E 2 - Schutz, Pflege und Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

E 2.6 - Schutz der Kulturlandschaften und der kulturellen Sachgüter

E 2.6.01/02

Kulturlandschaften entstehen auf der Basis natürlicher Ressourcen aus der Überformung der Landschaft durch menschliche Nutzungen. Sie unterliegen fortwährend einem den jeweiligen menschlichen Bedürfnissen angepassten Wandel.

Historische Kulturlandschaften vermitteln anschauliche Beispiele und Bilder früherer Kultur und Geschichte sowie früheren Lebens. Sie sind bei entsprechend erfahrbarer Kontinuität wichtige Bestandteile heutiger Heimat und tragen wesentlich zur regionalen Identität bei. Weite Teile der heutigen Kulturlandschaft werden in ihrer landschaftlichen Eigenart in stärkerem Maße durch die anthropogenen (historischen und aktuellen) Einflüsse als durch die natürlichen Standortbedingungen geprägt. Deshalb dient der Schutz wertvoller Elemente der historischen Kulturlandschaft dem Erhalt der spezifischen, historisch begründeten Eigenart des Landschaftsraumes.

Eine systematische und flächendeckende Erfassung und Bewertung der historischen Kulturlandschaften und einzelner Kulturlandschaftselemente liegt – auch wegen der zum Teil fachübergreifenden Zuständigkeit zwischen Naturschutz und Denkmalschutz – für den Landkreis Schaumburg nicht vor. Nach derzeitigem Kenntnisstand lassen sich folgende wesentliche und erhaltenswerte Elemente der historischen Kulturlandschaften im Landkreis Schaumburg benennen (vgl. auch LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-36 ff.):

  • Ein einzigartiges Zeugnis historischer Wirtschaftsweisen für unseren Kulturkreis sind die erstmals Anfang des 13. Jahrhunderts angelegten Hagenhufendörfer mit ihren in langen Reihen entlang der Dorfstraße angesiedelten Höfen und ausgeprägten schmalen Parzellen mit Langstreifenfluren. Weitgehend erhalten ist die historische Fluraufteilung noch nördlich und östlich (siehe auch unten, Kulturelle Sachgüter) sowie südlich von Stadthagen (Krebshagen); durch Flurneuordnung zerstört ist die Hagenhufenfeldflur bei Wiedensahl und Niedernwöhren, nur noch in Fragmenten erhalten ist sie bei Altenhagen, Hagenburg und Auhagen.

  • Zeugnisse traditioneller landwirtschaftlicher Nutzung im Landkreis Schaumburg sind die zusammenhängenden Wiesen- und Weidelandschaften mit kulturhistorisch bedeutsamen Einzelelementen wie Kopfbäumen, Niederhecken, Weidebäumen und alten Weideschuppen und -zäunen; Vorkommen sind z.B. in der Hagenburger Moorniederung, Bückeburger Niederung, Niederung bei Pollhagen/Mittelbrink, Grünlandbereiche an Rodenberger und Sachsenhäger Aue sowie entlang weiterer Gewässer II. Ordnung in der Bördenregion (z.B. Ils, Riehe und Hülse), bei Möllenbeck (siehe auch unten) und in Teilbereichen des Lipper Berglandes (insbesondere bei Wennenkamp und kleinflächig bei Goldbeck).

  • Wichtige Zeugnisse traditioneller landwirtschaftlicher Nutzung sind ferner die Obstwiesen und -weiden mit hochstämmigen Bäumen außerhalb von Hausgärten. Erhalten sind diese zumeist in Ortsrandlagen; größere Bestände u.a. noch an den Hängen der Rehburger Berge und der Bückeberge, in den Hagenhufendörfern, an der Domäne Koverden und an der Exter zwischen Krankenhagen und Exten.

  • Zeugnisse historischer Waldnutzungsformen sind relikthafte Vorkommen des Niederwaldes im Wesergebirge, des Mittelwaldes im Schaumburger Wald und bei Apelern und des Hudewaldes bei Uchtdorf, Pollhagen, Raden und nördlich der Domäne Koverden. Ferner Zeugnisse des Schneitelns von Laubbäumen in der Umgebung von Cammer und westlich von Raden.

  • Der Steinkohlebergbau im Landkreis Schaumburg zählt zu den ältesten in Deutschland und ist daher von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. Zeugnisse des mindestens in das 16. Jahrhundert zurückreichenden und im Jahr 1961 eingestellten Steinkohlebergbaus sind neben zahlreichen baulichen Anlagen (Schacht- und Stollenanlagen) insbesondere die größeren Abraumhalden und kleineren Halden, im Volksmunde auch „Kummerhaufen“ genannt. Bergehalden prägen Teile der Landschaft bei Stadthagen, Helpsen und Sachsenhagen, während eine ganze Anzahl kleinerer, heute dicht bewachsener „Kummerhaufen“ von Obernwöhren über Wendthagen, Liekwegen und Obernkirchen bis Krainhagen am Hang des Bückeberges verstreut liegen. Als weitere Zeugnisse des Bergbaus existieren Orte und Ortsteile, die mit dem Bergbau verbunden sind. Insbesondere der Ort Meinefeld, der als geschlossene Siedlung in den zwanziger Jahren auf einer ehemaligen landesherrlichen Domäne für Bergarbeiter errichtet wurde, ist zu erhalten und in seiner gewachsenen Ortsrandlage nicht zu beeinträchtigen.

  • Erhaltenswerte Zeugnisse des schon im Mittelalter einsetzenden Sandsteinabbaus in den Bückebergen sind eine Reihe alter Steinbrüche und Halden östlich des aktuellen Steinbruches. Obernkirchener Sandsteine wurden weltweit bei der Errichtung kulturhistorisch bedeutender Bauwerke verwendet.

  • Kulturhistorisch bedeutsame Mühlen und Mühlengräben zur Zu- und Ableitung von Wasser für den Betrieb von Wassermühlen, z.B. nördlich Lauenau sowie in der Ortslage von Warber/Meinsen.

  • Im Landkreis Schaumburg sind vor allem im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche historische Gärten und Parks entstanden. Auch die in der Öffentlichkeit zur Zeit weniger bekannten Anlagen sind als künstlerischer Ausdruck des Naturverständnisses unserer Vorfahren wichtige und erhaltenswerte Elemente der historischen Kulturlandschaft. Neben dem zu den ältesten deutschen Landschaftsparks gehörenden Schlosspark Jagdschloss Baum sind insbesondere folgende historische Parkanlagen samt der Adels- und Herrschaftssitze in ihrem Kulturzusammenhang und Landschaftsbezug zu erhalten:

    • Schlosspark Baum
    • Schlosspark Hagenburg,
    • Gutspark Helpsen,
    • Park des Rittergutes Enzen,
    • Bruchhof bei Stadthagen, Anlagen mit Burggraben,
    • Wallanlagen, Schlosspark und Stadtgarten in Stadthagen,
    • Gutspark Remeringhausen,
    • Schlosspark und Palais-Garten in Bückeburg,
    • Landschaftspark Klus,
    • Schlosspark von Hammerstein und Schlosspark von Münchhausen in Apelern,
    • Gutspark Schwedesdorf,
    • Gutspark Rittergut Lauenau,
    • Schlosspark Hülsede,
    • Schlosspark Arensburg,
    • Orangerie und Park in Exten,
    • Wallanlagen Rinteln,
    • Kurpark Bad Eilsen,
    • Kurpark Bad Nenndorf.

  • Kulturhistorisch bedeutende Friedhöfe mit einem umfangreichen Bestand an alten Grabstätten und Bäumen sind der Westernfriedhof in Stadthagen, der Reformierte und Jetenburger Friedhof in Bückeburg und die Judenfriedhöfe im Harrl und in Obernkirchen.

  • Zu den sehr stark landschaftsbildprägenden Elementen der Kulturlandschaft gehören Alleen mit altem Baumbestand, die im Landkreis Schaumburg jedoch nur selten anzutreffen sind; neben mehreren Alleen im Schaumburger Wald haben eine besondere Bedeutung die Ahornallee am Georgschacht in Stadthagen, die Kastanienallee in der Bergamtsstraße in Obernkirchen und die Lindenallee zwischen Kurpark Bad Eilsen und Harrl.

  • Die kulturelle Identität mit der Region bemisst sich in starkem Maße an den vorhandenen historischen baulichen Anlagen. Hierzu zählen im Landkreis Schaumburg herrschaftliche Gebäude (z.B. Burgen, Schlösser und Gutshöfe), sakrale Gebäude (z.B. Kirchen und Klöster), gewerbliche Gebäude (z.B. Anlagen des Bergbaus, Wasser- und Windmühlen) und Verkehrsbauten (z.B. historische Autobahnbrücken). Städtebauliche Schwerpunkte der kulturellen Sachgüter sind die historischen Ortskerne der Städte Bückeburg, Obernkirchen, Rinteln, Stadthagen, Hagenburg, Lauenau, Rodenberg und Sachsenhagen sowie der Dörfer Apelern, Hülsede und Exten.

Als besonders bedeutende archäologische Denkmale sind neben einigen historischen Burgstellen und Grabstätten die Landwehren im Schaumburger Wald hervorzuheben. Diese in großen Teilen erhaltene sog. Schaumburger Landwehr erstreckt sich auf einer Länge von rd. 25 km im Schaumburger Wald bis zum Steinhuder Meer und kennzeichnete im Mittelalter die schaumburgische Grenze. Die Landwehren an anderen Stellen des Landkreises sind demgegenüber nur noch in Rudimenten vorhanden (z.B. Bückethaler Landwehr bei Bad Nenndorf und Landwehr bei Schoholtensen).

Der Schutz historischer Kulturlandschaften und Kulturlandschaftselementen ist eine Querschnittsaufgabe zwischen Naturschutz und Denkmalschutz. Eine Sicherung historischer Kulturlandschaften kann mit dem rechtlichen Instrumentarium des Naturschutzes (siehe E 2.1) oder des Denkmalschutzes (siehe unten) erfolgen. Im RROP können erhaltenswerte Teile der Kulturlandschaft, vor allem die, die noch keinem rechtlichen oder ausreichenden Schutz unterliegen, als vor beeinträchtigende Nutzungen zu schützende „Vorrang- und Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft“ (siehe D 2.1.10 und D 2.1.11) oder als „Kulturelle Sachgüter“ ausgewiesen werden.

Der gesetzlich verankerte Denkmalschutz und die Denkmalpflege haben für den Landkreis Schaumburg bereits in der Vergangenheit einen hohen Stellenwert eingenommen. Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz zählt Baudenkmale und Bodendenkmale einschließlich archäologischer Denkmale und bewegliche Denkmale (Sammlungen) zu den Kulturdenkmalen.

Baudenkmale sind bauliche Anlagen vom Einzelgebäude bis zu ihren Teilen (Fassade, Haustür etc.). Mehrere Gebäude können als Gruppe baulicher Anlagen Baudenkmale sein (sog. Ensemble), wie z.B. ein Bauernhof, eine Burganlage, eine Industrieanlage, ein geschlossener Straßenzug bis hin zu einem ganzen Stadtviertel. Schließlich können auch Grünanlagen wie Parks, Gärten oder Alleen als Baudenkmale unter Schutz gestellt werden.
 

Tab. D 2.6/1: Bestand der Baudenkmale im Landkreis Schaumburg


Baudenkmale

Gebäude insgesamt(Bestand 1987)

Denkmal-
dichte *


Einzel-
denkmale

Gruppen-
denkmale

Objekte
insgesamt



Stadt Bückeburg

202

51

339

4307

7,87 %

Stadt Rinteln

216

36

326

6221

5,24 %

Stadt Stadthagen

85

37

261

4488

5,82 %

übrige Städte und Gemeinden

469

160

797

20050

3,98 %

LK Schaumburg insgesamt

972

284

1723

35066

4,91 %

Land Niedersachsen

-

-

-

-

4,78 %

* Anteil der ausgewiesenen Objekte am Gebäudebestand in %.
Quelle: Niedersächsisches Landesverwaltungsamt , Denkmalstatistik, November 1996

 

Die Baudenkmalstatistik weist für den Landkreis Schaumburg mit insgesamt 1.723 Einzelobjekten eine im landesweiten Vergleich leicht überdurchschnittliche Baudenkmaldichte aus. Über die höchste Baudenkmaldichte verfügen die Städte Bückeburg, Rinteln und Stadthagen. An besonders sehenswerten Baudenkmalen im Landkreis Schaumburg, die zahlreiche Besucher auch von außerhalb der Region anziehen, sind beispielhaft zu nennen

  • das Residenzschloss in Bückeburg mit Kapelle und Mausoleum,
  • die Stadtkirche in Bückeburg,
  • die Schaumburg und
  • das Kloster Möllenbeck.

Bodendenkmale bedürfen einer besonderen Beachtung, da sie in der Mehrzahl unsichtbar im Boden verborgen sind und durch Bodeneingriffe, z.B. Baumaßnahmen, Boden- und Gesteinsabbau und landwirtschaftliche Nutzung gefährdet sind. Aus der Vielzahl der bisher im Landkreis Schaumburg vorhandenen Bodendenkmale sind neben den bereits oben angeführten Landwehren im Schaumburger Wald

  • die Heisterburg in der Samtgemeinde Rodenberg/Deister,
  • der Urnenfriedhof Knickbrink in der Stadt Rinteln, Ortsteil Krankenhagen und
  • der Feggendorfer Stollen in der Samtgemeinde Rodenberg/Deister aufzuführen.
 

Die in der Zeichnerischen Darstellung des RROP festgelegten „Kulturellen Sachgüter“ umfassen erhaltenswerte Teile der Kulturlandschaft, die noch keinem ausreichenden rechtlichen Schutz unterliegen und die von (über-)regionaler Bedeutung sind:

(1.)
Gut erhaltene Hagenhufendörfer sind durch gereihte Höfe und eine streifenförmige Feldflur gekennzeichnet. Die in der Zeichnerischen Darstellung als Kulturelle Sachgüter festgelegten Hagenhufendörfer Blyinghausen, Habichhorst, Hülshagen, Lüdersfeld, Nordsehl, Obernwöhren, Vornhagen, Pollhagen und Probsthagen haben sowohl ihre Bebauungsstruktur wie auch die dazugehörige Feldeinteilung über 800 Jahre bis in unsere heutige Zeit erhalten können (vgl. auch LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), Textkarte 3). Die planmäßig angelegten Dörfer weisen eine typische Gliederung auf - mit auf der einen Seite der Straße liegenden Gehöften, Grünland und Bach und auf der anderen Seite der Straße liegenden Ackerflächen. Eine derartige Erhaltung von alten Siedlungsstrukturen im Einklang mit der Nutzung der Feldmark kann überregional als selten und einmalig bezeichnet werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gebäude den Bedürfnissen angepasst und auch neu gebaut, die Struktur als solche jedoch erhalten. Aufgrund der langen Schläge bietet die Feldstruktur auch heute noch die Möglichkeit einer modernen Bewirtschaftung. Ziel ist hier die Erhaltung der landwirtschaftlichen Nutzung bei Beibehaltung der historischen Siedlungsstruktur und Fluraufteilung. Einem anhaltenden Veränderungsdruck der Hagenhufendörfer durch Suburbanisierungsprozesse ist durch eine vorausschauende Entwicklungsplanung entgegenzuwirken (siehe auch E 1.5.07 (Ländliche Siedlungen)).

(2.)
Der Höhenzug der Rehburger Berge - bestehend aus Wölpinghäuser Berg, Düdinghäuser Berg, Atge Berg und Wiedenbrügger Berg - besitzt als markante geomorphologische Ausprägung eine besondere Bedeutung für das Landschaftsbild. Das in dieser herausgehobenen Höhenlage entstandene Haufendorf Bergkirchen mit seiner gewachsenen Ortsilhouette einschließlich der hervorstechenden mittelalterlichen Kirche ist weithin sichtbar. Das als Kulturelles Sachgut festgelegte Gebiet zeichnet sich zudem durch einen außerordentlich hohen Strukturreichtum aus – überwiegend beweidetes, durch zahlreiche Hecken, Gebüsche und Streuobstwiesen gegliedertes Grünland im relativ steilen Hangbereich bei Bergkirchen, Buchenwälder, zum Teil aber auch Nadelholzforste sowie mehrere alte Steinbrüche im Bereich des Düdinghäuser Berges, überwiegend landwirtschaftliche Nutzflächen mit zum Teil gliedernden Gehölzen in der offenen Kulturlandschaft Richtung Steinhuder Meer und der strukturreichen Siedlung Schmalenbruch. Diese abwechslungsreiche, kulturelle und landschaftliche Einheit der einzelnen Elemente ist zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln; dies gilt insbesondere für die Ortslage Bergkirchen, die Obstbaumwiesen an den Hängen sowie die freien landwirtschaftlichen Flächen in der Feldflur (siehe auch E 1.5.07 (Ländliche Siedlungen)).

(3.)
Die Burg Schaumburg ist der namensgebende und in besonderer Weise identitätsstiftende Ort für die Region. Sie bildet mit der Paschenburg, der Domäne Koverden und der Ortschaft Schaumburg eine gewachsene Kulturlandschaft. Zusammen mit den geowissenschaftlich bedeutsamen, bis 25 m hohen Kalksteinklippen im Kammbereich des Wesergebirges besteht ein kulturelles und landschaftliches Gesamtensemble, das insbesondere vor Verbauungen der weitreichenden Sichtbeziehungen und vor Zersiedelungen zu schützen ist (siehe auch E 1.5.07 (Ländliche Siedlungen)).

(4.)
Im Randbereich des Wesertales bei Möllenbeck-Hessendorf hat sich um das Kloster Möllenbeck – dem ältesten Kloster Schaumburgs – ein kulturhistorisch besonders interessanter Bereich herausgebildet. Das Kloster sowie eine eigenartige, abseits der Straße liegende Reihenbebauung in Hessendorf liegen auf einer markant ausgeprägten Terrassenkante der Weseraue, an die sich nördlich eine Wiesen- und Weidelandschaft anschließt. Für das Ensemble ist der kulturelle Zusammenhang zwischen den landwirtschaftlichen Grünlandflächen, den dazugehörigen alten Hofanlagen und dem Kloster von entscheidender Rolle. Dieser Gesamtzusammenhang ist zu erhalten, insbesondere die ungestörten Blickbeziehungen aus Richtung Hessendorf auf das Kloster Möllenbeck sind von Bebauung oder anderen störenden Maßnahmen freizuhalten (siehe auch E 1.5.07 (Ländliche Siedlungen)).
 

Die Elemente der historischen Kulturlandschaften können unterschiedlichen Beeinträchtigungen und Gefährdungen ausgesetzt sein. Grundsätzlich unterscheiden lassen sich der Verlust des Elements (z.B. durch Bebauung, Zerstörung, Abtrag), die Veränderung des Elements (z.B. durch Nutzungswandel, Umgestaltung) und die Veränderung der Umgebung des Elements (z.B. durch angrenzende Bebauung). In besonderer Weise hervorzuheben sind mögliche Beeinträchtigungen und Gefährdungen

  • der Hagenhufenfeldflur durch Maßnahmen der Flurbereinigung; bereits vollständig verändert wurden auf diese Weise die Feldfluren von Wiedensahl und von Niedernwöhren,
  • der Kulturlandschaftselemente in Ortsrandlage durch Bebauung,
  • der Wiesen- und Weidelandschaften und der Streuobstwiesen und -weiden durch Intensivierung, Änderung oder Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung,
  • der Hude- und Schneitelbäume sowie der Reste der Nieder- und Mittelwaldbestände durch natürliche Alterungs- und Verfallsprozesse; zum Teil können Beeinträchtigungen der Relikte historischer Waldnutzungsformen auch von der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgehen,
  • der Bergehalden insbesondere durch Bodenauftrag (Deponienutzung),
  • der kleinen „Kummerhaufen“, vor allem durch Abtrag und randliche Bebauung,
  • der historischen Gärten und Parkanlagen durch Umgestaltung („Modernisierung“), durch Bebauung von Teilbereichen oder durch mangelnde Pflege.
  • der historischen Gebäude durch bauliche Veränderungen sowie Verfall aufgrund mangelnder Instandhaltung; dies gilt insbesondere für die bergbaulichen Zechengebäude, Kühltürme usw..

(Vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-40 f.)


E 2.6.03

Von besonderer Bedeutung für den Erhalt der Kulturlandschaft ist die Siedlungsentwicklung. Neben den erhaltenen historischen Ortskernen der Gemeinden (siehe E 2.6.01/02) gilt dieses insbesondere in den ländlichen Räumen und Dörfern. Dörfliche Siedlungen unterliegen im Zuge des Funktionswandels in der Landwirtschaft und der Aufgabe vieler kleiner landwirtschaftlicher Betriebe und fehlender Ersatzarbeitsplätze vor Ort einem starken funktionalen und siedlungsstrukturellen Veränderungsdruck. Im Einflussbereich des Ordnungsraumes Hannover-Hildesheim und der Mittelzentren bedingen Suburbanisierungsprozesse einen starken Überformungsdruck der ländlichen Siedlungsstrukturen. Es besteht die Gefahr, dass historisch wertvolle Strukturen und Zeitzeugnisse verloren gehen und dass Ortsbilder vereinheitlicht werden und Dörfer somit ihr unverwechselbares Profil und somit ihre kulturelle Identität – wie z.B. die Hagenhufendörfer - einbüßen.

Deshalb ist es besonders vordringlich, dem in den ländlichen Bereichen bestehenden Veränderungsdruck durch eine behutsame Entwicklungsplanung zu mindern und sozial- und umweltverträglich so zu gestalten, dass durch umfassende erhaltende Erneuerung der dörflichen Funktionen wertvolle Kulturbestandteile erhalten und die Lebensbedingungen, insbesondere die Arbeitsbedingungen der Dorfbewohner verbessert werden. Lösungen für die Ausgestaltung dieser besonderen Entwicklungsaufgabe müssen vor Ort zusammen mit den Bewohnern gefunden werden. Sie sollen einen verträglichen Ausgleich zwischen der notwendigen Bewahrung des Kulturerbes und der notwendigen funktionalen Erneuerung der Siedlungs- und Nutzungsstrukturen, insbesondere der landwirtschaftlichen Nutzung, darstellen.

Die Erweiterung von Ortslagen und Gemeinden sollte die bestehende Siedlungsstruktur berücksichtigen und weiterentwickeln. Die ortsbildprägenden Elemente sollten nach
Möglichkeit als Eigenarten der Dörfer bewahrt bleiben. Wo es sinnvoll erscheint und zur städtebaulichen Integration von Neubauten beiträgt, sollten die ortstypischen Baumaterialien (z.B. rote Dacheindeckungen im Haufendorf Lyhren) und Bauweisen angewandt werden. Die Bebauungspläne können durch Auflagen sicherstellen, dass sich Neubaugebiete in das charakteristische Siedlungsbild eines Dorfes einfügen.

Bei Neubaugebieten und Nachverdichtungen der Ortslagen sollte auf die Erhaltung und Entwicklung von innerörtlichen und ortsnahen Freiflächen geachtet werden (siehe auch D 3.8.01); Bäume und Sträucher am Ortsrand sollten einen harmonischen Übergang vom bebauten zum unbebauten Raum bilden. „Scharfe“ Siedlungskanten sind zu vermeiden.

(Siehe D und E 1.3.02.01 sowie D 1.5.07.03 und E 1.5.07.)


E 2.6.04

Durch Schautafeln, Exkursionen, Führungen, Faltblätter, Vorträge sowie Ausstellungen kann der hohe Informations- und Bildungswert der charakteristischen Kulturlandschaften, kulturhistorisch bedeutsamen Elemente und geomorphologischen Besonderheiten des Landkreises Schaumburg einer breiteren Bevölkerung und interessierten Besuchern der Region vermittelt werden. Hierdurch wird die Identifikation mit der spezifischen, regionalen Kultur und Lebensart und nicht zuletzt auch die Heimatverbundenheit gestärkt und die Attraktivität für den Fremdenverkehr gefördert.

Die vorhandenen Ansätze zur Integration der Kulturarbeit in Konzepte des sanften Tourismus, u.a. durch die Ausweisung von Rad- und Wanderwegerouten, unter Einbindung der erfassten und erforschten kulturellen Sachgüter im Landkreis Schaumburg sollen fortgesetzt werden.