E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.6 - Verkehr und Kommunikation

E 3.6.0 - Verkehr allgemein

E 3.6.0.01/02

Verkehrsbeziehungen sind Ausdruck der funktionalen Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Nutzungs- und Aktivitätenstandorten. Die Ausprägung der Raum- und Siedlungsstruktur hat also unmittelbare Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen. Andererseits beeinflusst auch die Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems die verkehrliche Lagegunst und die Erreichbarkeit der Nutzungsstandorte.

Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Verkehrs spielen die sich vollziehenden Suburbanisierungsprozesse, insbesondere der Wohnfunktion. Bei in der Regel gleichzeitigem Beibehalten des Arbeitsstandortes in den großen Zentren und Nutzung der städtischen Einrichtungen und Angebote bedingen diese Entwicklungen eine erhebliche Verkehrszunahme, insbesondere auf der Straße (vgl. E 1.4.01). Gleichzeitig sind eine deutliche Vergrößerung der Aktionsräume und eine Steigerung des Verkehrs durch freizeit- und versorgungsbezogene Fahrten typische Entwicklungskennzeichen der modernen Arbeits- bzw. Freizeit- und Erlebnisgesellschaft (vgl. BBR (Hrsg.) (2000), S. 73 f.).

Im Bereich des Güterverkehrs wirkt sich die Auflösung traditioneller Standortbindungen (z.B. an die Verkehrserschließung) aufgrund einer ubiquitären Fernstraßeninfrastruktur für weite Bereiche der Wirtschaft aus. Infolge der Substitution schwerer durch leichte und hochwertige Materialien nimmt das Gütergewicht ab. Wachsende Bedeutung haben kleinere Lastgrößen und geringervolumige Frachten. Gleichzeitig ist der Anteil der Massengüter am Transportaufkommen rückläufig. Durch diese Entwicklung wird der spezifische Vorteil der Massengütertransportmittel Bahn und Schiff gegenüber dem flexibleren LKW und der Luftfracht relativiert. In die gleiche Richtung wirkt eine weiter fortschreitende nationale und internationale Spezialisierung von dezentralen Produktionsstandorten. Die mit der Spezialisierung einhergehende geringere Fertigungstiefe erfordert eine besondere Organisation des Produktionsprozesses mit zeitlich-organisatorisch genau abgestimmten Zulieferbeziehungen („just in time“). Dies wiederum schlägt sich in einem erhöhten Transportaufwand im Güterverkehr nieder (vgl. BBR (Hrsg.) (2000),S. 84 f.). Eine weitere Steigerung des Verkehrsaufkommens ist mit der Osterweiterung der EU zu erwarten.

Verkehrserzeugung im privaten wie auch im gewerblichen Bereich geht immer mit einem Anwachsen der Emissionen von Lärm und Schadstoffen und damit einer Verringerung der Lebensqualität einher. Deshalb ist grundsätzlich auf eine Verkehrsvermeidung hinzuwirken. Hier kommt der Verkehrsverlagerung auf umweltfreundlichere Verkehrsträger eine entscheidende Rolle zu. Im Personennahverkehr bestehen Verlagerungsmöglichkeiten vom PKW zur Bahn, zum straßengebundenen ÖPNV und für geringere Distanzen auch zum Radverkehr. Im Fernverkehr kann der Motorisierte Individualverkehr zur Bahn, oder aber im Freizeit- und Urlaubsverkehr auch auf den Reisebus verlagert werden. Im Güterverkehr sind Verlagerungen vom LKW zur Bahn hauptsächlich im Bereich des Stückguttransportes möglich und erforderlich. Massengüter müssen weiterhin mit der Bahn transportiert werden. Die gewünschten Verkehrsverlagerungen erfordern eine bessere Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger.
 Im Rahmen der Bauleitplanung sollen durch eine Konzentration der Wohn- und Gewerbeflächen auf die Zentralen Orte (siehe D 1.5.03) auch die Potenziale für eine Verkehrsverlagerung auf den ÖPNV verbessert werden. Darüber hinaus ist bei der städtebaulichen Entwicklung darauf hinzuwirken, dass die Funktionen Wohnen, Arbeiten und Freizeit wieder kleinräumiger organisiert werden, so dass ein größerer Anteil der Wege wieder zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.


E 3.6.0.03

Zur Reduzierung des Güterverkehrs in der Region wäre die Errichtung eines Güterverkehrszentrums wünschenswert. Aufgrund dessen sind im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzeptes für den Landkreis Schaumburg die Standortvoraussetzungen für die Errichtung einer solchen Anlage zu prüfen.


E 3.6.0.06

Der Verbesserung der Verkehrsanbindung des nordwestlichen Kreisgebietes an den angrenzenden ostwestfälischen Nachbarraum dient die Streckenverlegung der K 42 im Bereich des Flecken Wiedensahl, Samtgemeinde Niedernwöhren (siehe Zeichnerische Darstellung und E 3.6.3.01 bis E 3.6.3.05).