E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.3 - Forstwirtschaft

E 3.3.01

Dem Wald im Landkreis Schaumburg und dessen Bewirtschaftung kommt alleine aufgrund seines Flächenanteils eine besondere Bedeutung zu; mit rd. 25 % Flächenanteil zählt er zu den Hauptnutzungsarten. Der Bewaldungsgrad liegt über dem Wert des Landes Niedersachsen von rd. 23 %, jedoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von rd. 30 %. Die Waldverteilung ist vergleichsweise unausgewogen, da weite Bereiche des Kreisgebietes äußerst waldarm sind. Im Landkreis konzentrieren sich die Waldflächen im wesentlichen auf die Höhenzüge des Wesergebirges, die Bückeberge, den Harrl und das Nordlippische Bergland sowie den Schaumburger Wald, Teile des Süntels und des Deisters, die Ausläufer der Rehburger Berge und den Haster Wald.

Im Landkreis überwiegt der Körperschaftswald mit rd. 6.509 ha (rd. 38 %); davon entfallen alleine 3.100 ha auf das kreiseigene Forstamt. Der Landkreis Schaumburg ist damit das größte kommunale Forstamt Niedersachsens. Rund 5.653 ha (rd. 33 %) sind Privatwald. Der Anteil des Staatswaldes beträgt rd. 4.968 ha (rd. 29 %). Die zusammenhängenden Waldflächen umfassen ca. 17.130 ha, wovon ca. 13.030 ha mit Laubwald, ca. 2.940 ha mit Nadelwald und ca. 1.160 ha mit Mischwald besetzt sind.

Den Wäldern kommt hinsichtlich der Erzeugung des umweltfreundlichen und stets nachwachsenden Rohstoffs Holz bei künftig knapper werdenden, nicht reproduzierbaren Rohstoffvorräten eine besondere Bedeutung zu. Über diese Nutzfunktionen tragen die Wälder wesentlich zur Sicherung und Entwicklung stabiler Lebensverhältnisse bei, insbesondere durch ihre günstigen Wirkungen für die Artenvielfalt, das Klima, die Luftreinhaltung, den Boden, den Wasserhaushalt, das Landschaftsbild und die Erholung.


Waldflächen dienen aufgrund ihrer Erholungsfunktion der Gesundheitsförderung im Sinne eines Ausgleichs der Abwechslung und dem Naturgenuss der Besucher.

Die Schutzfunktion des Waldes hat vielfältige Erscheinungsformen, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Vereinfacht lassen sich folgende Formen der Schutzfunktion abgrenzen:

Artenschutz:
Die Wälder haben für den Naturschutz besondere Bedeutung. Sie sind Rückzugsraum für zahlreiche, aus der übrigen Landschaft verdrängte Tier- und Pflanzenarten.

Klimaschutz:
Der Wald fördert durch seine im Vergleich zum Freiland ausgeglichenen Temperaturverhältnisse die Luftbewegung und den Luftaustausch und bewirkt durch Frischluftzufuhr, insbesondere in Siedlungsbereichen, einen wirksamen klimatischen Ausgleich. Weiterhin schützt der Wald Wohnstätten, Erholungsanlagen, landwirtschaftliche Nutzflächen und Sonderkulturen vor Kaltluftschäden und nachteiligen Windeinwirkungen (Herabsetzung der Windgeschwindigkeiten).

Wasserschutz:
Waldflächen halten Grundwasser sowie stehende und fließende Gewässer rein. Sie verzögern den Oberflächenabfluss der Niederschläge und sorgen für eine stetige und qualitativ hochwertige Grundwasserspende. Waldflächen dienen damit nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern haben durch ihre Filterfunktion eine besondere Bedeutung für die Wasserwirtschaft (Trinkwassergewinnung).

Bodenschutz:
Im Rahmen des Bodenschutzes kommt dem Wald eine aktive Rolle zu. Einerseits schützen Waldflächen und Feldgehölze ihren eigenen Boden vor Wasser- und Winderosion, Humusabbau und Rutschvorgängen, andererseits stellen Wälder auch für benachbarte landwirtschaftliche Nutzflächen eine wirksamen Schutz gegenüber Winderosion und Bodenabschwemmung dar.

Lärmschutz:
Waldflächen schützen Wohn-, Arbeits- und Erholungsstätten durch Minderung des Lärms von Straßen und anderen Lärmquellen; z.B. senkt ein 100 m breiter immergrüner ungleichaltriger Nadelwald den Lärm um rd. 10 dB (A), das heißt auf die Hälfte des Ausgangslärms.

Schutz gegen Schadstoffimmissionen:
Waldflächen schützen Wohn- und Arbeitsstätten, Erholungsflächen, landwirtschaftliche Nutzflächen usw. durch eine Minderung schädlicher oder belästigender Immissionen. Waldflächen verbessern die Luftqualität durch Ausfilterung von Schwebstoffen und Stäuben, Absorption von Gasen und Auskämmen von schadstoffangereicherten Wassertröpfchen sowie durch verstärkte Thermik und Turbulenzen und damit Luftaustausch und -durchmischung.

Sichtschutz:
In geringerem Umfang ist auf die Sichtschutzfunktion des Waldes, das heißt die Verdeckung störender Objekte, hinzuweisen.

Die in ihrer Bedeutung zukünftig weiter zunehmenden Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes schließen sich in der Regel nicht aus und sollten auf der gesamten Waldfläche gleichzeitig erfüllt werden. Sollte es auf einzelnen Flächen zu Konflikten zwischen den Waldfunktionen kommen, sind Lösungen zu suchen, bei denen die Gesamtleistung des Waldes nach den Prinzipien der Gemeinnützigkeit und Nachhaltigkeit am höchsten ist. Eine nachhaltige Forstwirtschaft bringt die ökologisch-sozialen Funktionen mit dem ökonomischen Nutzen in Einklang. Sie erwirtschaftet den begehrten Rohstoff Holz, sichert langfristige Erträge, gewährleistet Schutzleistungen und Erholungswirkungen dauerhaft und optimal zum Nutzen der gegenwärtigen und künftigen Generationen.


E 3.3.02/05

Eine nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Forstwirtschaft durchgeführte Nutzung, Verjüngung und Pflege des Waldes sichert zugleich dessen ökologische und ökonomische Leistungsfähigkeit und damit die Nachhaltigkeit seiner materiellen und immateriellen Funktionen.
Kennzeichen der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft sind nach § 11 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) insbesondere:

  1. Langfristigkeit der forstlichen Produktion,
  2. Sicherung nachhaltiger Holzproduktion und Erhaltung der Waldökosysteme als Lebensraum einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt durch Hinwirken auf gesunde, stabile und vielfältige Wälder,
  3. ausreichender Umfang von Alt- und Totholzanteilen zur Sicherung der Lebensräume wild lebender Tiere, Pflanzen und sonstiger Organismen,
  4. bei Aufforstungen Wahl standortgerechter Baumarten unter Verwendung geeigneten Saat- und Pflanzengutes bei Erhaltung der genetischen Vielfalt,
  5. bedarfsgerechte Walderschließung unter größtmöglicher Schonung von Landschaft, Boden und Bestand,
  6. Anwendung von bestands- und bodenschonenden Techniken, insbesondere bei Verjüngungsmaßnahmen, Holznutzung und –transport,
  7. standortangepasster Einsatz von Pflanzennährstoffen, soweit er zur Erhaltung oder Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit erforderlich ist,
  8. möglichst weitgehender Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, Einsatz des integrierten Pflanzenschutzes,
  9. Hinwirken auf Wilddichten, die den Waldbeständen und ihrer Verjüngung angepasst sind, sowie
  10. Maßnahmen zur Waldschadensverhütung.

Die Bewirtschaftung des Staatswaldes im Landkreis Schaumburg erfolgt nach dem „Niedersächsischen Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung in den Landesforsten“ (LÖWE) (Niedersächsische Landesregierung (Hrsg.) (1992)) und der „Langfristigen, ökologischen Waldbauplanung für die Niedersächsischen Landesforsten“ (RdErl. des ML vom. 5.Mai 1994). Die Waldflächen der Kreisflächen des Kreisforstamtes werden nach den Grundsätzen der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) bewirtschaftet. Für alle übrigen Waldbesitzarten haben diese Grundsätze sowie das Programm bzw. der ergänzende Runderlass empfehlenden Charakter.

Ziel der Ausrichtung der Bewirtschaftung nach ökologischen Kriterien ist eine naturnahe Forstwirtschaft, die sich an den natürlichen Entwicklungsprozessen des Waldes orientiert.
In naturnahen Wäldern lassen sich die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen nach dem heutigen Erkenntnisstand in hohem Maße miteinander verbinden (siehe auch D 3.3.05). Wälder, die sich aus standortgemäßen Baumarten mit einer am jeweiligen Standort möglichen Mischungs- und Strukturvielfalt zusammensetzen, gelten als widerstandsfähig gegen äußere Einflüsse und tragen durch ihre Vielgestaltigkeit zum gesteigerten Erlebniswert der Landschaft bei. Nicht naturnah aufgebaute Bestände können nur mittel- bis langfristig zu größerer Naturnähe entwickelt werden, insbesondere fehlbestockte Nadelholzbestände (überwiegend Kiefernwälder im Weser-Aller-Flachland und der Bördenregion, überwiegend Fichtenwälder im Weser- und Leinebergland) sollen in Mischwaldbestände überführt werden. Der allmähliche Umbau erfordert einen standortgerechten, nachhaltigen Waldbau auf der Basis forstlicher Standortkartierungen und forstlicher Fachplanungen und sollte unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aller Forstbetriebe erfolgen. Sofern eine aktuelle forstliche Standortkartierung nicht vorliegt, sollte ihre Erarbeitung für alle Waldbesitzarten angestrebt werden.

Im Rahmen des LÖWE-Programms erstellt das Niedersächsische Forstplanungsamt in Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung zum Aufbau eines Netzes von Waldschutzgebieten für ihre Flächen ein landesweites Konzept für Waldschutzgebiete. Einbezogen sind in das als Entwurf vorliegende Waldschutzgebietskonzept unabhängig vom Schutzstatus mehrere Kategorien, die die naturnahen, regionaltypischen Waldgesellschaften repräsentativ berücksichtigen (siehe auch E 2.1.10).

Die Schalenwildarten zählen in unserer Kulturlandschaft zu den begünstigten Tierarten. Neben Reh- und Schwarzwild kommen in Teilen des Planungsgebietes Rot-, Dam- und Muffelwild vor. Nicht oder unzureichend bejagte Wildbestände beeinträchtigen durch Verbiss von Vegetation und Schälen der Baumrinde die Waldlebensgemeinschaft in vielen Waldteilen so stark, dass sich der Wald ohne Schutzvorrichtungen nicht natürlich regenerieren kann oder die Bäume stark entwertet werden. Die Wildbestände müssen so bejagt werden, dass ein artenreicher Wildbestand erhalten bleibt, der zahlenmäßig so angepasst ist, dass eine ökologische Waldentwicklung gewährleistet wird - das heißt sich die Hauptbaumarten, besonders Buche, Esche, Ahorn und Eiche sowie die standortgerechten Nebenbaumarten (wie z.B. Ebereschen, Birken, Weiden) und Sträucher, ohne Zaun natürlich verjüngen können. Eine Ausweitung der Rot-, Dam- und Muffelwildgebiete bzw. -vorkommen ist aus landeskulturellen Gründen nicht tragbar.

Die Waldränder einschließlich ihrer Übergangszonen bedürfen eines besonderen Schutzes. Sie haben eine hohe ökologische Bedeutung aufgrund ihrer Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, die weder im Waldesinnern noch auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen vorzufinden ist. Aufgrund der ökologischen Wertigkeit und des landschaftsprägenden Charakters besitzen Waldränder eine besonders hohe Erlebnisqualität und haben somit einen bedeutenden Erholungswert. Ausreichende Pufferzonen zwischen Waldräumen und Siedlungsbereichen sind des Weiteren zur Reduzierung der Waldbrandgefahr und der Gewährleistung der Sturmsicherheit der Waldbestände erforderlich. Durch das Höhenwachstum der Bäume besteht am Waldrand eine ca. 40 m breite Gefahrenzone.

Bei dem Dominalteilungsvertrag handelt es sich um eine zwischen dem Fürstenhaus Schaumburg-Lippe und dem Freistaat Schaumburg-Lippe im Jahr 1920 geschlossene vertragliche Vereinbarung.


E 3.3.03

Um die in ihrer Bedeutung auch zukünftig weiter zunehmenden Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes nachhaltig zu erhalten und zu erzielen, ist eine Vergrößerung des Waldanteils im Landkreis Schaumburg wünschenswert und anzustreben.

Durch besondere Waldarmut mit einem Waldanteil unter 15 % sind im Landkreis die Gemeinde Auetal, die Samtgemeinde Nienstädt und Teile der Samtgemeinden Eilsen, Lindhorst, Nenndorf, Niedernwöhren, Rodenberg und Sachsenhagen (Mitgliedsgemeinden Ahnsen, Heeßen, Luhden, Lindhorst, Lüdersfeld, Heuerßen, Lauenhagen, Nordsehl, Bad Nenndorf, Hohnhorst, Suthfeld, Messenkamp, Stadt Rodenberg, Pohle und Stadt Sachsenhagen) gekennzeichnet.

Vor allem auf den fruchtbaren Böden der Bördenlandschaft zwischen Bückeburg, Stadthagen und Bad Nenndorf ist der Wald zugunsten von Landwirtschaft und Siedlungen bis auf kleine Restflächen ganz verschwunden. In diesen Bereichen sowie in ausgeräumten Landschaftsteilen des Rodenberger Auetales und des Wesertales sind Neugründungen naturnaher Wälder bzw. Feldgehölze wünschenswert, um Erholungsraum in der Nähe von Siedlungen, Rückzugsraum für die Tier- und Pflanzenwelt, Trittsteine zur Biotopvernetzung, erosionsschützende Vegetationsbestände und eine Landschaftsgliederung zu schaffen. Ansatzpunkte für die Entwicklung standorttypischer Auwäldern sind im Wesertal u.a. im Umfeld des Naturschutzgebietes „Aher Kämpe" und der Engerschen Kiesteiche gegeben.

Da der Waldboden in der Lage ist, organische Verunreinigungen, mechanische Einschwemmungen und chemische Einträge in größerem Maße auszufiltern als z.B. landwirtschaftlich genutzte Flächen, ist die Neu- bzw. Wiederanlage von Waldflächen in Vorrang- und Vorsorgegebieten für Trinkwassergewinnung anzustreben. In besonderem Maße ist dieses für Flächen angezeigt, deren Deckschichten durch Trockenabbauten von Sand, Kies und Gestein verringert wurden.


E 3.3.04

Mit einer Aufforstung bisher nicht bewaldeter Flächen ist grundsätzlich eine Veränderung bestehender Ökosysteme und des Landschaftsbildes verbunden. Um die landschaftliche Vielfalt im Landkreis Schaumburg zu erhalten, ist es erforderlich, Freiflächen, die der Landschaft ein besonderes Gepräge geben (z.B. grünlandreiche Niederungsgebiete) und deshalb als solche erhalten werden sollen, von Aufforstung auszunehmen.

Die in der Zeichnerischen Darstellung festgelegten „Von Aufforstung freizuhaltenden Gebiete“ beschränken sich auf die waldreichen Gebiete des Landkreises Schaumburg.

Die Anlage von Landschaftsgehölzen, wie Hecken und Einzelpflanzungen, fällt nicht unter diese Bestimmungen.


E 3.3.05

Siehe oben E 3.3.02/05.


E 3.3.06

Die Waldfunktionen können durch Eingriffe und Belastungen von außen sowie durch falsche Bewirtschaftung stark gemindert werden. Die Zerschneidung von Wäldern durch Verkehrs- und Versorgungstrassen beeinträchtigen das Waldinnenklima, die erholungswirksame Waldruhe, den Lebensraum der Tiere und die Standfestigkeit des Restwaldes. Grundwasserabsenkungen und Immissionen von Schadstoffen führen in der Waldvegetation, insbesondere bei den langlebigen Waldbäumen, durch andauernde Einwirkungen zu Wuchsstörungen und teilweise zum Absterben (siehe auch D 3.9.1.02/03).

Einen besonderen Schutz erfordern die großen zusammenhängenden Waldgebiete und alte Waldstandorte. In zusammenhängenden Waldgebieten haben bestimmte Waldfunktionen wie ruhige Erholung, Trinkwasserschutz und die ungestörte Entwicklung von Waldlebensgemeinschaften große Bedeutung. Nachweisbar historisch alte Wälder, also Standorte, die zumindest seit mehreren Jahrhunderten kontinuierlich mit Wald bestanden sind, sind aufgrund ihrer in der Regel hohen Naturnähe oder ihres speziellen Artenspektrums für das Waldökosystem besonders wertvoll.

Sofern Waldflächen ausnahmsweise von anderen Nutzungsarten in Anspruch genommen werden müssen, sind diese Waldverluste unter Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes, der Landschaftspflege und der Forstwirtschaft mindestens flächengleich zu kompensieren. Wenn durch die Umwandlungen weitere Beeinträchtigungen für den verbleibenden Wald oder für die Waldverteilung des Gebietes hinzukommen, ist ein Flächenausgleich mit einem Faktor von mindestens 3 anzusetzen. Ersatzaufforstungen sollen in räumlicher und zeitlicher Nähe zum umgewandelten Wald durchgeführt werden. Bei Umwandlungen in waldreichen Gebieten kann die Ersatzaufforstung auch in waldärmeren Gebieten erfolgen. Das Alter des Waldes, die Naturnähe, Seltenheit und Siedlungsnähe sind u.a. Faktoren, die bei der Ermittlung der ökologischen Gleichwertigkeit für Ersatzaufforstungen Berücksichtigung finden sollen.

Der Wald und damit auch seine Waldfunktionen sind durch die „neuartigen Waldschäden“ existenziell gefährdet. Die seit 1984 nach bundeseinheitlichen Prüfmethoden erhobenen neuartigen Waldschäden haben für die im Landkreis Schaumburg vertretenen Wuchsgebiete „Weserbergland“ und „Nordwestdeutsche Berglandschwelle“ im Jahr 1994 einen Anteil deutlich geschädigter Bäume von 21 % bzw. 23 % erreicht (im Jahre 1971 lag der Anteil noch bei 17 % bzw. 12 %). Ohne Schadmerkmale sind demnach im Weserbergland nur noch 28 % und in der nordwestdeutschen Berglandschwelle nur noch 37 % der Waldfläche. Besonders stark treten diese Waldschäden in den Kammlagen des Deisters, der Bückeberge, den Waldgebieten südlich der Weser, östlich der Ortschaft Haste sowie im Schaumburger Wald auf; insgesamt sind rd. 5.050 ha Waldfläche betroffen. Im hohem Maße sind die Bestände mit einem Alter über 60 Jahre geschädigt. Zunehmend gefährdet - bis hin zum völligen Ausfall - ist die auf rd. 3.500 ha im Kreisgebiet als Waldbaum stark vertretene Eiche.1)

1) Zahlenangaben: Staatliches Forstamt Rinteln, Schreiben vom 04.05.1995 und eigene Berechnungen

Die neuartigen Waldschäden können durch forstliche Maßnahmen nicht vermieden werden; dazu ist eine wesentliche Herabsetzung des Schadstoffsgehaltes in der Luft erforderlich (siehe E 2.4). Den Waldschäden liegt zwar ein ganzer Komplex von Schadfaktoren und Wirkungsketten zugrunde, den Einträgen, Umsetzungen und dem Verbleib von Luftschadstoffen in den Wäldern bzw. Waldböden kommt allerdings eine Schlüsselrolle zu (siehe auch E 2.2.02 bis E 2.2.04). Trotz sinkender Schwefeleinträge sind die Eintragsraten von Schwefel- und Stickstoffverbindungen in den niedersächsischen Wäldern mit die höchsten in Europa. Weitere Bodenversauerung, beginnender Austrag von Stickstoff aus den Böden in das Grundwasser, Nährstoffungleichgewichte, Artenverarmung von Flora und Fauna und damit die Destabilisierung von Waldökosystemen folgen daraus in Abhängigkeit vom Standort. Die Bodenschutzkalkung (sog. Kompensationskalkung) und eine nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtete Forstwirtschaft sind wichtige Maßnahmen und Konzepte zur Verminderung der neuartigen Waldschäden und zur Erhöhung der Widerstandskraft der Waldökosysteme gegenüber schädlichen Einflüssen. Eine Vermeidung der neuartigen Waldschäden und damit der Erhalt der Wälder ist nur durch eine Begrenzung der anthropogenen Luftverunreinigungen vor allem aus Kraftwerken, Verkehr, Haushalten, produzierendem Gewerbe und Landwirtschaft zu erreichen.


E 3.3.07

Aufgrund der ständig wachsenden Bedeutung ihrer Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion sind alle im Kartenmaßstab 1:50.000 darstellbaren zusammenhängenden Waldbestände sowie inselförmigen Restwaldflächen des Planungsraumes in der Zeichnerischen Darstellung als „Vorsorgegebiete für Forstwirtschaft“ ausgewiesen.

Neben den festgelegten Vorsorgegebieten für Forstwirtschaft bestehen in der Region weitere Restwaldbestände und Feldgehölze, die wichtige Funktionen für das Landschaftsbild, den Naturhaushalt, den Bodenschutz sowie für die Erholung übernehmen. Auf diesen Waldstandorten, die wegen ihrer geringen Größe nicht zeichnerisch dargestellt werden konnten, gilt gleichermaßen der Vorsorgeanspruch der Forstwirtschaft.

Große Teile der festgelegten Vorsorgegebiete für Forstwirtschaft werden mit Vorranggebieten für Natur und Landschaft überlagert. Dies beinhaltet auch künftig generell keine Einschränkungen der forstwirtschaftlichen Nutzung. Einschränkungen bestehender rechtmäßiger Nutzungen können sich vielmehr erst im Einzelfall aus Regelungen nachgeschalteter Verfahren, wie z.B. im Zuge von Naturschutzgebietsausweisungen, ergeben. Die Beachtung entschädigungsrelevanter Tatbestände ist dabei regelmäßig rechtlicher Bestandteil dieser Verfahren. Siehe auch E 2.1.10.


E 3.3.08

Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit eines Forstbetriebes hängt von der Möglichkeit ab, seine Produkte gewinnbringend zu vermarkten. Hierzu zählen die im Rahmen ordnungsgemäßer Waldwirtschaft erzeugten Hölzer und Nebenprodukte sowie die infrastrukturellen Leistungen und Dienstleistungen, die als wertvolle Beiträge zur Erholungsnutzung und des Natur- und Umweltschutzes zu verstehen sind. Ohne Gewinne aus diesen Bereichen sind die Forstbetriebe auf Dauer nicht in der Lage, den Wald ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Die Sicherung und Entwicklung leistungsfähiger Forstbetriebe ist somit eine wesentliche Voraussetzung für die Erfüllung aller Waldfunktionen und die langfristige Erhaltung des Waldes. Die Waldbesitzer sollten deshalb - z.B. durch strukturverbessernde Maßnahmen – unterstützt werden, ihren Wald zu erhalten und ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Eine aktuelle forstliche Standortkartierung ist Grundlage für das Betreiben einer naturnahen Forstwirtschaft auf standörtlicher Grundlage und die Schaffung stabiler, strukturreicher Mischwälder.

Die Möglichkeiten zur Vermarktung des Rohstoffes Holz sind trotz positiver Tendenzen beim Rundholz insgesamt nach wie vor unbefriedigend bzw. schwierig. Die Gründe hierfür sind vielfältig - der rückläufige Absatz beispielweise des Schwachholzes ist zum Großteil auf die hohen Recyclingquoten bei der Papierherstellung zurückzuführen -, so dass für eine (auch wirtschaftlich) nachhaltige Forstwirtschaft neue Vermarktungswege erschlossen werden müssen. Hinsichtlich der Einkommenssicherung der Forstbetriebe verdient die Möglichkeit, Holz als Energieträger zu nutzen, besondere Aufmerksamkeit. Dabei sind die ökologischen Vorzüge der thermischen Nutzung heimischen Holzes gegenüber dem Verbrauch fossiler Brennstoffe herauszustellen: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der CO2-neutral verbrennt, da das bei der Verbrennung freiwerdende CO2 beim Pflanzenwachstum gebunden wurde. Nach Angaben des Beratungsforstamtes Oldendorf fallen in der Region im Zuge der Durchforstungsarbeiten jährlich rd. 30.000 Festmeter Schwachholz an, die einer energetischen Nutzung zugeführt werden könnten. Hinzu kommt ein weiteres Potenzial aus der Pflege von Feldgehölzen, Grünanlagen, Straßenbäumen und -sträuchern und nicht zuletzt Restholz aus den holzverarbeitenden Betrieben des Landkreises.

Eine Vernetzung der Biotope, auch über die Kreisgrenze hinaus, ist erforderlich, um die Arten- und Strukturvielfalt im Landkreis Schaumburg zu erhalten und auszuweiten. Die Restwaldflächen und Feldgehölze in den ausgeräumten Landschaftsteilen können z.B. durch Hecken vernetzt werden. Weitere Erläuterungen zur Vergrößerung des Waldanteils und dem regionalen Biotopverbundsystem siehe E 3.3.03 und E 2.1.02.