E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.6 - Verkehr und Kommunikation

E 3.6.1 - Öffentlicher Personennahverkehr

E 3.6.1.01

Der Landkreis Schaumburg wird durch ein Netz von Regionalbus-, Schnellbus- und Stadtbuslinien erschlossen (insgesamt 35 Linien). Die Leistungen werden nach Aussage der Verkehrsunternehmen eigenwirtschaftlich erbracht.

Regional bedeutsame Busverkehre sind die Verbindungen:

  • Stadthagen – Rinteln,
  • Stadthagen - Bückeburg - Minden,
  • Stadthagen – Bad Nenndorf,
  • Rinteln – Minden,
  • Rinteln – Bückeburg
  • Rinteln – Bad Nenndorf,
  • Rinteln – Extertal und
  • Lauenau – Bad Nenndorf - Haste.

Als Ergänzung zum Linienverkehr wird im Landkreis das Omni-Tax bzw. Anruf-Sammeltaxi (AST) in folgenden Zusammenschlüssen angeboten (vgl. Landkreis Schaumburg (2003), S. 33):

  • Stadt Stadthagen, Samtgemeinden Nienstädt und Niedernwöhren,
  • Stadt Bückeburg, Obernkirchen und Samtgemeinde Eilsen,
  • Samtgemeinde Rodenberg sowie
  • Stadt Rinteln.

 Den Verlustausgleich übernehmen im Regelfall die Kommunen.

Grundlage für die Ausgestaltung des straßengebundenen ÖPNV bildet der im Dezember 1997 vom Kreistag beschlossene und im Jahr 2003 fortgeschriebene Nahverkehrsplan für den Landkreis Schaumburg. Als allgemeine Zielvorstellung ist im Nahverkehrsplan formuliert, dass entsprechend des Zentrale-Orte-Konzeptes grundsätzlich die Ortsteile an ihre zugehörigen Grundzentren und die Grundzentren direkt mit dem Mittelzentrum bzw. den Mittelzentren ihres Verflechtungsbereiches angebunden sein sollten (siehe auch LROP C 3.6.0.04) (vgl. Landkreis Schaumburg (2003), S. 89). De facto ist der Nahverkehrsplan jedoch nur ein Rahmenplan. Die konkrete Ausgestaltung des ÖPNV (Fahrplan, Linienführung, Tarife) nehmen die Verkehrsunternehmen unter dem Grundsatz der unternehmerischen Eigenverantwortung wahr.

Das Gesamtkonzept des Nahverkehrsplans basiert auf einem nachfrageorientierten System. Da 85 % der Fahrgäste im Busverkehr Schüler sind, sind die Fahrpläne der Regionalbuslinien primär auf die Schulanfangs- und Endzeiten abgestimmt.

Der Landkreis hat in den letzten Jahren vermehrt freigestellte Schülerverkehre in den Linienverkehr überführt. Für das Schuljahr 1989/1990 flossen die jährlichen Ausgaben für die Schülerbeförderung noch zu je 50 % in den Linien- und in den freigestellten Schülerverkehr. Im Haushaltsjahr 2000 wurden für die Schülerbeförderung in Bussen (Gesamtkosten abzüglich der Behindertenbeförderung) ca. 5 Mio. € aufgewendet, die sich zu fast 60 % auf den Linienverkehr und zu 40 % auf den Freistellungsverkehr aufteilen. Allerdings haben sich die Erwartungen, die mit der Überführung verbunden waren, nicht erfüllt. Andere potenzielle Nutzer nehmen die neuen Linien nicht oder kaum in Anspruch (Landkreis Schaumburg (2003), S. 34).

Deshalb kann der Landkreis eine Integration der freigestellten Schülerverkehre in den Linienverkehr nur bedingt rechtfertigen.

Für den Landkreis definiert der Nahverkehrsplan als oberstes tarifliches Ziel die Zusammenführung der bisher von jedem einzelnen Verkehrsunternehmen angewandten Tarife zu einem Gemeinschaftstarif. In Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen wurde als Grundansatz ein Zonentarif gewählt. Zur Steigerung der Attraktivität des straßengebundenen ÖPNV wird der Gemeinschaftstarif im Landkreis Schaumburg zum 1. Januar 2004 eingeführt. Des Weiteren ist anzustreben, dass bei Fahrten in benachbarte Landkreise nur noch eine Fahrkarte gelöst werden muss.

Das Gesamtkonzept des Nahverkehrsplans ist hinsichtlich weiterer Maßnahmen grundsätzlich auf Kostenneutralität angelegt (Landkreis Schaumburg (1998), S. 9). In der Fortschreibung des Nahverkehrsplans wird hierzu ergänzend ausgeführt, dass Erweiterungen und Verbesserungen im ÖPNV nur unter der Bedingung, dass der Nutzen der Maßnahme für den öffentlichen Personennahverkehr gegenüber dem Individualverkehr bei gesamtwirtschaftlicher Betrachtung überwiegt und kommunal finanzierbar ist (Landkreis Schaumburg (2003), S. 90).

Verknüpfungspunkte mit dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bilden die Bahnhöfe Bückeburg, Stadthagen, Haste sowie Rinteln. Hier sind für Berufspendler Übergänge von den zwei Stadtbuslinien in Rinteln und Stadthagen sowie den zwei Schnellbuslinien Lauenau–Bad Nenndorf–Haste sowie Rinteln–Bückeburg, die vom Schülerverkehr abgekoppelt sind, attraktive Übergänge auf die Züge aus bzw. in Richtung Hannover geschaffen. Insgesamt sind auf der Kursbuchstrecke 370 (Minden–Hannover) zwischen 55 % (Bahnhof Stadthagen) und 96 % (Bahnhof Haste) aller Busse im Zeitintervall 5 bis15 Minuten an die Züge aus bzw. in Richtung Hannover angebunden (Landkreis Schaumburg (2003), S. 36 bis 41).

Im Jahr 1992 wurde auf Initiative des Landkreises Schaumburg in Zusammenarbeit mit dem Kommunalverband Großraum Hannover und der DB-AG auf der Kursbuchstrecke 370 für die Haltepunkte zwischen Bückeburg und Haste der sog. „Schaumburg-Tarif“ im Zeitkartenbereich eingeführt. Fahrkarten des Schaumburg-Tarifs gelten auch im Großraum Hannover (GVH) innerhalb ihres Geltungsbereiches auf allen S-Bahn-, Stadtbahn- und Busstrecken. Mit diesem Angebot, das 10 % aller Berufs- und Ausbildungspendler (ca. 2.000 Personen pro Monat) aus dem Landkreis Schaumburg in Richtung Hannover nutzen, wird eine Verlagerung vom Motorisierten Individualverkehr auf den ÖPNV erreicht. Eine vollständige Anerkennung von Fahrkarten des Schaumburg-Tarifs in den Bussen der im Landkreis tätigen Verkehrsunternehmen ist noch nicht realisiert. Jedoch erhalten Besitzer einer Zeitkarte des Schaumburg-Tarifs vergünstigte Monatskarten.


E 3.6.1.02

Mit Einführung des Schaumburg-Tarifs wurde für Berufspendler Richtung Hannover ein attraktives Angebot auf der Schiene geschaffen, das auch gut angenommen wird. Aufgrund der Ausrichtung des straßengebundenen ÖPNV auf den Schülerverkehr stellt der Pkw ein wichtiges Verkehrsmittel für den Zubringerverkehr zu den Bahnhöfen bzw. Haltepunkten im Landkreis Schaumburg dar. Deshalb werden Park & Ride-Anlagen seitens des Landkreises gefördert. Um eine Verlagerung der Pkw-Nutzung auf das Fahrrad zu erreichen, gilt das Gleiche für Bike & Ride-Anlagen.
 

Tab. 3.6/1: Anzahl der Stellplätze in vorhandenen Park & Ride- (P & R) sowie Bike & Ride-Anlagen (B & R) an Bahnhöfen und Haltepunkten im Landkreis Schaumburg

Bahnhof/Haltepunkt

P & R

B & R

Bückeburg*)

334

300

Haste

300

260

Kirchhorsten

50

50

Lindhorst

45

48

Rinteln

125

25

Stadthagen

319

124

Quelle: Deutsche Bahn AG (1997), Geschäftsbereich Personenbahnhöfe und eigene
Erhebungen
*) Die Stadt Bückeburg plant nördlich des Bahnhofs die Anlage einer weiteren Park & Ride-Anlage.
 

E 3.6.1.05

Die im ländlichen Raum liegenden S-Bahn-Haltepunkte Kirchhorsten und Lindhorst stellen auf der Schiene wichtige Verbindungen zum Oberzentrum Hannover bzw. zum Mittelzentrum Minden her. Sie sind deshalb langfristig zu sichern. Zum anderen trägt ein größeres Angebot an Haltepunkten bzw. Bahnhöfen wesentlich zur Attraktivitätssteigerung des SPNV bei.

 In ländlichen Räumen mit disperser Siedlungsstruktur können Verbesserungen im ÖPNV mit den differenzierten Bedienungsweisen (Anruflinienfahrt, Anruf-Sammel-Taxi, Anrufbus) im Vergleich zum Linienverkehr kostengünstiger erbracht werden. Hierbei muss der Nutzen dieser Maßnahme für den ÖPNV gegenüber dem Individualverkehr bei gesamtwirtschaftlicher Betrachtung überwiegen und kommunal finanzierbar sein (vgl. E 3.6.1.01).


E 3.6.1.06

Als regional bedeutsame Erholungsschwerpunkte sind das Erholungsgebiet „Doktorsee“ (Stadt Rinteln) und der kulturelle Erlebnispark „Jahrtausendblick Steinzeichen Steinbergen“ (Stadt Rinteln und Gemeinde Buchholz (Samtgemeinde Eilsen)) festgelegt (vgl. D 3.8.05).
Wie Sportanlagen weisen diese Freizeiteinrichtungen ein hohes Besucherpotenzial auf. Dementsprechend sind sie im Sinne der Verkehrsvermeidung und der Erreichbarkeit für nicht motorisierte Bevölkerungsgruppen in das Liniennetz des ÖPNV einzubinden.