E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.4 - Rohstoffgewinnung

E 3.4.01

Eine ausreichende, möglichst preiswerte und verbrauchernahe Bereitstellung von Rohstoffen ist eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit der langfristigen Sicherung der vielfältigen Rohstofflagerstätten im Landkreis Schaumburg (siehe E 3.4.03 und E 3.4.05). Eine besondere Bedeutung kommt in der Region den oberflächennahen Massenrohstoffen Tonstein, Sand, Kiessand und Kies im Bereich des Wesertales, Kalkstein im Wesergebirge und Sandstein in den Bückebergen, vor allem als Baustoffen zu. Des Weiteren sind im Norden der Region Sand- und Torflagerstätten sowie als tiefliegende Rohstoffe Salzvorkommen (Kalisalze) hervorzuheben. (siehe auch E 3.4.02, E 3.4.03/05 und E 3.4.06)

Eine genaue Übersicht über die Lagerstätten und deren volkswirtschaftliche Bedeutung geben die Rohstoffsicherungskarten im Maßstab 1:25.000 des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (NLfB).

Im Planungsraum ist derzeit kein Erdgas- oder Erdölvorkommen erschlossen oder genutzt. Allerdings verfügen mehrere Unternehmen für das Kreisgebiet über Konzessionen für die Erdgas- und Erdölsuche. Sie haben in der Vergangenheit bereits geophysikalische Messungen und Bohrungen durchgeführt und planen zum Teil für die Zukunft neue Explorationstätigkeiten. Die weitere Erforschung der tiefliegenden Rohstoffe ist unter Beachtung der Umweltverträglichkeit zu gewährleisten.


E 3.4.02

Aufgrund der Knappheit und Endlichkeit der Rohstoffreserven und der mit ihrem Abbau verbundenen Belastungen für Mensch und Umwelt kommt der schonenden und sparsamen Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen eine besondere Bedeutung zu. Dazu gehört auch, dass die vorhanden Reserven möglichst vollständig ausgebeutet werden, um eine Erweiterung von Abbauflächen bzw. eine frühzeitige Neuerschließung von Lagerstätten zu vermeiden.

Zur sparsamen Nutzung nicht erneuerbarer mineralischer Rohstoffe trägt ferner das Rohstoffrecycling und die Verwendung alternativer Materialien bei. Substitutionsmöglichkeiten von Kiesen und Sanden sind in den Verwendungsgebieten am größten, in denen die Anforderungen an die Qualität nicht so hoch sind. Bauschutt kann in erster Linie im Tiefbau die Verwendung von Kiesen und Sanden zu einem gewissen Teil (max. 10-15 %) ersetzen (vgl. NLfB (2001), S. 37). Zudem kann gleichzeitig eine Verminderung der zu entsorgenden Bauschuttmengen erreicht werden.

Tone und Tonsteine sind bei der Ziegelherstellung nicht substituierbar. Möglich ist es dagegen, Ziegelwaren als Wandbaustoff und Dachbedeckung durch andere Steine zu ersetzen (vgl. NLfB (1999), S. 34).
Weit verbreitet ist inzwischen das Recycling von Naturwerksteinen, es beschränkt sich aber im Wesentlichen auf die Wiederverwendung von Pflaster- und Bordsteinen. Eine Substitution der Naturwerksteine ist fast immer möglich. Aus ästhetischen Gründen wird davon, insbesondere im Hochbaubereich, jedoch selten Gebrauch gemacht (vgl. NLfB (1999), S. 50).

Die in Hagenburg anstehenden Niedermoortorfe eignen sich hervorragend als Badetorfe und sollten auch künftig ausschließlich für balneologische Zwecke in der Region genutzt werden (siehe auch E 3.4.03/05).


E 3.4.03/05

In der Zeichnerischen Darstellung werden Vorsorge- und Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung für oberflächennahe Rohstoffe festgelegt. Als fachliche Basis für die Ausweisung dienen die Rohstoffsicherungskarten des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (NLfB).

Das LROP Nds. weist in der Zeichnerischen Darstellung im Maßstab 1:500.000 generalisiert großflächige Rohstoffgewinnungsgebiete als Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung aus, die im RROP räumlich konkretisiert festzulegen sind. Dabei handelt es sich um Gebiete, die in den Rohstoffsicherungskarten des NLfB als Lagerstätten 1. Ordnung dargestellt sind und eine besondere volkswirtschaftliche Bedeutung besitzen (vgl. LROP Nds. 1994, S. 164). Diese Gebiete sind primär Grundlage für die Ausweisung von Vorranggebieten für Rohstoffgewinnung in der Zeichnerischen Darstellung.

Grundlage für die Festlegung von Vorsorgegebieten für Rohstoffgewinnung sind primär die in der Beikarte 4 des LROP Nds. (Maßstab 1:500.000) dargestellten Lagerstätten, die in der Regel den Lagerstätten 2. Ordnung (von lokaler bis regionaler volkswirtschaftlicher Bedeutung) der Rohstoffsicherungskarten des NLfB entsprechen (vgl. LROP Nds. 1994, S. 164).
 

Die Festlegungen der Vorrang- und Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung sind im RROP unter Berücksichtigung der regionalen Erfordernisse anderer (konkurrierender) Nutzungsansprüche, insbesondere des Natur- und Landschaftsschutzes und der Erholungsfunktion, der Wasserwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Siedlungsentwicklung getroffen. Dies hat im Vergleich zu den generalisierten großräumigen Festlegungen des Landes im Einzelnen zu folgenden Ergebnissen geführt:

(1.)Vorranggebiete und potenzielle Vorsorgegebiete gemäß LROP Nds. zur Gewinnung von Kies, Kiessand und Sand im Bereich des Wesertales, Stadt Rinteln

Die im LROP Nds. festgelegten Vorranggebiete und die in der Beikarte 4 des LROP als Abwägungsgrundlage für den Landkreis ausgewiesenen Vorsorgegebiete für die Kies- und Sandgewinnung sind bereits im Bodenabbauleitplan Weser (Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (1998)) konkretisiert worden. Den Bodenabbauleitplan Weser hat der Landkreis Schaumburg gemeinsam mit den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Nienburg/Weser unter Moderation der Bezirksregierung Hannover erarbeitet. Er erfasst ausschließlich den Abbau von Kies und Sand als gemeinsames „Bindeglied“ der an dem Bodenabbauleitplan beteiligten Weseranrainer-Landkreise. Er wurde in enger Abstimmung mit der räumlich betroffenen Stadt Rinteln aufgestellt. Entsprechend der Empfehlung des Landkreises hat die Stadt Rinteln in ihrem zeitlich parallel zum Bodenabbauleitplan aufgestellten Flächennutzungsplan in Verbindung mit der Darstellung von Konzentrationszonen für Rohstoffgewinnung von einer Ausschlusswirkung des Abbaues außerhalb dieser Flächen Gebrauch gemacht.
Der Bodenabbauleitplan ist eine raumordnerische, das heißt, eine mit den betroffenen Fachstellen abgestimmte Planung.

Die Ausweisung von Vorrang- und Vorsorgegebieten für Rohstoffgewinnung im LROP Nds. und in den Regionalen Raumordnungsprogrammen der Landkreise haben Auswirkungen auf den gesamten Weserraum, und zwar Landkreisgrenzen und Ländergrenzen übergreifend. Dies betrifft unter anderem den Naturraum und die Hochwasserereignisse. Wegen der überregionalen Verflechtungen ist im Bodenabbauleitplan Weser für den Weserraum eine nähere Festlegung der Vorrang- und Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung des LROP Nds. auf der Basis gleicher Ausschluss- und Abwägungskriterien vorgenommen worden. Damit ist eine zwischen den vier Landkreisen abgestimmte Handlungshilfe zur raumordnerischen Steuerung des Bodenabbaus im Wesertal erstellt worden, welche die Grundlage für die Festlegung der vorgenannten Gebiete in den jeweiligen Regionalen Raumordnungsprogrammen bilden soll. (Vgl. Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (1998), S. 3 f..)

Der Landkreis Schaumburg hat im Bodenabbauleitplan Weser die durch das LROP Nds. unter C 3.4.03 eröffnete Möglichkeit angewendet, die zeitliche Abfolge eines planvollen, räumlich konzentrierten Abbaus (C 3.4.07) im Interesse einer zügigen Rekultivierung zu regeln (vgl. LROP Nds. 1994, S. 164). Dementsprechend wurden die Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung in zwei Zeitstufen differenziert dargestellt:

Die Zeitstufe I umfasst einen Zeitraum der Bedarfsdeckung von ca. 30 Jahren. In dieser Zeitstufe sind vor allem Flächen enthalten, für die bereits Abbaugenehmigungen bzw. Planungen für Bodenabbauten vorgelegen haben. Ergänzt sind diese um Gebiete, die zusätzlich erforderlich sind, um den Zeitrahmen von ca. 30 Jahren abzudecken.

Die Flächen der Zeitstufe II dienen der langfristigen Sicherung von Lagerstätten mit Kiesen und Sanden. Sie sollen in der Regel erst nach Auskiesung der Lagerstätten der Zeitstufe I ausgebeutet werden.

Gebiete, die aufgrund ihrer Eignung für den Abbau von Kies und Sand von besonderer Bedeutung sind, sind ergänzend als Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung aufgenommen. Es ist in der Regel davon auszugehen, dass diese Gebiete erst nach vollständiger Ausbeutung der Vorranggebiete in Anspruch genommen werden. (Vgl. Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (1998), S. 12.)

Der Bodenabbauleitplan Weser von 1998 bildete im Sinne des „Gegenstromprinzips“ die Grundlage für die neuen Abgrenzungen der Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung in der Fortschreibung des LROP Nds. 2002.
Im Zuge der Fortschreibung 2002 sind die Festlegungen im LROP zur zeitlichen Staffelung der Vorranggebiete für Rohstoffgewinnung konkretisiert worden. Danach sind Vorranggebiete der Zeitstufe II der langfristigen Sicherung vorbehalten und erst in Anspruch zu nehmen, wenn Vorranggebiete der Zeitstufe I für neue Abbaugenehmigungen grundsätzlich nicht mehr zur Verfügung stehen (vgl. LROP Nds. Änderung und Ergänzung 2002, Ergänzungen in C 3.4.07). Laut der Begründung und den Erläuterungen zum geänderten Abschnitt C 3.4.07 müssen die Flächen der Zeitstufe l insgesamt Abbauvorräte für mindestens 20 Jahre umfassen.

Die Ausweisungen des Bodenabbauleitplans Weser sind bis auf folgende Änderungen in die Zeichnerische Darstellung des RROP übernommen worden:

  1. Das im Bodenabbauleitplan Weser festgelegte Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung zwischen den Ortslagen Möllenbeck und Krankenhagen (siehe Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (1998), Plangebiet SHG 3) ist nach Osten erweitert worden. Fachliche Grundlage für die aufgrund der Vorlage neuer wirtschaftlicher Erkenntnisse vorgenommene Änderung bildet die nähere räumliche Konkretisierung des angrenzenden unter dem Aspekt des Geotopschutzes geplanten Naturschutzgebietes „Kames-Hügellandschaft“ durch die zuständigen Fachbehörden. Das in der Zeichnerischen Darstellung festgelegte erweiterte Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung (Kiessand) ist das Ergebnis einer intensiven fachlichen Abstimmung des Landkreises mit der Stadt Rinteln, der Bezirksregierung Hannover, dem Niedersächsischen Innenministerium und Wirtschaftsministerium sowie dem Niedersächsischen Forstamt Oldendorf. Es ist seitens der Bezirksregierung Hannover beabsichtigt, die verbleibenden besonders schutzwürdigen Bereiche dieses überregional wichtigen Zeugnisses eiszeitlicher Landschaftsbildung („Kames“) zeitnah als Naturschutzgebiet rechtsverbindlich festzusetzen.

  2. Der Kreistag des Landkreises Schaumburg hat in der Sitzung am 10. Februar 1998 den Bodenabbauleitplan Weser als Grundlage für die Festlegung der Vorrang- und Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung in der Weseraue für das vorliegende RROP beschlossen. Allerdings konnte der Kreistag die Ausweisung des Plangebietes SHG 4 südlich des Doktorsees als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung inhaltlich nicht mittragen, sah sich jedoch aus rechtlichen Gründen an die entsprechenden Landesvorgaben im LROP Nds. gebunden. Um diese zu ändern, hat der Kreistag eine Petition an den Niedersächsischen Landtag „gegen die Festlegung von Vorranggebieten für Rohstoffgewinnung in der Weserniederung des Landkreises Schaumburg“ beschlossen. Die Petition ist mit dem Antrag an den Landtag gegeben worden, im Rahmen der Fortschreibung des LROP das festgelegte Vorranggebiet für Bodenabbau in Teilbereichen so einzuschränken, dass die Abbaufläche „SHG 4“ herausfällt, so dass auf regionaler Ebene anderweitige Nutzungsmöglichkeiten im RROP festgeschrieben werden können. Das Land hat über die Petition im Rahmen des Verfahrens zur Änderung und Ergänzung des LROP 2002 entschieden. Es ist der Petition nur teilweise gefolgt. Das heißt, in der Novellierung sind nur die Flächen östlich der Westumgehung Rinteln aus der Darstellung als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung herausgenommen.

    Der Landkreis hält an seiner bereits in der Petition von 1998 formulierten Position fest, dass auch eine Auskiesung der Fläche westlich der Umgehungsstraße zu extremen Beeinträchtigungen des angrenzenden überregional bedeutsamen Erholungsschwerpunktes „Doktorsee“ führen und seine grundsätzliche Funktion in Frage stellen würde. Aus diesem Grund hat der Kreistag in seiner Sitzung am 1. Juli 2003 beschlossen, diese Fläche in der Zeichnerischen Darstellung nicht als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung festzulegen. Mit Bescheid vom 9.07.2004 genehmigte die Bezirksregierung Hannover jedoch das vom Kreistag durch Satzung festgestellte RROP nur mit der Maßgabe, das Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung südlich des Doktorsees in der Zeichnerischen Darstellung entsprechend den Vorgaben des LROP auszuweisen. Um die Genehmigungsfähigkeit des RROP herzustellen und damit die übrigen vielfältigen Inhalte des RROP zu bewahren, ist der Kreistag in seiner Sitzung am 29.06.2004 der Maßgabe der Bezirksregierung beigetreten.

  3. Das im Bodenabbauleitplan Weser ausgewiesene Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung südlich des Ortsteiles Engern (siehe Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (1998), Plangebiet SHG 5)) ist nicht in das RROP übernommen. Aus rohstoffwirtschaftlicher Sicht ist hier nach neuen Erkenntnissen keine Abbauwürdigkeit mehr gegeben. Ferner bestehen erhöhte Raumnutzungskonflikte auf der örtlichen Ebene.

Bezüglich Erläuterungen zu den im Bodenabbauleitplan Weser festgelegten „Suchräumen“ für aufgrund des Bodenabbaus erforderlich werdenden Ersatzmaßnahmen im Bereich des Wesertales und deren Berücksichtigung im Rahmen der seitens der Bezirksregierung durchgeführten „Agrarstrukturellen Entwicklungsplanung (AEP) Wesertal Hessisch Oldendorf“ (Bezirksregierung Hannover (Hrsg.) (2001), S. 187 ff.) siehe E 3.2.05.

(2.)
Vorranggebiet gemäß LROP Nds. zur Gewinnung von Kies im Bereich der Stadt Bückeburg, OT Evesen

Das großflächige Vorranggebiet laut LROP Nds. ist durch die Festlegung eines räumlich zusammenhängenden Vorrang- und Vorsorgegebietes für Rohstoffgewinnung in der Zeichnerischen Darstellung konkretisiert. Die nach der Rohstoffsicherungskarte des NLfB ebenfalls zu dem großräumigen Vorranggebiet des LROP Nds. zählenden Rohstofflagerstätten 1. Ordnung zwischen der B 482 und dem westlichen Teich des Gevatterseengebietes sowie im engeren Flussbereich der Bückeburger Aue werden im RROP nicht als Vorrang- oder Vorsorgegebiet festgelegt (vgl. auch Rohstoffsicherungskarte TK 25, Blatt 3719, Ki/3 und Teilbereiche von Ki/4).

Die Lagerstätte zwischen der B 482 und dem Gevattersee (Lagerstätte Ki/3) liegt im Einwirkungsbereich einer Altablagerung (siehe auch E 3.10.2 und Abb. 3.10/2). Bei einer Orientierungsuntersuchung an dieser Altablagerung im Jahr 2000 sind erhebliche Schadstoffaustritte aus der Altdeponie in das Grundwasser festgestellt worden. Auch wenn die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen detaillierteren Untersuchung erst zum Jahresende vorliegen werden, besteht schon jetzt die sichere Erkenntnis, dass sich ein Kiesabbau nördlich der Altablagerung im direkten Grundwasserabstrom der Altdeponie befinden würde. Das bei einem Kiesabbau entstehende Gewässer würde durch die Sickerwasseraustritte erheblich verunreinigt werden. Durch veränderte Oberflächenwasserverhältnisse könnte es zu Schadstoffmobilisierungen in der Altdeponie kommen.

Es ist weiterhin nicht geklärt, ob der anstehende Kies durch die bisher bereits vorhandenen Belastungen überhaupt verwertet werden kann. In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass in diesem Bereich in den frühen 80er Jahren ein bereits laufender Bodenabbau eingestellt wurde. Probleme mit der Altablagerung, eine Verschlechterung der Rohstoffqualität in diesem Bereich sowie Konflikte mit der nahen Bebauung im Kreis Minden-Lübbecke führten damals zur Einstellung der Abbautätigkeit.
Das Land hat die Lagerstätte zwischen der B 482 und dem Gevattersee mit der Fortschreibung des LROP 2002 in Übereinstimmung mit den genannten Gegebenheiten nicht mehr als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung festgelegt.

Bei weiteren Auskiesungsmaßnahmen zwischen dem festgelegten Vorrang- und Vorsorgegebiet für Rohstoffgewinnung und der Bückeburger Aue wäre mit einer nicht unerheblichen Veränderung des Grundwasserstandes zu rechnen. Es muss davon ausgegangen werden, dass hierdurch insbesondere die Bückeburger Aue erheblich beeinträchtigt würde. Weitere Beeinträchtigungen der Ortslage Evesen, Stadt Bückeburg, können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Ferner wurde im Auftrag des Landkreises Schaumburg in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Hannover ein Fliessgewässerentwicklungskonzept für die Bückeburger Aue erstellt (vgl. Landkreis Schaumburg (Hrsg.) (1995)). Dieses Konzept sieht vor, den Flusslauf und die angrenzende Aue wieder stärker zu verzahnen, den noch vorhandenen Grünlandanteil zu schützen und Ackerflächen in Grünland zu überführen. Auentypische Gewässer entwickeln sich nur so tief wie die Sohle des Fliessgewässers selbst, so dass ein Abbau in tiefer liegenden Schichten auenuntypisch und nicht mit dem Ziel vereinbar wäre. Weiterhin wäre eine verstärkte Fliessgewässerdynamik bei einer bis nahe an die Aue herangeführte Abgrabung nicht mehr möglich.

Als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung ist der nordwestliche Teil des Forstes Bückeburg ausgewiesen. Dieser besteht aus jungen Aufforstungen und Nadelholzbeständen und weist im Verhältnis zu den übrigen Bereichen des Forstes Bückeburg (naturnaher Laubwald, alter Waldstandort) ein wesentlich geringeres Konfliktpotential gegenüber dem Arten- und Biotopschutz auf (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. M-60 und Karte 1).

(3.) Vorranggebiet gemäß LROP Nds. zur Gewinnung von Naturwerkstein in den Bückebergen (Obernkirchener Sandstein)

Der Obernkirchener Sandstein hat als universell einsetzbarer Werkstein, insbesondere für Restaurationsarbeiten, überregionale volkswirtschaftliche Bedeutung (vgl. auch Rohstoffsicherungskarte TK 25, Blatt 3721, Nw 4) und ist durch einen jahrhundertelangen Abbau an zahlreichen Stellen aufgeschlossen. Im vorhandenen Steinbruchbetrieb der Obernkirchener Sandsteinbrüche werden hauptsächlich großformatige Naturwerksteine und als Nebenprodukte Bruch-, Pflaster- und Mauersteine hergestellt. Der im April 2000 zur Fortführung des bestehenden Abbaues durch den Landkreis Schaumburg genehmigte Abbaubereich ist in der Zeichnerischen Darstellung als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung festgelegt. Es ist zum Teil durch ein Vorranggebiet für Trinkwassergewinnung überlagert. Die in der Bodenabbaugenehmigung des Landkreises ergangenen wasserrechtlichen Nebenbestimmungen gewährleisten nach Einschätzung der zuständigen Fachbehörden bei deren Beachtung, dass keine wesentlichen Beeinträchtigungen auf das Grundwasser und die Wasserversorgungsanlagen durch den Gesteinsabbau ausgehen können.

Das Vorranggebiet umfasst einen Vorrat von gut 880.000 m3 abbauwürdiger Sandsteine, der für einen Abbauzeitraum von ca. 25 bis 30 Jahren angesetzt ist (vgl. Obernkirchener Sandsteinbrücke GmbH (2000), S. 6). Nach aktuellen geologischen Erkenntnissen ist unter Umständen von einem kürzeren Abbauzeitraum auszugehen. Zur längerfristigen Bedarfsdeckung und im Sinne der Vorsorge werden zwei Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung ausgewiesen. Diese sind vollständig überlagert mit Vorranggebieten für Trinkwassergewinnung (zum Teil Schutzzone II des festgesetzten Wasserschutzgebietes Obernkirchen). Eine Aussage, ob ein gleichzeitiger Sandsteinabbau und die Trinkwassergewinnung in den Vorsorgegebieten für Rohstoffgewinnung – die, von kleinflächigen Ausnahmen abgesehen, außerhalb der Schutzpfeiler liegen – miteinander vereinbar sind, bedarf einer weitergehenden gutachterlichen Erkundung und Beurteilung, z.B. im Zuge eines Bodenabbaugenehmigungsverfahrens.

(4.)
Potenzielles Vorsorgegebiet gemäß LROP Nds. zur Gewinnung von Naturstein im Wesergebirge westlich der Arensburg, Stadt Rinteln

Westlich der Arensburg (Hirschkuppe, Luhdener Klippen und Hainholz) werden nach erfolgter Abwägung im RROP keine Vorrang- oder Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung ausgewiesen, insbesondere unter Berücksichtigung der Belange des Natur- und Landschaftsschutzes.

Das in der Beikarte 4 des LROP enthaltene großflächige Vorsorgegebiet für Rohstoffgewinnung - nach der Rohstoffsicherungskarte bestehend aus zwei Lagerstätten 1. Ordnung für Naturstein (vgl. Rohstoffsicherungskarte TK 25, Blatt 3720, N/1 und N/2) - weist auf der überwiegenden Fläche ein extrem hohes Konfliktpotenzial mit dem Naturschutz auf (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 5-74). In diesem Bereich liegen die Rohstofflagerstätten zu großen Teilen innerhalb des vorgeschlagenen FFH-Gebietes „Süntel, Wesergebirge, Deister“ (siehe auch E 2.1.10). Ferner erfüllen weite Teile des Kammes die Kriterien nach § 24 NNatG als Naturschutzgebiet und sind zur Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet vorgesehen. Die Standorte sind überwiegend alte Waldstandorte und haben eine erhebliche Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, für das Landschaftsbild und die Erholung. Das Wesergebirge ist - bis auf die laufenden Abbauten östlich der Arensburg - durchweg als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, mit dem Ziel, dieses charakteristische Landschaftsbild zu erhalten und die ruhige Erholung zu gewährleisten.

Es werden daher in der Zeichnerischen Darstellung im Wesergebirge nur Abbaubereiche östlich der Arensburg (Messingberg und Westendorfer Egge) als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung ausgewiesen. Es handelt sich dabei um Gebiete, für die bereits Genehmigungen zum Abbau der Kalksteine vorliegen.

(5.)
Potenzielles Vorsorgegebiet gemäß LROP Nds. zur Gewinnung von Sand in der Samtgemeinde Sachsenhagen, Flecken Hagenburg

Das in der Zeichnerischen Darstellung festgelegte Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung beschränkt sich auf bereits genehmigte Abbaubereiche der Sandlagerstätte. Diese sind in der Rohstoffsicherungskarte des NLfB als Lagerstätte 1. und zum Teil 2. Ordnung eingestuft (vgl. Rohstoffsicherungskarte TK 25, Blatt 3522, S/9 und S/2).

(6.)
Potenzielles Vorsorgegebiet gemäß LROP Nds. zur Gewinnung von Torf in der Samtgemeinde Sachsenhagen, Flecken Hagenburg

Die am Südrand des Steinhuder Meeres anstehenden Niedermoortorfe sind für balneologische Zwecke geeignet (siehe auch E 3.4.02). Die einzelnen Lagerstätten sind aufgrund ihrer besonderen volkswirtschaftlichen Bedeutung in der Rohstoffsicherungskarte des NLfB als Lagerstätten 1. Ordnung ausgewiesen (vgl. Rohstoffsicherungskarte TK 25, Blatt 3521, T/1, T/4, T/5, T/6). Sie liegen in einem Bereich mit extrem hohen Konfliktpotenzial zwischen Bodenabbau und Naturschutz; und zwar zu großen Teilen innerhalb eines gemeldeten FFH-Gebietes und eines gemeldeten EU-Vogelschutzgebietes („Important Bird Area“) (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 73 f.). (Siehe auch E 2.1.10.)

Da der Bedarf an Badetorf sehr begrenzt ist und für die letzten Jahre zudem rückläufige Tendenzen zu verzeichnen sind, erfolgt der Moorabbau nur in äußerst geringem Umfang. Aufgrund der langfristig gesicherten Versorgungslage sind weder für das Staatsbad Nenndorf noch für die Kurklinik Bad Eilsen in überschaubaren Zeiträumen neue Moorabbaugenehmigungen erforderlich. Im Hinblick auf mögliche Bodenabbauanträge für andere Gesundheitseinrichtungen und vor allem unter einem langfristigen Vorsorgeaspekt wird der aus Naturschutzsicht konfliktärmste Bereich der Lagerstätte in der Zeichnerischen Darstellung als Vorsorgegebiet für Rohstoffgewinnung festgelegt. Teilflächen des Vorsorgegebietes sind bereits abgebaut bzw. befinden sich derzeit im Abbau. Darüber hinaus wird in der Gemarkung Hagenburg an zwei weiteren Stellen Torf entnommen. Eine Konzentration der Abbaustellen zur Minimierung der Auswirkungen für Natur und Landschaft ist in der Zukunft grundsätzlich erforderlich.

(7.)
Potenzielles Vorranggebiet gemäß Materialband des Niedersächsischen Innenministeriums zum LROP Nds. 1994 zur Gewinnung von Tonstein in der Stadt Rinteln, OT Todenmann

In den begleitenden Materialien zum LROP Nds. 1994 hat das Land landesweit bedeutsame Gebiete, die wegen ihrer geringen Größe (unter 20 ha) nicht in die Zeichnerische Darstellung bzw. in die Beikarte 4 aufgenommen wurden, extra behandelt (vgl. MI (1995), Teil III). Danach handelt es sich aus Sicht des Landes bei der Tonsteinlagerstätte im OT Todenmann um eine hochwertige Rohstofflagerstätte, die für die Festlegung als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung im RROP in Betracht kommt. In der Rohstoffsicherungskarte des Nds. Landesamtes für Bodenforschung ist sie als Lagerstätte 1. Ordnung ausgewiesen (vgl. Rohstoffsicherungskarte TK 25, Blatt 3720, To/5).

Im Sinne des Konzentrationsgebotes für den Abbau von Rohstoffvorkommen wird die einzige im Planungsraum erschlossene Tonsteinlagerstätte in der Zeichnerischen Darstellung als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung festgelegt. Auf eine umweltverträgliche und effiziente Ausnutzung der Rohstofflagerstätte ist unter besonderer Berücksichtigung der vorhandenen und geplanten Siedlungsflächen sowie einer Nachnutzung der Abbaustätte für Naherholungsfunktionen hinzuwirken. (Bezüglich Folgenutzungen siehe auch E 3.4.08.)
 

E 3.4.06

Es werden in der Zeichnerischen Darstellung keine Vorrangstandorte für übertägige Anlagen zur Gewinnung tiefliegender Rohstoffe festgelegt.

Im Norden des Planungsraumes liegen Teilbereiche des Salzstockes der Steinhuder Meer-Linie und das Salzkissen Rehburg. Wirtschaftliche Bedeutung für die Salzgewinnung hat zur Zeit nur der Salzstock der Steinhuder Meer-Linie. Aus dem Salzstock werden vom Kaliwerk Sigmundshall (Stadt Wunstorf, Ortsteil Bokeloh) Kalisalze gewonnen. Die nicht zu verwertende Reststoffmenge wird auf dem Gebiet der Stadt Wunstorf aufgehaldet. Durch das Aufschließen neuer Grubenfelder wurde die voraussichtliche Lebensdauer des Werkes über das Jahr 2018 hinausgehend verlängert. Für diesen Zeitraum reichen die derzeit genehmigten Haldenflächen nicht mehr aus, so dass mittel- bis langfristig eine Haldenerweiterung erforderlich ist. Diesbezüglich kommen mehrere Varianten in Betracht, die zum Teil auch in den Landkreis Schaumburg hineinreichen.

Auf dem Gebiet des Landkreises befindet sich derzeit im Flecken Hagenburg, Ortsteil Altenhagen, die Schachtanlage Weser. Es handelt sich hierbei um einen Schacht, der nicht der Förderung von Rohstoffen, sondern vorwiegend zur Verbesserung des Wetters auf den verschiedenen Sohlen dient.


E 3.4.07

Unterschiedliche Nutzungsansprüche müssen insbesondere bei der Rohstoffgewinnung aufeinander abgestimmt werden, da mit dem Abbau von oberflächennahen Rohstoffen stets weitreichende Veränderungen des Landschaftsgefüges und Beeinträchtigungen des Umfeldes verbunden sind. Natürliche Lebensräume, Bodenstrukturen und archäologische Denkmäler werden zerstört, die Erholungseignung und die Wohnqualität im Umfeld sind zumindest für die Zeit des Abbaus erheblich beeinträchtigt. Ferner kann ein Bodenabbau erhebliche Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt und das Abflussverhalten der Gewässer haben. Deshalb sind die entsprechenden Belange bereits im Vorfeld des Boden- bzw. Gesteinsabbaus in die Betrachtungen einzubeziehen, um im Sinne der Vorsorge die negativen Auswirkungen zu minimieren. Es ist jedoch auf der anderen Seite auch darauf hinzuweisen, dass sich ehemalige Bodenabbaustellen auch zu wertvollen Biotopen entwickeln können (siehe auch E 2.1.07).


E 3.4.08

Die negativen Auswirkungen des Boden- und Gesteinsabbaus sind unter E 3.4.07 erläutert. Eine vorrangige Konzentration des Rohstoffabbaus auf die festgelegten Vorrang- und Vorsorgegebiete für Rohstoffgewinnung unterstützt das Ziel, die Belastungen der Landschaft und der übrigen Naturgüter sowie der Bevölkerung einzuschränken. Mit diesem Grundsatz ist jedoch rechtlich keine absolute Ausschlusswirkung der Rohstoffgewinnung außerhalb dieser Gebiete verbunden. Hierfür wäre eine detaillierte regionale Untersuchung der Verbrauchssituation und der Vorräte für alle oberflächennahe Rohstoffe im Planungsraum erforderlich, was im Rahmen der Aufstellung des RROP nicht geleistet werden kann.

Durch die überlagernde Darstellung der Rohstoffgewinnungsgebiete mit Nutzungen des Naturschutzes, der Wasserwirtschaft, der Forstwirtschaft bzw. der Erholung soll zum einen die Wahrung dieser Belange im Zuge eines eventuellen Bodenabbaues erreicht werden und zum anderen die angestrebte Folgenutzung nach dem Bodenabbau deutlich gemacht werden. Konkrete Festlegungen zu den Folgenutzungen sind in den Genehmigungsverfahren zu entwickeln.

Bei der Renaturierung einzelner Abbauflächen ist eine Vernetzung der Biotope zum Zwecke des Arten- und Ökosystemschutzes anzustreben.

Der Abbau von Rohstofflagerstätten vollzieht sich betriebsbedingt auf Teilflächen eines Standortes, so dass die zeitlich begrenzte Inanspruchnahme einzelner, nur kleiner Flächenabschnitte möglich ist. Damit lassen sich Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes auf ein unvermeidbares Maß begrenzen. Durch den abschnittsweisen Bodenabbau ist eine kontinuierliche landschaftsgerechte Rekultivierung der Abbauflächen sicherzustellen, indem sich die zuerst beanspruchten Teilgebiete frühzeitig regenerieren können, während der Abbau im nächsten und übernächsten Abschnitt erfolgen kann.

Die Abbauvorgänge sollen möglichst zügig abgeschlossen und nicht für längere Zeit unterbrochen werden, damit die Wiedereingliederung in die Landschaft umgehend und abschließend erfolgen kann.