E 2 - Schutz, Pflege und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

E 2.3 - Gewässerschutz

E 2.3.01

Unbeeinträchtigte bzw. gering belastete ober- und unterirdische Gewässer sind eine wesentliche Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts und als Naturgüter u.a. wichtig für die langfristige Trinkwasserversorgung. Darüber hinaus sind sie wichtige Standortfaktoren. „Der Wasserhaushalt muss daher als Teil des Naturhaushaltes gesichert werden, der in der Lage ist, sein Gleichgewicht zu erhalten und den Menschen sowie den Tier- und Pflanzenarten eine dauerhafte Lebensgrundlage auch für die Zukunft zu geben. Dazu müssen vorrangig

  • die Belastungen des Grundwassers und der Oberflächengewässer mit Stoffen, die die Beschaffenheit des Wassers verändern oder beeinträchtigen, vermieden oder zunächst vermindert werden,
  • die Funktionen der Fließgewässer und der Seen als Lebensräume einer natürlichen Umgebung sowie ökologisch bedeutsame Feuchtgebiete erhalten werden“ (LROP Nds. 1994, S. 150).

Die Bedeutung eines umfassenden, nachhaltigen und am Vorsorgeprinzip orientierten Schutzes der Gewässer ist in den vergangenen Jahren zunehmend erkannt worden. Wesentliche Grundlagen, Ziele, Planungen und Maßnahmen für den flächenhaften Gewässerschutz im Landkreis Schaumburg enthalten

  • die Gewässergüteberichte und -karten des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) (siehe E 2.3.03),
  • das Niedersächsisches Fließgewässerschutzsystem (siehe E 2.3.03),
  • der Landschaftsrahmenplan des Landkreises Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000) (siehe E 2.1),
  • die Wasserwirtschaftlichen Rahmenpläne (siehe E 3.9.0.01),
  • die Bewirtschaftungs- und Abwasserbeseitigungspläne (siehe E 3.9.0.01) und
  • die Unterhaltungsrahmenpläne (siehe E 3.9.0.02).


E 2.3.02

Bestehende Belastungen der Gewässer, insbesondere des Grundwassers, sind nachträglich kaum zu sanieren oder erfordern zur Sanierung einen großen finanziellen Aufwand. Deshalb sind durch geeignete Maßnahmen der Vorsorge neue Verunreinigungen der Gewässer, insbesondere des Grundwassers, von vornherein zu vermeiden. „Eingeschlossen ist dabei auch das Gewässerbett der Oberflächengewässer, die Böschungen und der Nahbereich der umgebenden Landschaft. Sie schließt ferner die Wechselwirkungen zwischen Wasser, Sediment, Tier und Pflanze ein. Der unbewirtschaftete standortgerecht bewachsene Gewässerrandstreifen ist wichtiger Bestandteil des Gewässerlebensraumes“ (LROP Nds. 1994, S. 151).

Eine Verunreinigung der Gewässer erfolgt durch organische und anorganische Nähr- und Schadstoffe. Neben den Direkteinleitungen von Abwässern durch Klärwerke und Kleinkläranlagen sind es in zunehmenden Umfang auch indirekte und diffuse Einleitungen, die zu Gewässerbelastungen führen.
 Hierzu zählen u.a. stoffliche Verunreinigungen durch:

  • Abtrag und Auswaschung von landwirtschaftlichen Nutzflächen,
  • illegalen Eintrag wassergefährdender Stoffe durch leichtfertigen Umgang mit Ölen, Fetten, Laugen, Säuren, Pestiziden, Jauchen und anderen gefährlichen Stoffen,
  • Ableitung belasteten Niederschlagswassers von Straßen und befestigten Grundstücksflächen,
  • Abtrag und Auswaschung aus Deponien, Altablagerungen und Altstandorten,
  • den Eintrag von Säurebildnern aus der Luft durch den sog. „Sauren Regen“ sowie
  • sonstige diffuse Einträge (siehe auch E 2.3.03 und E 2.3.08).

Durch die Reinigung allen in Haushalten und Betrieben anfallenden Abwassers entsprechend dem Stand bzw. den Regeln der Technik ist eine Verringerung des Schadstoffeintrages in die Gewässer und damit eine Verbesserung der Gewässergüte zu erreichen. Das Ziel der umfassenden Abwasserreinigung wird vom Landkreis Schaumburg mit Nachdruck verfolgt (siehe E 3.9.2.01). Seit dem Jahr 2000 entsprechen die kommunalen und gewerblichen Abwasserreinigungsanlagen dem Stand der Technik.

Eine Reduzierung des Stoffaustrages aus landwirtschaftlichen Nutzflächen kann u.a. durch pflanzengerechte Düngung, die Herausnahme ausreichender Gewässerrandstreifen aus der landwirtschaftlichen Nutzung und erosionshemmende Flächennutzung erreicht werden. Insbesondere in den Wasserschutzgebieten ist eine optimierte Stickstoffbewirtschaftung, z.B. auf der Grundlage von Kooperationen zwischen Landwirtschaft und den Wasserversorgungsträgern, anzustreben, die inzwischen nahezu vollständig eingerichtet worden ist.

Weitere für den Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen geeignete Maßnahmen sind:

  • die zielgerichtete Sanierung die Wasserbeschaffenheit nachhaltig beeinträchtigender oder gefährdender Altstandorte und Altablagerungen (siehe E 3.10.2.01),
  • die Durchsetzung hoher Sicherheitsstandards beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen,
  • die Intensivierung der Überwachung der Gewässergüte, der Aufbringung von Gülle und Klärschlamm auf landwirtschaftliche Nutzflächen und der Einleitung von Abwässern in die kommunale Kanalisation durch die zuständigen Behörden.

Neben den stofflichen Einträgen führt auch die Abwärmezufuhr in Gewässer zu Belastungen. In Industrie und Gewerbe wird das Wasser der Flüsse als Kühlmittel für die bei der Produktion anfallende Abwärme genutzt. Durch die Rückführung des erwärmten Kühlwassers in die Gewässer erfolgt eine Erwärmung des Flusswassers, die erhebliche Auswirkungen auf die physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge hat. Tier- und Pflanzenarten können dadurch stark beeinträchtigt werden oder sogar aussterben (siehe auch E 3.9.2.04).


E 2.3.03

Die Gewässer im Landkreis Schaumburg werden vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz gemäß Gewässerüberwachungssystem Niedersachsen (GÜN) an festgelegten Messstellen beprobt; die Ergebnisse der amtlichen Gewässeruntersuchungen werden in Berichten und Karten veröffentlicht. Dabei wird ein fünfjähriger Rhythmus angestrebt.

In den Gewässergütekarten wird die Gewässergüte der Fließgewässer in einem 7-stufigen Gütesystem dargestellt. Die Gewässergüte trifft Aussagen zur Wasserqualität und gibt Anhaltspunkte für stoffliche Belastungen des Gewässers. Alle Gewässer des Kreisgebietes würden unter natürlichen Verhältnissen mindestens die Güteklasse II aufweisen. Ohne den Einfluss des Menschen wären die Berglandbäche, insbesondere die Oberläufe, gering belastet (Güteklasse I-II), die Quellregionen sogar unbelastet bis sehr gering belastet (Güteklasse I) (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-69). Die in den Jahren 1986, 1991,1995 und 2000 für das Kreisgebiet erstellten Gewässergütekarten und die vom LandschaftsArchitekturbüro Georg von Luckwald, Helpsen, 1994 und 1995 an ausgewählten Probestellen durchgeführten Erhebungen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-69) zeigen, dass die durchgeführten umfangreichen Maßnahmen zur Sanierung der kommunalen Abwasserreinigungsanlagen durch Anpassung an den Stand der Technik sowie der fortgeschrittene Neuanschluss ganzer Ortsteile an die zentrale Abwasserentsorgung zu einer erheblichen Verbesserung der Güte vieler Fließgewässer geführt hat. Es bleiben aber immer noch Gewässerstrecken, die den Anforderungen der angestrebten Güteklasse II als Mindeststandard nicht entsprechen. An den jeweiligen Gewässerabschnitten kommen Einflüsse zum Tragen wie diffuse Schad- und Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Nutzflächen. Eine besondere Gefährdung besteht überall dort, wo intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen an Gewässer grenzen.

Für die Gehle und den Kalten Bach ergibt sich durch die Einleitungen salz- und eisenhaltiger Grubenwässer aus ehemaligen Kohlebergwerken eine besondere Belastungssituation (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-73), die mit einem vertretbaren Aufwand nur schwer in den Griff zu bekommen ist.

Durch die sauren Niederschläge besteht insbesondere für die Waldbäche in Gebieten mit saurem Ausgangsgestein (z.B. in den Bückebergen oder in Teilen des Lipper Berglandes) die Gefahr einer übermäßigen Versauerung, die in der Folge zu einer Verarmung der Lebensgemeinschaften führt (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-73).

Neben der vordringlichen Reduzierung der Stoffeinträge in die Gewässer ist eine weitere Grundvoraussetzung zur Erhöhung der Gewässergüte die Erhaltung bzw. Verbesserung der Selbstreinigungskraft der Gewässer durch Renaturierungs- bzw. Revitalisierungsmaßnahmen (siehe E 2.3.04). Die sehr stark und stark verschmutzten Gewässer (Güteklassen III-IV und III) des Landkreises weisen alle eine naturferne oder bestenfalls bedingt naturnahe Struktur und somit ein eingeschränktes Selbstreinigungsvermögen auf. Die etwas bessere Wasserqualität der kritisch belasteten Gewässer (Güteklasse II-III) ist nur zum Teil auf geringere Belastungen, sondern in erster Linie auf größere Abflussmengen und ein höheres Selbstreinigungsvermögen zurückzuführen.

Die Gewässergüte ist durch repräsentative, international vergleichbare Messungen anhand geeigneter chemischer, physikalischer, biologischer Kenngrößen und anhand von Summen-, Leit- und Wirkparametern mit einem ausreichend dichten Messstellennetz regelmäßig zu überwachen. Die regelmäßige Fortschreibung der Gewässergüteberichte und -karten ist auch weiterhin erforderlich, um eine Ergebniskontrolle über die Wirksamkeit der veranlassten Maßnahmen zu erhalten (vgl. LROP Nds. 1994, S. 151).

 

Tab. E 2.3/1: Anteil der Güteklassen am Gewässernetz im Landkreis Schaumburg im
Jahr 1995 und 2000

Gewässergüteklassen

Anteil im Jahr
1995 / 2000

Verbreitung

I

unbelastet bis sehr gering belastet

Gewässerabschnitte mit reinem, stets annähernd sauerstoffgesättigtem und nährstoffarmem Wasser; geringer Bakteriengehalt; mäßig dicht besiedelt, vorwiegend von Algen, Moosen, Strudelwürmern und Insektenlarven; Laichgewässer für Edelfische

 

0 % / 0 %

 

I-II

gering belastet

Gewässerabschnitte mit geringer anorganischer oder organischer Nährstoffzufuhr ohne nennenswerte Sauerstoffzehrung; dicht und meist in großer Artenvielfalt besiedelt

 

0,6 % / 0,5 %

Mehrzahl der bewaldeten Oberläufe der Berglandbäche in Deister, Bückebergen, Süntelausläufer und Lipper Bergland

II

mäßig belastet

Gewässerabschnitte mit mäßiger Verunreinigung und guter Sauerstoffversorgung; sehr große Artenvielfalt und Individuendichte von Algen, Schnecken, Kleinkrebsen, Insektenlarven; Wasserpflanzenbestände decken größere Flächen; ertragreiche Fischgewässer

 

 

23,2 % / 33,6 %

überwiegend Gewässer im Bergland (Rodenberger Aue mit Nebengewässern, Oberläufe der Bückeburger Aue und Exter); nur wenige Gewässerabschnitte im Flachland und in der Börde (z.B. unterer Abschnitt der Rodenberger Aue, Grenzbach, Flothbach)

II-III

kritisch belastet

Gewässerabschnitte, deren Belastung mit organischen, sauerstoffzehrenden Stoffen einen kritischen Zustand bewirkt; Fischsterben infolge Sauerstoffmangels möglich; Rückgang der Artenzahl bei Makroorganismen; gewisse Arten neigen zur Massenentwicklung; Algen bilden häufig größere flächendeckende Bestände.

 

 

44,7 % / 45,2 %

insbesondere die großen Bördenbäche Bückeburger Aue, Rodenberger Aue, Sachsenhäger Aue sowie einige ihrer Nebengewässer (z.B. Holpe, Bornau, Osterriehe)

III

stark ver-schmutzt

Gewässerabschnitte mit starker organischer, sauerstoffzehrender Verschmutzung und meist niedrigem Sauerstoffgehalt; örtlich Faulschlammablagerungen; flächendeckende Kolonien von fadenförmigen Abwasserbakterien und festsitzenden Wimperntieren übertreffen das Vorkommen von Algen und höheren Pflanzen; nur wenige, gegen Sauerstoffmangel unempfindliche tierische Mikroorganismen wie Schwämme, Egel, Wasserasseln kommen bisweilen massenhaft vor; geringe Fischereierträge; mit periodischem Fischsterben ist zu rechnen.

 

 

 

 

14 % / 6 %

fast ausschließlich Gewässer in der Börde (z.B. Gewässerabschnitte von Schloßbach, Hülse, Flahbach; Rieper Flahbach, Haster Bach, Ziegenbach), kleinere Gewässerabschnitte auch im Flachland und im Wesertal

III-IV

sehr stark verschmutzt

Gewässerabschnitte mit weitgehend eingeschränkten Lebensbedingungen durch sehr starke Verschmutzung mit organischen, sauerstoffzehrenden Stoffen, oft durch toxische Einflüsse verstärkt; zeitweilig totaler Sauerstoffschwund, Trübung durch Abwasserschwebestoffe; durch rote Zuckmückenlarven oder Schlammröhren-Würmer dicht besiedelt; Rückgang fadenförmiger Abwasserbakterien; Fische nicht auf Dauer, und wenn nur örtlich begrenzt anzutreffen.

 

 

 

1 % / 0 %

 

IV

übermäßig verschmutzt

Gewässerabschnitte mit übermäßiger Verschmutzung durch organische, sauerstoffzehrende Abwässer; Fäulnisprozesse herrschen vor, Sauerstoff über lange Zeiten in sehr niedrigen Konzentrationen vorhanden oder gänzlich fehlend; Besiedlung vorwiegend durch Bakterien, Geißeltierchen und freilebende Wimperntierchen; Fische fehlen; bei starker toxischer Belastung biologische Verödung

 

 

0 % / 0%

 

 

 

 

 

Deutliche Beeinträchtigung des Gewässersystems durch Salzbelastungen, Eisenockerablagerungen und/oder zeitweiliges Trockenfallen.

16,5 % / 14,8 %

Salz- und Eisenbelastungen in Gehle und Kalter Bach; keine durchgehende Wasserführung im Bördenbereich, z.B. in Gewässerabschnitten von Rennriehe, Fullriehe und Feldriehe, im Bergland in den Oberläufen von z.B. Bückeburger Aue und Meinser Bach

Quellen: NLWK (Hrsg.) (2000) und LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-70 ff.

 

Die Wasserqualität der natürlichen Badegewässer im Planungsraum Doktorsee, Helenensee und Gevattersee wird gemäß der EG-Richtlinie über die Qualität der Badegewässer vom 08. Dezember 1975 regelmäßig durch das Gesundheitsamt des Landkreises Schaumburg überwacht.


E 2.3.04

Zum Ökosystem Fließgewässer gehören neben dem Gerinne, in dem das Wasser ständig fließt, auch der Uferbereich sowie der natürliche Retentionsraum, der Hochwässer aufnimmt. Die Leistungs- und Funktionsfähigkeit der Fließgewässer wird wesentlich durch ihre Struktur beeinflusst. Je naturnäher der Verlauf und vielgestaltiger die Sohl- und Uferbeschaffenheit des Gewässers ist, desto größer ist dessen Selbstreinigungs- und Rückhaltevermögen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-66).
 Das natürliche Fließgewässersystem der Region wurde durch wasserbauliche Maßnahmen insbesondere in diesem Jahrhundert stark verändert. Vor allem in den Agrar- und Siedlungsgebieten, weniger in den Waldgebieten, wurde die Struktur zahlreicher Fließgewässer durch

  • Begradigungen,
  • Sohlen- und Durchlassbauwerke wie Wehre, Sohlenabstürze, Sohlgleiten, Brücken, Verrohrungen und Düker,
  • Ufer- und Sohlbefestigungen wie Betonschalen oder -mauern, Spundwände und Steinschüttungen,
  • Maßnahmen der Gewässerunterhaltung wie Sohlräumung,
  • Veränderungen der Wasserführungen durch Wasserableitungen/-entnahmen (z.B. durch/für Industrie, Gewerbe, Teichanlagen und nicht zuletzt den Mittellandkanal)

beeinträchtigt (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-66 und 3-68).

Am Beispiel der Gewässer 2. Ordnung des Kreisgebietes werden die Beeinträchtigungen der Fließgewässer deutlich: nur noch ca. 45 % der Gewässer 2. Ordnung im Bergland verfügen über eine überwiegend naturnahe Linienführung und Strukturvielfalt, in den Regionen Weser-Aller-Flachland und Börde liegt der Anteil sogar unter 20 %.

 

Tab. 2.3/2: Fließgewässerstruktur - ökologische Bewertung der Gewässer 2. Ordnung im Landkreis Schaumburg

  

Verteilung im Landkreis

  

Börde/ Flachland


Bergland


gesamt

Wertstufe

Erläuterung

km

%

km

%

km

%

1

überwiegend naturnah

  • Geschwungene, nur wenig begradigte Linienführung
  • Den naturräumlichen Gegebenheiten weitgehend entsprechende Strukturvielfalt (Prall- und Gleitufer, unterschiedliche Tiefen- und Strömungsverhältnisse, Substratvielfalt)
  • Geringer bis mäßiger anthropogener Einfluss erkennbar
  • Naturnahe Ufervegetation, zum Teil innerhalb von Wäldern gelegene Gewässer

38

18,8

42

45,1

80

27,1

2

überwiegend bedingt
naturnah

  • Meist begradigte Linienführung
  • Ufer und Sohle strukturarm bis mäßig strukturreich
  • Meist angelegtes und/oder durch Unterhaltung entstandenes Regelprofil
  • Uferbewuchs oft aus (ruderalisierten) Hochstaudenfluren, streckenweise mit naturnahem Gehölzsaum

126

62,4

45

48,4

171

58,0

3

überwiegend naturfern

  • Ausgebauter, begradigter Verlauf
  • Strukturarmut, häufig Befestigung von Ufer und Sohle mit toten Baustoffen

38

18,8

6

6,5

44

14,9

Gesamte Gewässerstrecke

202

68,5

93

31,5

295

100

Quelle: Auswertung auf der Grundlage der Gewässerkartierung von BRANDTNER et al. (1990)

Quelle: LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-67

 

Neben dem Schutz der verbliebenen naturnahen Fließgewässer ist es besonders wichtig, die Gewässer zu renaturieren, deren naturräumliche oder ökosystematische Funktionen und Prozesse beeinträchtigt oder zerstört wurden. In den Fließgewässern ist die ökologische Durchlässigkeit zur Sicherung eines ständigen Stoff- und Individuenaustausches von der Quelle bis zur Mündung herzustellen. Die Schaffung bzw. Erhaltung naturnaher Fließstrecken mit typischer Arten und Biotopvielfalt stellt einen wesentlichen Schritt für die Entwicklung eines regionalen und landesweiten Netzes funktionstüchtiger Ökosysteme dar. Aufgrund der bestehenden Wechselwirkungen sind die Auen in diese Entwicklung einzubinden.

Eine besondere Präferenz kommt in diesem Zusammenhang den Gewässern des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems zu. Darin sind die Rodenberger Aue als Hauptgewässer erster Priorität und einige ausgewählte Zuflüsse (Quellbach des Waltershagener Baches, Oberlauf der Rodenberger Aue, Meinser Bach, Riesbach, Salzbach, Sachsenhäger Aue (mit Bornau und Ziegenbach) und Südaue) als Nebengewässer eingestuft. Der Waltershagener Bach ist anstelle des Oberlaufes der Rodenberger Aue dem Hauptgewässer zugeordnet. Der Weser kommt in dem Schutzsystem die Funktion eines Verbindungsgewässers zu. Aus der Einstufung als Hauptgewässer erster Priorität leitet sich die Anforderung nach einer vorrangigen Durchführung von Maßnahmen zum Erhalt und zur Wiederherstellung eines naturnahen Gewässerzustandes ab. Die Nebengewässer bilden mit den Hauptgewässern eine ökologische Einheit und dienen zur Stabilisierung und Absicherung der Lebensräume des Hauptgewässers. Sie sollen ebenfalls in den erforderlichen naturnahen Zustand gebracht werden. Die Weser ist als Verbindungsgewässer in seiner ökologischen Funktion zu erhalten und zu entwickeln, um die Durchgängigkeit des Gewässersystems von den Quellläufen über die nachgeordneten Fließgewässer bis zum Meer herzustellen. (Vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-64.)

Der Schutz der Uferbereiche durch die Anlage von Gewässerrandstreifen ist für den Naturhaushalt von besonderer Bedeutung. Die Randstreifen dienen dazu, den Schadstoffeintrag in die Oberflächengewässer durch die Sicherung einer extensiv genutzten Pufferzone zu anderen Nutzungen, insbesondere intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen zu verringern. Zum anderen sollen sie durch die Etablierung einer naturnahen Ufervegetation Lebensräume für am oder im Wasser lebende Tiere wiederherstellen. Im Rahmen des Gewässerrandstreifenprogramms wird entlang der Fließgewässer 2. und 3. Ordnung der Verzicht der landwirtschaftlichen Nutzung auf einem 5 bis 10 m breiten Randstreifen gefördert. Beidseitig der Weser ist die Anlage eines mindestens 30 m breiten nicht oder nur extensiv genutzten Gewässerrandstreifens anzustreben.

Die Erhaltung der durch den natürlichen Abfluss der Gewässer entstandener Auskolkungen und Anlandungen ermöglicht durch die Eigendynamik der Gewässer wieder die Entwicklung zu einem natürlichen Mäandrieren. Darüber hinaus können durch unterstützende Maßnahmen wie Entrohrungen, Herausnahme von Sohlschalen und sonstigen festen Verbauungen sowie art- und standortgerechten Bepflanzungen Ergebnisse erzielt werden, die die Selbstreinigungskraft der Gewässer verbessern und den Lebensraum von Tieren und Pflanzen im Ufer- und Sohlbereich wiederherstellen. Bei den Maßnahmen ist zu beachten, dass die wasserableitende Funktion der oftmals als Vorfluter genutzten Gewässer gewährleistet bleibt.

Der Retentionsfunktion, das heißt der natürlichen Wasserrückhaltefähigkeit der Fließgewässer, und ihrer regelmäßig überschwemmten Auen kommt im Rahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes eine besondere Bedeutung zu (siehe auch 3.9.3). Das Wasserrückhaltevermögen des Gewässerbettes wird wesentlich bestimmt durch die Naturnähe seines Verlaufes und seine Struktur. Daher sind es im Planungsraum vor allem die naturfernen Gewässerabschnitte, die ein stark beeinträchtigtes Retentionsvermögen aufweisen, u.a. lange Gewässerabschnitte von Ziegenbach, Heßbach, Grenzbach, Osterriehe und Haster Bach (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-75).

Das Retentionsvermögen in den Gewässerauen ist abhängig von der Größe, Art und Intensität der Nutzung des zur Verfügung stehenden Überschwemmungsbereiches. Von vorrangiger Bedeutung ist, dass der vorhandene Retentionsraum in vollem Umfang erhalten wird und ehemalige Überschwemmungsgebiete wieder an das Hochwasserregime der Fließgewässer angeschlossen werden, beispielsweise durch Öffnung von Verwallungen oder Veränderung der Laufführung. In diesem Zusammenhang sollten auentypische Landschaftselemente wie z.B. Auengewässer und Auenwälder aktiv gestaltet bzw. in ihrer Entstehung initiiert und der Grünland- und Gehölzanteil der Flussaue erhöht werden. Der überwiegende Teil der natürlichen Überschwemmungsgebiete im Planungsraum wird gegenwärtig ackerbaulich genutzt. Lediglich in der Bückeburger Niederung, entlang der Sachsenhäger Aue bei Auhagen, in der Rodenberger Aueniederung bei Ohndorf und in einzelnen Randbereichen des Wesertales bei Möllenbeck, Ahe und Steinbergen bestehen zusammenhängende Grünlandgebiete (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-75). Dem Erhalt dieser Flächen und der Ausweitung des Anteils der Grünlandnutzung oder sonstiger Dauervegetation in den übrigen Überschwemmungsgebieten kommt eine besondere Bedeutung zu, da zum einen das Retentionsvermögen von Äckern wesentlich geringer ist und zum anderen auf Ackerflächen ein höheres Erosionsrisiko durch Wasser mit dem nachteiligen Verlust von Bodensubstanz und Stoffeintrag in die Fließgewässer besteht (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-75).

Schwerpunkte der Gewässerrenaturierung werden seitens des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft im Planungsraum derzeit bei der Rodenberger Aue, Bückeburger Aue und Exter gesetzt. Für die Bückeburger Aue und die Rodenberger Aue existieren Gewässerentwicklungspläne bzw. Rahmenpläne, aus denen Bestandsaufnahmen, Konfliktanalysen und Zielkonzepte zu entnehmen sind. Auf dieser Wissensgrundlage lassen sich Renaturierungsprojekte entwickeln und in konkrete Planungsphasen überführen, beispielsweise die Beseitigung bzw. Umgehung von Querverbauungen (Wehre, Sohlschwellen, Verrohrungen) mittels Umflutgerinne, Sohlgleiten oder Fischtreppen. Die „Bückeburger Niederung“ am Unterlauf der Bückeburger Aue, die „Auwiesen“ südlich von Auhagen am Unterlauf der Rodenberger Aue sowie der Mittellaufabschnitt der Bückeburger Aue zwischen Borstel und Buchholz bilden darüber hinaus Schwerpunktgebiete der Auenrenaturierung. In diesen Bereichen sollen sich naturnahe, regelmäßig überschwemmte Talauen herausbilden, die typische Landschaftselemente wie z.B. Altarme, Flutrasen und Auengehölze mit den daran gebundenen Tier- und Pflanzenarten enthalten, Retentionsfunktionen in erheblichem Umfang übernehmen und ein Höchstmaß an Fließwasserdynamik aufweisen.


E 2.3.05

In enger Zusammenarbeit von Naturpark Steinhuder Meer e.V., Naturschutzbehörden der Landkreise Schaumburg, Nienburg/Weser und Hannover, der Bezirksregierung Hannover und der Naturschutzverbände wird zur Zeit ein Programm zum Erhalt und zur weiteren Entwicklung des „Brut- und Rastgebietes Meerbruch (Steinhuder Meer)“ umgesetzt. Ziel und Zweck der Maßnahmen sind die Sicherung und Wiederherstellung von Lebensstätten für Vogelarten, die auf feuchtes und nasses Grünland angewiesen sind, die Erhaltung und Ausdehnung von Wuchsplätzen der für Feucht– und Nasswiesen typischen Vegetation (siehe auch D 1.7.03.6 und E 2.1.10). Durch gezielte Besucherlenkung und biotopgestaltende Maßnahmen soll dieser interessante Naturraum den Besuchern naturverträglich erlebbar gemacht werden.


E 2.3.06

Gewässerschutz kann nur durch einen umfassenden Ansatz flächendeckende Erfolge erzielen. Natürliche Lebensräume können nur in größeren Verbundsystemen erhalten werden. Demzufolge kann sich eine ökologische Betrachtung von Gewässern nicht auf ein einzelnes Gewässer begrenzen, sondern muss das Beziehungsgefüge zwischen den Gewässern sowie zwischen den Gewässern und den Landlebensräumen mit einbeziehen. So gelangen über dieses System Schad- und Nährstoffeinträge der Gewässer im Landkreis Schaumburg zumindest teilweise bis in die Nordsee.


E 2.3.07

Die hohe Salzbelastung, die fast ausschließlich aus Einleitungen der thüringischen und hessischen Kaliindustrie herrührt, ist nach wie vor ein Hauptproblem für die Wasserqualität der Weser. Sie ist zwar seit 1989/1990 nach der Schließung von zwei großen Kaliwerken in Thüringen um mehr als die Hälfte gesunken, weist aber dennoch stark überhöhte Werte und ausgeprägte Schwankungen der Konzentration auf (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-73). Eine weitere Verminderung der Salzfracht durch technische Reduzierungsmaßnahmen wird erwartet. Zur Sanierung der Weser bedarf es Landesgrenzen überscheitender Absprachen.

Die Belastungen der Gehle und des Kalten Baches mit salz- und eisenhaltigen Grubenwässern aus abgeschlossenen Kohlebergwerken führen zu einer starken Verockerung dieser Bäche. Die Gehle ist zur Zeit als mäßig salzbelastet (Salzbelastungsstufe II) einzustufen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-73).


E 2.3.08

Umweltbelastungen, die auf das Grundwasser durchschlagen, treffen den Wasserhaushalt an seiner empfindlichsten Stelle. Wegen der Langzeitwirkung und Anreicherungsgefahr langlebiger Schadstoffe in Böden und Grundwasser können nachhaltige irreparable Veränderungen eintreten. Das Grundwasser als Teil des natürlichen Wasserkreislaufes bedarf einer vorsorgenden und flächendeckenden Sicherung, ungeachtet seiner Nutzbarkeit für die Wasserversorgung auch außerhalb aktuell genutzter bzw. zukünftig geplanter Gebiete für eine Trinkwassergewinnung.

Für das Grundwasser bestehen Gefährdungen bezüglich Qualität und Quantität. Die Qualität des Grundwassers wird in erster Linie durch anthropogene Stoffeinträge beeinflusst.

Unter Berücksichtigung der Verschmutzungsempfindlichkeit der Grundwasservorkommen als auch des Gefährdungspotenzials einzelner Nutzungen lassen sich für den Landkreis Schaumburg besonders folgende Faktoren benennen, die ein hohes Verschmutzungsrisiko für das Grundwasser verursachen:

  • Eintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft; insbesondere bei intensiver Ackernutzung; räumliche Konfliktschwerpunkte bestehen in Wasserschutzgebieten und Trinkwassereinzugsgebieten sowie in allen Gebieten mit hoher Verschmutzungsempfindlichkeit des Grundwassers,
  • Eintrag von wassergefährdenden Schadstoffen aus Siedlungsgebieten; ein besonders hohes Risiko besteht für Industrie- und Gewerbegebiete in Bereichen mit nur geringem bis mittlerem Schutzpotenzial der Grundwasserdeckschichten, wie es mit größeren Flächenanteilen im Wesertal bei Exten und Rinteln sowie in Rodenberg, Lauenau und Stadthagen gegeben ist,
  • chemische Verunreinigungen durch Deponien und Altlasten,
  • erhöhtes Eintragsrisiko von Luftschadstoffen und Schadstofffrachten aus Überschwemmungswässern durch Bodenabbauten im Nassabbauverfahren in Folge der Freilegung der Grundwasseroberfläche (Konfliktschwerpunkt ist das Wesertal) bzw.
  • erhöhtes Risiko der Eintragung von Schadstoffen aus der Luft durch Bodenabbauten im Trockenabbauverfahren in Folge der Verringerung der Deckschichten, insbesondere in Gebieten mit klüftigem Festgestein (z.B. im Wesergebirge) oder im durchlässigen Lockergestein (z.B. südlich von Möllenbeck),
  • Eintrag von aus dem Boden gelösten Stoffen wie Aluminium, Mangan, Kobalt und Schwermetallen durch die zunehmende Versauerung des Bodens in Folge des sog. „Sauren Regens“; ein besonders hohes Auswaschungsrisiko besteht bei saurem Ausgangsgestein (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-60 f.).

In den Vorrangegebieten und dem Vorsorgegebiet für Trinkwassergewinnung sowie in den Gebieten mit hoher Empfindlichkeit des Grundwassers gegenüber Verschmutzung sind folgende Maßnahmen besonders wichtig:

  • Erfassung, Bewertung und ggf. Sanierung von Altlasten,
  • Kontrolle und nach dem Vorsorgeprinzip erforderliche Reduzierung des Aufbringens von Gülle, Klärschlamm und Pflanzenschutzmitteln auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen,
  • Sanierung bei Unfällen mit grundwassergefährdenden Stoffen,
  • Kontrolle und ggf. Sanierung schadhafter Abwasserleitungen.

In den o.g. Gebieten ist möglichst ein hoher Anteil an Dauervegetation (z.B. Wald, extensives Grünland) anzustreben.

Neben dem qualitativen Schutzziel der Erhaltung des Grundwassers in seiner natürlichen Beschaffenheit und der Vermeidung von Schadstoffbelastungen besteht auch das quantitative Schutzziel der Sicherung der Grundwasservorräte vor Übernutzung und der Grundwasserneubildung vor Verminderung. Bei zu hohen Grundwasserentnahmen wird der Grundwasserspiegel abgesenkt, was insbesondere bei grundwasserbeeinflussten Standorten zu negativen Auswirkungen auf den Naturhaushalt führen kann.

Die Grundwasserneubildung basiert auf natürlichen Regenerationsvorgängen, die entsprechend den natürlichen Standortverhältnissen im Landkreis zu erhalten und zu fördern sind und deren begrenzte Leistungsfähigkeit zu beachten ist. Von besonderer Bedeutung ist es, die natürlichen Retentionsräume der Fließgewässer zu erhalten bzw. zu reaktivieren und eine weitere Bodenversiegelung auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Entsiegelungsmaßnahmen und Maßnahmen zur verstärkten Versickerung des Niederschlagswassers vor Ort sind insbesondere in dichter besiedelten Gebieten von hoher Bedeutung (siehe auch E 3.9.2.05).


E 2.3.09

Nach den an etwa 40.000 Hausbrunnen und vielen Grundwassergütemessstellen des Landes Niedersachsen vorliegenden Messergebnissen ist das dem Grundwasser zusickernde Niederschlagswasser unter intensiv genutzten Ackerflächen erheblich mit Nitrat, im Wesentlichen aus der landwirtschaftlichen Düngung, belastet (vgl. LROP Nds. 1994, S. 152). Wie die punktuell vorliegenden Messdaten für Trinkwasserbrunnen des Landkreises Schaumburg zeigen, hat der Nitrateintrag auch im Kreisgebiet bereits zu Beeinträchtigungen und im Wesertal

  • für einen Teil der Brunnen zu Überschreitungen des Richtwertes der EG-Richtlinie über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch von 25 mg Nitrat/l (Richtlinie 80/778/EWG) und
  • in Einzelfällen sogar zu ersten Überschreitungen des Grenzwertes für die Verwendung als Trinkwasser gemäß der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) von 50 mg Nitrat/l geführt (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-61 und 3-62).

Großflächiger intensiver Ackerbau wird außer im Wesertal im Planungsraum noch in weiten Teilen der Bördenregion und den Talräumen von Bückeburger und Rodenberger Aue betrieben. Insbesondere der Anbau von Kulturen, die erst spät im Jahr eine hohe Bodenbedeckung erreichen, wie Mais und Hackfrüchte, erhöhen hier zusätzlich das Risiko der Nitratauswaschung. Ein erhöhtes Beeinträchtigungsrisiko besteht des Weiteren auf den flachgründigen Böden nördlich des Wesergebirges und des Süntels sowie kleinflächig im Bereich der Rehburger Berge und im Lipper Bergland (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-62).

Der Nitrateintrag in das Grundwasser lässt sich vielfach durch geeignete Fruchtfolgen und eine sorgfältig auf den Pflanzenbedarf abgestellte Düngung unter Einschluss der Wirtschaftsdünger auf ein wasserwirtschaftlich vertretbares Maß reduzieren. Eine zusätzliche Versauerung der Niederschläge und eine zusätzliche Nitratbelastung der Böden sowie des Grund- und Oberflächenwassers können falsche Ausbringungstechniken und das Nichteinarbeiten von Gülle sowie nicht abgedeckte Güllebehälter verursachen, die Stickstoffemissionen als Ammoniak in die Luft abgeben (vgl. LROP Nds. 1994, S. 152). Ferner kann eine Gefährdung des Grundwassers durch die Landwirtschaft bei der Klärschlammaufbringung entstehen (siehe hierzu E 3.9.2.02).

Im Bereich des Wesertals haben sich die Wasserversorger zur sog. Interessengemeinschaft Wasserversorgungsunternehmen Weser (IG Weser) zusammengeschlossen, in der sie über eine gezielte Beratung der Landwirte, freiwillige Bewirtschaftungsvereinbarungen mit den landwirtschaftlichen Betrieben und Bodenuntersuchungen eine grundwasserschonende Landbewirtschaftung fördern (siehe auch E 3.2.01) (vgl. auch LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-63).


E 2.3.10

Bezüglich Erläuterungen zur Erfassung, Bewertung und Sanierung von Altlasten im Landkreis Schaumburg siehe E 3.10.2. Erläuterungen zu einem vorbeugenden, dem Besorgnisgrundsatz genügenden Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sind in E 3.9.0.04 enthalten.