E 2 - Schutz, Pflege und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

E 2.5 - Schutz der Erdatmosphäre, Klima

Die durch den Eintrag von Spurengasen bewirkten Veränderungen der Erdatmosphäre, der zusätzliche Treibhauseffekt und die daraus resultierenden Klimaveränderungen mit ihren Folgewirkungen sowie die Zerstörung der Ozonschicht in der Stratosphäre bei gleichzeitiger Zunahme der bodennahen Ozonbildung stellen eine weltweite Gefährdung für die Menschheit und die gesamte Biosphäre der Erde dar (vgl. LROP Nds. 1994, S. 155). Die Verminderung der CO2-Emissionen und weiterer klimawirksamer Spurengase (Methan, FCKW usw.) sowie die Erhaltung der natürlichen CO2-Binde- und Aufnahmekapazität - insbesondere der tropischen Regenwälder und der Weltmeere - gelten als wirksame Gegenmaßnahmen, um den negativen Veränderungen Einhalt zu gebieten.

Wirksame Gegenmaßnahmen erfordern ein internationales Vorgehen und damit weltweit völkerrechtlich verbindliche Vereinbarungen zum Klimaschutz. Nationale und kommunale Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zu notwendigen internationalen Programmen und Vereinbarungen (vgl. LROP Nds. 1994, S. 110). Die Bundesrepublik Deutschland hat sich bereits 1990 zur Vorbereitung der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio selbst verpflichtet, bis zum Jahr 2005 die CO2-Emissionen um 25 bis 30 % unter das Niveau von 1987 zu senken. Unter den sogenannten Treibhausgasen stellt CO2 mengenmäßig das Hauptschadgas dar.

Die Städte Bückeburg und Stadthagen sind Mitglieder im internationalen „Klimabündnis der europäischen Städte mit den indigenen Völkern der Regenwälder zum Erhalt der Erdatmosphäre / Alianza des Clima e.V.“. Sie haben sich damit verpflichtet, durch Ausschöpfung ihrer Potenziale zur Emissionsminderung von relevanten Treibhausgasen einen lokalen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Andere Städte und Gemeinden im Landkreis Schaumburg sollten sich diesem Beispiel anschließen und der kommunalen Klimaschutzpolitik zusätzliche Impulse verleihen.


E 2.5.01

Neben der Energieversorgung trägt das weiterhin steigende Verkehrsaufkommen - insbesondere der Individualverkehr - in zunehmendem Maße zu den CO2-Emissionen bei. Darüber hinaus bewirkt der Individualverkehr eine ganz erhebliche Schadstoffbelastung der Luft mit Kohlenmonoxid, Stickoxiden und organischen Verbindungen.

Daher ist für die Reduzierung der Schadstoffbelastung die Verlagerung möglichst großer Verkehrsmengen von der Straße auf weniger umweltbelastende Verkehrsträger  - insbesondere auf die Schiene - von wesentlicher Bedeutung.


E 2.5.02

Da der Energiesektor in besonderem Maße zur CO2-Emission beiträgt, sind die in C 2.5.02 genannten Maßnahmen mit besonderer Intensität zu betreiben; hier liegen neben dem Verkehrsbereich die größten Verminderungs- und Einsparpotenziale. Alle Möglichkeiten einer effizienteren und rationelleren Energienutzung sind auszuschöpfen. Einen zunehmenden Anteil am Endenergieverbrauch und damit an einer verstärkten Substitution traditioneller Energieträger kann die Nutzung neuer regenerativer Energiequellen erlangen (siehe E 3.5.02/03).
 Erdgas ist im Vergleich zu Kohle und Erdöl der weitaus umweltfreundlichere Energieträger. Der Anteil des Erdgases am Energieeinsatz zu Lasten von Kohle und Erdöl sollte daher vergrößert werden (siehe E 3.5.06).


E 2.5.03

Auch landwirtschaftliche Aktivitäten führen zu klimarelevanten Emissionen, allerdings treten diese in ihrer Bedeutung gegenüber dem Energie- und Verkehrssektor erheblich zurück. Düngemittel - insbesondere aus der Tierhaltung - und Pflanzenschutzmittel setzen Gase frei, die zu einer Belastung der Erdatmosphäre und des Klimas beitragen. Durch eine ökologie- und klimaverträgliche Dosierung des Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatzes sind die Belastungen möglichst zu vermeiden, zumindest zu verringern.


E 2.5.04

Der Wald bindet bei seinem Wachstum in erheblichen Umfang Kohlenstoff. Die Sicherung und die Vermehrung des Waldbestandes trägt somit zur Stabilisierung und Vergrößerung der CO2-Binde- und Aufnahmekapazität bei und hat somit positive Umweltauswirkungen auf das Klima (weitere Erläuterungen in E 3.3).


E 2.5.05

Zur Erhaltung eines gesunden Mikroklimas in dichter besiedelten Gebieten trägt die Aufrechterhaltung des vertikalen und horizontalen Frischluftaustausches bei. Für den Landkreis ist ein Klimaausgleich für die verdichteten Stadtzentren von Bad Nenndorf, Stadthagen, Obernkirchen, Bückeburg und Rinteln sowie die größeren Gewerbe- bzw. Industriegebiete von Bedeutung. Es ist ein klimatisches Vorzugsmerkmal der Region, dass diesen bioklimatisch belasteten Bereichen („Wirkungsräumen“) nahegelegene Ausgleichsräume zur Verfügung stehen. Durch die Bildung kühlerer und frischerer Luft und über funktionsfähige Luftaustauschbeziehungen - entweder gebündelt in Leitbahnen oder breitgestreut als Hangabwinde - tragen diese Ausgleichsräume zum Abbau der Belastungen in den Wirkungsräumen bei. Klimaausgleichsfunktionen für die dichtbesiedelten Räume gehen maßgeblich von innerstädtischen Freiflächen sowie angrenzenden unbewaldeten Niederungsbereichen, landwirtschaftlichen Flächen und Waldflächen aus.

Voraussetzung für den lufthygienisch wertvollen lokalen Luftaustausch ist, dass die in die dicht besiedelten „erwärmten“ Gebiete einströmende kältere, unbelastete Luft möglichst ungehindert in den zu belüftenden Siedlungsbereich einfließen kann. Das heißt, das Freihalten von Luftaustauschbahnen von Emittenten und Hindernissen aller Art sowie die Erhöhung der Durchlässigkeit bestehender Hindernisse sind für die Belüftung erforderlich.

Bereiche mit besonderen klimatischen Ausgleichsfunktionen im Wirkungsbereich der dichter besiedelten Gebiete des Planungsraumes sind nach dem Landschaftsrahmenplan des Landkreises Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000):

 in Stadthagen:

  • für das Stadtzentrum die innerstädtischen Grünflächen Schlosspark und Wallanlagen, der Friedhof östlich des Stadtzentrums als zentrumsnahe Freifläche und als Luftleitbahn für Winde aus Ost sowie die Hangbereiche der Bückeberge,
  • für die Gewerbe- und Industriegebiete am nördlichen, westlichen und östlichen Stadtrand die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen,

in Bad Nenndorf:

  • für das Stadtzentrum des Kurortes der Kurpark und der Nordwesthang des Galenberges als zentrumsnahe Freifläche,
  • für das Gewerbegebiet nördlich Bad Nenndorfs die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen,

in Bückeburg:

  • für das Stadtzentrum der Schlosspark als innerstädtische Freifläche und der Freiflächenkomplex Schlosspark, Hofwiesenteiche bis zum Mausoleum als Luftleitbahn für Winde aus Südwest,
  • für das Gewerbegebiet am östlichen Stadtrand die Hangbereiche des Harrl südlich des Gewerbegebietes als Kaltluftentstehungsflächen und als Kaltluftbahn sowie die sonstigen an das Gewerbegebiet angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen,

in Rinteln:

  • für das Stadtzentrum (Altstadt) die im Osten und Süden angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen,
  • für die zusammenhängenden Industriegebiete nördlich der Weser die landwirtschaftlichen Flächen nordwestlich des Industriegebietes West als Kaltluftentstehungsflächen und Kaltluftbahn,
  • für das Industriegebiet Süd die landwirtschaftlichen Flächen und Waldflächen im Hangbereich des Nottberges und zum Teil des Kahlenberges als Kaltluftentstehungsflächen und Kaltluftbahnen,

in Obernkirchen:

  • für das Gewerbegebiet am südöstlichen Stadtrand die Waldflächen der Bückeberge südöstlich des Gewerbegebietes als Kaltluftentstehungsfläche, Kaltluftbahn und als Immissionsschutzwald,

in Rodenberg:

  • für das Zentrum der Stadt Rodenberg die Rodenberger Aueniederung südwestlich der Stadtlage als zentrumsnahe Freifläche und Luftleitbahn für Winde aus Südwest.

Zur Erfüllung der besonderen klimatischen Anforderungen des Kurortes Bad Eilsen sind die Hangbereiche von Harrl und Heeßer Bergen als Kaltluftentstehungsflächen und Kaltluftbahnen sowie der Kurpark als innerstädtische Grünfläche von wesentlicher Bedeutung.

(Vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-82 f..)


E 2.5.06

Um die Klimagefährdung durch Deponiegase zu vermindern, ist die vorrangige Strategie, das Abfallaufkommen zu vermeiden. In einem zweiten Schritt sollen die anfallenden Abfälle verwertet werden (Recycling, Kompostierung, Biogas). Erst die verbleibenden Abfälle werden deponiert.
Bei der Abfalldeponierung entstehen zwar keine großen Gasmengen, aber die anfallenden Gase Methan und FCKW besitzen eine besondere Treibhauswirksamkeit. Deshalb ist eine weitgehende Erfassung der Deponiegase nötig. Diese sollten zumindest verbrannt, besser aber zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden.