Fließgewässern, übermäßigen Grundwasserentnahmen sowie durch Veränderungen des natürlichen Reliefs. Weitere Ausführungen mit Bezug zum Bodenwasserhaushalt: siehe E 2.3 (Gewässerschutz) und E 3.9 (Wasserwirtschaft).


E 2.2.08

Es wird auf D 3.2.02 und E 3.2.02 verwiesen.


E 2.2.09

Die Forstwirtschaft soll durch die pflegliche und bodenschonende Bewirtschaftung des Waldes die Regenerationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Waldböden erhalten und langfristig sichern (siehe auch E 3.3.02/05). Wälder bieten einen wirksamen Schutz des Bodens und der Bodendynamik. Der Verlust an Waldfläche ist daher zu vermeiden; bei unumgänglicher Inanspruchnahme von Waldflächen sind Ersatzaufforstungen - mindestens in funktionsgleichem Wert und im engeren räumlichen Bereich - vorzunehmen (siehe auch E 3.3.06).