E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.1 - Gewerbliche Wirtschaft und Fremdenverkehr

E 3.1.01

Für die Sicherung bestehender und die Schaffung neuer Arbeitsplätze kommt der Förderung der kleinen und mittleren Unternehmen sowie der Sicherung und Entwicklung eines ausgewogenen Branchenmixes eine besondere Bedeutung zu.

Eine Bestandsicherung aus der Sicht der Wirtschaftsförderung erfordert persönliche Beratungen der Unternehmen bis hin zur Lotsenfunktion des Wirtschaftsförderers zur Inanspruchnahme geeigneter Förderprogramme. Zur Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren von ansiedlungswilligen, antragsstellenden und/oder ratsuchenden Unternehmen wird diesen ein verantwortlicher Mitarbeiter der Verwaltung an die Seite gestellt, der den jeweiligen Vorgang vom Anfang bis zum Ende verantwortlich begleitet („Key-Account-Management"). Im Hinblick auf Existenzgründer sowie junge Unternehmen gilt dieses in ganz besonderer Weise (vgl. Weserbergland Region (Hrsg.) (2000), S.24).

Diskriminierungen und Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt sind mit einer sozialverträglichen Entwicklung der Wirtschaft nicht vereinbar. Die Europäische Gemeinschaftsinitiative EQUAL hat das Ziel, Arbeitslosigkeit zu verringern, lebenslanges Lernen zu fördern sowie Gruppen, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind, beruflich und sozial zu integrieren. Die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein zentrales Anliegen der Initiative EQUAL. Der Landkreis Schaumburg nimmt im Rahmen der Regionalen Entwicklungskooperation Weserbergland gemeinsam mit den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden an dem EU-Förderprogramm EQUAL teil (siehe auch E 3.7.01).


E 3.1.02

Zur Stärkung der Wirtschaftsstruktur im Planungsraum sind bestehende Ausbildungs- und Arbeitsplätze soweit wie möglich zu sichern und zu erweitern. Qualifizierungsangebote sind nach Möglichkeit kontinuierlich an veränderte Anforderungen, neue Entwicklungen und Technologien anzupassen, insbesondere sind mehr Arbeitsplätze für hochqualifizierte Kräfte zu schaffen, um die Berufsauspendlerquote zu verringern bzw. eine stärkere Besetzung der „mittleren Altersgruppen" im Landkreis Schaumburg zu erreichen (siehe E 1.1 (Altersstruktur der Bevölkerung). Oberstes Ziel der Beschäftigungsförderung muss die Schaffung von wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen im Unternehmenssektor sein.

Die Innovationsfähigkeit der regionalen Wirtschaft muss durchgreifend unter Einrichtung einer Innovationsförderung verbessert werden. Dazu ist eine permanente Kommunikation und intensive Kooperation zwischen den Betrieben, Instituten/Hochschulen und Behörden sicherzustellen und eine Bündelung sowie zielgerichtete Nutzung vorhandenen Know-hows anzustreben (vgl. Weserbergland Region (Hrsg.) (2000), S. 24).

Der Landkreis hat als Instrument der Innovationsförderung eine Kooperationsvereinbarung mit der Innovationsgesellschaft der Universität Hannover GmbH geschlossen, um den Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft auszubauen und zu intensivieren (vgl. E 3.7.04). Gezielt gefördert sollen im Landkreis Ansätze zur Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren sowie die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Dieses beinhaltet die Unterstützung der Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Erfolgreiche Unternehmen sollen als Ausgangspunkte für Ansiedlungs- und Beschäftigungsinitiativen genutzt werden (vgl. Weserbergland Region (Hrsg.) (2000), S. 25).

In Zusammenarbeit mit Hochschulen soll die Sensibilisierung der Absolventen für die Attraktivität einer Tätigkeit in einem mittelständischen Betrieb im Landkreis Schaumburg vorangetrieben werden. Durch entsprechende Informations- und Präsentationsmaßnahmen sollen der Landkreis Schaumburg und die dort ansässigen Betriebe positioniert und damit die Akquisition qualifizierten Personals unterstützt werden (vgl. Weserbergland Region (Hrsg.) (2000), S. 25).

Im Rahmen des Aufgabenbereiches Wirtschaftsförderung schreibt der Landkreis darüber hinaus alle zwei Jahre den Innovationspreis aus. Dabei kommen Vorhaben aus allen Bereichen unternehmerischer Tätigkeit – technische Entwicklungen in der Produktion, aus dem Vertrieb, dem Personalwesen oder der Organisation – als Preisträger in Betracht. Eine besondere Stellung nehmen dabei innovative Existenzgründungen ein.


E 3.1.03

Die Standortvorteile des Landkreises Schaumburg – Lage an wichtigen West-Ost-Achsen im Schienen- und Straßenverkehr sowie zentrale Lage in Deutschland – sind aktiv zu nutzen und wettbewerbs- und beschäftigungsorientiert weiterzuentwickeln.

Das Vorhandensein eines Autobahnanschlusses in unmittelbarer Nähe des Betriebsstandortes ist für viele Unternehmen ein wichtiger Faktor bei der Standortentscheidung. Dies gilt insbesondere für sog. autobahnaffines Gewerbe wie Betriebe mit Zulieferfunktionen und einer entsprechenden Lagerhaltung sowie für reine Transportunternehmen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass solche Betriebe auch extrem hohe Flächenansprüche haben und häufig ein hohes Störungspotenzial für angrenzende Nutzungen aufweisen.

Die Ansiedlung von Einzelhandelsgroßprojekten und die Agglomeration kleinflächiger Einzelhandelseinrichtungen in unmittelbarer Autobahnnähe außerhalb städtebaulich integrierter Standorte ist aus raumordnerischer Sicht aus den in E 1.6.04 genannten Gründen ausdrücklich zu verhindern (siehe auch D 1.6.04). Zum anderen sollen die in unmittelbarer Autobahnnähe vorhandenen und geplanten Gewerbeflächen aufgrund ihrer überregional bedeutsamen Standortqualität hochwertigen gewerblichen Nutzungen vorbehalten werden.


E 3.1.04

Siehe C und E 1.5.06.


E 3.1.05

Siehe E 1.5.03 und E 3.0.02/03.


 E 3.1.06

Vorranggebiete für industrielle Anlagen sind im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Schaumburg nicht festgelegt.


E 3.1.07

Allgemeine Entwicklungen im Tourismus

In den vergangenen Jahren war der Tourismus eine der wenigen Branchen mit Wachstumsraten. Im Jahr 1999 wurde erstmals bei den Gästeankünften die 100-Millionen-Grenze für deutsche Urlaubsgebiete überschritten (101,7 Mio.). Auch bezüglich der Anzahl der Übernachtungen wurde mit 308 Mio. ein neuer Höchststand erreicht. Eine positive Tendenz zum Urlaubstourismus lässt sich auch aus den Ergebnissen einzelner urlaubsrelevanter Gemeindegruppen ableiten: Seebäder (+4,9 %), Erholungsorte (+3,4 %) und Luftkurorte (+1,2 %), auf die sich der typische Urlaubstourismus konzentriert, verbuchten steigende Übernachtungszahlen (vgl. SBW (1999), S. 245 ff.).

Der Städtetourismus als Teilsegment des Reisemarktes entwickelte sich ebenfalls in den letzten Jahren überdurchschnittlich (in 1999: +6,3%). In diesen Bereichen liegt mit 6,4% auch die Steigerung der Übernachtungszahlen im Landkreis Schaumburg.

Tendenziell scheint sich Deutschland zu einem Urlaubsziel für Kurzaufenthalte zu entwickeln. In Niedersachsen betrug die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im ersten Halbjahr 1999 3,7 Tage, im Landkreis Schaumburg 4,7 Tage (vgl. NLS (Hrsg.) Gäste und Übernachtungen im Gästeverkehr 12/1999, S.10 u. 13).

Bedeutende Wachstumspotenziale werden seit Anfang der 80er Jahre im Bereich des präventiven Gesundheitstourismus gesehen. Diese resultieren aus einer Sensibilisierung größerer Bevölkerungsteile zu einer bewussteren, gesunderen Lebensweise (siehe u.a. ABRAXAS 1999, S. 12). Dadurch können auch im Landkreis Schaumburg die durch die Gesundheitsreform bedingten Einbrüche im Kurwesen teilweise kompensiert werden.

Sowohl im Kurzzeit- als auch im Urlaubstourismus hat sich als zukunftsträchtiger Trend der sog. „sanfte Tourismus“ herausgebildet. Er zielt vor allem auf Erholungssuchende ab, die ruhige, naturorientierte Erholungsaktivitäten wie Wandern und Radwandern und eine umweltverträgliche touristische Infrastruktur bevorzugen. Diese Form des Reisens kommt insbesondere Regionen wie dem Landkreis Schaumburg zugute, die etwas abseits der Haupt-Tourismusgebiete liegen und einen hohen landschaftlichen Erlebniswert bieten. Entscheidende Voraussetzungen für den Erfolg im Bereich des „sanften Tourismus“ sind umfangreiche Informationen und intensive Betreuungen der Erholungssuchenden, die in der Regel ein großes Interesse an der Erholungsregion mitbringen.

Ziele des „sanften Tourismus“ müssen sein:

  • maßvoller Ausbau des Tourismus mit einer breiten Streuung touristischer Projekte in der Region,
  • Verhinderung touristischer Monostruktur,
  • Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft,
  • Beachtung der regionalen Maßstäbe und Traditionen (regionale und lokale Identität),
  • Sensibilisierung der Gäste für die Landschaft und Kultur der Region,
  • Selbstbestimmung der Einheimischen über das Tourismuskonzept/-leitbild und
  • Vermeidung von Umweltbelastungen durch den Tourismus.

Der Landkreis Schaumburg weist aufgrund seiner naturräumlichen Lage (siehe E 1.7.03) vielfältige Landschaftsbilder mit hohen Erlebnisqualitäten auf. In Verbindung mit kulturhistorisch bedeutenden Sehenswürdigkeiten (siehe E 2.6.01/02 und E 3.7.09), einer insgesamt guten touristischen Infrastruktur, der relativ zentralen Lage innerhalb Deutschlands mit günstigen Verkehrsanbindungen verfügt er im Vergleich zu ähnlich strukturierten Regionen über relativ gute Wettbewerbsbedingungen.

Im Planungsraum kann der „sanfte Tourismus“ vor allem in Form des Radwandertourismus größere Bedeutung erreichen. Aber auch der im Landkreis bislang wenig ausgeprägte ländliche Reittourismus bietet gute Entwicklungschancen. Des Weiteren sollten die günstigen Bedingungen im Marktsegment des Kulturtourismus im Planungsraum genutzt werden. In Deutschland umfasst die Gruppe der Kulturbegeisterten ca. 11 Millionen Personen mit überdurchschnittlichem Monatseinkommen (Institut für Freizeitwirtschaft (1998)). Zudem hat der Kulturtourismus den Vorteil, weitgehend witterungsunabhängig zu sein. Die mit einer Saisonverlängerung verbundenen größeren Besucherzahlen können wesentliche ökonomische Effekte (steigende Wertschöpfung) auslösen.

Der Landkreis Schaumburg bietet eine Vielzahl kulturtouristischer Ansatzpunkte. Diese vorhandenen Ressourcen gilt es weiter auszubauen. Dabei stellt die Weserrenaissance einen besonderen Schwerpunkt dar. Dieses Alleinstellungsmerkmal der Weserregion ist in besonderem Maße geeignet, die Bereiche Kultur und Tourismus zu verbinden und das Weserbergland zu profilieren.

Der Landkreis Schaumburg wurde 1999 von ca. 125.500 Gästen besucht. Hieraus resultierten ca. 600.000 Übernachtungen. Das entspricht einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 4,6 Tagen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben mit weniger als neun Betten in den offiziellen Statistiken nicht berücksichtigt werden. Das Gleiche trifft für Übernachtungen auf Campingplätzen zu. Dabei haben alleine die Übernachtungen des Campingplatzes am Doktorsee, Stadt Rinteln, mit 57.000 Übernachtungen im Jahr (1999) einen Anteil von ca. 9 % an der Gesamtanzahl der Übernachtungen im Landkreis.

Eine herausragende touristische Bedeutung haben die beiden Kurorte Bad Eilsen und Bad Nenndorf. Diese konnten 1999 bei 42 % der Gästeankünfte einen Anteil von ca. 75 % der Übernachtungen im Landkreis auf sich vereinen.

Die Gesundheitsreform von 1996/1997 zeigt jedoch auch im Landkreis Schaumburg ihre Auswirkungen. Der Strukturwandel im Kurwesen führte zu einem deutlichen Rückgang der Übernachtungszahlen (Bad Eilsen –42,9 %; Bad Nenndorf –39,4 %).

In Bad Eilsen blieb die Zahl der Gästeankünfte von 1997 bis 1999 mit ca. 9.400 nahezu konstant. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat sich nur geringfügig von 18,6 auf 17,7 Tage verringert. Dies ist ein Indiz für die Einordnung des Bades als Ort für klassische „Rezept-Kur".

Dagegen hat sich in Bad Nenndorf im gleichen Zeitraum die Anzahl der Gästeankünfte von 30.632 auf 43.151 erhöht. Dieses und die Verringerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 7,4 auf 6,4 Tage zeigt, dass die negativen Auswirkungen der Gesundheitsreform durch Umstrukturierung der Angebote und durch eine neue Zielgruppenorientierung aufgefangen werden konnten. Diese Aufwärtsbewegung ist auf neue spezialisierte Angebote zurückzuführen. Die positiven Entwicklungen gilt es weiter voranzutreiben. Im Besonderen sollten die potenziellen Gesundheitsurlauber mit Angeboten in den Bereichen „offene Badekuren“ und „Wellness/Fitness“ verstärkt umworben werden.

 

Abb. 3.1/1: Gästebettenangebot im Landkreis Schaumburg im Jahr 2000

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Betten

Hotels, Gasthöfe

2532

Kliniken

1225

Ferienhäuser, Ferienwohnungen

753

Pensionen

689

Gesamt

5199

Quelle: Eigene Erhebung


Abb. 3.1/2: Fremdenverkehrsdichte im Landkreis Schaumburg im Jahr 2000

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Quelle: Eigene Erhebung


Eine Analyse der touristischen Infrastruktur des Landkreises Schaumburg ergibt eine Fremdenverkehrsdichte von 35 Betten pro 1.000 Einwohner. Der Landkreis weist damit in Bezug auf die Region des Weserberglandes einen durchschnittlichen Wert auf. Die Unterschiede innerhalb des Landkreises Schaumburg sind jedoch sehr hoch. Sie liegen zwischen 142 Betten pro 1.000 Einwohner in der Samtgemeinde Eilsen und 2 Betten pro 1.000 Einwohner in der Samtgemeinde Niedernwöhren. Die übrigen Städte und Gemeinden bewegen sich zwischen 113 (Samtgemeinde Nenndorf) und 4 Betten (Samtgemeinde Nienstädt). Der vergleichsweise hohe Durchschnittswert resultiert demnach aus den hohen Fremdenverkehrsdichten in den beiden Kurorten. Diese deutlichen intraregionalen Differenzen gehen auch aus Abb. 3.1/2 hervor.

Der bundesweit festzustellende Trend deutscher Urlaubsziele für Kurzaufenthalte ist auch im Landkreis Schaumburg erkennbar. Während des Höhepunktes der „Kurortkrise“ im Jahr 1997 wurden 107.919 Gästeankünfte mit 545.572 Übernachtungen und einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,1 Tagen erfasst. 1999 sank die durchschnittliche Aufenthaltsdauer um fast 8 % bei einer Steigerung der Gästeankünfte um 16,24% (125.447) und der Übernachtungszahlen um 8,6% (592.852).

Nach der letzten Erhebung des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik (NLS) 1993 waren bei 452 Gaststätten mit 1.849 Fremdenbetten (ohne Kliniken und Ferienwohnungen) insgesamt 2.108 Arbeitnehmer beschäftigt. Hochgerechnet auf die heutigen Zahlen ist hieraus abzuleiten, dass das Gastgewerbe einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung leistet. Darüber hinaus sind beschäftigungsrelevante Sekundäreffekte durch z.B. Auftragsvergaben von Gaststättenbetrieben an andere heimische Unternehmen wie z.B. dem Handwerk oder der Nachfrage der erholungssuchenden Gäste nach Angeboten und Dienstleistungen vor Ort bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismussektors zu berücksichtigen.


E 3.1.08

Als Standorte mit der besonderen Entwicklungsaufgabe Fremdenverkehr sind in D 1.5.07 die Ortsteile Bad Nenndorf, Bückeburg, Rinteln, Hagenburg, Stadthagen und die Mitgliedsgemeinde Bad Eilsen standortbezogen festgelegt (siehe E 1.5.07).

Die Stadt Rinteln bietet durch die Lage an dem stark frequentierten Fernradwanderweg Weser und die zahlreichen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten insbesondere auch im Baustil der Weserrenaissance und den attraktiven Freizeiteinrichtungen gute Voraussetzungen für die Entwicklung des Städtetourismus im Landkreis Schaumburg.

Das Gleiche trifft für das Mittelzentrum Bückeburg zu, vor allem durch das international bekannte Fürstenhaus Schaumburg-Lippe und das weltweit einmalige Hubschraubermuseum.

Hagenburg ist aufgrund seiner Lage am Steinhuder Meer, einer guten tourismusrelevanten Ausstattung mit Kapazitäten für neue, zusätzliche Freizeitinfrastruktureinrichtungen und einer vielfältigen Angebotspalette (siehe E 1.5.07) in besonderem Maße als Standort für die schwerpunktmäßige Sicherung und Entwicklung von touristischen Einrichtungen geeignet.

Bad Eilsen und Bad Nenndorf sind aufgrund ihrer Kurfunktionen bereits bedeutende Fremdenverkehrsstandorte, die es zu erhalten und weiter zu entwickeln gilt.

E 3.1.09

Erläuterungen zur Umwelt- und Sozialverträglichkeit von Erholungs- und Tourismuseinrichtungen sowie deren Abstimmung untereinander und mit den übrigen Belangen der Raumordnung enthalten E 3.1.10 und E 3.8.07/08.


E 3.1.10

Nach den vom Niedersächsischen Innenministerium herausgegebenen Hinweisen und Materialien zur Durchführung von Raumordnungsverfahren (MI (1995 ff.), Stand 10/95) zählen zu den touristischen Großprojekten insbesondere Feriendörfer und Ferienwohnanlagen (ab ca. 1.500 Betten), Campinganlagen (ab ca. 300 Stellplätzen), Freizeitparks, Tierparks und –freigehege sowie Golfplätze. Sofern entsprechende Vorhaben als raumbedeutsam einzustufen und überörtliche Auswirkungen zu erwarten sind, soll in einem Raumordnungsverfahren geklärt werden, ob und ggf. unter welchen Maßgaben das touristische Großprojekt mit den Erfordernissen der Raumordnung sowie anderen Planungen und Nutzungsansprüchen in Einklang zu bringen ist.


E 3.1.11 und E 3.1.12

Um das touristische Potenzial des Landkreises Schaumburg auszuschöpfen, ist es von wesentlicher Bedeutung, eine grundlegende Festlegung der künftig anzustrebenden touristischen Entwicklungen auf normativer Ebene zu formulieren. Dieses Leitbild muss auf einem breiten Konsens basieren. Das Ziel ist die Profilierung bzw. Positionierung der Region, das heißt, die Auszeichnung des touristischen Angebotes mit spezifischen, regionstypischen Eigenschaften gegenüber konkurrierenden Fremdenverkehrsregionen. Dabei sind die Angebote zielgruppenorientiert, das heißt, auf die spezifischen Bedürfnisse und Wünsche ausgewählter Gästegruppen, wie zum Beispiel Radwanderer oder Kulturtouristen, abzustellen.

In diesem Sinne wurde im „Offenen Forum Tourismus Weserbergland“ 1998/99 des Tourismusverbandes Weserbergland-Mittelweser e.V. unter Mitarbeit der Mitglieder-Landkreise und kreisangehörigen Städte und Gemeinden ein Leitbild für diese Region erarbeitet. Als wichtigste Erfolgspotenziale dieser Region wurden herausgestellt:

  • Märchen, Sagen und Legenden,
  • Romantik (Burgen, Schlösser, historische Städte, Weserrenaissance),
  • Wellness/Fitness/Gesundheit,
  • Naturerlebnis,
  • Tagungen in besonderer Atmosphäre.

Darüber hinaus hat der Landkreis Schaumburg im Rahmen des Regionalen Entwicklungskonzeptes Weserbergland (siehe E 1.2.01 u. E 1.2.04) in Zusammenarbeit mit den Weseranrainern Landkreis Hameln-Pyrmont und Holzminden Entwicklungsziele und Handlungsprioritäten für den Freizeit- bzw. Fremdenverkehrsbereich entwickelt.

Aufgrund der geographischen Lage mit der räumlichen Nähe des nördlichen Teils des Landkreises zum Steinhuder Meer sind insbesondere die im Norden gelegenen Gemeinden des Planungsraumes im Tourismusbereich auf den Landkreis Hannover ausgerichtet. Dieses wird ebenfalls durch gemeinsame grenzüberschreitende Projekte dokumentiert, z.B. im Naturpark Steinhuder Meer (Rundwanderweg im Brut- und Rastgebiet Meerbruch), in das auch der Landkreis Nienburg/Weser involviert ist.