E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.2 - Landwirtschaft

E 3.2.01

Im Landkreis Schaumburg prägt die Landwirtschaft den größten Teil der Freiflächen. Sie bewirtschaftet rund 45 % der Kreisfläche (1999) und ist daher über ihre wirtschaftliche, soziale und arbeitsmarktpolitische Bedeutung hinaus die für den Erhalt der Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes sowie das landschaftliche Erscheinungsbild der Region maßgebliche Landnutzung. Hieraus begründet sich ihre besondere Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und der Kulturlandschaft. Über die Aufgabe der Erzeugung gesunder Nahrungsmittel hinaus kommen der Landwirtschaft in steigendem Maße Aufgaben der Freiraumsicherung und Offenhaltung der Landschaft mit ihren lebenswichtigen Funktionen zu.

Die agrarpolitischen Rahmenbedingungen werden weitestgehend von der Europäischen Union (EU) bestimmt. Auch im Landkreis Schaumburg ist die Raumbedeutsamkeit der EU-Agrarstrukturpolitik gegeben. Die Ausgangslage der Landwirtschaft in der Region ist im EG-weiten Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der Agrarmarktregulierung und den Maßnahmen zur Überschussbegrenzung zu sehen. Vor diesem Hintergrund wird sich die Landwirtschaft weiter auf die Erfordernisse einer stärkeren Liberalisierung des Agrarmarktes und eine zunehmend in Richtung umwelt- und tiergerechtere landwirtschaftliche Produktion ausgerichtete EU-Agrarpolitik einstellen müssen.

Auf der Ebene des Landkreises gibt es praktisch keine unmittelbaren agrarpolitischen Kompetenzen. Angemessen zu berücksichtigen ist durch die Regionalplanung jedoch

  • die Erhaltung der verbliebenen flächengebundenen, bäuerlich strukturierten Landwirtschaft,

  • die Sicherung der im Landkreis für die landwirtschaftliche Nutzung gut geeigneten Böden in ausreichendem Umfang,

  • der ökologische Beitrag, der durch eine ökologisch verträgliche Landbewirtschaftung und Flurentwicklung geleistet wird bzw. geleistet werden kann (vgl. LROP Nds. 1994, S. 160).


Strukturwandel der landwirtschaftlichen Betriebe

Die historisch gewachsene Agrarstruktur des Landkreises Schaumburg erlebte ebenso wie die Niedersachsens in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts einen unaufhaltsamen Konzentrationsprozess. Auf der einen Seite gaben kleinere landwirtschaftliche Betriebe die Bewirtschaftung ihrer Nutzflächen auf. Auf der anderen Seite wurden diese Flächen aufgrund äußerer Rahmenbedingungen, standörtlicher Voraussetzungen, betriebswirtschaftlicher Überlegungen etc. von aufstockungsfähigen und -willigen Betrieben übernommen.

Dieser tiefgreifende Wandel der landwirtschaftlichen Betriebsstruktur hat auch in den vergangenen Jahren angehalten. Im Zeitraum von 1983 bis 1999 ist im Landkreis Schaumburg die Anzahl der Betriebe weiter von 1929 auf 796 gesunken. Dies entspricht einem Rückgang von 58,7 % und ist im Vergleich zum Landestrend von -46,6 % stärker ausgefallen.

Parallel dazu hat sich auch die Entwicklung einer Zunahme größerer landwirtschaftlicher Betriebe in den letzten Jahren fortgesetzt (vgl. Tab. 3.2/1). Im Zeitraum von 1983 bis 1999 verringerte sich im Landkreis Schaumburg in den Betriebsgrößenklassen unter 50 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um mehr als zwei Drittel von 1795 auf 543 Betriebe. Demgegenüber nahm die Anzahl der Betriebe ab 50 ha und mehr landwirtschaftlich genutzter Fläche im gleichen Zeitraum um rund 90 % von 134 auf 253 Betriebe zu.

 

Tab. 3.2/1: Landwirtschaftliche Betriebe nach Betriebsgrößen im Jahr 1983 und 1999 im Landkreis Schaumburg und im Land Niedersachsen

  Betriebe
insg.
davon mit einer landwirtschaftlich
genutzten Fläche von
LG insg.
in ha
< 2 ha 2 bis
< 20 ha
20 bis
< 50 ha
> 50 ha
LK Schaumburg 1983 1929 380 884 531 134 35957
1999 796 25 334 184 253 35113
Veränderung -58,7% -93,4% -62,2% -65,3% 88,8% -2,3%
Niedersachen 1983 123001 20379 51502 37662 13458 2737545
1999 65650 3058 25511 17149 19932 2661379
Veränderung -46,6% -85,0% -50,5% -54,5% 48,1% -2,8%

LF = landwirtschaftliche Nutzfläche

Quelle: NLS (Hrsg.) Agrarberichterstattung 1983 und NLS (Hrsg.) Landwirtschaftszählung 1999 sowie eigene Berechnungen

 

Der Anteil der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe stieg von 1983 bis 1999 im Landkreis Schaumburg von 46,3 % auf 50,4 %. Im Landesdurchschnitt lag deren Anteil 1999 jedoch mit 58,2 % noch höher.

Die Erhöhung der durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebsfläche ging einher mit einer kontinuierlichen Verringerung der Arbeitsplätze in den bäuerlichen Familienbetrieben. Waren im Landkreis Schaumburg 1979 noch 1191 Familienarbeitskräfte vollbeschäftigt und 3591 Familienarbeitskräfte teilzeitbeschäftigt in der Landwirtschaft tätig, hat sich die Anzahl der Vollbeschäftigten bis 1999 um 67 % und die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten um 71 % reduziert (Land Niedersachsen 1979/1999: Vollbeschäftigte -29 %, Teilzeitbeschäftigte -35 %).

An der Bruttowertschöpfung im Landkreis Schaumburg hatte 1992 die Land- und Forstwirtschaft und Fischerei mit 89 Mio. DM einen Anteil von 2,1 % (Land Niedersachsen 1992: 3,1 %) Im Jahr 1980 lag dessen Anteil mit 83 Mio. DM noch bei 3,7 % (Land Niedersachsen 1980: 7,8 %).

 

Tab. 3.2/2: Betriebe nach Betriebsbereichen im Jahr 1983 und 1999 im Landkreis Schaumburg und im Land Niedersachsen

Betriebsbereich Landwirtschaft davon Betriebsform
  Betriebe
insgesamt
Markt-
frucht
Futter-
bau
Ver-
edelung
Dauer-
kultur
ge-
mischt
LK Schaumburg 1983 1860 856 620 139 11 234
1999 761 462 210 46 1 42
Veränd -59,1% -46,0% -66,1% -66,9% -90,1% -82,1%
Anteil 1983 100 % 46,0% 33,3% 7,5% 0,6% 12,6%
Anteil 1999 100 % 60,7% 27,6% 6,1% 0,1% 5,5%
Veränd   14,7% -5,7% -1,4% -0,5% -7,1%
Niedersachsen 1983 117724 29747 57647 18027 1920 10383
1999 61649 18648 30236 8174 1041 3550
Veränd -47,6% -37,3% -47,5% -54,6% -45,8% -65,8%
Anteil 1983 100 % 25,3% 49,0% 15,3% 1,6% 8,8%
Anteil 1999 100 % 30,2% 49,0% 13,3% 1,7% 5,8%
Veränd   4,9% 0% -2,0% 0,1% -3,0%
 
  Betriebsbereich
Gartenbau
Betriebsbereich
Forstwirtschaft
Betriebsbereich
Kombination
LK Schaumburg 1983 47 97 15
1999 20 20 13
Veränd -57,4% -79,4% -13,3%
Niedersachsen 1983 2713 11099 1870
1999 1979 4430 1717
Veränd -27,1% -60,1% -8,2%

Quelle: NLS (Hrsg.) Agrarberichterstattung 1983 und NLS (Hrsg.) Landwirtschaftszählung 1999 sowie eigene Berechnungen
 

Im Betriebsbereich Landwirtschaft ist bei den Betriebsformen eine im Vergleich zum Land Niedersachsen unterschiedliche Entwicklung zu erkennen. Während im Landkreis die Marktfruchtbetriebe den höchsten Anteil an allen Betrieben im gesamten Betrachtungsraum darstellen, sind es im Land die Futterbaubetriebe. Zwischen 1983 und 1999 hat sich der Anteil der Marktfruchtbetriebe auf insgesamt knapp 61 % erhöht. In Niedersachsen blieb der Anteil der Futterbaubetriebe zwar mit 49 % konstant, aber auch hier stieg der Anteil der Marktfruchtbaubetriebe um knapp 5 % auf 30 %. Der Anteil der Veredelungsbetriebe liegt im Landkreis weit unter dem des Landes (Landkreis Schaumburg 1999: 6,1 %, Land Niedersachsen 1999: 13,3 %).
Auch bei den Gartenbau-, Forstwirtschafts- und kombinierten Betrieben ist im Landkreis im Vergleich zum Land Niedersachsen eine stärkere Abnahme festzustellen.

Bei den tendenziell ungünstigen Einkommensentwicklungen in der Landwirtschaft erfolgt ein sich fortsetzender Ausstieg aus dem Agrarbereich. Aus diesem Grunde ist mit einer weiteren Abnahme der Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe zu rechnen. Die Schaffung geeigneter Arbeitsplätze für Landwirte, die nicht über den Generationswechsel in den Ruhestand gehen, und andere in der Landwirtschaft Beschäftigte ist daher ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Ziel. Die Möglichkeiten der Einkommenskombination durch einen außerlandwirtschaftlichen (Teilzeit-)Arbeitsplatz kann u.a. dazu beitragen, den Strukturwandel sozialverträglich abzufedern.


Flächennutzung in den landwirtschaftlichen Betrieben

Weil die im Rahmen von Betriebsaufgaben „frei werdenden“ landwirtschaftlichen Flächen zunehmend durch expandierende Betriebe als Pachtland (Pachtflächenanteil im Landkreis Schaumburg 1999: 64,8 %) oder z.T. als Grundbesitz in Bewirtschaftung genommen werden, führt die beträchtliche Abnahme der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nicht dazu, dass Flächen in größerem Umfang dauerhaft brachfallen. Die Verringerung der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Landkreis Schaumburg von 1983 bis 1999 um 2,3 % (844 ha) auf 35113 ha (Land Niedersachsen. 1983/1999: -2,8 %) ist eher ein Hinweis auf den anhaltenden Landverbrauch landwirtschaftlicher Flächen, z.B. für Bau- und Verkehrsflächen (vgl. E 1.4.01).

Da der Landkreis Schaumburg außerhalb der Waldflächen zum großen Teil Böden mit einem hohen bis sehr hohem standortbezogenen ackerbaulichen Ertragspotenzial aufweist, zählen weite Bereiche des Kreisgebietes traditionell zu den Ackerbaustandorten. Als Ursache der, durch die agrarpolitischen Maßnahmen der EG zur Begrenzung der Überproduktion an Milch, Butter und Rindfleisch unterstützten, in den letzten drei Jahrzehnten zunehmenden Spezialisierung der landwirtschaftlichen Betriebe in Richtung Marktfruchtbau erfolgte zusätzlich ein Umbruch typischer Grünlandstandorte zu Ackerland. Allein im Zeitraum von 1983 bis 1999 verkleinerte sich in der Region die als Dauergrünland genutzte Fläche um 2245 ha; der Anteil des Dauergrünlandes sank in diesem Zeitraum von 20,0 % auf nur noch 14,1 %. Dagegen nahm die Ackerlandnutzung um 1552 ha zu, so dass sich dessen Anteil von 79,3 % auf 85,7 % erhöhte (vgl. Tab. 3.2/3)
(Land Niedersachsen 1983/1999: Veränderung des Dauergrünlandanteils von 33,7 %  auf 28,1 % und des Ackerlandanteils von 40,9 % auf 67,4 %).

Die höchsten Grünlandanteile werden in der Region derzeit mit 24,6 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der Stadt Rinteln erreicht. Allerdings waren auch in Rinteln mit 31,7 % die Dauergrünlandanteile im Jahr 1983 noch bedeutend größer. Großflächigere Grünlandgebiete sind noch bei Hagenburg, Altenhagen, Sachsenhagen, Pollhagen, Wiedensahl, Bückeburg, Möllenbeck, Weseberg und Goldbeck erhalten (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 5-59).

 

Tabelle 3.2/3: Landwirtschaftliche Nutzflächen der landwirtschaftlichen Betriebe im Jahr 1983 und 1999 im Landkreis Schaumburg


Fläche in ha

Fläche in %

Nutzungsart

1983

1995

1999

1983

1995

1999

Landwirtschaftlich genutzte Fläche insg.

35.957

35809

35.113

100,0

100,0

100,0

Ackerland insg.

28.531

30428

30.083

79,3

85,0

85,7

davon Getreide

23.559

18383

+

65,5

51,3

+

davon Hackfrüchte

2.009

1742

+

5,6

4,9

+

davon Handelsgewächse

1.352

3705

+

3,8

10,3

+

davon Futterpflanzen

1180

1274

+

3,3

3,6

+

davon Brache *)

-

4768

+

-

13,3

+

davon Gemüse,
Spargel, Erdbeeren
(im Wechsel mit landw. Kulturen)

311

172

+

0,9

0,5

+

davon Gartenbau
(nicht im Wechsel mit landw.
Kulturen)

32

25

+

0,1

0,1

+

Dauergrünland

7.189

5277

4.944

20,0

14,7

14,1

Sonstige

237

104

79

0,7

0,3

0,2

*) Keine Angabe in der Agrarberichterstattung 1983
+) Die Ergebnisse der Anbauarten auf Ackerland lagen noch nicht vor.
Quelle: NLS (Hrsg.) Agrarberichterstattungen 1983 und 1995 und NLS (Hrsg.) Landwirtschaftszählung 1999 sowie eigene Berechnungen
 

Entwicklung der tierischen Produktion

Nicht nur in der pflanzlichen Produktion, sondern auch in der Tierhaltung hat in der Vergangenheit eine zunehmende Konzentration und Spezialisierung stattgefunden. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Tierhaltung im Landkreis Schaumburg hat deutlich abgenommen, gleichzeitig wurden aber zur Sicherung des Einkommens und der Existenz die Tierbestände in den verbleibenden Betrieben aufgestockt. Ein Vergleich der Betriebe mit Rindvieh-, Schweine- und Hühnerhaltung von 1983 und 1999 verdeutlicht diese Entwicklung (vgl. Tab. 3.2/4).

 

Tab. 3.2/4: Tierhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 1983 und 1999 im Landkreis Schaumburg und im Land Niedersachen

Art der
Tierhaltung
BetriebeAnzahl der TiereTiere pro
Betrieb
Landkreis
Land
19831999Verände-
rung in %
19831999Verände-
rung in %
19831999
Rindviehhaltung
insgesamt



Schaumburg1.158361-68.829.27314.249-51,32539
Niedersachsen74.84235.326-52,83.155.5092.861.809-9,34281
darunter
Milchviehhaltung



Schaumburg701183-73,99.5244.676-51,01426
Niedersachsen57.97622.637-61,01.123.045794.337-29,31935
Schweinehaltung


Schaumburg1.336343-74,369.50570.3671,252205
Niedersachsen68.65824.361-64,55.055.6557.540.16549,174309
Hühnerhaltung


Schaumburg766169-77,9435.335331.008-24,05681958
Niedersachsen43.67313.166-69,933.910.90446.820.46038,17763556

Quelle: NLS (Hrsg.) Agrarberichterstattung 1983 und NLS (Hrsg.) Landwirtschaftszählung 1999 sowie eigene Berechnungen

 

Ordnungsgemäße Landwirtschaft und effizienter Betriebsmitteleinsatz

Die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion hat auf der einen Seite zu wesentlichen Ertragssteigerungen, auf der anderen Seite aber zum Teil auch zu Landschaftsschäden und Umweltbelastungen geführt. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Räumen eingetretene Verarmung der Arten- und Biotopvielfalt (Bördenregion, Weseraue und Rodenberger Auetal) und die im Zuge der verstärkten Düngung zum Teil erheblich angestiegenen Nitratbelastungen des Grundwassers (siehe E 2.3.09).

Die Landwirtschaft wird ihrer Verantwortung für die Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft und der Erhaltung des Natur-, Wasser- und Bodenhaushaltes nur gerecht, wenn sie umweltverträgliche und standortgerechte Bewirtschaftungsformen anwendet. Dazu sollten zumindest die von den Landwirtschaftskammern Hannover und Weser-Ems herausgegebenen Leitlinien der ordnungsgemäßen Landbewirtschaftung und ordnungsgemäßen Tierhaltung (Landwirtschaftskammern Hannover und Weser-Ems (Hrsg.) (1991), (1992) und (1994)) eingehalten sowie flächendeckend eine Optimierung des Betriebsmitteleinsatzes angestrebt werden. Die Leitlinien der Landwirtschaftskammern bauen auf den von der Agrarministerkonferenz 1987 beschlossenen und 1993 überarbeiteten Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Landbewirtschaftung auf. Im Landschaftsrahmenplan des Landkreises Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000) sind die Grundsätze in gekürzter Form zusammenfassend angeführt:

  • „Bei der Gestaltung der Feldflur sind die naturbetonten Strukturelemente (Hecken, Feldgehölze, Feldraine, Ackerterrassen u.a.) zu erhalten und zu entwickeln.
  • Die Bodenbearbeitung hat unter Berücksichtigung der Witterung grundsätzlich standortangepasst so zu erfolgen, dass die Bodenstruktur möglichst günstig beeinflusst, das Bodenleben geschont und gefördert, Erosionsrisiken gemindert und schädliche Bodenverdichtungen vermieden werden.
  • Ordnungsgemäße pflanzenbauliche Maßnahmen zielen grundsätzlich auf einen standortgerechten Anbau der Kulturpflanzen ab. Die Fruchtfolgegestaltung soll dazu dienen, die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu sichern sowie unerwünschte Pflanzen und Schadorganismen abzuwehren. Soweit möglich, ist mit Untersaaten und Zwischenfruchtanbau dem Stickstoffaustrag und der Erosion entgegenzuwirken. Auch die Erhaltung des Grünlandes auf erosionsgefährdeten Hanglagen, in überschwemmungsgefährdeten Flussauen sowie zusätzliche erosionsmindernde Wirtschaftsweisen auf gefährdeten Ackerstandorten sind zur Minderung ökologischer und ökonomischer Schäden erforderlich.
  • Die Düngung ist nach Art und Menge auf die Sicherung des Nährstoffbedarfs der Pflanzen unter Berücksichtigung der verfügbaren Nährstoffe im Boden auszurichten; z.B. nach Maßgabe von Boden- oder Pflanzenuntersuchungen; oder nach Berechnungen auf der Grundlage regelmäßiger schlagspezifischer Aufzeichnungen.
  • Gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz bedeutet, dass die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wird. Dabei sind vorrangig biologische, biotechnische, pflanzenzüchterische sowie anbau- und kulturtechnische Maßnahmen zu nutzen. Werden chemische Pflanzenschutzmittel angewandt, so hat dies durch sachkundige Personen bestimmungsgemäß und sachgerecht zu erfolgen; Schadensschwellen sind zu beachten.
  • Schädliche Umwelteinwirkungen durch die Tierhaltung sind zu vermeiden. Um eine flächengebundene, umweltverträgliche Tierhaltung sicherzustellen, ist der Tierbestand der Fläche anzupassen. Beim Einsatz von Wirtschaftsdüngern ist die „gute fachliche Praxis“ der Düngung zu berücksichtigen. Mit Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft einschließlich der durch die Tiere bei Beweidung hinterlassenen Nährstoffmengen darf grundsätzlich nicht mehr Stickstoff zugeführt werden, als von der jeweiligen Fläche mit dem Erntegut abgefahren bzw. durch Weidetiere tatsächlich aufgenommen wird.
  • Feldmieten dürfen nicht zur Beeinträchtigung von Oberflächengewässern oder Grundwasser führen“ (LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 5-57).

Die im § 17 Abs. 2 des Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) enthaltenen „Grundsätze der guten fachlichen Praxis der landwirtschaftlichen Bodennutzung“ sind in Anlehnung an diese Grundsätze formuliert worden.

Eine wesentliche Aufgabe bei der Umsetzung und Verbesserung der Umweltverträglichkeit der landwirtschaftlichen Produktionsweise kommt der Beratung der Landwirte durch die Landwirtschaftskammer zu.


Erwerbskombinationen in der Landwirtschaft

In Zukunft werden Erwerbskombinationen, das heißt, die Schaffung mehrerer wirtschaftlicher Standbeine für landwirtschaftliche Betriebe, ein immer stärkeres Gewicht erfahren. Durch Diversifizierung können sich die Betriebe unabhängiger gegenüber Einschnitten in einzelnen Bereichen machen. Chancen bieten sich im Freizeit- und Fremdenverkehrsbereich durch Angebote wie Urlaub auf dem Bauernhof, Heuhotels oder die Direktvermarktung von Lebensmitteln (siehe auch D und E 1.3.02 bzw. E 3.2.04). Eine mögliche weitere Einkommensquelle ergibt sich durch eine naturschutzfachlich bzw. landespflegerisch orientierte landwirtschaftliche Nutzung, indem ökologische Leistungen, die nicht dem einzelwirtschaftlichen Interesse dienen und über die Anforderungen einer ordnungsgemäßen Landbewirtschaftung hinausgehen, finanziell angemessen abgegolten werden. Die Ausgleichszahlung honoriert den Nutzen, den die Gesellschaft aus der extensiven Bewirtschaftung oder besonderen landespflegerischen Leistungen zieht (z.B. sauberes Grundwasser oder Revitalisierung von Landschaftsteilen), den der Landwirt aber ökonomisch nicht erzielen kann.

Der Landkreis Schaumburg fördert im Rahmen des Angebotsnaturschutzes zur Zeit eine umweltgerechte Landwirtschaft durch folgende Programme:

  • Ackerwildkrautprogramm,
  • Gewässerrandstreifenprogramm,
  • Obstbaumprogramm,
  • Programm zur Förderung von Umstellungsbetrieben auf den ökologischen Landbau (siehe unten).

Diese Förderprogramme sollten auch in Zukunft fortgeführt und ausgeweitet werden.

Darüber hinaus bestehen in folgenden Trinkwassergewinnungsgebieten Kooperationen zwischen der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft, um bestehende Grundwasserbelastungen mit Nähr- und Schadstoffen abzubauen bzw. eine weitere Zunahme der Belastungen zu vermeiden:

  • Wasserschutzgebiet Rintelner Wiesen,
  • Wasserschutzgebiet Riesbachtal,
  • Wasserschutzgebiet Deckbergen-Großenwieden und Wasserschutzgebiet Engern-Ahe.

Komponenten des Kooperationsmodells sind eine sachkundige grundwasserschutzorientierte Beratung der Landwirte und ein Katalog freiwilliger Vereinbarungen von förderungsfähigen Maßnahmen, die den Landwirten je nach Umfang in unterschiedlicher Höhe honoriert werden (siehe auch Kap. E 2.3.09 und E 3.2.03).


Nachwachsende Rohstoffe

Ein zusätzliches Standbein für die landwirtschaftlichen Betriebe kann auch die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe – z.B. „Non-Food“-Raps, Hanf oder Flachs - bilden. Die Einführung und Ausweitung des Anbaus nachwachsender Rohstoffe sollte unter Beachtung der unterschiedlichen Standortbedingungen, vor allem des Boden- und Gewässerschutzes gefördert werden. Die Entwicklung leistungsfähiger Vermarktungs- und Absatzstrukturen für nachwachsende Rohstoffe ist zu unterstützen (siehe auch E 3.5.02/03).


Ökologischer Landbau

Unter der Bezeichnung „ökologischer Landbau“ sind Anbau- und Produktionsmethoden in die öffentliche Diskussion eingebracht worden, deren Hauptmerkmal der weitgehende oder völlige Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel und chemische Pflanzenschutzmittel ist. Die Umstellung von einem konventionell wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betrieb auf ökologischen Landbau ist gerade zu Beginn mit wirtschaftlichen Risiken verbunden, da die Naturalerträge in der Regel absinken. Der Landkreis Schaumburg fördert daher seit 1990 im Rahmen eines kreiseigenen Programms landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Wirtschaftsweise auf den ökologischen Landbau umstellen. Den Betrieben werden in den ersten sieben Umstellungsjahren direkte Beihilfen zum Ausgleich von Verlusten gewährt. In diesem Förderprogramm sind bis Ende 1999 elf landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Umstellungsfläche von insgesamt 410 ha gefördert worden.

Seit 1999 besteht darüber hinaus die Möglichkeit einer Förderung des ökologischen Landbaus gemäß Richtlinie des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über das Basisprogramm 1999 zur Verordnung (EWG) Nr. 2078/92 für umweltgerechte und den natürlichen Lebensraum schützende landwirtschaftliche Produktionsverfahren (ML (1999)). Im Planungsraum sind 1999 zwölf landwirtschaftliche Betriebe nach diesem Basisprogramm gefördert worden.

Die Anzahl der Betriebe, die „Öko-Landbau" betreiben, ist im Vergleich zu der Gesamtzahl der Landwirtschaftsbetriebe noch insgesamt äußerst gering. Aufgrund der Lebensmittelskandale der letzten Zeit und des höheren Umweltbewusstseins der Bevölkerung ist jedoch zu erwarten, dass der ökologische Landbau an Bedeutung gewinnen wird.

Ein wesentlicher Grund für den heute insgesamt noch sehr geringen Anteil der Betriebe, die ökologischen Landbau betreiben, liegt sicherlich in den Vermarktungsproblemen (Verbraucherverhalten, Mengen, Abnahmegarantien). Allerdings kann längerfristig das Marktpotenzial für umwelt- und tiergerecht erzeugte Produkte unter Berücksichtigung des wachsenden Qualitätsbewusstseins der Verbraucher beim Konsum landwirtschaftlicher Erzeugnisse als ausbaufähig erachtet werden. Diese Entwicklung kann für die ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe Chancen eröffnen, ihre Absatzmöglichkeiten durch eine verstärkte

  • Direktvermarktung, z.B. durch Ab-Hof-Verkauf, Wochenmärkte, Zustellung und Verkaufswagen,
  • Zusammenarbeit mit ansässigen Bio-Läden, herkömmlichen Lebensmitteleinzelhandelsketten, Großküchen und anderen gastronomischen Betrieben in der Region

zu erweitern (siehe auch E 3.2.04).


E 3.2.02

Es ist Aufgabe der Regionalplanung, für die landwirtschaftliche Nutzung gut geeigneten Böden in ausreichendem Umfang zu sichern. Grundlage der in der Zeichnerischen Darstellung festgelegten „Vorsorgegebiete für Landwirtschaft aufgrund hohen, natürlichen, standortgebundenen landwirtschaftlichen Ertragspotenzials“ bildet die „Bodenkundliche Standortkarte“ des Niedersächsischen Bodeninformationssystem (NIBIS) des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung. In Ergänzung und Konkretisierung der in der Beikarte 2 des LROP Nds. dargestellten Vorsorgegebiete für Landwirtschaft, welche die Gebiete hohen, natürlichen Ertragspotenzials umfasst, sind in der Zeichnerischen Darstellung des RROP auch Gebiete mit mittlerem Ertragspotenzial berücksichtigt worden, um die soziale und wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft für die ländliche Strukturentwicklung und die Erhaltung einer vielfältigen Kulturlandschaft hervorzuheben. Standorte, die aufgrund der Bodenfeuchte für eine ackerbauliche Nutzung nicht (absolutes Grünland) oder nur bedingt geeignet sind, werden nicht als Vorsorgegebiete dargestellt.

Die Vorsorgegebiete für Landwirtschaft, die aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften für die landwirtschaftliche Nutzung gut geeignet sind, sind möglichst vor konkurrierenden Nutzungen, wie z.B. der Inanspruchnahme durch Siedlungsentwicklung, zu sichern (siehe auch C 3.2.05).


E 3.2.03

In zahlreichen Gebieten des Planungsraumes erfüllt die Landwirtschaft für den Naturhaushalt, die Landschaftspflege, die Erholung und die Gestaltung und Erhaltung der ländlichen Räume besondere Funktionen.
Eine exakte Abgrenzung und Festsetzung entsprechender Gebiete in der Zeichnerischen Darstellung als „Vorsorgegebiete für Landwirtschaft aufgrund besonderer Funktionen“ ist aus Sicht des Landkreises mit grundsätzlichen methodischen und darstellungstechnischen Schwierigkeiten behaftet und unter Berücksichtigung der kurz- und mittelfristigen Entwicklungen in der Landwirtschaft anhand der zur Verfügung stehenden Daten nicht möglich.

Die besonderen Funktionen der Landwirtschaft ergeben sich aus der aktuellen Situation und den kurz- bis mittelfristig zu erwartenden Entwicklungen.

Besondere Funktionen für den Naturhaushalt hat die Landwirtschaft in den Vorranggebieten für Trinkwassergewinnung, an Standorten mit einer hohen Empfindlichkeit des Grundwassers gegenüber Verschmutzung und in erosionsgefährdeten Gebieten (siehe auch E 2.2.06 und E 2.3.04). In diesen Gebieten muss die Landwirtschaft über die ordnungsgemäße Landbewirtschaftung hinausgehende Leistungen erbringen, für die ggf. ein Ausgleich zu erstatten ist oder eine Förderung über Zuwendungen erfolgen soll. Insbesondere in den Wasserschutzgebieten sollten im Rahmen von Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft, die durch sachkundige Berater unterstützt werden, landwirtschaftliche Nutzungsmethoden entwickelt bzw. Düngemethoden erarbeitet werden, die den Nährstoffeintrag, aber auch den Schadstoffeintrag in das Grundwasser so gering wie möglich halten bzw. vermindern. Eine beispielhafte Kooperation besteht im Planungsraum für die Wassereinzugsgebiete der Interessengemeinschaft Wasserversorgungsunternehmen Weser (IG Weser) (siehe auch E 3.2.01 und E 3.2.04).

Besondere Funktionen im Bereich der Landschaftspflege - mit Auswirkungen zugleich auf den Naturhaushalt - übernimmt die Landwirtschaft in den Vorrang- und Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft, bei der Grünlanderhaltung und im Bereich der Gewässerrandstreifen. So gewährleistet z.B. in Naturschutzgebieten die Landwirtschaft die durch Verordnung festgelegten Pflegemaßnahmen zum besonderen Schutz von Natur und Landschaft.

Aus der Bandbreite der unterschiedlichen besonderen Funktionen der Landwirtschaft weist das LROP Nds. insbesondere auf die Grünlandwirtschaft hin. Auch im Landkreis Schaumburg sollte dem anhaltenden Rückgang an Dauergrünland (siehe E 3.2.01) entgegengewirkt werden, da dieses

  • ,vor allem als extensives Grünland, eine besondere Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz hat,
  • im Vergleich zum Ackerland den Boden mit seiner Pflanzendecke besser vor Erosion schützt und den Eintrag von Schadstoffen in die Gewässer und das Grundwasser vermindert,
  • mit seinem hohen Erlebniswert für den Menschen einen bedeutenden Beitrag für eine reich strukturierte Kulturlandschaft leistet.

Die im Kreisgebiet noch vorhandenen großflächigeren Grünlandgebiete (siehe E 3.2.01) sind zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Auenbereiche insbesondere der Weser und der Rodenberger Aue und Bückeburger Aue sind als regelmäßig von Hochwasserüberflutungen betroffene Bereiche besonders empfindlich gegenüber Bodenerosionen und Stoffbelastungen der Böden und der Vegetationsdecke. Der Erhaltung und Entwicklung von Grünland kommt in diesen Bereichen besondere Bedeutung zu. Weitere Schwerpunkträume für die Umwandlung von Acker in Grünland, ggf. auch für die Entwicklung anderer Dauervegetation (z.B. Brache und Gehölzbestände), sind Hanglagen mit Erosionsgefährdung insbesondere des Weser- und Leineberglandes und der Rehburger Berge (siehe auch E 2.2.06).

In den Vorrang- und Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft, in denen die angestrebten Naturschutzziele nur durch eine (extensive) Grünlandnutzung erreicht werden können, sollte auf Grundlage eines kooperativen Planungsvorgehens, das die Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz aufeinander abstimmt, auf den landwirtschaftlichen Flächen die Grünlandbewirtschaftung unter Einhaltung bestimmter Auflagen gesichert und gefördert werden. Entsprechendes gilt für die unmittelbare Umgebung dieser Gebiete (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 5-60).

Eine besondere Funktion hat die Landwirtschaft im Landkreis Schaumburg für die Erholung, den Fremdenverkehr und die Erhaltung bzw. Entwicklung der Kulturlandschaft. Moderne und umweltgerechte Bewirtschaftungsformen, welche boden- und ressourcenschonend und mit ihrem ausgleichenden Naturpotenzial auch zum Bedeutungsanstieg der Region beitragen, sollen gesichert und entwickelt werden (siehe E 3.2.01).


E 3.2.04

Nicht nur unter den landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch im vor- und nachgelagerten Bereich hat in den letzten Jahrzehnten ein tiefgreifender Konzentrationsprozess stattgefunden. Wesentliche im Landkreis Schaumburg verbliebene Lieferanten für landwirtschaftliche Betriebsmittel bzw. Organisationen zur Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten sind die An- und Verkaufsgenossenschaften des Raiffeisen-Landbund e.V., Niedernwöhren, die Landwirtschaftsbezugs- und Absatzgenossenschaft Lauenau/Rohrsen, Lauenau, die Viehverwertungsgenossenschaft Minden-Schaumburg e.G., Nienstädt, und das landwirtschaftliche Warengeschäft der Volksbank Rinteln e.G., Rinteln. Staatlich anerkannte landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaften mit Sitz im Landkreis Schaumburg sind die

  • Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide Lauenau-Rohrsen e.G., Lauenau,
  • Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide Rinteln, Rinteln,
  • Erzeugergemeinschaft für Qualitätsweizen „Weserland“ w.V., Rinteln,
  • Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps Rinteln e.G., Rinteln und die
  • Schaumburger Erzeugergemeinschaft für Vieh und Fleisch e.G., Stadthagen.

Prioritäten zur Verbesserung der Einkommenssituation der in der Landwirtschaft Beschäftigten sieht das Regionale Entwicklungskonzept Weserbergland (siehe E 1.2.01 bis E 1.2.04) bei der Bildung von Erzeugerzusammenschlüssen und der Förderung von Verarbeitungsbetrieben, ebenso wie beim Aufbau geeigneter Vertriebsstrukturen bis hin zum privaten Endverbraucher (z.B. Dorfläden). Das betreffe sowohl konventionelle Betriebe wie die des ökologischen Landbaues (vgl. Weserbergland-Region (Hrsg.) (2000), S. 30). Aber nicht nur weil in der Region Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen, sondern auch, weil Transportwege und Verpackungsaufkommen vermindert werden, ist eine enge räumliche Verknüpfung von Produktion, Verarbeitung und Handel landwirtschaftlicher Waren aus regionalplanerischer Sicht grundsätzlich sinnvoll. Hinzu kommt, dass den Verbrauchern der Kauf von frischen Produkten mit bekannter Herkunft ermöglicht wird und bei Entstehung eines regionalen Markenzeichens bzw. Gütesiegels zugleich die Identifikation der Bürger mit der Region gestärkt wird.

Es sollten in der Region in Zusammenarbeit mit Landwirten, Behörden, Interessenvertretern und Institutionen geeignete Absatz- und Vermarktungsstrukturen geschaffen werden, die den zusätzlichen Kosten- und Zeitaufwand der landwirtschaftlichen Betriebe für die örtliche und regionale Vermarktung in Grenzen halten, die Beteiligung von Nebenerwerbsbetrieben an der Direktvermarktung zulassen und eine Vermarktung regionaler Produkte auch in den umliegenden größeren Städten ermöglichen. Im Regionalen Entwicklungskonzept Weserbergland wird hervorgehoben, dass die Direktvermarktung wirtschaftlich „nur an Bedeutung gewinnen und zur Arbeitsplatzsicherung beitragen kann, wenn sie aus den einzelbetrieblichen Angeboten herauswächst und zur Zusammenfassung von Erzeugung und Vermarktung auch für Großabnehmer attraktiv wird“ (Weserbergland-Region (Hrsg.) (2000), S. 30). Ein erster Schritt in diese Richtung soll in der Weserbergland Region im Rahmen des Entwicklungsprojektes „Regionale Produkte“ getan werden. Zielsetzung des Projektes ist es, „ein integriertes Konzept für Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung regionaler (landwirtschaftlicher) Produkte zu entwickeln und zu erproben“ (Weserbergland-Region (Hrsg.) (2000), S. 39).


E 3.2.05

Ländliche Räume müssen integriert mit ihrer Land- und Forstwirtschaft entwickelt werden, da untrennbare Wechselwirkungen bestehen. Gemäß den von der Agrarministerkonferenz eingesetzten Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung erarbeiteten und beschlossenen Leitlinien zur Landentwicklung sollen heute insbesondere folgende Instrumente als Dienstleistung zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft im ländlichen Raum zur Verfügung gestellt werden:

  • die Agrarstrukturelle Entwicklungsplanung (AEP),
  • die Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz und
  • die Dorferneuerung.

(vgl. Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung (Hrsg.) (1998))

Im Landkreis Schaumburg sind in der Vergangenheit nur in verhältnismäßig wenigen Gemeinden Flurneuordnungsverfahren zur Verbesserung der Agrarstruktur durchgeführt worden. Zur Zeit (Stand 10/2001) sind im Kreisgebiet keine Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz anhängig. In den letzten Jahren abgeschlossen wurden die Verfahren Bückeburg, Goldbeck und Idensen. Das noch laufende Flurneuordnungsverfahren Hessisch Oldendorf liegt vorwiegend im Kreisgebiet Hameln-Pyrmont und berührt nur geringe Gebietsteile der Stadt Rinteln. Für den Bereich der Rintelner Wiesen liegt ein Antrag auf Einleitung eines Flurneuordnungsverfahrens vor.

Der Bodenordnung kommt eine besondere Bedeutung bei der Entflechtung unterschiedlicher Nutzungsansprüche zu. Es ist ein unverzichtbares Instrument zur Durchführung flächenbeanspruchender Planungen Dritter (z.B. von Infrastruktur- und Verkehrsanlagen). Deren Durchführung soll erleichtert und nachteilige Auswirkungen anderer Planungen auf die Agrarstruktur sollen so weit möglich verhindert werden. Die Aufgabe der Flurneuordnung, unterschiedliche Nutzungsansprüche zu entflechten, gilt vor allem auch im Hinblick auf die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege und somit auch für die Sicherung der ökologischen Vorrangflächen und die Schaffung von Biotopverbundsystemen. So kommt z.B. der Flurbereinigung bei der Ausweisung von Gewässerrandstreifen und der Entwicklung auentypischer Strukturen in den Niederungsbereichen der Gewässer eine wichtige Aufgabe zu, da der Flächentausch ohne Eigentumsverfahren vorgenommen werden kann.
Die Ausweisung von Schutzgebieten scheitert oft an eigentumsrechtlichen Verhältnissen; auch hier kann ein zunehmend wichtiges Aufgabenfeld der Flurneuordnung mit seiner Integralwirkung gesehen werden.

Im Bereich des Wesertales sind die vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzflächen in außergewöhnlichem Maße konkurrierenden außerlandwirtschaftlichen Flächenansprüchen ausgesetzt: großflächigen Kiesabbau- und Wasserschutzgebieten, erheblichem Flächenbedarf für Bauflächen- und Straßenplanungen sowie zu berücksichtigenden Belangen des Hochwasser- und Naturschutzes. Aufgrund des Handlungs- und Entscheidungsbedarfes hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Agrarstruktur in diesem Raum hat die Bezirksregierung Hannover eine „Agrarstrukturelle Entwicklungsplanung“ (AEP) durchgeführt. Dieses informelle Planungsinstrument ist dazu geeignet, für das Wesertal von Rinteln bis Hameln

  • die Konfliktbereiche, die Entwicklungsmöglichkeiten und den Entscheidungsbedarf in der Agrarstruktur aufzuzeigen und
  • eine Entscheidungshilfe für den effizienten und mit anderen Behörden abgestimmten Einsatz von Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur zu schaffen (Entscheidungshilfe für die Bodenordnung, Einrichtung von Kompensationsflächenpool und Ökokonto)

(vgl. Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (2001), S. 1 und 201 ff.).

Im Rahmen des Bodenabbauleitplans Weser sind Suchräume festgelegt worden. In diesen sollen räumlich konzentriert die für Bodenabbaumaßnahmen im Wesertal erforderlichen Kompensationsmaßnahmen erbracht werden (vgl. Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (1998), S. 14 ff.). Unter Berücksichtigung der Suchräume des Bodenabbauleitplanes Weser wurden im Diskussionsprozess der AEP Wesertal / Hessisch Oldendorf zwischen den Vertretern der Landwirtschaft, den Unteren Naturschutzbehörden und den Wasserversorgungsunternehmen Suchräume für Kompensationsmaßnahmen erarbeitet (vgl. Bezirksreg. Hannover (Hrsg.) 2001, S. 187ff.). Zwischen den drei beteiligten Gruppen wurde allerdings nicht für alle Suchräume eine Einvernehmlichkeit erzielt. Eine Umsetzung der Vorschläge sollte vorrangig dort erfolgen, wo gemeinsame Umsetzungsinteressen bestehen.

In folgenden Orten wurden bzw. werden Maßnahmen im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms des Landes Niedersachsen gefördert (Stand 12/2002):

Ahe/Kohlenstädt, Algesdorf, Antendorf, Auhagen/Düdinghausen, Beckedorf, Bergkirchen/Wiedenbrügge/Schmalenbruch-Windhorn, Borstel, Escher, Evesen/Petzen/Röcke, Exten, Gelldorf, Hattendorf, Hegesdorf/Soldorf, Helsinghausen/Riehe, Hohnhorst, Horsten, Lauenhagen/Hülshagen, Levesen, Lindhorst/Ottensen/Schöttlingen, Lüdersfeld/Vornhagen, Messenkamp/Altenhagen II, Meinsen/Warber, Möllenbeck, Müsingen, Nordsehl, Ohndorf, Rannenberg, Pohle, Scheie, Steinbergen, Wiersen, Wölpinghausen.

Für weitere Orte liegen Anträge auf Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm bei der Bezirksregierung Hannover zur Entscheidung vor.

Die Dorfentwicklungsplanungen sind bei der Aufstellung von Bauleitplänen besonders zu berücksichtigen (vgl. § 1 Abs. 5 Nr. 10 BauGB).

 

Mit dem Programm „PROLAND Niedersachsen“ zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes sind auf der Landesebene die Inhalte des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) umgesetzt worden. Der Planungszeitraum erstreckt sich über 7 Jahre und endet Ende 2006. Es stehen Mittel für folgende Förderschwerpunkte zur Verfügung:

Förderschwerpunkt I
Verbesserung der Produktionsstruktur (Agrarinvestitionsförderungsprogramm, Qualifizierung, Verbesserung der Verarbeitung und Vermarktung bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Aufforstung landwirtschaftlicher Flächen, sonstige forstwirtschaftliche Maßnahmen, Vermarktung von landwirtschaftlichen Qualitätserzeugnissen aus Wasservorranggebieten,
Förderschwerpunkt II

Sektorübergreifende Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung (Flurbereinigung, Schaffung von Dienstleistungseinrichtungen, Dorfentwicklung und ländliches Kulturerbe, landwirtschaftliche
Infrastrukturmaßnahmen, Förderung touristischer Aktivitäten und ländlichen Handwerkswesens),

Förderschwerpunkt III

Agrarumwelt- und Ausgleichsmaßnahmen sowie Maßnahmen zum Schutz der Umwelt im Zusammenhang mit der Land- und Forstwirtschaft, Landschaftspflege und der Verbesserung des Tierschutzes (u.a. Agrarumweltmaßnahmen, Erschwernisausgleich in geschützten Teilen von Natur und Landschaft, Küstenschutz sowie Hochwasserschutz im Binnenland).


 

Eine erste Zusammenstellung möglicher Maßnahmen seitens der Gemeinden, Dritter und des Landkreises Schaumburg im Dezember 2000 hat gezeigt, dass im Planungsraum ein besonderer Schwerpunkt bei der Entwicklung typischer Landschaften und der ländlichen Räume (Förderschwerpunkt II) liegt. Es kommen z.B. Projekte in den Bereichen ländlicher Wegebau (Rad-, Reit- und Wanderwegebau), ländlicher Tourismus, Einrichtung von Nachbarschaftsläden, Direktvermarktung sowie Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude und Erhaltung historischer Gebäude in Frage.

Bis heute sind die landwirtschaftlichen Flächen natürliche „Expansionsgebiete“ für den ständig steigenden Siedlungsbedarf. Gegenüber den wichtiger eingestuften Nutzungsansprüchen der Funktionen Wohnen, Gewerbe, Verkehr usw. unterliegt die Nutzung Landwirtschaft regelmäßig. Diese Praxis lässt es dringlich erscheinen, die Bedeutung der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft für die Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen und ggf. auch für die Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft in allen ländlich strukturierten Siedlungsbereichen neben anderen Arbeitsplätzen besonders herauszustellen. Bei der Abwägung konkurrierender Nutzungsansprüche ist daher stets die Erhaltung der Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe sowie die Sicherung der Flächen mit einer wertvollen natürlichen Bodenfruchtbarkeit zu berücksichtigen (siehe auch E 3.2.02).

Die Entwicklung von ehemals rein landwirtschaftlich geprägten Ortslagen zu mehr und mehr außerlandwirtschaftlichen Wohnstandorten bringt Probleme für die verbleibende Landwirtschaft mit sich. Für den sich verstärkenden Konflikt zwischen Wohnvorstellungen eher städtisch orientierter Einwohner und solcher Einwohner, die sich von der Landwirtschaft völlig abgewandt haben auf der einen Seite und den Bedürfnissen aus der fortschreitenden Marktanpassung der vorhandenen landwirtschaftlichen Betriebe (u.a. Umstellungen der Produktionsweisen, größere Maschinen, Tierhaltung) auf der anderen Seite müssen im Zusammenhang mit der Bauleitplanung der Gemeinden Lösungen gefunden werden. Die Ausweisung neuer Wohngebiete muss mit Blick auf die verbleibende landwirtschaftliche Nutzung an den alten Hofstandorten so vorgenommen werden, dass eine Einengung der landwirtschaftlichen Betriebe ebenso wie eine Beeinträchtigung des Wohnens durch von diesen Betrieben ausgehenden Emissionen vermieden wird. (Vgl. D und E 1.3.02 sowie D 1.5.07.)

Zur Verminderung der Immissionen durch Staub und Geruch (Tierhaltung) werden bei der Bauleitplanung und bei der Zulassung von Bauvorhaben Abstände zur Wohnbebauung empfohlen, die in der „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ (TA Luft) und VDI-Richtlinien 3471 „Emissionsminderung Tierhaltung - Schweine“ und 3472 „Emissionsminderung Tierhaltung - Hühner“ enthalten sind. Dies gilt u.a. auch für den Abstand zum Wald sowie zu den in Bauleitplänen dargestellten oder festgesetzten Bauflächen oder Baugebieten und umgekehrt.

Es ist außerdem von Bedeutung, dass die städtebauliche Nutzung in landwirtschaftlich geprägten Ortsbereichen die entsprechende Festsetzung nach der Baunutzungsverordnung aufweist. Die Aussiedlung bäuerlich strukturierter Landwirtschaftsbetriebe, vor allem aus ehemals rein landwirtschaftlich geprägten Ortsteilen, sollte nur dann in Betracht kommen, wenn die Entwicklungsmöglichkeiten am alten Standort nicht mehr gegeben oder wiederherzustellen sind. Ist eine Aussiedlung erforderlich, ist auf die kurzfristige Erarbeitung einer Alternativplanung hinzuwirken – z.B. durch frühzeitige Abstimmung mit den Betroffenen („Runde Tische“).

Land- und Forstwirtschaft bilden die Primärnutzung der Freiräume. Sie werden von anderen Raumansprüchen wie Erholung, Landespflege, Wassergewinnung, Hochwasserschutz überlagert. Diese Mehrfachnutzung der Freiräume bedarf der gegenseitigen Abstimmung. Das gilt z.B. für den landwirtschaftlichen Wegebau, der gleichzeitig der Erschließung von Erholungsgebieten dient.


E 3.2.06

Im Landkreis Schaumburg erfolgt die Ausübung der Fischerei sowohl durch Erwerbsflussfischer und Erwerbsteichwirte als auch Hobbyteichwirte und Angelfischer. Die Fischerei wird insbesondere auf der Weser, in den ausgekiesten Flächen der Weseraue sowie am Mittellandkanal und an der Rodenberger Aue betrieben. Im Auslauf der Bückeberge bestehen darüber hinaus zahlreiche Teiche bzw. Teichanlagen; überwiegend für die Forellenhaltung. In Bückeburg wird eine 14 ha große Teichanlage im Haupterwerb zur Produktion von Besatz- und Speisefischen, vorwiegend Karpfen und Schleien, bewirtschaftet. Im Flecken Hagenburg wird die Fischerei im Hagenburger Kanal und den benachbarten Teichanlagen ausgeübt. Der Hagenburger Kanal besitzt ferner als Zugangsgewässer für die fischereiliche Bewirtschaftung des Steinhuder Meeres besondere Bedeutung.

Die ordnungsgemäße Fischerei leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Gewässer in unserer Kultur- und Erholungslandschaft. Ziel der ordnungsgemäßen Fischereiausübung ist es, die Leistungsfähigkeit der Gewässerhaushalte und die Nutzbarkeit der Naturgüter als Lebensgrundlage der Menschen nachhaltig zu sichern und zu entwickeln. Eine ordnungsgemäß durchgeführte Bewirtschaftung der Teichanlagen erfolgt im Einklang mit dem Natur- und Wasserhaushalt und vermeidet Gewässerbelastungen wie

  • Schadstoffeinträge, z.B. durch Algenbekämpfungs- und Fischbehandlungsmittel,
  • Eutrophierung des Vorfluters durch Nährstoffeinträge aus der Fütterung,
  • Erwärmung und Verschlammung des Vorfluters unterhalb des Teichabflusses,
  • Wanderhindernisse für Fische und die übrige Fauna durch Absperrstauwerke im Vorfluter,
  • Fischartenverfälschung im Vorfluter durch Besatz mit nicht autochthonen Jungfischen.


Nutzungskonflikte mit dem Naturschutz, der Wasserwirtschaft und der Erholungsnutzung können weitgehend vermieden werden, wenn sich die Teichwirtschaft an den „Leitlinien Ordnungsgemäßer Tierhaltung“ und den Beratungsempfehlungen zur ordnungsgemäßen Fischhaltung der Landwirtschaftskammern Hannover und Weser-Ems (Landwirtschaftskammern Hannover und Weser-Ems (Hrsg.) (1994) und Landwirtschaftskammer Hannover (Hrsg.) (1999)) ausrichtet.