E 2 - Schutz, Pflege und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

E 2.4 - Luftreinhaltung, Lärm- und Strahlenschutz

E 2.4.01

Die industrielle und gewerbliche Produktion, der gestiegene Energieverbrauch sowie die fortschreitende Motorisierung sind die wesentlichen Ursachen für die Anreicherung der Atmosphäre mit luftverunreinigenden Stoffen. Luftschadstoffe beeinträchtigen Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen und tragen wesentlich zu den Schädigungen des Ökosystems (z.B. Waldsterben) sowie von Sach- und Kulturgütern bei. Zu den hauptverantwortlichen Schadstoffen gehören insbesondere Schwefeldioxid, Stickoxide, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Ozon, Schwebstäube und flüchtige organische Verbindungen.

Die natürliche Selbstreinigungskraft der Atmosphäre ist nur beschränkt in der Lage, Luftverunreinigungen abzubauen, so dass durch geeignete vorsorgende Maßnahmen an der Quelle die Emission von Luftschadstoffen zu vermeiden oder zu vermindern ist. In erster Linie ist dieses durch entsprechende anlagentechnische Umstellungen zu bewirken, die sich vor allem aus der Umsetzung der einschlägigen Verwaltungsvorschriften zum Bundes-Immissionsschutzgesetz sowie der Verordnung über Großfeuerungsanlagen, der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (insbesondere bei Industrieanlagen) sowie der Abgasgrenzwerte für Kraftfahrzeuge ergeben.

Eine wesentliche Grundlage für die Durchführung verursacherbezogener Planungen und Maßnahmen zum Abbau von Luftschadstoffen ist die genaue Kenntnis über die Herkunft, Art und Menge der Luftverunreinigungen. Im Jahr 1991 erstellte der Technische Überwachungs-Verein (TÜV) Hannover/Sachsen-Anhalt e.V. im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums für den Landkreis Schaumburg ein Emissionskataster für das Bezugsjahr 1989. In seiner Bewertung der für die Emittentengruppen Hausbrand/Kleingewerbe, Verkehr, Industrie ermittelten Emissionen kommt der TÜV Hannover Sachsen/Anhalt e.V. zu der Einschätzung, dass „die spezifischen Emissionen des Landkreises Schaumburg auf einem relativ niedrigen Niveau liegen, was mit der überwiegend land- und forstwirtschaftlichen Nutzung des Gebietes begründet werden kann“ (TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt 1992, S. 40). Dieses auf das Jahr 1989 bezogene Emissionskataster stellt die heutige Emissionssituation aufgrund zum Teil veralteter Angaben nur noch unvollständig dar. Insbesondere im Bereich Verkehr dürfte trotz strengerer gesetzlicher Auflagen und technischer Weiterentwicklungen der Kraftfahrzeuge das wachsende Verkehrsaufkommen insgesamt zu einer Zunahme der Schadstoffemissionen des Straßenverkehrs geführt haben.


E 2.4.02

Luftverunreinigungen durch Straßen- und Flugverkehr sind - über technische Maßnahmen am Fahrzeug bzw. Fluggerät hinaus - durch den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs bzw. die Verlagerung des Verkehrsaufkommens auf die Schiene abzubauen. Die Einschränkung des Energieverbrauchs durch eine möglichst rationelle Energieerzeugung und -anwendung sowie der Ersatz luftbelastender Energieträger durch schadstoffarme oder schadstofffreie Energieträger können einen weiteren wesentlichen Beitrag zur Minderung der Luftbelastung leisten (siehe D 3.5).

E 2.4.03

Soweit aus Gründen der Verhältnismäßigkeit bei Vorhaben nicht oder nicht in vollem Umfang Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen getroffen werden kann, soll insbesondere durch die räumliche Ordnung der Siedlungsstruktur sichergestellt werden, dass Nachteile oder Belästigungen für die Bevölkerung vermieden werden. Dazu sind bei der Planung und Ausweisung emittierender Anlagen, Straßen etc. die Vorbelastung der Luft sowie standörtliche Gegebenheiten wie Wohnstätten, Gesundheits- und Freizeiteinrichtungen durch Einhaltung ausreichender Abstände zu berücksichtigen. Dies gilt entsprechend für Standortentscheidungen immissionsempfindlicher Einrichtungen gegenüber stark emittierenden Anlagen.

Als Beurteilungsgröße für die Luftgüte sollten neben den Immissionsgrenzwerten der Technischen Anleitung der Luft (TA Luft) und der 22. BImSchV (Verordnung über Immissionswerte) auch vorsorgeorientierte Mindeststandards herangezogen werden. In der Tabelle E 2.4/1 sind einige wichtige Immissionswerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit zusammengestellt.

 

Tab. 2.4/1: Grenzwerte und vorsorgeorientierte Mindeststandards der Luftreinhaltung zum Schutz vor Gesundheitsgefahren

Substanz Konzentrationswert Quelle, statistische Definition
Grenzwerte
Kohlenmonoxid (CO) 10 mg/m³
30 mg/m³
TA Luft 1986, IW-I, arithmetisches Jahresmittel
TA Luft 1986, IW-2, 98 % -Wert aus ½-h-
Mittelwerten
Schwebstaub 150 µg/m³ PM10
300 µg/m³ PM10


50 µg/m³ PM10
dürfen nicht öfter
als 35 mal im
Kalenderjahr
überschritten
werden,

50 µg/m³ PM10
dürfen nicht öfter
als 7 mal im
Kalenderjahr
überschritten
werden,

50 µg/m³ PM10



20 µg/m³ PM10
TA Luft 1986, IW-1, arithmetisches Jahresmittel
TA Luft 1986, IW-2, 98 %-Wert aus
Tagesmittelwerten

EG Richtlinie 1999/30 Stufe 1, 24-h-Wert
(voraussichtlich in 2001 in neuer TA Luft und
22. BImSchV umgesetzt)




EG Richtlinie 1999/30 Stufe 2, 24-h-Wert
(voraussichtlich in 2001 in neuer TA Luft und
22. BImSchV umgesetzt)




EG Richtlinie 1999/30 Stufe 1, arithmetisches
Jahresmittel (voraussichtlich in 2001 in neuer
TA Luft und 22. BImSchV umgesetzt)

EG Richtlinie 1999/30 Stufe 2, arithmetisches
Jahresmittel (voraussichtlich in 2001 in neuer
TA Luft und 22. BImSchV umgesetzt)
Blei (Pb) im
Schwebstaub
2 µg/m³

0,5 µg/m³
TA Luft 1986, IW-1, arithmetisches Jahresmittel

EG Richtlinie 1999/30, arithmetisches
Jahresmittel (voraussichtlich in 2001 in neuer
TA Luft und 22. BImSchV umgesetzt)
Schwefeldioxid (SO2) 140 µg/m³
400 µg/m³


350 µg/m³ dürfen
nicht öfter als 24
mal im Kalender
-jahr überschritten
werden

125 µg/m³ dürfen
nicht öfter als 3
mal im Kalender
-jahr überschritten
werden
TA Luft 1986, IW-1, arithmetisches Jahresmittel
TA Luft 1986, IW-2, 98 %-Wert aus ½-h-
Mittelwerten

EG Richtlinie 1999/30, 1-h-Wert
(voraussichtlich in 2001 in neuer TA Luft und
22. BImSchV umgesetzt)



EG Richtlinie 1999/30, 24-h-Wert
(voraussichtlich in 2001 in neuer TA Luft und
22. BImSchV umgesetzt)
Stickstoffdioxid (NO2) 80 µg/m³
200 µg/m³


200 µg/m³ NO2
dürfen nicht öfter
als 24 mal im
Kalenderjahr
überschritten
werden

40 µg/m³ NO2
TA Luft 1986, IW-1, arithmetisches Jahresmittel
TA Luft 1986, IW-2, 98 %-Wert aus ½-h-
Mittelwerten

EG Richtlinie 1999/30, 1-h-Wert
(voraussichtlich in 2001 in neuer TA Luft und
22. BImSchV umgesetzt)




EG Richtlinie 1999/30, arithmetisches
Jahresmittel (voraussichtlich in 2001 in neuer
TA Luft und 22. BImSchV umgesetzt)
Vorsorgewerte
Schwefeldioxid (SO2) 50 µg/m³
40-60 µg/m³
WHO 1987, arithmetisches Jahresmittel
EG 1980, arithmetisches Jahresmittel
Stickstoffdioxid (NO2) 50 µg/m³
135 µg/m³
EG 1985, 50-%-Wert (Median)
EG 1985, 98 % aus 1-h-Mittelwerten
Ozon (O3) 110 µg/m³

180 µg/m³
360 µg/m³
120 µg/m³
22. BImSchV 1993, (Langzeitschutz) 8-h-
Mittelwert
22. BImSchV 1993, (Info-Stufe) 1-h-Mittelwert
22. BImSchV 1993, (Warnstufe) 1-h-Mittelwert
VDI Richtlinie 2310 Bl. 15, 1987, ½-h-Mittelwert

PM 10 = Grenzwerte für Partikel
Quelle: KRdL (Hrsg.) (1993) und schriftliche Hinweise des NLÖ vom 29.11.2000
 

Die Grenzwerte der TA Luft geben an, welche Konzentrationen bei Messungen der Atemluft nicht überschritten werden sollten, um eine Gesundheitsgefährdung auszuschließen. Die Höhe der Werte nennt die Grenze, ab der die Luftqualität nachweisbare Folgen haben kann, und ist nicht als vorsorgeorientiertes Luftqualitätsziel anzusehen. Auf der planerischen Ebene sollte jedoch ein Abbau vorhandener Immissionsbelastungen und ein vorbeugender Schutz begleitend erfolgen; nicht zuletzt, da Tiere und Pflanzen auf Luftverschmutzungen zum Teil empfindlicher reagieren als der Mensch.

Im Jahre 1999 ist die 1. Tochterrichtlinie 1999/30/EG der EU „Über Grenzwerte für Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxide, Partikel und Blei in der Luft“ zur Rahmenrichtlinie 96/62/EG „Über die Beurteilung und Kontrolle der Luftqualität“ in Kraft getreten. Die dort festgesetzten Grenzwerte orientieren sich an den Vorsorgewerten der WHO. Diese neuen Grenzwerte werden voraussichtlich im Jahr 2001 mit der neuen TA Luft und der neuen 22. BImSchV in das deutsche Gesetzeswerk übernommen. Bei den neuen EU-Grenzwerten werden entsprechend den Wirkungsmechanismen der Luftschadstoffe verstärkt Überschreitungshäufigkeiten von Schwellenwerten bewertet. Die neuen EU-Grenzwerte sind in Tab. 2.4/1 bereits eingearbeitet.

Um Staub und Geruchsbelästigungen durch landwirtschaftliche Betriebe zu vermindern bzw. zu vermeiden, sind im Rahmen der Bauleitplanung und bei Baugenehmigungen neben der TA Luft die VDI-Richtlinien „Emissionsminderung Tierhaltung“ zu Grunde zu legen (siehe E 3.2.05).


E 2.4.04

Eine Voraussetzung zur Sicherung einer sauberen Luft ist die genaue Kenntnis über den Grad und die Art der Luftverunreinigung. Umfangreiche und kontinuierliche Messungen sind die Basis für staatliche Vorsorge- und Abwehrmaßnahmen (vgl. LROP Nds. 1994, S. 153).

Zur laufenden Überwachung der Schadstoffbelastung der Luft dient das seit 1978 durch das Niedersächsische Landesamt für Ökologie betriebene „Lufthygienische Überwachungssystem Niedersachsen“ (LÜN). Ursprünglich dienten die Luftqualitätsmessungen hauptsächlich zur Feststellung von Smogsituationen. Heute liegt eine besondere Bedeutung in der Messung der erhöhten Ozonwerte („Sommersmog“). Im Landkreis Schaumburg gibt es im Rahmen des LÜN lediglich einen Messstandort, und zwar am Stadtrand der Stadt Rinteln (siehe auch Tab. E 2.4/2 und E 2.4/3).

 

Tab. 2.4/2: Schadstoffbelastung der Luft (NO2, SO2, Staub) in der Stadt Rinteln und ausgewählten Vergleichsstandorten nach LÜN

Stickstoffdioxid - NO2 (Angaben in µg/m³)

Jahresmittelwert

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

27

24

22

23

23

21

17

20

21

20

18

Hannover/Linden, HRSW

38

35

40

37

34

31

28

34

30

30

27

Salzgitter, SRCC

29

29

29

27

31

30

26

28

27

24

24

Osnabrück, OKCC

33

31

35

32

28

29

31

32

28

26

24

Walsrode, WASS

21

22

20

18

19

18

18

18

17

98 %-Wert *

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

75

61

64

62

69

71

45

58

60

62

50

Hannover/Linden, HRSW

92

87

92

83

91

76

73

77

73

73

62

Salzgitter, SRCC

74

74

76

70

81

80

63

71

71

64

60

Osnabrück, OKCC

90

78

86

80

76

71

72

82

75

70

60

Walsrode, WASS

69

60

58

50

50

50

51

57

47

Schwefeldioxid - SO2 (Angaben in µg/m³)

Jahresmittelwert

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

17

14

20

14

15

11

8

10

8

Hannover/Linden, HRSW

24

17

25

18

20

13

11

17

9

9

6

Salzgitter, SRCC

23

18

24

18

22

17

10

13

7

6

10

Osnabrück, OKCC

20

13

16

13

15

11

6

9

5

3

3

Walsrode, WASS

8

10

10

8

10

8

 

98 %-Wert*

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

104

73

137

73

101

63

40

56

28

Hannover/Linden, HRSW

155

110

158

97

130

77

53

82

42

27

17

Salzgitter, SRCC

153

111

156

90

123

87

59

81

40

24

24

Osnabrück, OKCC

95

54

100

60

71

59

25

48

43

16

13

Walsrode, WASS

53

88

56

48

58

33

Staub (Angaben in µg/m³)

Jahresmittelwert

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

30

26

33

30

28

26

24

29

24

26

27

Hannover/Linden, HRSW

45

35

40

32

34

32

38

40

32

28

26

Salzgitter, SRCC

40

37

39

33

35

30

28

36

26

23

26

Osnabrück, OKCC

34

30

34

29

29

28

27

32

25

25

26

Walsrode, WASS

23

23

26

22

22

26

53

19

19

98 %-Wert *

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

86

76

97

81

79

72

60

91

68

66

66

Hannover/Linden, HRSW

130

105

116

78

98

71

91

128

75

71

65

Salzgitter, SRCC

145

119

120

96

116

96

79

128

71

67

74

Osnabrück, OKCC

98

74

107

80

88

80

71

105

77

72

72

Walsrode, WASS

63

69

92

62

62

88

53

56

52

*  Der 98 %-Wert kann als ein Maß für die Spitzenbelastung angesehen werden - bei 98 % der gemessenen Halbstundenwerte wurde der angegebene Wert unterschritten oder gerade erreicht.

Quelle: NLÖ (Hrsg.) (verschiedene Jahrgänge)

 

Die in der Stadt Rinteln für die Schadstoffe Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Staub gemessenen Werte sind vergleichsweise gering, und zeigen zudem für Stickstoffdioxid und Staub tendenziell leichte Rückgänge in den letzten Jahren (siehe auch E 2.4.01). Die in der Tabelle 2.4/1 genannten derzeit gültigen Grenzwerte bzw. vorsorgeorientierte Mindeststandards werden nicht überschritten.

Bei Anwendung der ab 2001 geltenden Werte wurde in Rinteln 1998 nur der neue EU-Grenzwert für Feinstaub leicht überschritten, da an 38 Tagen ein Tagesmittelwert über 50 µg/m³ gemessen wurde (vgl. Tab. 2.4/1). Im Jahr 1999 wurden lediglich 31 Überschreitungstage ermittelt, so dass der neue EU-Grenzwert eingehalten wurde

 

Tab. 2.4/3: Ozonmesswerte in der Stadt Rinteln und ausgewählten Vergleichsstandorten nach LÜN

Ozon - O3 (Angaben in µg/m³)

Jahresmittelwert

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

35

42

39

43

38

49

48

41

43

46

48

Hannover/Linden, HRSW**

36

35

35

43

40

47

43

42

42

42

44

Osnabrück, OKCC

38

36

35

44

35

42

46

40

40

41

50

Walsrode, WASS

35

40

38

47

46

42

44

42

45

98 %-Wert *

LÜN-Station (Ort, Name)

1989

1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Rinteln, RNCC

130

135

118

134

116

138

139

113

118

116

121

Hannover/Linden, HRSW**

141

117

117

145

133

154

134

119

118

109

114

Osnabrück, OKCC

138

126

115

134

117

140

148

120

119

116

132

Walsrode, WASS

112

129

118

137

132

119

128

113

124

* Der 98 %-Wert kann als ein Maß für die Spitzenbelastung angesehen werden - bei 98 % der gemessenen Halbstundenwerte wurde der angegebene Wert unterschritten oder gerade erreicht.
** Ozonmessstation 1989 in Hannover/City
Quelle: NLÖ (Hrsg.) (verschiedene Jahrgänge)

 

In bodennahen Bodenschichten tritt im Sommer, wenn Luftschadstoffe, insbesondere Stickstoffdioxid aus den Emissionen des motorisierten Individualverkehrs, hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlungen zusammenwirken, eine Erhöhung der Ozonkonzentration auf. Die Ozonwerte in dem dargestellten Zeitraum für den Landkreis Schaumburg zeigen aufgrund der starken Temperatur- und der Sonnenscheinabhängigkeit keine einheitliche Tendenz. Es ist jedoch zu erkennen, dass der „Sommersmog“ nicht nur in den größeren Städten wie Hannover und Osnabrück ein Problem darstellt, sondern dass auch in den ländlicher geprägten Räumen wie dem Landkreis Schaumburg Ozonkonzentrationen in ähnlicher Höhe erreicht werden. Der von der EU definierte Schwellenwert zur Unterrichtung der Bevölkerung (Einstundenmittelwert Ozon größer 180 µg/m3) ist an der Messstation Rinteln zum Teil überschritten worden, z.B. im Jahr 1994 an insgesamt 13 Tagen bzw. 129 Stunden. Der höchste gemessene Einstundenmittelwert Ozon betrug 291 µg/m3.


E 2.4.05

Lärm gewinnt als Stress- und Belastungsfaktor bei der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung. Besonders betroffen sind Kinder, Kranke und ältere Menschen. Bei Dauereinwirkungen sind gesundheitliche Schädigungen nicht auszuschließen. Insbesondere der stetig zunehmende Verkehrslärm wird allgemein als Beeinträchtigung des sozialen, seelischen und körperlichen Wohlbefindens empfunden. Weitere potenzielle Lärmverursacher sind besonders Industrie- und Gewerbelagen, von denen erhebliche Geräuschemissionen ausgehen können.

Um hinreichend genaue Informationen über die Lärmbelastung einer Stadt oder Gemeinde zu erhalten, können Schallimmissionspläne aufgestellt werden. Sie dienen als Grundlage für planerische Maßnahmen

  • in der Raumordnung und Landesplanung,
  • im Städtebau (insbesondere in der Bauleitplanung) und bei der entsprechenden gemeindlichen Fachplanung (Aufstellung von Lärmminderungsplänen),
  • bei der frühzeitigen Vorbeurteilung von Gewerbe- und Industrieansiedlungsvorhaben sowie
  • in der Verkehrsplanung.

Mit dem Schallimmissionsplan, der den Lärm bereits vorhandener und geplanter Lärmquellen „sichtbar“ macht, ist inzwischen in Niedersachsen ein Planungs- und Informationssystem geschaffen worden, das als Grundlage für Maßnahmen zur Lärmsanierung, insbesondere aber auch für die Umweltvorsorge bei lärmintensiven Nutzungen dient.

Im Landkreis Schaumburg verfügen bisher nur die Stadt Stadthagen und die Samtgemeinde Eilsen über einen Schallimmissionsplan. Aufgrund der geltenden gesetzlichen Bestimmungen haben die übrigen Städte und Gemeinden des Landkreises Schaumburg zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Aufstellung eines Lärmminderungsplanes gegeben sind. Trifft dies zu, ist auch von diesen beim Niedersächsischen Umweltminister die Aufstellung eines Schallimmissionsplanes zu beantragen.

Lärmminderungspläne sind auf der Grundlage des Schallimmissionsplanes und der Konfliktpläne für die Gebiete einer Stadt oder Gemeinde zu erstellen, die als Konfliktgebiete erkannt worden sind. Der Lärmminderungsplan gibt an, welche planerischen, gestalterischen und baulichen Maßnahmen in welchen Zeiträumen zur Lärmsanierung des Plangebietes führen sollen und welche Lärmpegel langfristig anzustreben sind. Bei der Aufstellung von Lärmminderungsplänen müssen die besonders stark von Lärm betroffenen Wohnbereiche ermittelt und abgegrenzt, die Dringlichkeit von Abhilfemaßnahmen abgewogen und in einem akzeptablen Zeitraum gezielte Lärmminderungsmaßnahmen getroffen werden.
Das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) bestimmt daher in § 47 a, dass die Gemeinde oder die nach Landesrecht zuständige Behörde für Wohngebiete und andere schutzwürdige Gebiete Lärmminderungspläne aufzustellen hat, wenn nicht nur vorübergehend schädliche Umwelteinwirkungen hervorgerufen werden oder zu erwarten sind.


E 2.4.06 bis E 2.4.08

Die Maßnahmen zur Lärmbekämpfung und zur Luftreinhaltung sind in vielen Fällen koordinierbar, zum Teil stimmen sie völlig überein (siehe D 2.4.02). Die wirkungsvollsten und zugleich kostengünstigsten Möglichkeiten des Lärmschutzes ergeben sich durch einen emissionsorientierten Ansatz. Damit wird gleichzeitig der Durchsetzung des Verursacherprinzips Rechnung getragen.

Für die Umsetzung des Schutzes der Bevölkerung vor beeinträchtigendem Lärm gilt daher folgende Prioritätensetzung:

(1).Vermeidung lärmerzeugender Aktivitäten und Anlagen,
(2.) verursacherorientierte Lärmminderungsmaßnahmen (Schallisolierung, Entwicklung und Verwendung lärmarmer technischer Geräte),
(3.)Entflechtung lärmemissionsintensiver und lärmempfindlicher Nutzungen im Rahmen der vorsorgenden räumlichen Planung,
(4.)passiver baulicher Schallschutz durch Maßnahmen im Ausbreitungsweg und am Immissionsort (Schallisolierung, Lärmschutzfenster, Lärmschutzwände und -wälle).

Aus Sicht der Regionalplanung ist insbesondere eine vorsorgende räumliche Planung geboten, die für lärmempfindliche Flächennutzungen sicherstellt, dass die Lärmbelastungen die vorgeschriebenen Grenzwerte und die Orientierungswerte (siehe Tab. E 2.4/4 und Tab. E 2.4/5) unterschreiten.

So sollten bei städtebaulichen Planungen die Orientierungswerte nach der DIN 18005 „Schallschutz im Städtebau“ eingehalten werden. Für Standorte mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Fremdenverkehr sollte die Einhaltung der DIN-Maximalwerte für schutzbedürftige Nutzungen angestrebt werden, so dass die Lärmbelastungen einen Tageswert von 45 dB(A) und einen Nachtwert von 35 dB(A) nicht überschreiten (siehe auch E 1.5.07).

 

Tab. 2.4/4: Schalltechnische Orientierungswerte maximaler Lärmbelastung für die städtebauliche Planung gemäß der DIN 18005

Art der zu schützenden Nutzung

Immissionsgrenzwerte in dB(A)


tags
(6.00-22.00 Uhr)

nachts
(22.00-6.00 Uhr)

Reines Wohn-, Wochenendhaus- oder Ferienhausgebiet

50

40 bzw. 35

Allgemeines Wohngebiet, Kleinsiedlungs- oder Campingplatzgebiet

55

45 bzw. 40

Friedhöfe, Kleingarten- oder Parkanlagen

55

55

Besonderes Wohngebiet

60

45 bzw. 40

Dorf- oder Mischgebiet

60

50 bzw. 45

Kern- oder Gewerbegebiet

60

55 bzw. 50

Sonstiges Sondergebiet, soweit schutzbedürftig (je nach Nutzungsart)

45 bis 65

35 bis 65

Anm.: Bei zwei angegebenen Nachtwerten soll der niedrigere für Industrie-, Gewerbe- und Freizeitlärm sowie für Geräusche vergleichbarer öffentlicher Betriebe gelten.
Quelle: DIN 1987, Beiblatt 1

 

In Fällen des Neubaus oder einer wesentlichen Änderung von öffentlichen Straßen und Schienenwegen richtet sich die aktive Lärmvorsorge nach der Verkehrslärmschutzverordnung des Bundes von 1990.
 

Tab. 2.4/5: Immissionsgrenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung

Art der zu schützenden Nutzung

Immissionsgrenzwerte in dB (A)

 

tags

nachts

Krankenhäuser, Schulen, Kur- und Altersheime

57

47

Reines und allgemeines Wohngebiet, Kleinsiedlungsgebiet

59

49

Kern-, Dorf- und Mischgebiet

64

54

Gewerbegebiet

69

59

Quelle: 16. BImSchV vom 12. Juni 1990
 

Einen effizienten Beitrag zur aktiven Lärmvorsorge für empfindliche Nutzungen vor Lärmquellen stellt die Wahrung ausreichender Abstände dar. Anhaltspunkte für die Einschätzung erforderlicher Abstände im Rahmen der Bauleitplanung kann der vom Minister für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen erlassene Abstandserlass geben (MURL 1990). Die in dem Erlass enthaltene Abstandsliste lärmintensiver Anlagen kommt in der Praxis der Niedersächsischen Gewerbeaufsicht zur Anwendung.

Von vielen Bürgern wird der Verkehrslärm als die größte Belastung empfunden. Neben lärmdämpfenden Maßnahmen an Fahrzeugen und Fluggeräten sollen Lärmminderungen erreicht werden durch Konzepte und Maßnahmen zur

  • Attraktivitätssteigerung und zum Ausbau der öffentlichen Nahverkehrsmittel,
  • Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs (Rad- und Fußwegenetz),
  • Verlagerung des Straßengüterverkehrs auf Schiene und Wasserstraße,
  • Anlage verkehrsberuhigter bzw. verkehrsfreier Zonen,
  • Verlagerung des Kfz-Durchgangsverkehrs und Bündelung des Lkw-Verkehrs auf geeignete Sammel-, Entlastungs- oder in besonderen Fällen auf Umgehungsstraßen,
  • Verkehrslenkung und -regelung (Verkehrsleitsysteme, Geschwindigkeitsbegrenzungen),
  • Errichtung von Lärmschutzwänden/-wällen.

Mit dem Gewinn an Freizeit und Mobilität ist auch das Interesse der Bevölkerung an geräuschintensiven Freizeitbetätigungen gewachsen. Anlagen für den Motorfahrzeug-, Motorflug-, Modellflugzeug- und Motorbootsport, Anlagen für den Schießsport und dergleichen sollten in ausreichendem Abstand zur Wohnbebauung und sonstigen lärmempfindlichen Einrichtungen angeordnet werden. Die Durchführung von Motorsportveranstaltungen sollte, sofern von den Veranstaltern ein vertretbares Maß an Lärmbelastung durch technische Vorkehrungen nicht gewährleistet werden kann, in der Nähe von Wohnsiedlungen und Erholungsgebieten nicht zugelassen werden.


E 2.4.09

Auf der Grundlage vom Niedersächsischen Landesamt für Ökologie (NLÖ) erstellter Schallimmissionsberechnungen und örtlicher Schallimmissionspläne sollen in der Fortschreibung des RROP dort Lärmbereiche festgelegt werden, wo die Lärmbelastung 60 dB(A) tags bzw. 45 dB(A) nachts erreicht.


E 2.4.12

Über die natürliche Strahlenexposition hinaus sind der Mensch und seine Umwelt seit einigen Jahrzehnten durch die einzelnen Anwendungsbereiche der Röntgenstrahlung, der Kernenergie und des sonstigen Umgangs mit radioaktiven Stoffen künstlichen Strahlenbelastungen ausgesetzt.

Grenzwerte zum Schutz der Bevölkerung, wie sie in der Strahlenschutzverordnung festgesetzt sind, sind nur bedingt aussagekräftig. Jede radioaktive Strahlung kann, insbesondere wenn sie über längere Zeiträume einwirkt, zu Veränderungen von Molekülen in Organismen und damit zu Strahlenschäden führen. Deshalb sollte möglichst jede zusätzliche Strahlenbelastung vermieden werden.

Die ständige Überwachung der Umweltradioaktivität leistet einen wichtigen Beitrag zur Bestimmung der jeweiligen Strahlenbelastung der Bevölkerung und zur Kontrolle der Wirksamkeit der im Einzelnen durchgeführten Strahlenschutzmaßnahmen. Für die großräumige Überwachung von Luft, Niederschlägen und Bundeswasserstraßen ist der Bund zuständig. Die Länder messen die Strahlenbelastung von Nahrungs- und Genussmitteln, Futtermitteln, Trink- und Grundwässern, Gewässern, Abwässern, Böden, Pflanzen usw.. Die Messdaten werden regelmäßig durch das Niedersächsische Landesamt für Ökologie zusammenfassend veröffentlicht.

Im Landkreis Schaumburg verfügen verschiedene Einrichtungen und Betriebe über Genehmigungen zur Anwendung radioaktiver Stoffe nach der Strahlenschutzverordnung. Diese können potenziell zu einer zusätzlichen Strahlenbelastung ihrer Umgebung beitragen.


E 2.4.13

Die in der Umwelt des Menschen natürlicherweise vorkommenden elektrischen und magnetischen Felder werden in zunehmendem Maße von künstlicher Strahlung aus einer Vielzahl von technischen Quellen, z.B. Hochspannungsleitungen, Transformatoren, Rundfunkanlagen, Radaranlagen, Mobiltelefonen, Computern und Haushaltselektrogeräten überlagert. Die Auswirkungen nichtionisierender Strahlung auf die menschliche Gesundheit sind noch wenig erforscht.

Nach Ansicht des Niedersächsischen Umweltministeriums kann nicht ausgeschlossen werden, dass elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder auch schon bei Feldstärken, wie sie im Alltag vorkommen, eine bestimmte Belästigung oder ein Gesundheitsrisiko darstellen. Von einer besonderen Empfindlichkeit wird bei Kindern und Heranwachsenden ausgegangen (MU (Hrg.) (1993)). Allerdings konnten alle bisherigen Untersuchungen nicht die Frage klären, ab welcher Feldstärke sicher mit negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zu rechnen ist.

Die Grenzwerte für Niederfrequenzanlagen wie Freileitungen und Erdkabel werden in Kilovolt pro Meter (kV/m) und zur magnetischen Flussdichte in Mikrotesla definiert. Sie schwanken von 400 Mikrotesla (nach Normenentwurf DIN VDE 0848) bis 10 Mikrotesla (Länderausschuss Immissionsschutz AK Elektromagnetische Felder für netzfrequente Felder). Die vorliegenden Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der in der 26. BImSchV vom 16. Dezember 1996 (BGBl. I S. 1966) eingeführte Grenzwert von 100 Mikrotesla bzw. 5 kV/m (50-Hz-Felder) für Niederfrequenzanlagen zu hoch angesetzt ist und daher keinen umfassenden Schutz vor möglichen negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus gewährleistet.

Da die kontroverse Diskussion bezüglich angemessener Grenzwerte über eine noch gesundheitsverträgliche Strahlenexposition noch nicht abgeschlossen ist, sollte aus Vorsorgegründen die Strahlenbelastung der Bevölkerung grundsätzlich so gering wie möglich gehalten werden. Im Bereich der Raumplanung kann durch ausreichende Abstände zwischen Wohnbebauung und Verursachern starker elektromagnetischer Felder wie Hochspannungsfreileitungen (siehe unten) und Sendeanlagen dafür Sorge getragen werden, dieses mögliche Gesundheitsrisiko auszuschließen.

Abstände von Hochspannungsleitungen

Da die Feldstärke unter einer Hochspannungsfreileitung neben der Spannungsebene und der Übertragungsleistung von weiteren Parametern abhängt, wie z.B. der Höhe der Leiter über Grund oder dem Abstand der Leiterseile zueinander, ist das magnetische Feld am Erdboden zum Teil erheblichen Schwankungen unterworfen. Nach Einschätzung des Niedersächsischen Umweltministeriums wird aufgrund der in Niedersachsen zumeist relativ geringen Übertragungsleistungen in der Regel eine ausreichende Minimierung der Belastung durch Magnetfelder erreicht, wenn die in Tab. E 2.4/6 aufgeführten Abstände zu Wohnhäusern eingehalten werden.

 

Tab. 2.4/6: Abstandsrichtwerte zwischen Hochspannungsfreileitungen und Wohnbebauung

Spannungsebene

Abstand von Trassenmitte

110 kV

25 m

220 kV

30 m

380 kV

40 m

Quelle: MU (1994)

 

Die Abstandsangaben sind auf Normallastbetrieb bezogen, da die Freileitungen nur sehr selten bis zu ihrer Kapazitätsgrenze belastet werden. Auch bei zeitweiligem Vollastbetrieb sind nach heutigem Kenntnisstand keine Auswirkungen auf die Gesundheit zu erwarten. Anderseits berücksichtigen die Abstände keine Summenwirkungen, die bei gleichzeitig einwirkenden Strahlenquellen, insbesondere der Telekommunikation, bestehen. Wegen der Schwankungsbreite der im Einzelfall tatsächlich vorliegenden Feldstärkebelastung und des unter dem Aspekt der Vorsorge betriebenen Konzepts ausreichender Abstände sind die Abstandswerte als Richtwerte anzusehen, die in die Abwägung einzubringen sind, soweit nicht aufgrund anderer Bestimmungen größere Abstände erforderlich werden.

Die bestehenden Hochspannungsfreileitungen ab 110 kV sind in der Zeichnerischen Darstellung nachrichtlich aufgenommen.

Erdkabel sind aufgrund der sonstigen technischen Anforderungen besser abgeschirmt als Freileitungen. Doch auch hier wird im Sinne der Daseinsvorsorge eine Nutzungsentflechtung empfohlen, das heißt, eine direkte Überbauung von Erdkabeln ist zu vermeiden.