E 3 - Nutzung und Entwicklung natürlicher und raumstruktureller Standortvoraussetzungen

E 3.6 - Verkehr und Kommunikation

E 3.6.7 - Information und Kommunikation

E 3.6.7.01

Die Bedeutung der Telekommunikationsinfrastruktur für die Raumentwicklung wächst mit dem zunehmenden Anteil von informationsbezogenen Tätigkeiten an der gesamten Wertschöpfung.

Die Nutzung der verschiedenen Informations- und Kommunikationsdienste (z.B. Telefon, Rundfunk und Fernsehen, Telefax, Datenerfassung und -verarbeitung, Fernüberwachung und Internet) unterliegt momentan weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Entsprechend der Veränderungs- und Entwicklungsgeschwindigkeit der einzelnen Systeme und zunehmenden Akzeptanz der Informations- und Kommunikationsdienste bei Unternehmen, Behörden und Privatleuten ist das Vorhandensein und der Ausbau einer nachfragegerechten Infrastruktur von wesentlicher Bedeutung. Vor allem im ländlichen Raum ist ein den Großstädten vergleichbares Leistungsniveau anzustreben, damit zum einen die Chancengleichheit  bezüglich der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsmöglichkeiten hergestellt ist und zum anderen Standortnachteile wie z.B. fehlende Hochschuleinrichtungen kompensiert werden können.

Das Internet stellt durch seine Möglichkeit des weltweiten Informationszugangs sowie der weltweiten Informationsübertragung künftig ein unverzichtbares Kommunikationsinstrument dar. Durch den Zugang über jede Telefonleitung sind praktisch die Voraussetzungen für eine flächendeckende Nutzbarkeit bei einer Telefondichte von über 95 % in Deutschland gegeben. Neue Übertragungstechniken (ISDN, A-DSL/T-DSL) machen den Datenfluss bis zu ca. 180-mal schneller als bei der herkömmlichen Telefonleitung. Althergebrachte Standortnachteile, wie z.B. fehlende Hochschulnähe, können durch dieses Medium kompensiert werden. Mit der wachsenden Bedeutung des e-commerce hat sich das Internet aber auch zu einem wichtigen Instrument des Marketings entwickelt, in dem völlig neue Berufsfelder entstanden sind (vgl. BBR 2000, S. 33-34 und Weserbergland Region (Hrsg.) (2000), S. 32).


E 3.6.7.02

Zur Abwicklung eines erheblichen Teils des Nachrichtenverkehrs (vor allem von Ferngesprächen, Fernschreiben und Fernsehsendungen) betreibt die Deutsche Telekom AG ein umfangreiches, weit verzweigtes Richtfunknetz. Knotenpunkte in diesem Netz sind die Funkübertragungsstellen mit turmartigen Antennenträgern, von denen ausgerichtete, geradlinige Funkwellen abgestrahlt bzw. empfangen werden.

Vorhandene oder geplante Richtfunktrassen werden nicht mehr in den Regionalen Raumordnungsprogrammen dargestellt, sondern von der Oberen Landesbehörde, Bezirksregierung Hannover, im Raumordnungskataster erfasst. Die Richtfunktrassen sind von störenden Bauwerken freizuhalten.

Neben den Richtfunkverbindungen der Deutschen Telekom AG werden inzwischen eine Reihe zusätzlicher Mobilfunknetze (wie D1, D2, E plus und E 2) von privaten Betreibern aufgebaut. Aufgrund der überdurchschnittlichen Wachstumsraten der Informations- und Kommunikationsmärkte in Verbindung mit einer erheblichen Erweiterung des Richtfunkverkehrs ist mit einem Ausbau von Richtfunktrassen und Mobilfunknetzen zu rechnen. In diesem Zusammenhang ist auch von der Errichtung zusätzlicher Sendeanlagen auszugehen.

Dabei ist aus raumplanerischer Sicht von Bedeutung, dass Richtfunktrassen aufgrund der physikalischen Ausbreitungseigenschaften der elektromagnetischen Wellen eine Hindernisfreiheit innerhalb einer Schutzzone von 100 m beiderseits der „optischen Sichtlinie“ zwischen den Sende- und Empfangsanlagen erfordern. Die in diesen Schutzzonen geltenden Bauhöhenbeschränkungen wirken sich - insbesondere bei einer fortschreitenden Verdichtung des Netzes - als ein erheblicher Eingriff in die Nutzungsmöglichkeiten der betroffenen Flächen auf die städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten der Städte und Gemeinden des Landkreises aus.

Von großer Bedeutung ist, dass die verschiedenen Telekommunikationsbetreiber ihre Netzplanungen untereinander abstimmen. Um die unterschiedlichen Strahlenquellen und den Flächenverbrauch auf das unbedingt notwendige und unvermeidbare Maß zu beschränken, sollen soweit wie möglich Sendeantennenanlagen von den Netzbetreibern gemeinschaftlich genutzt werden. Die Erfordernisse der Siedlungsentwicklung sowie von Landschaftspflege, Natur-, Denkmal- und Strahlenschutz sind bei allen baulichen Aktivitäten angemessen zu berücksichtigen.

Neben den terrestrischen Netzen werden auch zukünftig Fernkabellinien für die überörtliche Kommunikation erforderlich sein. Zur Zeit bestehen in der Region von Seiten der Deutschen Telekom AG keine konkreten Planungsabsichten zur Erweiterung des bestehenden Fernmeldekabelnetzes. Das Kreisgebiet wird auch von einem Lichtwellenleiterkabel (LWL) der PreussenElektra AG gequert (LWL-Erdkabel Bierde-Hannover/West).


E 3.6.7.03

Infrastruktureinrichtungen des Post- und Fernmeldewesens sind ein bedeutender Bestandteil der Versorgungsinfrastruktur, die auch dem ländlichen Raum zur Verfügung stehen muss, um eine Benachteiligung zu vermeiden. Maßnahmen im Bereich der Telekommunikation (z.B. die Einführung neuer Fernmeldetechniken) und der Postdienste (z.B. die Schließung von Dienststellen durch die Deutsche Post AG) sind aus Sicht der Regionalplanung sorgfältig auf ihre Raumwirksamkeit zu prüfen.

Sowohl bei der Telekommunikationsinfrastruktur als auch bei der für die Postdienste notwendigen Infrastruktur sollen soziale Belange berücksichtigt werden.