E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.6 - Verkehr und Kommunikation

E 3.6.2 - Schienenverkehr

E 3.6.2.01

Vor dem Hintergrund einer weiteren Zunahme der Verkehrsleistungen bei allen Verkehrsträgern ist auf eine Verlagerung der zusätzlichen Verkehrsmengen auf die Bahn im Personen- als auch im Güterbereich hinzuwirken (vgl. E 3.6.0).

Die Erreichung dieses Ziels setzt eine leistungsfähige und wettbewerbsgerechte Ausstattung der Bahnanlagen voraus.

Die Aufhebung höhengleicher Bahnübergänge führt zu einer höheren Sicherheit des Eisenbahn- und Straßenverkehrs. Sie ist Voraussetzung für eine Beschleunigung und damit Attraktivitätssteigerung des Schienenverkehrs. Des Weiteren erhöht sie den Verkehrsfluss auf der Straße und führt somit zu einer Reduzierung von Umweltbelastungen.
 

Bei dem in der Zeichnerischen Darstellung festgelegten Schienennetz handelt es sich um folgende Streckenverbindungen:

  • Kursbuchstrecke 370: Minden-Bückeburg-Stadthagen-Hannover

    Die DB-Kursbuchstrecke 370 mit den Bahnhöfen bzw. Haltepunkten Bückeburg, Kirchhorsten, Stadthagen, Lindhorst und Haste im Landkreis Schaumburg liegt im Verlauf der Hauptachse Berlin - Hannover - Ruhrgebiet.

    Von Hannover bis Seelze verläuft die Strecke 6-gleisig, von Seelze bis Wunstorf und ab Minden 4-gleisig. Lediglich der in der Mitte liegende Abschnitt Wunstorf - Minden, der durch den Landkreis Schaumburg führt, ist 2-gleisig ausgebaut. Das hat zur Folge, dass der gesamte Fern- (IR, IC, ICE) und Nahverkehr (RE (Regionalexpress), S-Bahn) in beiden Richtungen nur jeweils auf einem Gleis abgewickelt werden müssen.

    Infolge der Grenzöffnung hat sich die Zugfolge auf diesem Streckenabschnitt drastisch erhöht. Nach Angaben der Deutschen Bahn-AG / Bereich Nahverkehr ist die Strecke ist bereits heute zu ca. 130 % überlastet.

    Das führt dazu, dass auch die seit der EXPO 2000 verkehrenden S-Bahnen so lange in einem Bahnhof warten müssen, bis sie der schnellere Fernverkehrszug überholt hat. Durch diese Standzeiten werden die Gesamtfahrzeiten erheblich verlängert. Das verbesserte Beschleunigungsverhalten der S-Bahn kann im Vergleich zu den alten Stadtexpresszügen nicht in kürzere Fahrzeiten umgesetzt werden.

    Mit Einführung des Schaumburg Tarifs zum 1. März 1992 (vgl. E 3.6.1) wurde seitens des Landkreises eine erhebliche Attraktivitätssteigerung für eine Verlagerung des Verkehrsaufkommens vom Motorisierten Individualverkehrs auf den Schienenpersonennahverkehr geschaffen. Zur Zeit nutzen ca. 10 % aller Berufs- und Ausbildungspendler aus dem Landkreis Schaumburg – das sind täglich ca. 2.000 Personen – das Angebot auf der Schiene zur Fahrt in die Landeshauptstadt.

    Um die Attraktivität der Strecke zu sichern und zu verbessern, ist auf den Bau eines dritten Gleises zwischen Wunstorf und Minden hinzuwirken (vgl. C 3.6.2.06). Diese Maßnahme ist aus regionaler Sicht als vordringlicher Bedarf in die Neufassung des Bundesverkehrswegeplans aufzunehmen. Die Deutsche Bahn AG hat bereits Planungen für einen mehrgleisigen Ausbau dieses Streckenabschnittes aufgenommen. Für das Ausbauvorhaben wird von der Bezirksregierung Hannover ein Raumordnungsverfahren durchgeführt werden. Die Planungen der Deutsche Bahn AG sehen als mögliche Varianten auch die Errichtung von neuen Trassen vor. Der Kreissausschuss des Landkreises Schaumburg hat am 11.06.2002 einstimmig einen etwaigen trassenfernen Ausbau abgelehnt. Der Landkreis Schaumburg, die von der Planung berührten Kommunen und Verbände sowie die ins Leben gerufenen Bürgerinitiativen haben ihre ablehnende Haltung gegenüber einem trassenfernen Ausbau in einer gemeinsamen Veranstaltung am 06.11.2002 im Kreishaus in Stadthagen bekräftigt und als Resolution folgende Forderungen für das weitere Verfahren formuliert:

    1. „Ein trassennaher Ausbau der Bahnstrecke zwischen Wunstorf und Minden wird befürwortet. Entlang der gesamten Trasse ist für bestmöglichen Lärmschutz zu sorgen. Die Planungen zur Beseitigung der an der Strecke liegenden höhengleichen Bahnübergänge sind mit Priorität voranzutreiben.

    2. Die im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie / Raumwiderstandsanalyse bekannt gewordenen trassenfernen Varianten werden aus Erwägungen

      • zur Erhaltung des Landschaftsbildes,
      • zur Erhaltung der Siedlungsstruktur,
      • zum Schutz der Umwelt und der Natur,
      • zur Sicherung der Naherholung und des Tourismus

      abgelehnt und sind in dem weiteren Verfahren von der Bahn-AG nicht weiter zu verfolgen.“

      (Resolution gegen den trassenfernen Ausbau der „Bundesbahnstrecke“ zwischen Wunstorf und Minden vom 06.11.2002, Seite 1.)
Die Resolution ist an die Mitglieder des Niedersächsischen Landtages und des Bundestages weitergeleitet worden.

  • Kursbuchstrecke 365: Haste-Bad Nenndorf-Barsinghausen-Hannover

    Die Kursbuchstrecke 365 stellt die Verbindung von Haste/Bad Nenndorf entlang des Höhenzuges Deister nach Hannover her. Nach Beendigung der EXPO 2000 wurde auf dieser Strecke ein S-Bahn-Verkehr im 30-Minuten-Takt eingeführt.

  • Kursbuchstrecke 372: Löhne-Rinteln-Hameln-Elze

    Die Kursbuchstrecke 372 verbindet die Stadt Rinteln mit dem Mittelzentrum Hameln, das über die Kursbuchstrecke 360 an Hannover angebunden ist. In der Gegenrichtung besteht eine direkte Verbindung von der Stadt Rinteln in den ostwestfälischen Raum (Löhne, Bielefeld). Verknüpfungspunkt mit dem Fernverkehr Richtung Westen ist jedoch der Bahnhof Bielefeld. Dieser wird von Rinteln derzeitig aber nur noch mit Umstieg in Herford erreicht. Zur Steigerung der Attraktivität dieser Zugverbindung ist die bereits in der Vergangenheit bestandene Durchbindung der Kursbuchstrecke 372 bis Bielefeld dringend erforderlich.

    Im Bericht der Bundesregierung zum Ausbau der Schienenwege von 1999 sind für diese Strecke ab 2002 eine „kapazitive Erweiterung“ (2-gleisiger Ausbau) und „kapazitätssteigernde Maßnahmen“ (Elektrifizierung), die eine Steigerung der Zughöchstgeschwindigkeit auf 160 Km/h möglich machen, vorgesehen (vgl. C 3.6.2.06). Mit diesen Maßnahmen wird eine Erhöhung des Güterverkehrsaufkommens angestrebt, um den Verkehrsknoten Hannover und die Strecke Hannover–Minden zu entlasten.

  • Eisenbahnstrecke Rinteln-Stadthagen (Betreiber: Rinteln-Stadthagener Verkehrs GmbH)

    Auf der Strecke der Rinteln-Stadthagener Eisenbahn werden seit Mai 1965 nur noch Güterverkehr sowie vereinzelt Fahrten der Museumsbahn „Dampfeisenbahn Weserbergland e.V.“ durchgeführt. Das zum Ende des Jahres 2000 vorgelegte Gutachten der Landesnahverkehrsgesellschaft mbH als Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr laut Niedersächsischem Nahverkehrsgesetz kommt zu dem Ergebnis, dass eine Reaktivierung für den Personennahverkehr aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht in Frage kommt.

  • Eisenbahnstrecke: Rinteln/Süd-Barntrup (Betreiber Verkehrsbetriebe Extertal GmbH)

    Die Eisenbahnstrecke stellt den Bahnanschluss des Industriegebietes Süd der Stadt Rinteln mit der Kursbuchstrecke 404 Lemgo–Barntrup her. Hier werden derzeitig nur Gütertransporte sowie ein Museumsbahnbetrieb durchgeführt.
 

E 3.6.2.02

Der Ausbau und die damit verbundenen höheren Geschwindigkeiten im Schienenverkehr führen zu erhöhten Lärmimmissionen. An den Hauptstrecken werden bereits heute Werte von deutlich über 65 db(A) erreicht. Dies beeinträchtigt die Akzeptanz eines weiteren Ausbaus des Schienennetzes. Ein verbesserter Schallschutz und der Einsatz von laufruhigeren Waggons ist deshalb dringend erforderlich (vgl. C 3.6.2).


E 3.6.2.03/04

Die Fernverkehrszüge auf der Bahnstrecke Amsterdam – Osnabrück – Minden - Hannover – Berlin fahren von Minden ohne Zwischenhalt auf einer Streckenlänge von ca. 30 km durch den Landkreis direkt nach Hannover.
Zur Attraktivitätssteigerung des Schienenpersonenverkehrs und zur Erhöhung der Standortqualität des Wirtschaftsraumes ist somit die Einrichtung eines Haltepunktes des Schienenfernverkehrs in Stadthagen, dem einwohnerstärksten Mittelzentrum auf dem o.g. Streckenabschnitt und dem Standort der Kreisverwaltung, anzustreben.


E 3.6.2.06

Siehe E 3.6.2.01.